Bayerische Bibliographie

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Die Bayerische Bibliographie dokumentiert als Landesbibliographie möglichst vollständig alle Publikationen, die einen sachlichen Bezug zu Bayern aufweisen. Nachgewiesen werden innerhalb und außerhalb des Buchhandels erscheinende deutsch- und fremdsprachige Monographien sowie in großem Umfang Aufsätze aus Zeitschriften, Jahrbüchern, Sammelwerken und den Heimatbeilagen der bayerischen Tageszeitungen. Dazu kommen in Auswahl elektronische Medien (E-Books, Amtsblätter, Webarchive). Die Bayerische Bibliographie zählt zu den größten Regionalbibliographien im deutschen Sprachraum.

Geschichte und Entwicklung

Die Ursprünge der Bayerischen Bibliographie führen bis auf das Jahr 1927, dem Gründungsjahr der Kommission für Bayerische Landesgeschichte an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften zurück, als der Historiker Wilhelm Krag (1887–1964) beauftragt wurde, jährlich eine Übersicht wichtiger Neuerscheinungen zur bayerischen Geschichte zu erstellen. Ab 1928 wurden diese unter dem Titel „Literarische Jahresrundschau“ in der Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte veröffentlicht. Bis 1941/42 erschien die Reihe regelmäßig; die Kriegseinwirkungen sowie Materialknappheit führten ab 1943 zur Unterbrechung. Nach zehn Jahren Stillstand konnten die Berichtsjahre 1942–1949 in den Jahrgängen 1951/52 bis 1961 publiziert werden, ergänzt durch die Jahresbibliographie 1950–1958. Ein alphabetisches Verfasserregister existierte zunächst nicht und wurde erst zwischen 1988 und 1995 von Renate Wiese in privater Arbeit außerhalb der Dienstzeit erstellt. Krags Tätigkeit endete 1958 aus gesundheitlichen Gründen.[1]

Die Jahre 1959 bis 1987 wurden als „Bayerische Bibliographie“ weitergeführt, initiiert von Karl Bosl (1908–1993) als gemeinsames Projekt der Kommission und der Generaldirektion der Bayerischen Staatlichen Bibliotheken. Die Berichtsjahre 1959–1963 bearbeitete Michael Renner; der Erste Band erschien als Beiheft zur Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte. Ab 1964 übernahm Franziska Stadler die Bearbeitung und erweiterte den thematischen Umfang erheblich, was zu einer stärkeren Gliederung und deutlich größerem Umfang der Bände führte. Mit dem Berichtsjahr 1970 übernahm die Generaldirektion die alleinige Herausgeberschaft, Renate Wiese führte die Arbeit fort. Die kontinuierlich steigende Zahl bayernbezogener Publikationen führte zu erheblichen Verzögerungen: Teilweise erschienen die Bände erst zehn bis zwölf Jahre nach dem Berichtsjahr.[2] Durch diesen Verlust an Aktualität bestand die Gefahr, dass die Bayerische Bibliographie in Forschung und Lehre, selbst in den Bereichen Landesgeschichte und Heimatkunde, an Relevanz einbüßte.[3] Aufgrund dieser Verzögerungen wurde die gedruckte Ausgabe 1998 mit dem Berichtsjahr 1987 eingestellt; alle Druckbände sind inzwischen digitalisiert zugänglich.[4]

1996 begann die Umstellung auf eine Online-Version, die als gemeinsames Projekt der Bayerischen Staatsbibliothek sowie mehrerer Universitäts- und Landesbibliotheken geführt wird. Die Berichtsjahre ab 1988 wurden zunächst übersprungen und später nachgearbeitet. Seit der Umstellung auf ein webbasiertes Konzept sind alle Titel tagesaktuell über die Verbunddatenbank des Bibliotheksverbundes Bayern verfügbar; die Druckausgabe endete 2000.[5]

Parallel existierten bis zur Neuorganisation diverse regionale Bibliographien, die zumeist einen einzelnen Regierungsbezirk abdeckten. Für die Oberpfalz wurden ab 1926 in den Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg Neuerscheinungen veröffentlicht; die Oberpfalzbibliographie ging 1963 an die Staatliche Bibliothek Regensburg über und wird seit 1996 in der Bayerischen Bibliographie nachgewiesen. Niederbayern wird über die Ostbairische Grenzmarken/Passauer Jahrbuch erfasst. Schwaben verfügt seit 1950 über eine Regionalbibliographie, ab 1971 in der Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben. Die Fränkische Bibliographie dokumentiert Literatur bis 1945; Unterfranken wird seit 1963 im Mainfränkischen Jahrbuch, Oberfranken über die Bibliographie zur Geschichte von Stadt und Hochstift Bamberg erfasst. In Coburg besteht seit 1976 die Coburger Bibliographie, deren Titel seit 1999 in die Bayerische Bibliographie integriert werden.[6]

