Bergbau in Bad Häring
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Bergbau in Bad Häring wird seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts betrieben.[1] Abgebaut wurde Glanzbraunkohle,[2] auch bekannt als Pechkohle[3] eine Braunkohle höherer Qualität.[2] Etwa seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde zudem Kalkstein und Mergel abgebaut die als Rohstoffe zur Zementherstellung dienten.[4] Auch in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts wird Kalkstein in einem Steinbruch, der am westlichen Hang des Pölven angelegt ist, noch abgebaut.[5] Der Bergbau hatte einen großen Einfluss darauf, dass die Einwohnerzahl des Ortes von 464 Personen im Jahr 1801 auf 1185 Personen im Jahr 1900 anstieg.[6]
Die Lagerstätte
Die Lagerstätte von Bad Häring erstreckt sich am Fuß des Pölven.[7] Erstmals wissenschaftlich erwähnt wird das Vorkommen 1922 in dem Bericht von Ampferer.[8] Die Kenntnis über das Vorkommens in Häring führte noch im selben Jahr zu grundlegenden Studien über die österreichischen bituminösen Gesteine.[9] 1964 fand die erste fazielle Ansprache der echten Häringer Schichten bei Kövecs statt.[8] Hauptsächlich vorkommende Rohstoffe der Lagerstätte sind Kohle und asphalthaltige Gesteine.[10] Bei dem Flöz handelt es sich um ein Glanzkohlenflöz mit einer Mächtigkeit von sechs bis acht, örtlich bis 20 Meter.[11] Bemerkenswert ist, dass Kohle in Südtirol entweder gar nicht oder nur unbauwürdige Vorkommen bilden und nur im Bereich von Häring dieses Flöz in dieser Bauwürdigkeit vorkommt.[10] Die Lagerstätte ist bzw. war somit die bedeutendste Ablagerung von fossilem Brennstoff in Tirol.[12] Das Kohlenflöz in der Häringer Lagerstätte stammt aus dem Tertiär.[7] Das Flöz liegt auf einer Schicht aus Schieferton.[11] Im Flöz sind deutliche Pflanzenreste wie Palmen- und Koniferenreste eingeschlossen.[13] Über dem Flöz liegen gelbliche bis braune bituminöse Mergel mit Pflanzenresten,[11] der als Stinkkalk bezeichnet wird.[13] Darüber befindet sich eine graue dünnschichtige bituminöse Mergelschicht.[11] Seitlich und oben befinden sich mächtige Schotterlagen, welche das anstehende Gestein bedecken.[14]
Beschreibung der Rohstoffe
In der Lagerstätte von Bad Häring gibt verschiedene nutzbare Rohstoffe.[11] Zum einen sind dort mineralische Rohstoffe organischen Ursprungs wie Kohle und asphalthaltiges Gestein in größerem Ausmaß vorhanden.[10] Zum anderen gibt es in der Bad Häringer Lagerstätte auch abbaubare und gut verwertbare Rohstoffe wie Wettersteinkalk[5] und mariner Zementmergel.[11] Die Häringer Kohle ist schwarz glänzend und hat einen muschligem Bruch.[15] Da die Kohle unter mikroskopischer Betrachtung aussah wie echter Anthrazit, ging man zunächst davon aus, dass es sich bei der Kohle um Anthrazitkohle handelt.[16] Allerdings konnte man durch weitere Untersuchungen, wie der Löslichkeit in Alkalilauge und dem braunen Strich der Kohle, feststellen, dass es sich bei der Kohle aus Häring um Braunkohle handelt.[15] Die farbliche Veränderung der Braunkohle ist aufgrund der jahrzehntelangen Erwärmung durch die Schwelbrände im Flöz entstanden.[16] Genau genommen handelt es sich bei der Braunkohle der Häringer Lagerstätte um Pechkohle mit einem Schwefelgehalt von 3,63 Prozent.[3] Diese Pechkohle hat einen Heizwert von 5400 Kalorien.[11] Die Häringer Kohle liefert, je nach Verkokungsart, zwischen 42 und 56 Prozent Koks, lässt sich jedoch nicht in Pulverform verkoken.[3] Der Wettersteinkalk der Häringer Lagerstätte besteht zu 97 aus Calciumkarbonat und hat eine hell- bis dunkelgraue Farbe.[5] Bei dem Zementmergel handelt es sich um unteroligozänen Zementmergel.[17]
