Belagerung von Schweidnitz (1633)

militärische Auseinandersetzung im Rahmen des Dreißigjährigen Krieges From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Belagerung von Schweidnitz war eine militärische Auseinandersetzung, die im Rahmen des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) im Herzogtum Schlesien stattfand. Die Stadt Schweidnitz wurde dabei vom 4. Juli bis zum 22. August 1633 von den Kaiserlichen unter Albrecht von Wallenstein erfolglos belagert. In Folge der katastrophalen Ereignisse verlor Schweidnitz dauerhaft an kultureller und wirtschaftlicher Bedeutung.

Ansicht der Stadt Schweidnitz aus dem »Topographia Germaniae« von Matthäus Merian; zeitgenössischer Kupferstich (ca. 1650)

Hintergrund

Nach der Schlacht bei Lützen hatte sich Wallenstein mit seinem Heer nach Böhmen zurückgezogen und reorganisierte dort seine Truppen.[1] Schließlich verfügte er wieder über 25.000 Mann und 28 Geschütze.[2] Am 19. Mai überquerte er bei Náchod die Grenze zur Grafschaft Glatz, um über Glatz und Münsterberg nach Schlesien zu ziehen, wo er sich mit den lokalen Kaiserlichen unter Graf Gallas vereinigte, die ebenfalls etwa 25.000 Mann zählten. Die nur halb so starke Sächsische Armee lagerte ab dem 31. Mai weiter westlich bei Frankenstein. Als Wallenstein am 4. Juni Nimptsch einnahm, wichen die Sachsen an den Zobten nahe Langenöls aus, wo sie bereits in unmittelbarer Umgebung der befestigten Stadt Schweidnitz standen. Während dieser Bewegungen fanden unentwegt Verhandlungen zwischen Wallenstein und seinen ehemaligen Untergebenen Hans Georg von Arnim-Boitzenburg und Franz Albrecht von Sachsen-Lauenburg statt, die nun sächsische Oberkommandierende waren. Am 7. Juni vereinbarten beide Feldherren einen Waffenstillstand, der einschließlich Verlängerungen schließlich für 14 Tage gelten sollte.[3]

Der Waffenstillstand endete am 24. Juni 1633 und Wallenstein setzte seine Truppen in Richtung Schlesien in Bewegung. Während einige Voraustruppen in Richtung Neumarkt und Liegnitz vorgeschoben wurden, konzentrierte er seine Hauptarmee um Schweidnitz. Schweidnitz war eine befestigte Stadt, welche die Gebirgspässe zwischen Böhmen und Schlesien sicherte.[1] Wallenstein beendete den Waffenstillstand nach mehreren Verlängerungen offiziell am 2. Juli und versuchte ab dem 4. Juli die Stadt Schweidnitz in einer schnellen Aktion einzunehmen.

Belagerung

Schweidnitz war bereits im September 1632 von protestantischen Truppen besetzt worden.[4] Am 14. Juni 1633 war die Garnison beim Anmarsch der Kaiserlichen verstärkt worden und zählte danach 1800 Soldaten.[2][5] Das Kommando führten der brandenburgische Oberst Burgsdorf und der sächsische Oberstleutnant Schönfeldt.[6]

Als die Kommandanten der Aufforderung zur Übergabe am 4. Juli nicht nachkamen, befahl Wallenstein die Stadt zu beschießen und einen Sturmangriff vorzubereiten.[1] Die Kaiserlichen fuhren ihre Geschütze am 5. Juli am Fuße des Vogelstangenberges (auch Volkohöhe) nordöstlich der Stadt auf und begannen mit dem Beschuss. In den folgenden fünf Stunden wurden mehrere Häuser, darunter das Theater stark beschädigt und mehrere Einwohner getötet. Die Sorge der Verteidiger, dass ausbrechende Feuer das auf den Wällen und Plätzen gelagerte Pulver entzünden würden und zu großen Explosionen führen könnten, erfüllte sich nicht.[5] Die Belagerten regierten ihrerseits mit dem Einäschern der nordöstlichen Vorstadt, damit sich der Gegner dort nicht festsetzen konnte. Auch versuchte die Garnison die Belagerungsarbeiten durch kleinere Ausfälle zu stören.[6] Mehr als dies behinderten nach dem 5. Juli jedoch heftige Regenfälle die Belagerungsarbeiten.[1]

