Bellaria Kino
Kino in Wien
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Das Bellaria Kino ist eines der ältesten existierenden Kinos in Wien. Es befand sich in der Museumstraße im 7. Bezirk Neubau direkt hinter dem Volkstheater.

Name
Der Name des Kinos stammt von der heute nicht mehr existierenden Bellaria, nach der auch die nahe gelegene Bellariastraße benannt ist.
Geschichte
1911 als „Invalidendank-Kino“ mit einem Fassungsvermögen von 247 Personen gegründet, widmete sich das Bellaria Kino bereits während des ersten großen Kinosterbens Anfang der 1960er-Jahre der Vorführung historischer Filme.[1] Vor allem österreichische und deutsche Filme der 1930er und 1940er Jahre standen dabei auf dem Programm. Dem vorwiegend älteren Publikum standen täglich 3 Vorführungen, um 16:00, 18:00 und 20:00 Uhr zu sehr günstigen Kartenpreisen zur Verfügung, wobei in der Regel die 16:00 Uhr-Aufführungen vom Stammpublikum am besten besucht und oft ausverkauft waren.
In den 1970er-Jahren fanden im Bellaria-Kino Autogrammstunden mit noch lebenden Ufa-Stars wie Marika Röck, Kristina Söderbaum, Zarah Leander, Marta Eggerth, Paula Wessely, Karl Schönböck und Hilde Krahl statt.
Bei der Aufführung des Filmes Wien 1910 von E. W. Emo aus dem Jahr 1943, dem Porträt des antisemitischen, christlich-sozialen Wiener Bürgermeisters Karl Lueger mit Rudolf Forster und Heinrich George in den Hauptrollen kam es zu Protesten im Kino, bei denen die Leinwand mit roter Farbe beworfen wurde, da das Kino in naiver Programmierung seiner historischen Filme auch einen NS-Propagandafilm aufs Programm gesetzt hatte.
Die Tradition alter Ufa-Filme wurde bis zum Schließen des Kinos fortgeführt: Jeden Nachmittag lief ein anderer historischer Film (meist aus der Zeit von den 1930er- bis zu den 1960er-Jahren). Als seltene Ausnahme kam 1972 mit Jörg A. Eggers Der letzte Werkelmann auch ein zeitgenössischer österreichischer Film zur Aufführung. Ab der Jahrtausendwende kamen dann auch vermehrt Vorführungen zeitgenössischer Kinofilme hinzu.
Am 11. April 2002 fand hier die Österreich-Premiere des Dokumentarfilms Bellaria – So lange wir leben! von Douglas Wolfsperger mit Karl Schönböck, Johanna Matz, Elfie Mayerhofer u. v. a. statt, der die Lebensgeschichten der betagten Kinobesucher, ihrer Faszination für das Kino und ihrer Sehnsucht nach der Vergangenheit zum Inhalt hat.
2006 zeigte das benachbarte Volkstheater in der Direktion von Michael Schottenberg im Bellaria Kino eine Dramatisierung von Hugo Bettauers Roman Die Stadt ohne Juden (1924 verfilmt).
Der Umstand, dass diese von den Verleihen nur mehr digital geliefert wurden, begünstigte den Umstieg vom alten 35-mm-Film- auf einen digitalen Filmprojektor.

Anfang Dezember 2019 wurde bekannt, dass das Kino geschlossen werden soll. Als letzter Spieltag war der 19. Dezember 2019 vorgesehen, weitere Vorstellungen wurden für den 24. Dezember 2019 angesetzt. Nach Bekanntgabe meldeten sich drei Interessenten für das Kino.[2][3][4][5]
Im Februar 2022 starteten die Betreiber des Votivkinos und zwei Lokalbesitzer eine Crowdfunding-Kampagne um das Kino wiederzueröffnen.[6] Im Rahmen der siebenwöchigen Kampagne wurden bis April 2022 über 135.000 Euro gesammelt, eine Wiedereröffnung war für Ende 2022 geplant, verzögert sich jedoch wegen Lieferengpässen bei Baumaterial.[7] Die Stadt Wien beteiligte sich mit 100.000 Euro an der Generalsanierung, für die rund 270.000 Euro veranschlagt wurden. Der auf diese Summe fehlende Betrag soll aus Eigenmitteln bestritten werden.[8] Vor Beginn der Sanierungsarbeiten wurden rund hundert handgemalte Filmplakate aus den 1930er-Jahren auf dem Dachboden gefunden.[9] Im Frühjahr 2024 wurde bekannt, dass mit einer Wiedereröffnung frühestens im Herbst 2024 zu rechnen sei, Problem sei vor allem die technische Umsetzung der Vorgaben der Vermieter.[10]
Ende März 2026 wurde bekanntgegeben, dass die Wiedereröffnung für den 16. April 2026 geplant ist.[11]
Siehe auch
Weblinks
- Bellaria Kino auf Wiener Kino- und Theatertopografie