Batmunkh Luvsandash

mongolischer Umweltaktivist From Wikipedia, the free encyclopedia

Batmunkh Luvsandash (mongolisch Лувсандашийн Батмөнх; geb. 1944 im Dorno-Gobi-Aimag)[1] ist ein mongolischer Umweltaktivist. Er wurde bekannt durch seinen erfolgreichen Kampf für die Errichtung eines Schutzgebiets in der Ostgobi. 2025 wurde er mit dem Goldman Environmental Prize ausgezeichnet.

Biographie

Das Bergmassiv Baga Gazaryn Chuluu in der Dundgobi-Region

Luvsandash kam in den frühen 1940er Jahren in der Dorno-Gobi (mongolisch für Ostgobi) als Sohn einer nomadischen Hirtenfamilie zur Welt. Er wuchs mit einem tiefen Verständnis für die einzigartige Geografie und Tierwelt der Ostgobi-Wüste auf. Nach einer Ausbildung als Elektroingenieur arbeitete er an Bau- und Bergbauprojekten und lernte, dass sich die Natur nach irreparablen Schäden nicht mehr erholen kann. Seit der Jahrtausendwende sah er zunehmend besorgt auf den Bergbaubooms im Land mit seinen zerstörerischen Auswirkungen auf die Tierwelt und die Hirtengemeinschaften.[2]

Ökologie der Ostgobi

Die Ostgobi ist Heimat von Wildkamelen, Argali-Schafen, 75 % der weltweiten Population des gefährdeten Asiatischen Wildesels, von Gobibär sowie Mongolischer Saiga[3] und bildet mit einer Vielzahl endemischer Pflanzen ein einzigartiges ökologisches System. Wie die ganze Mongolei ist auch die Ostgobi ein dünn besiedeltes Land mit zahlreichen Nomaden- und Halbnomadengemeinschaften, dessen Wirtschaft traditionell von Landwirtschaft und Viehzucht geprägt ist.[2] Die Dorno-Gobi ist überwiegend durch aride Steppen- und Wüstenvegetation geprägt. Typisch sind Pflanzen, die an Trockenheit und extreme Temperaturen angepasst sind. Zu den häufigsten und charakteristischen Pflanzenarten zählen Frauenbeifuß (Artemisia frigida), verschiedene Wermutarten (Artemisia spp.), Federgräser (Stipa spp.) und die Kammquecke (Agropyron cristatum), das typisches Gras der Steppe, der Saxaul und der Sibirische Ulme (Ulmus pumila), sowie Stachelige und sukkulente Halbsträucher wie Atraphaxis, Calligonum und Salsola.[4] Der Klimawandel führt dazu, dass Seen und Flüsse in der gesamten Mongolei austrocknen und die Hirten gezwungen sind, ihre traditionellen Weideflächen zu verlassen.[2]

Umweltbelastungen durch den Bergbau

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1990 – eines wichtigen Wirtschaftspartners – nutzte die Mongolei ihre riesigen Gold-, Kupfer-, Zink-, Uran- und Kohlevorkommen, um ihre stagnierende Wirtschaft wieder anzukurbeln. Ab den 1990er Jahren verwandelten ausländische Direktinvestitionen und ein damit einhergehender explosionsartiger Anstieg der Bergbauexploration das Land in ein Zentrum der Rohstoffgewinnung und prägten den Spitznamen „Minegolia“. Heute machen Mineralien 23 % des mongolischen BIP aus, und die gesamten Mineralreserven werden auf 1–3 Billionen US-Dollar geschätzt. Die chinesische Nachfrage nach Kupfer und Kohle macht mehr als 90 % der Exporte des Landes aus. Die Umweltauswirkungen des Bergbaubooms waren erheblich. In einem Land, das außergewöhnlich trocken ist und im Durchschnitt weniger als 380 mm Niederschlag pro Jahr verzeichnet – in der Provinz Dornogovi sogar weniger als 50 mm pro Jahr –, ist der Bergbau extrem wasserintensiv und verbraucht erhebliche Mengen Grundwasser. Mehrere wissenschaftliche Studien warnen, dass die Grundwasserreserven innerhalb von fünf bis acht Jahren sowohl für den Bergbau als auch für die Trinkwasserversorgung nicht mehr ausreichen werden.[2] Hinzu kommen die Auswirkungen des Bergbaus auf die Landschaft, der Lebensräume von Wildtieren fragmentiert, Grasland erodiert und die ohnehin knappen Wasserquellen für Wildtiere und Hirten verschmutzt. Die Sanddünen und unterirdischen Quellen von Dornogovi im südöstlichen Winkel der Wüste Gobi beherbergen eine enorme Artenvielfalt. Die Region Ostgobi (einschließlich Dornogovi) weist die höchste Anzahl aktiver Minen in der Mongolei auf, die regelmäßig ohne formelle Umweltverträglichkeitsprüfungen erschlossen werden. Fast 10 % der gesamten Landfläche von Dornogovi liegen derzeit innerhalb aktiver Bergbaukonzessionen. Darüber hinaus führt die uneinheitliche Vergabe von Bergbaukonzessionen zu einer starken Fragmentierung des Lebensraums und zu Konflikten mit den lokalen Viehzüchtern. Die Präsenz schwerer Lastwagen und Maschinen auf den unbefestigten Straßen der Region führt zudem zu erheblicher Staubbelastung und beschleunigt so die Wüstenbildung.[2]