Das Sächsisch-Schwedische Heer unter Arnim lagerte bei Strehlen und zog schließlich zum Entsatz heran. Wallenstein, der dadurch den günstigsten Moment für einen Sturm der Stadt verpasst hatte, wollte einer Schlacht ausweichen. Er wandelte die Belagerung daher in eine lockere Blockade um und postierte seine Hauptkräfte bei. Arnims Truppen bezogen ihrerseits eine Stellung zwischen Schweidnitz und Striegau. So standen sich die beiden Heere im Wesentlichen bis zur Fortsetzung der Operationen im September gegenüber.[1] Lediglich die ausgesandten Fourage-Kommandos beider Seiten lieferten sich gelegentliche Scharmützel.[7] Am 22. August wurde schließlich eine erneute Waffenruhe vereinbart, die bis Anfang Oktober halten sollte.[8]

Folgen

Für Schweidnitz war das Jahr 1633 ein Katastrophenjahr. Bereits am 17. Februar hatte eine Feuersbrunst die südliche Vorstadt zerstört, sodass die obdachlosen Bewohner dieses Viertels in die Innenstadt gezogen waren. Als die Umgebung im Juni Kriegsschauplatz wurde, flohen auch die Bewohner der brandschatzten Dörfer in die Stadt. Bei Beginn der Belagerung hatte das Abbrennen der nordöstlichen Vorstädte die Zahl der zerstörten Wohnhäuser bereits auf 850 erhöht. Wegen des drohenden Beschusses hatte der Festungskommandant die Bürger angewiesen, die Holzschindeln aller Dächer abzudecken. Die Regenfälle im Juli hatten daher auch in den an sich unzerstörten Häusern große Schäden verursacht.[6]

In der überfüllten Stadt gingen die Vorräte bald zur Neige, weil die gegnerischen Heere noch lange in der Umgebung blieben und dort kaum mehr Nahrungsmittel aufzutreiben waren. Wegen der Mangelversorgung, der beengten Verhältnisse und schlechten hygienischen Umstände brach bald die Pest aus. In den Überlieferungen heißt es, dass im August täglich 200–300 Menschen starben, die aus Mangel an Platz und aufgrund der schieren Menge lange in der Sommerhitze liegen blieben. In den folgenden Wochen starben ganze Straßenzüge aus und die Gräben vor den Stadtmauern füllten sich mit Leichen. Diese wiederum lockten Tiere und wilde Hunde in einer solchen Zahl an, dass sie selbst zu einer Bedrohung wurden.[9]

Die protestantische Garnison hatte Schweidnitz frühzeitig verlassen und am 26./27. September marschierten die gegnerischen Heere aus der Umgebung ab. Die Zustände forderten jedoch weiter Opfer, sodass in der Stadt bis zum 1. Januar 1634 allein 16.000–17.000 Pest-Opfer gezählt wurden. Die Pest hatte daneben wahrscheinlich auch 12.000 protestantische und 8000 kaiserliche Soldaten dahingerafft. Das Schweidnitzer Land litt noch lange an dem völligen Zusammenbruch des Handels und fast aller wirtschaftlicher Aktivitäten, der durch die ausufernde Inflation (es mangelte an allem) noch beschleunigt wurde.[10]

Auch in der Folgezeit suchten noch einzelne Truppenteile die Stadt heim. Zuletzt wurde sie 1642 (→ Schlacht bei Schweidnitz) noch einmal Schauplatz größerer Kämpfe. Danach zählte sie von ursprünglich 500 Häusern nur noch 118 baufällige Behausungen. Schweidnitz, das neben Breslau die kulturell und wirtschaftlich wichtigste Stadt in Schlesien gewesen war, erholte sich erst ab den 1660er Jahren langsam wieder, konnte aber nie mehr an seine vorherige Bedeutung anknüpfen.[11]

Literatur

  • Hellmut Diwald: Wallenstein – Eine Biographie, München/Berlin 1979. ISBN 3-7766-0909-5
  • Leonhard Radler: Das Schweidnitzer Land im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) in politischer, wirtschaftlicher, militärischer und kirchlicher Hinsicht, Lübeck 1986. ISBN 3-8783-6350-8
  • Friedrich Rudolf von Rothenburg: Schlachten, Belagerungen und Gefechte in Deutschland und den angrenzenden Ländern, Bd. 7, Wien 1836. (Online-Version)
  • Julius Schmidt: Geschichte der Stadt Schweidnitz. Band 2, Schweidnitz 1848. (Online-Version)
  • Peter H. Wilson: Europe's Tragedy – A History of the Thirty Years War, London/ New York/Toronto 2009, ISBN 0-6740-3634-4

Einzelnachweise

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