Belvès

ehemalige französische Gemeinde From Wikipedia, the free encyclopedia

Belvès (Aussprache [bɛlˈvɛs], okzitanisch Belvés) ist ein Ort und ehemalige französische Gemeinde mit 1.180 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehörte zum Arrondissement Sarlat-la-Canéda. Die Einwohner werden Belvésois und Belvésoises genannt.

Schnelle Fakten
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Belvès ist als eines der Plus beaux villages de France (Schönste Dörfer Frankreichs) klassifiziert.[1]

Der Erlass des Präfekten vom 21. Dezember 2015 legte mit Wirkung zum 1. Januar 2016 die Eingliederung von Belvès als Commune déléguée zusammen mit der früheren Gemeinde Saint-Amand-de-Belvès zur Commune nouvelle Pays de Belvès fest.[2]

Geografie

Karte von Belvès

Belvès liegt etwa 51 Kilometer südöstlich von Périgueux, etwa 21 Kilometer südwestlich von Sarlat-la-Canéda und etwa 42 Kilometer ostsüdöstlich von Bergerac in der Région naturelle des Périgord noir, Teil des gleichnamigen, touristisch benannten Landesteils. Das Ortsgebiet befindet sich im Einzugsgebiet der Dordogne am linken Ufer der Nauze.

Das Relief des Gebiets von Belvès zeigt eine hügelige, bewaldete Landschaft mit Erhebungen, die nach Süden hin Höhen über 200 m aufweisen. Der topographisch höchste Punkt ist mit 288 m im äußersten Süden zu finden. Der tiefste Punkt mit 82 m wird im Nordosten im Nauze-Tal gemessen. Der Ortskern befindet sich erhöht auf etwa 173 m Meereshöhe.

Umgeben wird Belvès von acht Nachbargemeinden und der weiteren Commune déléguée von Pays de Belvès:

Saint-Pardoux-et-Vielvic Monplaisant Sagelat
Saint-Amand-de-Belvès
(Pays de Belvès)
Saint-Avit-Rivière Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Larzac
Saint-Marcory Capdrot Salles-de-Belvès

Toponymie und Geschichte

Der Standort von Belvès zog die Menschen seit vielen tausend Jahren an, wie Spuren aus der Altsteinzeit und der Jungsteinzeit und die Dolmen belegen. Die Existenz eines ersten Klosters wird durch eine Schrift des neunten Jahrhunderts belegt, monasterium Belvacense (853). Der Name des Dorfes wurde Belves im 11. Jahrhundert (1095). Es scheint auf den ersten Blick, dass das Toponym vom Namen eines gallischen Volkes, den Bellovakern, (lateinisch Bellovaci), stammt. Die erhöhte Lage des Orts verpflichtet jedoch eine andere Hypothese zu betrachten. Belvès entspricht in etwa dem okzitanischen bèl véser (deutsch schönes Aussehen). In den Schriften des mittelalterlichen Lateins wird das Dorf als Bellovidere und Bellumvidere (1279) erwähnt.[3]

An der Grenze zu Saint-Pardoux-et-Vielvic finden sich Überreste eines römischen Lagers, was nahelegt, dass sich unweit davon möglicherweise eine gallische Siedlung befand, gegen die sich die Römer schützen mussten. Allerdings gibt keine Spuren eines gallischen Oppidums. Die Römer hinterließen keine sicheren Spuren ihrer Niederlassung in Belvès und keines der alten Gebäude in Belvès weist den Charakter römischer Bauten auf.[4] Eine Münze gibt einen Hinweis auf die gallischen Bewohnern. Unter den wenigen Artefakten der gallo-römischen Zeit gilt eine gallische Silberdrachme, die den Petrocoriern zugeschriebene wird und als „Drachme vom Typ Belvès“ bezeichnet wird.[5]