Kampf für den Erhalt der Natur

2015 erteilte die mongolische Regierung Bergbaulizenzen für ein riesiges Gebiet am Fuße des in der Tradition der Bevölkerung heiligen Berges Hutag Uul-in Dornogovi. Batmunkh Luvsandash, der in Dornogovi aufgewachsen ist, kam zu dem Schluss, dass ein offizielles Schutzgebiet die beste Strategie wäre, das Land und seine Wildtiere zu schützen. Er recherchierte die Umweltschutzbestimmungen der Verfassung und der Umweltschutzgesetze der Mongolei und holte Informationen von staatlichen Behörden und Forschungsinstituten ein. Daneben erkundete er die Wüste mehrere Monate zu Fuß und mit dem Auto, kartierte Bäche und Geländeprofile, und dokumentierte die Bestände von Wildtieren und Vegetation, um Zonen abzugrenzen, die seiner Meinung nach geschützt werden sollten.[2] Ohne dass Batmunkh Kenntnis davon hatte, ermittelte auch die kanadische Nature Conservancy (TNC) zur gleichen Zeit die für die Biodiversität kritischen Regionen unter anderem durch den Einsatz eines Geographischen Informationssystems (GIS). Als Ergebnis ihrer Untersuchungen empfahlen sie, dieselben Gebiete unter Schutz zu stellen, die auch Luvsandashs Vorschlägen entsprachen.[2]

Bald darauf reiste Batmunkh regelmäßig von seinem ländlichen Zuhause in Dornogovi zu den TNC-Büros in Ulaanbaatar, wo er mit den lokalen Mitarbeitern Karten und Daten austauschte, um die Zusammenarbeit und Landrechte zu verbessern. Er traf sich auch regelmäßig mit staatlichen Behörden in Ulaanbaatar. Batmunkhs Ziel war die Schaffung eines Schutzgebiets, in dem Rohstoffindustrie verboten, traditionelle Viehzuchtpraktiken jedoch fortgeführt werden konnten. Er betonte, wie wichtig ein Gleichgewicht zwischen Entwicklung und Naturschutz sei, und legte den Vorschlag für das Schutzgebiet im Frühjahr 2020 der lokalen Regierung und den Parlamentsabgeordneten vor. Um seine Argumente zu untermauern, berief sich Batmunkh auch auf verschiedene mongolische Gesetze zum Schutz von Stätten von kultureller, historischer, religiöser und ökologischer Bedeutung.[2]

Im April 2022 wurde ein über 265 km² großes Schutzgebiet eingerichtet, in dem jegliche Rohstoffabbauaktivitäten verboten sind. Es liegt zudem nahe bei drei weiteren Gebieten mit einer Gesamtfläche von 830 km², für die Batmunkh zwischen April 2019 und September 2020 Schutzmaßnahmen erwirkt hatte. Das Schutzgebiet schützt einen wichtigen Lebensraum für gefährdete Arten, bewahrt gleichzeitig eine jahrhundertealte Lebensweise seiner Gemeinde und befähigt die Einheimischen, das Land weiterhin zu bewirtschaften. Heute patrouillieren Ranger – oft aus den örtlichen Hirtengemeinschaften stammend – regelmäßig durch das Schutzgebiet.[2]

Auszeichnungen

  • Goldman Environmental Prize (Hrsg.): Batmunkh Luvsandash, 2025 Goldman Environmental Prize Winner, Mongolia. 21. April 2025 (englisch, youtube.com).
  • Goldman Environmental Prize (Hrsg.): Batmunkh Luvsandash, 2025 Goldman Environmental Prize (Mongolian). (mongolisch, youtube.com).
  • Goldman Environmental Prize (Hrsg.): Batmunkh Luvsandash’s Acceptance Speech, 2025 Goldman Environmental Prize. 22. April 2025 (englisch, youtube.com).

Einzelnachweise

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