Batetela-Aufstände
Aufstandsbewegung, die zwischen 1897 und 1901 gegen die Autorität des Kongo-Freistaates stattfand
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Die Batetela-Aufstände (französisch: Révolte des Batetela) war eine Serie von drei Rebellionen, die Angehörigen der ethnischen Gruppe der Tetela im Kongo-Freistaat zwischen 1895 und 1908 zugeschrieben wurden.[1]
Eine Rebellion unter den Tetela-Truppen der Force Publique von Luluabourg (dem heutigen Kananga) im Januar 1895[2] löste die anhaltenden Unruhen aus. Die Force Publique rekrutierte sich vor allem während des Kongo-Arabischen Krieges (1892–1894) stark aus Angehörigen der ethnischen Gruppe der Tetela aus den zentralen Regionen Sankuru, Maniema und Lomami des Kongos.[1]
Der zweite Aufstand ereignete sich 1897 unter den Truppen der Militärexpedition unter Francis Dhanis zum Oberen Nil.[3] Die dritte und letzte Rebellion ereignete sich im April 1900 in der Garnison des Fort de Shinkakasa nahe Boma.[3]
Der Widerstand der letzten Aufständischen-Gruppen dauerten insgesamt bis 1908 an.
Die Aufstände
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Schauplätze der Aufstände |
Luluabourg-Rebellion von 1895
Der 1885 gegründete Kongo-Freistaat hatte bis 1894 gerade den Krieg gegen die Arabischen und Swahili Sklavenjäger gewonnen. Ngongo Lutete, ein ehemaliger Verbündeter des arabischen Sklavenhändlers Tippu-Tip, der sich aber letztlich der Sache des Freistaats angeschlossen hatte, wurde nach dem Ende des Krieges trotz seines Seitenwechsels wegen Hochverrat angeklagt, vor Gericht gestellt und am 15. September 1893 von Offiziellen des Freistaates hingerichtet.[2][1]
Als Reaktion darauf meuterten am 4. Juli 1895 Teile Garnison von Luluabourg. Die Meuterer töteten ihre weißen Offiziere und griffen verschiedene Stationen an. Obwohl sie zunächst nur 400 Mann zählten, waren sie als Mitglieder der Force Publique gut ausgebildet und verfügten über Kampferfahrung aus dem jüngsten Krieg. In den folgenden Monaten schlossen sich ihnen Tetela-Soldaten aus der gesamten Kolonie an.[1] Bis Oktober 1896 zählten die Aufständischen etwa 3.000 bis 4.000 Mann.[4] Sie wandten im Allgemeinen Kampftechniken an, die denen der Force Publique der EIC näher kamen als denen der Arabisch-Swahili, setzten auf Mobilität und vermieden den Bau von Bomas (Festungen).
Sie zogen nordöstlich in Richtung des Lomami-Flusses und marschierten in Richtung Maniema. Am 18. Oktober wurden sie bei Ngandu besiegt. Nach ihrer Zerstreuung bildeten sie, verstärkt durch neue Rekruten, neue kleine Gruppen.
Eine der Hauptgruppen wurde am 6. November bei Gongo Machoffe von einer Kolonne der EIC besiegt. Die letzte große Schlacht fand am 11. November 1896 statt und befriedete die Region Lualaba-Kasai, während sich die verbliebenen Rebellen nach Süden absetzten.
Rebellion während des Dhanis-Expedition von 1897

Nach dem Ende des Kongo-Arabischen Krieges, rückte die Besetzung der Lado-Enklave für Leopold II. wieder in den Fokus. Die Enklave war seit 1894 seitens Großbritanniens an den König Leopold II. verpachtet worden. Wegen konkurrierender Kolonialbestrebungen Frankreichs (Faschoda) und wegen des Mahdi-Aufstands, der diese Region bedrohte, war bei der Besetzung aus Sicht von Leopold II. allerdings Eile geboten. Neben einer kleineren, von Louis Napoléon Chaltin angeführte Expedition, erhielt Francis Dhanis 1897 vom König. den Auftrag, das nordöstlich des Kongo-Freistaats gelegene Gebiet mit seinem strategisch bedeutsamen Zugang zum Oberlauf des Nils zu besetzen.
Dhanis war zu dieser Zeit Staatsinspektor, stellvertretender Generalgouverneur und mit dem Oberbefehl über die Ostprovinz des Kongo betraut. Er versammelte zu diesem Zweck eine Truppe von ca. 3000 Mann – angeblich die größte koloniale Streitmacht, die je aus dem afrikanischen Kontinent eingesetzt worden war. Die Soldaten waren größtenteils Batetela, unter anderem auch einige, die zuvor in Luluabourg revoltiert hatten, sowie Angehörige der Truppen der nunmehr besiegten Sklavenhändler.
