Befestigung Pass Lueg
Denkmalgeschütztes Objekt in Hallein (4832)
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Die Befestigung Pass Lueg liegt im österreichischen Bundesland Salzburg, in dem Talpass der Salzach, der in den Pongau führt, dem Pass Lueg. Sie befindet sich oberhalb der engsten Stelle des bergseitigen Straßentunnels der Salzachtal Straße an der orographisch rechten Seite der Salzach im Gemeindegebiet von Golling.

Geschichte

Vor 1900
Die erste Erwähnung einer Sperranlage geht in das 12. Jahrhundert zurück.[1] Diese engste Stelle des „Handelswegs inner Gebirg“ ist urkundlich 1160 als eine Mautstelle (aped clusam iuxta Weruen ‚bei der Klause nahe Werfen‘) erwähnt. Mit den Einnahmen wurden die Brückenbauten entlang der Salzachschlucht finanziert. Ende des 12. Jahrhunderts wurde die Mautstelle zu Füßen der Festung Hohenwerfen verlegt. Die Wehrbauten werden im 13. Jahrhundert erwähnt (1258, 1291: luoch), damals wurde der Lueg im Krieg zwischen den Elekt Philipp und Bischof Ulrich stark besetzt. 1263 übertrug das Domkapitel dem Gebhard von Belben die Bewachung des Passes. Weitere Baumaßnahmen wurden unter Erzbischof Johann Jakob Khuen von Belasi zwischen 1560 und 1575 durchgeführt. Eine Marmortafel im Museum Golling erinnert heute noch daran. Unter Erzbischof Paris Lodron kam es in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges zu weiteren Verstärkungen der Anlage, dabei wurde der Torbau verstärkt, die Stiegenanlagen mit den Flügelmauern zum Unteren Blockhaus mit den Depot- und Lagerräumen errichtet. Richtung Pass Lueg wurde ein Eckwehrtürmchen aufgesetzt, wie es typisch für die Anlagen des Hofbaumeisters Santino Solari war. Nach wiederholten Beschädigungen durch Naturereignisse wurde 1701 eine neue Brücke fertiggestellt, von der ein Teil fest, der andere als Zugbrücke ausgelegt war. Von da ab konnte ein einspänniger Wagen passieren und die Waren mussten nicht mehr auf Saumpferde umgeladen werden; von 1740 an konnten auch zweispännige Wagen die Brücke benutzen. 1751 wird das Blockhaus oberhalb der Anlage abgebrochen, da der Bau nur mehr als „Unterstand für Herumtreiber“ diente.
Die Wirren der Napoleonischen Kriege brachten Verbesserungen und Erweiterungen von Brücke und Toranlage.[2] 1797 wurde die Anlage durch auswärtige Besatzungen, nämlich durch das kaiserlich-österreichische Militär, verwüstet. 1800, 1805 und 1809 fanden hier heftige Kämpfe zwischen den Salzburger Schützen unter dem Kommando von Josef Struber gegen die baierisch-französischen Eindringlinge statt, allerdings vergeblich. Im Frieden von Schönbrunn von 1809 musste ein Teil der Festung gesprengt werden. Nach der Vereinnahmung des Landes Salzburg in die Habsburger Monarchie wird die Anlage 1832 im Anschluss an einen Besuch von Kaiser Franz I. zwischen 1834 und 1836 durchgreifend erneuert. 1901 übergab das Militär die Passanlage dem k.u.k. Forstärar.
Kalter Krieg
Während des Kalten Krieges wurde die Anlage durch das Bundesheer im Zuge des Raumverteidigungskonzeptes massiv ausgebaut und verstärkt. So wurde 1956 bis 1959 eine FAn (Feste Anlage) im Bereich rund um das bereits bestehende Blockhaus errichtet (FAN LU1). Diese bestand aus zwei Sowjetischen 76-mm-Divisionskanonen M1942 (Ratsch-Bumm) mit Schussrichtung auf die Passhöhe, MG-42 zur Sicherung der Eingänge und getarnten FLAK-Stellungen zur Abwehr tief fliegender Helikopter. Des Weiteren befanden sich in der Anlage 40 Stockbetten, eine WC-Anlage, Duschen, ein Sanitätsraum und ein Raum für die Kommunikation mittels Grubentelefon. In der Anlage waren ständig zwischen 70 und 100 Schuss Munition für die 76-mm Kanonen gelagert. Als Besatzung war eine Sperrkompanie vorgesehen, wobei ein Zug in der Anlage verbleibt und der zweite die Außenverteidigung vornimmt.
Auf der gegenüberliegenden Seite der Salzach wurde die bereits bestehende Kroatenhöhle ab 1962 zu einer Bunkeranlage mit Überschweren und schweren Maschinengewehren ausgebaut (FAN LU2). Die Anlage besitzt über Stromaggregate, Unterbringungsmöglichkeiten für bis zu 40 Mann und eigene Quellen zur Trinkwasserförderung.
Im Bereich der beiden Anlagen gab es zudem noch mehrere Unterstände, Stellungen und Erdwälle/Krainerwände (FAN LU3-5).
Erbaut wurden die Anlagen durch die Firma Hinteregger aus Salzburg (Pass Lueg) und die Firma Roth aus Hallein (Kroatenhöhle), mit Unterstützung der Miliz und des Bundesheers. Bei beiden Anlagen wurde 1990 der Endausbau erreicht. 1996 kam jedoch bereits der Befehl zum Rückbau. Die Anlage Kroatenhöhle wurde an das Zementwerk Leube übergeben und die Anlage Pass Lueg wurde an den Deutschen Hubertus Canisius verkauft.[3] Das Bundesheer verfügt jedoch auf beiden Grundstücken über ein Zugangsrecht.[4][5][6]
Passbefestigung Pass Lueg heute

Bedingt durch den neuen Straßenbau wurden Teile der Anlage stückweise abgebrochen. Seit 1939 sind die beiden Torbauten auf Straßenniveau und die dazugehörige Brücke verschwunden. Bis 1945 sollen aber noch die beiden Blockhäuser (mit Walmdächern) bestanden haben. Durch den Straßenbau von 1960 und der Anlage eines Tunnels durch den Felskopf, auf dem das untere Blockhaus (bzw. die untere Festung) steht, ist diese nur mehr mit alpinistischen Mitteln zugänglich. Diese trapezförmige Anlage besteht aus einem talseitigen Blockhaus, einem schmalen Hof und einem Magazingebäude. Die Nordfront besitzt übereinandersitzende Schießscharten. Das obere Blockhaus ist rechteckig auf einer kleinen Terrasse angelegt. Es bestand aus einem Mannschaftsraum und gewölbten Geschützkasematten. Gegen Norden ist ein flacher Schießerker auf erhöhten Konsolen angesetzt. Das untere Blockhaus wurde 1997 saniert.[7]
Literatur
- Friederike Zaisberger & Walter Schlegel: Burgen und Schlösser in Salzburg. Flachgau und Tennengau. Birken-Reihe, Wien 1992, ISBN 3-85326-957-5.