Bauernkrieg (1998)

Dokumentarfilm von Erich Langjahr (1998) From Wikipedia, the free encyclopedia

Bauernkrieg ist ein Kinodokumentarfilm aus dem Jahr 1998 des Schweizer Regisseurs Erich Langjahr. Es ist der zweite Film einer Bauern-Trilogie zu der auch «Sennen-Ballade» und «Hirtenreise ins dritte Jahrtausend» gehören.

TitelBauernkrieg
ProduktionslandSchweiz
OriginalspracheSchweizerdeutsch
Erscheinungsjahr1998
Schnelle Fakten Titel, Produktionsland ...
Dokumentarfilm
Titel Bauernkrieg
Produktionsland Schweiz
Originalsprache Schweizerdeutsch
Erscheinungsjahr 1998
Länge 84 Minuten
Produktions­unternehmen Langjahr Film GmbH
Stab
Regie Erich Langjahr
Drehbuch Erich Langjahr
Musik
Kamera Erich Langjahr
Schnitt Erich Langjahr
Besetzung
  • Familie Steffen-Rey, Perlen LU
  • Familie Nyfeler-Albiez, Gut-Hof in Turgi AG
  • Familie Schmidli-Bühlmann, Gürberhof in Emmen LU
  • Familie Abt-Wicki, Steghof in Rottenschwil AG
  • Hans und Bruno Furrer
  • Rainer Saner und Armin Wirth: Arbeitsgem. für Embryotransfer AET Mülligen AG, seit 2004 Swissgenetics
  • Franz-Joseph Schawalder: Besamungsstation (Künstliche Besamung) Bütschwil SG
  • Werner Käufeler und Peter Hug: TMF, Tiermehlfabrik (Tierkörperverwertung) Bazenheid SG
  • Teilnehmer an der 2. Schweizerischen Brown Swiss Elite – Auktion Sargans SG, am 104. Stierenmarkt Zug ZG, an der Bauerndemonstration auf dem Europaplatz in Luzern am 9. Januar 1992, an der Bauerndemonstration vor dem Bundesplatz in Bern am 23. Oktober 1996. Ansprachen in Luzern: Franz Jung (Altnationalrat, Eschenbach LU), Ueli Blatter (Nationalrat, Engelberg OW), Ferdinand Zumbühl (Innerschweizer Bauernlandammann, Wolfenschiessen NW) und den Enlebucher, Obwaldner und Schwyzer Trychlergruppen.
Chronologie
Schließen

Der Kinofilm «Bauernkrieg» wurde 2025 mit Unterstützung durch die Kantone Luzern, Zug, Aargau, St. Gallen, der Stadt Zug und des Vereins Memoriav für den Erhalt audiovisuellen Erbes der Schweiz digital restauriert und kam 2026 als Reprise ins Kino.

Entstehung

Das Material zum Film entstand über mehrere Jahre. Die Bauerndemonstration vom 9. Januar 1992 auf dem Europaplatz in Luzern kommt im Film genauso vor wie die Bauernkundgebung vom 23. Oktober 1996 auf dem Bundesplatz in Bern, die zu Tumulten führte. Für die Porträts der Pächter, welche ihren Betrieb aufgeben mussten, nahm der Regisseur an verschiedenen Hofversteigerungen teil, die in der Schweiz Ganten genannt werden.[1][2]

Inhalt

Im Film «Bauernkrieg» setzt sich Erich Langjahr mit der bedrohten Existenz des Bauern zum Ende des 20. Jahrhunderts, im Zeitalter der Massenproduktion, auseinander. Der Film stellt das Überleben der Landwirtschaft in den Mittelpunkt, in einer Zeit des Übergangs von einer staatlich gelenkten Plan- zur Marktwirtschaft. Es ist die Zeit der explosiven Liberalisierung des weltweiten Handels mit Waren. Trotz des Protestes vieler Bauern wurden die neuen GATT-Verträge vom Schweizer Bundesrat unterzeichnet und vom Parlament genehmigt. Somit wurde die Schweiz 1995 Mitglied der Welthandelsorganisation WTO.