im Jahr 848 plünderten und zerstörten die Wikinger hier ein Kloster, welches kurze Zeit später wiederaufgebaut, aber erneut zerstört wurde. Es ist davon auszugehen, dass sich Belvès im Schatten einer Burg im Mittelalter entwickelte. Über die Geschichte der ersten Siedlung ist jedoch nichts bekannt. Als es zahlreiche zuverlässige historische Dokumente über Belvès gab, war die Burg bereits zerstört, und an ihrer Stelle und innerhalb ihrer Mauern hatte sich bereits ein Dorf gebildet. Die Erzbischöfe von Bordeaux ließen um 1095 den Ort durch ein Castrum sichern. Die Bevölkerung führte kein sehr friedliches Leben. Private Kriege waren die Plage dieser Zeit; sie breiteten sich von einem Ort zum anderen aus, betrafen eine große Anzahl von Familien und wurden über weite Gebiete geführt. Sie hatten die verheerenden Auswirkungen eines ausländischen Krieges, und im Périgord hielt sich dieser Brauch sehr lange. Obwohl es dem Charakter seines Lehnsherren entsprach, Belvès weitgehend vor den verheerenden Folgen privater Kriege zu bewahren, musste das Gebiet von Belvès oft unter den beklagenswerten Folgen dieser zwischen benachbarten Seigneurs und den Vasallen des Erzbischofs erklärten Kriege leiden. Das Dorf und der größte Teil der Umgebung wurden im 10. und 11. Jahrhundert außerdem von der Pest heimgesucht, der Zehntausende Menschen zum Opfer fielen.

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts nahmen Teile der Bevölkerung der Glauben der Katharer an, der nur wenig später im Rahmen der Albigenserkreuzzüge (1209–1229) nahezu ausgerottet wurde. Im Vertrag von Paris (1259) wurde Aquitanien der englischen Krone zugesprochen; 1319 gründete der Orden der Dominikaner ein Kloster vor der Stadt. Nach Steuererhöhungen erhoben sich viele Städte Aquitaniens gegen die Engländer. Im Jahre 1369 wurde die englische Garnison aus Belvès vertrieben, doch konnte sie kurz danach wieder zurückkehren. Der Hundertjährige Krieg (1337–1453) wütete auch im Süden Frankreichs – manche Städte erlebten häufig wechselnde Herren. Noch im Jahr 1442 ergab sich Belvès nach einer einmonatigen Belagerung den von Arthur III., dem späteren Herzog der Bretagne, befehligten Truppen.

Die religiös motivierten Auseinandersetzungen des 16. Jahrhunderts gipfelten in den Hugenottenkriegen (1562–1598); im Jahr 1575 wurde Belvès von protestantischen Truppen eingenommen, später geräumt und im Jahr 1577 erneut erobert. Sarlat schloss sich 1591 der Katholischen Liga an. Auf Befehl des Parlaments von Bordeaux wurde Belvès Sitz eines Seneschalls, der jedoch nach dem offiziellen Amtsantritt Heinrichs IV. (1594) wieder abberufen wurde. Noch im selben Jahr erlebte die Region religiös und sozial bedingte Bauernaufstände (jacqueries), die noch bis weit ins 16. Jahrhundert hinein andauern sollten.[4]

Die Bahnstrecke Niversac–Agen wurde 1863 eröffnet und Belvès wurde durch einen Bahnhof angeschlossen.

1973 fusionierte die bisherige Gemeinde Fongalop als Commune associée mit Belvès.[6]

Bevölkerungsentwicklung

Belvès: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020
Jahr  Einwohner
1793
 
1.798
1800
 
2.099
1806
 
2.181
1821
 
1.944
1831
 
2.263
1836
 
2.513
1841
 
2.529
1846
 
2.400
1851
 
2.508
1856
 
2.473
1861
 
2.392
1866
 
2.517
1872
 
2.368
1876
 
2.386
1881
 
2.277
1886
 
2.242
1891
 
2.182
1896
 
1.988
1901
 
1.909
1906
 
1.863
1911
 
1.807
1921
 
1.609
1926
 
1.642
1931
 
1.680
1936
 
1.656
1946
 
1.636
1954
 
1.787
1962
 
1.572
1968
 
1.630
1975
 
1.623
1982
 
1.581
1990
 
1.553
1999
 
1.431
2006
 
1.503
2013
 
1.383
2020
 
1.226
Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[6] INSEE ab 2006[7][8][9]
Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz

Im 19. Jahrhundert hatte der Ort meist deutlich über 2000 Einwohner. Die Reblauskrise im Weinbau und der Verlust von Arbeitsplätzen durch die Mechanisierung der Landwirtschaft haben seitdem zu einem deutlichen Bevölkerungsrückgang geführt.

Sehenswürdigkeiten

  • In Belvès gibt es einige wenige Höhlenwohnungen (maisons troglodytes), die wahrscheinlich vom 13. bis zum 18. Jahrhundert bewohnt waren.
  • Die architektonischen Überreste des Schlosses Belvès stammen im Wesentlichen aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Das Haus Er ist seit 1948 als Monument historique eingeschrieben.[10]
  • Die Pfarrkirche Notre-Dame de Moncucq oder Notre-Dame-de-l’Assomption ist ein einschiffiger Bau des 15./16. Jahrhunderts mit Seitenkapellen, der ältere Kirchen des 9. und des 13. Jahrhunderts ersetzt hat. Er wurde im Jahr 2000 als Monument historique klassifiziert. Die Kirche birgt zahlreiche Ausstattungsgegenstände, die in der Base Palissy gelistet sind, darunter eine große Anzahl, die als Monument historique der beweglichen Objekte klassifiziert sind.[11]
  • Der Belfried aus dem 13. Jahrhundert ist ein Glockenturm, der einst als Uhrturm gedient zu haben scheint. Es handelt sich um einen quadratischen Turm, dessen Dach neu gedeckt wurde und der Teil der umschlossenen Gebäude des Castrums war. Seltene Schießschartenöffnungen. Reste der Stadtmauern reihen sich daran an. Er ist seit 1948 als Monument historique eingeschrieben.[12]
  • Die Überreste des Hôtel Bontemps, einem Stadtpalais der Erzbischöfe von Bordeaux aus dem 16. Jahrhundert, wurden bereits im Jahr 1948 als Monument historique eingeschrieben.[13]
  • Die auf hölzernen Stützen stehende Markthalle (halle) datiert aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts und war jahrhundertelang das wirtschaftliche und – neben der Kirche – auch das gesellschaftliche Zentrum der Stadt. Sie ist seit 1948 als Monument historique eingeschrieben.[14]
  • Der Turm, genannt „L’Auditoire“, ist der einzige verbliebene Teil der alten Befestigungsanlage aus dem 12./13. Jahrhundert. Er ist seit 1948 als Monument historique eingeschrieben.[15]
  • Reste eines mittelalterlichen Hospitals sind ebenfalls erhalten. Sein Turm stammt aus dem 15. Jahrhundert steht versetzt auf Fundamenten aus dem 12. Jahrhundert und hat eine eiförmige Form und wird von einem teilweise mit Schuppen und Flachziegeln gedeckten Dach gekrönt. Er ist seit 1948 als Monument historique eingeschrieben.[16]
  • Der Glockenturm, genannt „Tour de la Mairie“, dessen Bau auf den Beginn des 14. Jahrhunderts zurückgeht, ist das einzige Überbleibsel des Dominikanerklosters, das zwischen 1318 und 1324 in Belvés erbaut wurde. Er ist seit 1910 als Monument historique klassifiziert.[17]
Umgebung
  • Die romanische Kirche Saint-Jean-Baptiste des Dorfes Fongalop hat noch ornamentierte Portalarchivolten und einen Glockengiebel (clocher mur).
  • Das Herrenhaus Pech Godou steht sich etwa zwei Kilometer außerhalb des Ortes, befindet sich aber in Privatbesitz. Das Wort „Godou“ ist vermutlich eine Verballhornung von „Godame“, des Namens, mit dem die Engländer einst bezeichnet wurden. Pech Godou bedeutet daher „Hügel der Engländer“. Bereits im 12. Jahrhundert bewachte eine Festung das Nauze-Tal. Während des Hundertjährigen Krieges mussten die Engländer es besetzen. 1468 gehörte der Ort Pierre de Commarque, dem Herrn von Pech Godou. Während der Reformation geriet das Herrenhaus in die Hände der Hugenotten, denn 1577 erhielt sein Seigneur, Annet de Commarque, vom König von Navarra den Auftrag, die Abtei von Saint-Avit-Sénieur einzunehmen. Fassaden und Dächer des Gebäudes sind seit 1981 als Monument historique eingeschrieben.[18]

Literatur

  • Albert Vigié: Histoire de la châtellenie de Belvès. In: Bulletin de la Société Historique et Archéologique du Périgord. Bd. 28, 1901, S. 72–104.
  • Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
Commons: Belvès – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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