Baudihillia

From Wikipedia, the free encyclopedia

Baudihillia ist der Name einer inschriftlich aus Vercovicium am Hadrianswall in Nordengland belegten germanischen Göttin. In einer Votivinschrift vom Ende des 2. Jahrhunderts, die Oktober 1920 freigelegt wurde, ist ihr Name neben dem der Friagabis genannt. Beide werden als ‚duabus Alaisagis‘ bezeichnet. Beide werden als „duabus Alaisagis“ bezeichnet. Durch diesen Beinamen Alaisiagae und aus dem Fundort heraus werden sie als Begleiter des Mars Thincsus gesehen und unter anderen entweder als Thinggöttinen oder als Heilungs- und Segensgottheiten gedeutet. Folgende Inschrift wurde von einer römischen Auxiliareinheit, dem Numerus Hnaudifridi errichtet:

„Deabus // Alaisia/gis Bau/dihillie / et Friaga/bi et N(umini) Aug(usti) / n(umerus) Hnau/difridi / v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito).[1]

„Den Göttinnen der Alaisiagae, Baudihillia und Friagabis und an die Göttlichkeit des Kaisers hat die Einheit des Hnaudifridus ihr Gelübde gern und zu Recht erfüllt.“

Die Forschung nahm ihren Ausgang von einem Vorschlag Jacob Grimms, der die angelsächsische Form beado- aus der urgermanischen Wurzel *badu- = „Schlacht“ erklärte, wie im Göttinnennamen Baduhenna und im legendären Namen Beaduhild (Altnordisch Bǫðvildr).[2] Es lag nahe, den Namen Baudihillia ebenfalls als ältere Form letzteren Namens zu betrachten. Dies war jedoch nach Ansicht des Sprachwissenschaftlers Theodor Siebs (1922/24) aus lautgesetzlichen Gründen nicht möglich. Er deutete den Namen Baudihillia als verstellte Form vom germanischen *Baudihildiz, einem typischen zweigliedrigen Vollnamen mit dem Erstglied *beud- = „bieten“ und dem Zweitglied -hildiz = „Kampf“. Der Name bedeutet „die Kampfgebietende“ und zeigt die Umstellung des Bestimmungswortes an die Position des Grundworts. Charles Donahue (1941) und Rudolf Simek (1984) kritisierten Siebs Lösung in Bezug auf dessen Konjektur und Konstrukt. Birkhan (1970) wies darauf hin, dass germanische Kriegsgöttinnen – im Gegensatz zu ihren keltischen Gegenstücken – niemals zugleich als Muttergöttinnen auftreten.

Dessenungeachet vergleicht Wolfgang Haubrichs (2001) – in Anlehnung an Siebs – den Namen mit dem fränkischen epigraphischen Beleg BAVTHILDIS, gebildet aus germanisch *baudaz = „Gebieter“ + *hildjō = „Streit“, und weist das Vorderglied ausdrücklich dem fränkischen, nordwestgermanischen Raum der vermuteten Herkunftsregion der Stifter des Votivsteins und der Inschrift (Hnaudifridus) zu. Norbert Wagner (2002) erklärt *Baudihilla durch eine einfache Umkehrung und zieht Parallelen zu Belegen im germanischen Namenschatz wie Mallo-baudes gegenüber Baudo-malla. Germanisch *Hildi-bauð, wie im althochdeutschen Beleg Hiltibōd, hat *Bauda-hildī ergeben. Die überlieferte Form Baudihillia zeigt – analog zu Harimella – als Fugenvokal ein i durch lateinischen Einfluss; hinzu kommt die latinisierte Endung auf -a sowie die Entwicklung des germanischen Elements -ld- zu vulgärlateinischem -ll-.

Dagegen stellten Rudolf Much (1928) und Siegfried Gutenbrunner (1936) Baudi- zu indogermanisch *bhoudhi-, urkeltisch *boudi- > altirisch búaid, germanisch *baudi- = „Sieg“ und übersetzten den Namen als „Siegkämpferin“. Auch Anton Scherer (1955) und Hans Krahe (1962) haben den Namen generell als aus dem Keltischen entlehnt gesehen.

Jan de Vries (1957, 1970) fand beide Deutungen nicht überzeugend und hielt den Namen für ungeklärt. Scheungraber (2020) urteilt, dass Baudihillia zwar ein "in seiner Wortbildung unklarer Göttername" ist, jedoch auf keltisches *boudi- 'Sieg' zurückzuführen ist. Die Endung -hildiz = „Kampf“ deutet immerhin darauf hin, dass die Namensform als "offensichtlich germanisch" zu bewerten ist.

Literatur

  • Robert C. Bosanquet, Theodor Siebs und William E. Collinson: On an Altar Dedicated to the Alaisiagae. In: Archaeologia Aeliana, 3. Folge, 19 (1922), S. 185–198
  • Siegfried Gutenbrunner: Die germanischen Götternamen der antiken Inschriften. (= Rheinische Beiträge und Hülfsbücher zur germanischen Philologie und Volkskunde 24). Niemeyer, Halle/Saale 1936, S. 24–25, 41–49
  • Wolfgang Haubrichs: Aspekte des philologischen Nachweises der Gruppenspezifität von Personennamen Methodische Beobachtungen an einem Inschriftencorpus aus dem Poitou In: Person und Name. (= Ergänzungsband zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde Band 32). Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, S. 265–279
  • Corinna Scheungraber: Altgermanische und altkeltische Theonyme. Die epigraphische Evidenz aus der Kontaktzone. Ein Handbuch zu ihrer Etymologie. (= Innsbrucker Beiträge zur Sprachwissenschaft. Band 163) Institut für Sprachwissenschaft, Innsbruck 2020, S. 176–177, 198.
  • Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie (= Kröners Taschenausgabe. Band 368). 1984. 3., völlig überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2006, ISBN 3-520-36803-X, S. 7–8, 44, 117
  • Norbert Wagner: Fledimella*, Harimella* und Baudihillia*. In: Historische Sprachforschung, Bd. 115, H. 1 (2002), S. 93–98

Anmerkungen

Related Articles

Wikiwand AI