Um in dieser neuen Marktsituation überleben zu können, setzen die meisten Bauern auf den technischen Fortschritt und die Hochzucht. Doch viele Betriebe können da nicht mithalten, geben auf, und die Höfe werden versteigert. In vieler Hinsicht ist Bauernkrieg mit seinen apokalyptischen Visionen der volltechnisierten Agro-Industrie das Gegenstück zu dem „ursprünglichen“, fast idyllischen Bild der Sennen-Ballade. Die schockierenden Bilder aus einer Tiermehlfabrik lassen den unheimlichen Eindruck entstehen, die unwürdige Resteverwertung sei ein Schicksal, das Tier und Mensch zugleich betrifft.

Rezeption

Der Film «Bauernkrieg» wurde vom Publikum kontrovers aufgenommen. An der Premiere am Dokumentarfilm-Festival Nyon 1998 nahm auch Bundesrätin Ruth Dreifuss teil. Dazu schrieb Rolf Breiner in der Zuger Presse: Drastisch führt Langjahr auch vor Augen, wie Innereien und Tierkadaver entsorgt und zu Tiermehl verarbeitet werden. Angesichts solch unappetitlicher Bilder schloss auch Bundesrätin Dreifuss die Augen – während Langjahr doch nichts anderes im Sinn hat, als uns die Augen zu öffnen...[3] und Nicole Hess stellte in der Neuen Zürcher Zeitung die Frage: „Wer isst nach Nyon noch Fleisch?“[4]

In der BauernZeitung rezensierte Thomas Binotto den Film ausführlich und schloss mit folgendem Abschnitt: «Bauernkrieg» ist so ein im besten Sinn verstörender und beängstigender Film, weil er bewusst macht, dass eine leistungs- und konsumorientierte Gesellschaft keine ökologische und solidarische sein kann. Aus diesem Grunde soll und muss er Diskussionen auslösen – nicht nur unter Bauern.[5]

In der Radiosendung «Reflexe» führte der Filmjournalist Hans M. Eichenlaub ein halbstündiges Gespräch mit Erich Langjahr über den Film «Bauernkrieg».[6]

«Bauernkrieg» wurde nicht nur in der Deutschschweiz, sondern auch im Tessin[7] und in der Romandie[8] in vielen Kinos gezeigt und teilweise heftig diskutiert. Auch im Ausland wurde der Film an zahlreichen Festivals vorgeführt, so unter anderem in Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, Spanien, Schweden, Argentinien und in den USA.

Der Film «Bauernkrieg» erlebte 2026 seine Reprise im Kino. Vorgängig wurde er digitalisiert und technisch aufwendig restauriert. Bild und Ton wurden für die moderne Leinwand und die Surround-Lautsprecher optimiert. Knapp dreissig Jahre nach seiner Premiere wurde «Bauernkrieg» vom Publikum und von der Presse als brandaktuell und aufrüttelnd wie 1998[9] aufgenommen. Erneut veröffentlichte die BauernZeitung einen ausführlichen Artikel zum Film. Unter dem Titel «Bauernkrieg: Die ewige Wiederkehr des Gleichen» schrieb Simone Barth unter anderem: «Bauernkrieg ist kein Film über die Vergangenheit. Er ist ein Film über Strukturen, die sich wiederholen. Über Entscheidungen, die fernab der Höfe getroffen werden. Über Menschen, die versuchen zu überleben in einem System, das sie nicht gewählt haben.» und weiter: «Die Mechanismen von 1992 laufen weiter. Nur die Namen haben sich geändert. Aus GATT wurde WTO. Aus Uruguay-Runde wurde Doha-Runde. Aus Bilateralen I wurden Bilateralen III.»[10]

Auszeichnungen

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI