Ben Austrian

US-amerikanischer Künstler (1870 - 1921) From Wikipedia, the free encyclopedia

Ben Austrian (* 1870 in Reading, Pennsylvania; † 9. Dezember 1921 in Kempton, Pennsylvania) war ein US-amerikanischer Maler und Illustrator, der vor allem durch seine Tierdarstellungen und Werbemotive für das Reinigungsmittel Bon Ami bekannt wurde.[1]

Bon Ami-Werbung von Ben Austrian

Leben

Ben Austrian wurde 1870 in Reading, Pennsylvania, geboren. Er war der fünfte Sohn einer lokal angesehenen jüdischen Familie, die 1864 an der Gründung der Oheb-Shalom-Synagoge in Reading beteiligt gewesen war. Sein Vater, Raphael Austrian, war ein aus Deutschland eingewanderter Kaufmann, der ein Textilgeschäft in der Penn Street betrieb. Seine Mutter, Fannie Elizabeth Dierfross, war mit der wohlhabenden Familie Drexel aus Philadelphia verwandt. Aufgrund chronischer gesundheitlicher Probleme und fehlender finanzieller Mittel erhielt Austrian keine akademische Kunstausbildung; er war Autodidakt. Bereits als Kind bekam er von Freunden und seiner Mutter Farben und Zeichenmaterial.[2]

Twenty-one Chicks and a Bug von Ben Austrian (1908)

Mit fünfzehn Jahren begann er, im Geschäft seines Vaters zu arbeiten, und war später als Handelsreisender für das Familienunternehmen tätig. Parallel dazu malte er weiter und verschenkte häufig Originalgemälde an Kunden. In den frühen 1890er Jahren erregten seine Arbeiten erstmals größere Aufmerksamkeit. Im Jahr 1895 erhielt er für das Gemälde After the Race einen mit 100 US-Dollar dotierten Preis der National Horse Show Association. Nach dem Tod des Vaters übernahmen Ben Austrian und sein Bruder Julian im Jahr 1897 eine Dampfwäscherei, stellten den Betrieb jedoch wieder ein, da Ben Austrian die Malerei aufgegeben hatte und darunter litt. Die Familie verkaufte das Unternehmen schließlich, um ihm eine hauptberufliche künstlerische Tätigkeit zu ermöglichen.[2]

Ben Austrians Gemälde, die mit großer Genauigkeit Tiere und ländliche Szenen zeigen, fanden besonders bei einem städtischen Publikum Anklang, das eine idealisierte, einfache Lebenswelt suchte. 1898 erzielte er mit dem Bild A Day’s Hunt, das in der Earle’s Art Gallery in Philadelphia ausgestellt wurde, seinen ersten großen Erfolg. Nach Ausstellungen in Paris und London erwarb der Industrielle James Hervey Sternbergh das Werk im Jahr 1904 für 2500 US-Dollar. Das Walker Art Museum in Liverpool erwarb das Gemälde Golden Harvest. Ein besonderer Schwerpunkt seines Œuvres lag auf Darstellungen von Hühnern und Küken. Einzelne Tiere trainierte er gezielt als Modelle.[2]

Hasn't scratched yet!!! Bon Ami – The Finest Cleaner Made (11 yrs on the m’k't). Ben Austrian, 1902

Ab 1900 wurden seine Kükenbilder für Werbezwecke eingesetzt. So ließ der Werbefachmann A. W. Erickson sie in farbigen Anzeigen in führenden amerikanischen Frauenzeitschriften abdrucken. Die Motive wurden rasch populär und vielfach reproduziert, unter anderem auf Postkarten, Kalendern, Plakaten, Verpackungen und Sammelkarten. Besonders bekannt wurde die Verbindung seiner Kükenmotive mit dem Reinigungsmittel Bon Ami, das seit 1903 durch das sogenannte Bon-Ami-Küken beworben wurde. Ein weiteres zentrales Werbemotiv war die Darstellung einer fleißigen Hausfrau, deren Modell seine Ehefrau Mollie Austrian war. Sie erschien zwischen 1903 und 1921 in verschiedenen zeitgenössischen Rollenbildern in Anzeigen für Haushaltsprodukte. Zur organisatorischen Abwicklung der zahlreichen Aufträge gründete Austrian die Ben Austrian Art Publishing Company.[2]

In seinen letzten Lebensjahren lebte Ben Austrian abwechselnd an mehreren Orten: Während der Sommer- und Herbstmonate wohnte er in Clovelly at Pinnacle im nördlichen Berks County nahe Kempton, im Winter in Palm Beach, Florida, und im Frühjahr in einer Hütte in Neversink. Ben Austrian starb am 9. Dezember 1921 unerwartet an einem Herzinfarkt und wurde hinter der lutherischen Kirche in Kempton beigesetzt.[2]

Austrians Werk steht exemplarisch für die amerikanische Illustrations- und Werbekunst der Zeit vor der breiten Einführung der Fotografie in Zeitungen und Zeitschriften. Seine Arbeiten prägten das visuelle Erscheinungsbild kommerzieller Produkte und fanden als erschwingliche Drucke zugleich Eingang in private Haushalte. Seine Kükenbilder gehören zu den bekanntesten Bildmotiven der amerikanischen Werbegeschichte des frühen 20. Jahrhunderts.

Literatur

  • Judith M. Hartman, Ben Austrian, in: Historical Review of Berks County:47:2 (1982): 47-51, 64-65.
  • Michael O’Malley, Ben Austrian: The Chick Painter of Reading, Pennsylvania Heritage:13:2 (1987): 18-25.
  • Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 1: A – Bedeschini. Paris, 2006.
  • Andreas Beyer, Bénédicte Savoy, Wolf Tegethoff (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon – Internationale Künstlerdatenbank – Online, De Gruyter, Berlin, 2009.
  • F. Turner Reuter Jr.: Animal & Sporting Artists in America, National Sporting Library, 2009.
Commons: Ben Austrian – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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