Beteiligungen

Seit dem Berichtsjahr 1988 wird die Bayerische Bibliographie online kooperativ in der Verbunddatenbank des Bibliotheksverbunds Bayern erstellt. Neben der Bayerischen Staatsbibliothek beteiligen sich mehrere staatliche (Staatliche Bibliothek Ansbach, Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, Staatsbibliothek Bamberg, Landesbibliothek Coburg, Studienbibliothek Dillingen, Staatliche Bibliothek Neuburg an der Donau, Staatliche Bibliothek Passau, Staatliche Bibliothek Regensburg) und die Universitätsbibliotheken Erlangen-Nürnberg, Regensburg und Würzburg für ihre jeweilige Region an der Bearbeitung.[7]

Inhalt

Die Titel werden formal nach dem Regelwerk Resource Description and Access (RDA) erfasst und durch eine eigene Systematik sowie durch Schlagwörter aus der Gemeinsamen Normdatei GND sachlich erschlossen. Sie stehen in einer tagesaktuellen Datenbank für die Recherche zur Verfügung. Stand Februar 2026 sind ca. 939.000 Titel nachgewiesen. Der jährliche Zuwachs beträgt ca. 17.000 Titel. Im Rahmen regionaler Projekte sind auch Monographien und Aufsätze vor 1988 verzeichnet. Zusätzlich wurden im Dezember 2013 rückwirkend ca. 190.000 Monographien und Zeitschriftentitel (nicht aber die darin enthaltenen Aufsätze) aus den Bavarica-Beständen der Bayerischen Staatsbibliothek sowie den Franconica-Beständen der Universitätsbibliotheken Würzburg und Erlangen aus der Zeit vor 1988 bis zurück in die Frühe Neuzeit integriert. Erfasst wird Literatur mit inhaltlichem Bezug zu Bayern, darunter deutsch- und fremdsprachige Publikationen innerhalb und außerhalb des Buchhandels, Aufsätze aus Zeitschriften, Jahrbüchern, Fest- und Sammelschriften sowie Heimatbeilagen bayerischer Tageszeitungen, ferner Privatdrucke, Dissertationen, Rundfunkmanuskripte sowie ausgewählte Hochschulschriften und Rezensionen.[8] Im Bereich der Belletristik werden auch Regionalkrimis und Mundartliteratur berücksichtigt. Auch Webarchivierungen Bayernrelevanter Webseiten werden durchgeführt.[9]

Seit dem Berichtsjahr 1988 ist der geographische Rahmen auf Bayern in seinen heutigen Grenzen beschränkt; ehemals bayerische Territorien bleiben unberücksichtigt. Dies schafft klare Zuständigkeiten und vermeidet Doppelarbeit. Die seit 2001 bestehende Virtuelle Deutsche Landesbibliographie ermöglicht zudem die parallele Recherche in mehreren Landesbibliographien über eine gemeinsame Oberfläche.[10]

Online-Angebot

Seit 1996 erscheint die Bayerische Bibliographie in elektronischer Form. Die erfassten Titel sind fortlaufend aktualisiert über Gateway Bayern sowie über einen ständig aktualisierten Bibliographie-OPAC zugänglich. Die gedruckte Ausgabe wurde im Jahr 2000 aufgegeben. Die von 1927 bis Berichtsjahr 1987 erschienenen Druckbände der Bayerischen Bibliographie und ihrer Vorläufer stehen digitalisiert zur Verfügung. Die Bayerische Bibliographie ist Teil der Virtuellen Deutschen Landesbibliographie.[11]

Literatur

  • Renate Wiese: Die Bayerische Bibliographie. In: Bibliotehksforum Bayern 15/2 (1987), S. 159–168.
  • Steffi von Malottki: Die Bayerische Bibliographie im Bibliotheksverbund Bayern. In: Ludger Syré (Hrsg.): Die Regionalbibliographie im digitalen Zeitalter, Frankfurt am Main 2006, S. 211–222.
  • Gritt Brosowski: Die deutschen Landesbibliographien. Ein Überblick über ihre Arbeit und Angebote. In: Blätter für deutsche Landesgeschichte 149 (2013), S. 429–462, hier: S. 434–436.
  • Birgit Schaefer: Die Bayerische Bibliographie – 20 Jahre online. In: Bibliotheksforum Bayern 10/4 (2016), S. 241–243 (PDF).
  • Tobias Beinert u. a.: „Unsere Bayern“ im Zeitalter des Internets. Webarchive in der „Bayerischen Bibliographie“. In Maria Elisabeth Müller u. a. (Hrsg.): Maria Forschungsdaten und Quellen des kulturellen Gedächtnisses, Hildesheim u. a. 2019, S. 141–151.

Anmerkungen

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