Dhanis' Vorhut unter dem Kommando von Leroy und seine drei Bataillone zu je 1.000 Mann unter den Kommandos der Hauptleute Mathieu, Julien und Doorme brachen am 30. September 1896 von Stanley Falls aus auf und sollten zunächst den Aruwimi-Wald durchqueren.
Beim Vormarsch musste Leroi feststellen, dass die lokale Bevölkerung das Gebiet aus Angst geräumt und sämtliche Lebensmittelvorräte vernichtet hatte. Insofern geriet seine Truppe schnell in Versorgungsengpässe, die nicht überbrückbar waren. Das Klima mit einsetzendem Starkregen sowie die Geographie des vornehmlich aus Sumpfland und zahllosen Flussläufen bestehenden Landes taten ein Übriges, sodass es schnell zu ersten Desertationen kam. Die Anforderungen eines Gewaltmarsches, kombiniert mit der extremen Disziplin, die Kommandant Leroi von seinen Männern forderte[1], ließen die Lage schließlich eskalieren. Am Abendappell des 14. Februar 1897 im Dorf Dirfi nahe Dungu drängten die Soldaten auf die weißen Offiziere ein, töteten zehn von ihnen – darunter Leroi – und nahmen einen französischen Priester als Geisel, der jedoch schließlich unverletzt freigelassen wurde.[5] Die Rebellen besaßen Schusswaffen, deren Umgang sie von den Belgiern erlernt hatten. Unter ihnen befanden sich die sogenannten Arabisierten, ehemalige Sklavenhändler, die sich ein europäisches Verständnis von Kriegsführung angeeignet hatten.
Dhanis, zu dieser Zeit bei der Haupttruppe, beschleunigte seinen Marsch und erreichte Ekwanga, an einem Nebenfluss des Ituri, um bei dem Dorf Irumu den Widerstand zu organisieren, wo er Munitionsvorräte entdeckte. In den folgenden Kämpfen am 18. März gelang es Dhanis allerdings nicht, die Oberhand zu behalten, sodass er sich mit wenigen Getreuen zurückziehen musste. Weitere 500 seiner Männer liefen zu den Aufständischen über. Dhanis Bruder wurde im Kampf verwundet und starb einige Tage später. Dhanis Mission war damit gescheitert und er musste sich unter Zurücklassen von Waffen und Munition in den Händen der Aufständischen weiter nach Avakubi und schließlich zu den Stanleyfällen zurückziehen. Der Rückzug nahm fluchtartige Züge an. Die Rebellen zogen ebenfalls zu den Stanleyfällen und zerstörten unterwegs verschiedene Stationen, kehrten aber schließlich nach Osten zurück. Als Dhanis schließlich auf Josué Henry mit einem kleinen Truppenkontingent traf, gelang es, die Lage zu stabilisieren. Henry besetzte Avakubi und fügte den Batetela mit seinen 700 Soldaten am 15. Juli am Lindi (dem heutigen Tshopo-Fluss), westlich des Albertsees, eine erste Niederlage zu. Er traf auf etwa 2500 bis 3000 Batetela-Rebellen, die er besiegen und in die Flucht schlagen konnte. Henrys Verluste zählten 120 Tote und Verwundete, während die fliehenden Rebellen 400 Tote und ebenso viele Verwundete zählten. Leutnant Sannaes errang ebenfalls einen Sieg bei Katue, und Hauptmann Doorme besiegte sie am 20. Dezember bei Biko am Lowa-Fluss. Die Aufständischen formierten sich weiter südlich in Kivu neu und stellten sich Dubois' Kolonne zum Kampf, bei dem dieser getötet wurde. Dhanis plante, sie in Micici am Elila-Fluss zu erwarten. Erkrankt überließ er Van Gele das Kommando, übernahm es aber aufgrund dessen ebenfalls angeschlagener Gesundheit schnell wieder. Die Rebellen nahmen anschließend Uvira am Tanganjikasee ein. Dhanis befand sich zu diesem Zeitpunkt in Kasongo.
Die Rebellen leisteten den verschiedenen Angriffen der EIC-Truppen Widerstand: Kommandant Langhans wurde während der Kämpfe getötet. Die Kolonne Long kehrte nach Kabambare zurück. Die Batetela evakuierten daraufhin die Region über die Mtowa-Straße und ließen sich in den undurchdringlichen Sungula-Sümpfen nieder.
Sie griffen Kabambare an, und die arabischen Anführer schlossen sich ihnen an. Angesichts der zahlenmäßigen Überlegenheit mussten sich die EIC-Truppen nach Kasongo zurückziehen. Auch Leutnant Sterckx wurde bei diesen Kämpfen getötet.[6]
Dhanis gruppierte und reorganisierte die Truppen in Kasongo. Vier Kolonnen sollten die Offensive auf Kabambare wieder aufnehmen: die Dhanis-Kolonne, die Sund-Kolonne, die Meyers-Kolonne und die Delhaise-Kolonne.
Am 31. Dezember 1898 griffen die Delhaise- und Meyers-Kolonnen die in Mwana-Ndebwa (20 km östlich von Kabambare) versammelten Rebellen an. Die EIC-Truppen siegten nach zwei Stunden, und ihre Gegner flohen. Eine letzte größere Schlacht fand in den Sungula-Sümpfen statt, die die Niederlage der Rebellen einläutete.
Die Babuy'-Rebellen übergaben ihre Gewehre ihren Anführern für die EIC-Truppen. Andere überquerten die Grenze nach Deutsch-Ostafrika, wo sie entwaffnet und in der Nähe von Ujiji versammelt wurden.
In Kivu suchte eine Truppe von etwa 2.500 Rebellen unter dem Kommando von Cungufu Zuflucht in den Bergen bei Fizi. Sie wurden schließlich im Oktober 1898 von Kommandant C. Heck (von Dhanis' Kolonne) bei Baraka und Kaboge (wo Cungufu getötet wurde) besiegt. Einige der etwa hundert Überlebenden ergaben sich Leutnant Portemans; die anderen gingen ebenfalls nach Deutsch-Ostafrika, wo sie sich ergaben. Heck hinterließ einen Bericht über seine beiden Schlachten (Bxl., 1902).
Shinkakasa-Rebellion von 1900
Der dritte Aufstand brach am 17. April 1900 in der Garnison des Forts Shinkakasa am Kongo aus. Die Festung befand sich zu dieser Zeit noch im Bau. Die Besatzung bestand hauptsächlich aus entlassenen Soldaten, also solchen, die nicht kampftauglich waren oder von der Militärjustiz wegen relativ geringfügiger Vergehen (einfache Desertion usw.) zu Zwangsdiensten verurteilt worden waren. Der Militärdienst in der EIC, der alle Merkmale von Zwangsarbeit aufwies, dauerte sieben Jahre und die Strafdienste verlängerten diesen langen Zeitraum noch weiter. Die abkommandierten Soldaten waren oft weit entfernt von ihrer Heimat stationiert, um die Wahrscheinlichkeit von Desertionen zu verringern. Das harte Verhältnis zwischen den Kolonisatoren und der lokalen Bevölkerung sowie die Präsenz von Kleinwaffen und schwerer Artillerie in der Festung begünstigten einen Aufstand.
Ablauf
Am frühen Nachmittag des 17. April, nachdem sie die an diesem Tag reduzierten Kolonialwachen der Festung besiegt hatten, bewaffneten sich die Aufständischen und zogen in Richtung Stadt.[1] Sie wurden aufgehalten und suchten in der Festung Zuflucht. Anschließend richteten sie ihre Nahkampfverteidigung und schwere Kanonen auf die Stadt und feuerten eine große Anzahl von Granaten ab. Doch ihre mangelnden Kenntnisse der Ballistik verhinderten, dass sie ihr Ziel trafen.
Am Abend des 18. April flohen die noch wehrfähigen Rebellen nach Norden in der Hoffnung, aus dem Gebiet des Freistaats zu entkommen. Die Kolonialtruppen leiteten die Verfolgung in vier Kolonnen ein. Der Großteil der Gruppe wurde in der Region Luala gefangen genommen; einigen gelang es jedoch, die Grenze zu überqueren, und sie wurden von den französischen Streitkräften entwaffnet.
Folgen
Die Gefangenen wurden vor ein Kriegsgericht gestellt, das achtzehn Todesurteile verhängte. Obwohl die Aufstandsbewegung in der Festung Shinkakasa nicht allein in der Verantwortung der Tetela lag, sorgte der Generalstab der Kolonialarmee später für die Bildung ethnisch heterogener Einheiten in der Force Publique, sodass in keiner Einheit eine einzelne ethnische Gruppe die Mehrheit stellte.[3]
Trotz ihrer wiederholten Niederlagen hielten sich letzte Tetela-Aufständische bis 1901 – einige kleine Gruppen ergaben sich erst 1908 am Kisale-See.[1][4]
Literatur
- André-Bernard Ergo: Des bâtisseurs aux contempteurs du Congo Belge: L'Odyssée coloniale. L'Harmattan. 2005. ISBN 978-2747585026.
- Pierre Salmon: La révolte des Batetela de l'expédition du Haut-Ituri, 1897: témoignages inédits. Académie royale des sciences d'outre-mer. Brüssel. 1977.
- Alphonse-Jules Wauters: L'État indépendant du Congo: historique, géographie physique, ethnographie, situation économique, organisation politique. Librairie Falk Fils. Brüssel. 1899.
- C. Heck: Une Campagne africaine. Librairie Nouvelle. Brüssel. 1902.
- Guy De Boeck: Les révoltes de la Force publique sous Léopold II: Congo 1895-1908. Éditions EPO. Baoni. Antwerpen. 1987.