Geschichte
Die Anfänge
Während das Vorkommen von Braunkohle in Bad Häring bereits erstmalig im Jahr 1558 in einem „Tiroler Landreim“ erwähnt wurde, ist der eigentliche Beginn des Bergbaus in Häring nicht genau bekannt.[18] Gemäß einer Volkssage wurde die Kohlelagerstätte in Häring im Jahr 1735 von einem Hirten entdeckt.[2] Dieser Zeitpunkt wird auch in dem Naturführer von Dalla Torre als unbekannter Beginn des Bergbaus in Häring angeführt.[18] Die frühe Entdeckung der Lagerstätte ist vermutlich auf die an mehreren Stellen im Wald austretenden Grubengase brennender Kohleflöze zurückzuführen.[18] In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts setzte die Kaiserin Maria Theresias eine Prämie zur Erschließung von Kohlenvorräten im Inntal aus.[19] Im Jahr 1760 wurden erste Schürfarbeiten von Jakob Weindl an Härimnger Lagerstätte durchgeführt.[2] Im selben Jahr stieß man auf Gemäuer, die aus der Römerzeit stammten.[13] Im Jahr 1766 meldete der Brixlegger Bergknappen Jakob Weindl das Kohlenflöz als Entdeckung.[20] Noch im selben Jahr erfolgte die bergrechtliche Belehnung an Jakob Weindl.[2] Weindl begann zudem noch im selben Jahr als Eigenlöhner mit dem Abbau der Kohle.[18] Bei seinen bergmännischen Arbeiten stieß er auf Grubenbaue, die von früherem Bergbau stammten.[15]
Der weitere Ausbau des Bergbaus
In den folgenden Jahren wurde eine private Gewerkschaft gegründet.[20] Führende Anteilseigner der Gewerkschaft waren die Herren Wallpach und Baldriani.[18] Der erste offizielle Betriebsbeginn des Bergwerks ist auf das Jahr 1776 datiert.[4] In der Folge wurde der systematische Abbau forciert.[20] Die Kohle fand seit 1777 vor allem in der Haller Saline Absatz,[21] nachdem die Holzfeuerung von der Kohlefeuerung zum Eindampfen der Sole abgelöst wurde.[18] Der Abbau der Kohlen erfolgte seit diesem Jahr im Theresierstollen und seit dem Jahr 1780 im Johannesstollen.[20] Im Jahr 1781 erwarb der österreichische Staat das Bergwerk in Häring.[21] Jakob Weindl erhielt als Finder einen Kaufpreis von 50 Stück Dukaten, bestimmte Naturalien,[ANM 1] zudem eine bezahlte Unterschafferstelle, für die er mit vier Florin wöchentlich entlohnt wurde.[18] Der Bergbau in Häring wurde nun für mehrere Jahrzehnte als ärarischer Kohlenbergbau geführt.[14] Um die Ausbeute zu steigern, wurden langfristig mehrere Stollen aufgefahren.[18] Darunter befanden sich der vor 1780 aufgefahrene Theresiastollen[2] (auch Theresienstollen genannt).[15] Ab 1780 erfolgte der Kohlenabbau im Johannesstollen.[20] In 1783 wurde mit der Auffahrung des Josefistollens begonnen.[2] Ein weiterter Stollen war der Franziskastollen.[15] Dieser auch Franciscistollen genannte Stollen wurde ab dem Jahr 1784 aufgefahren.[2] Im Jahr 1792 wurde der Barbarastollen aufgefahren.[18]
Der Franziskastollen stieß nach etwa 600 Stollenmetern auf das Kohleflöz. Aufgrund des steilen Einfallens des Flözes konnte es von Häring aus durch diesen Gang nur im oberen Teil aufgeschlossen werden. Während der bayerischen Besetzung Tirols von 1806 bis 1814 wurden weitere Stollen angefahren, wie etwa der Ferdinand-Stollen im Berggrübl-Revier um 1810, sodass der Abbau eine jährliche Produktion von ca. 10.000 t erlangte. Um auch jene bisher unangetasteten Vorkommen zu erreichen, die unterhalb des Franziskistollen situiert waren, wurde die Planung eines Schachtes vorangetrieben und dieser kurze Zeit darauf realisiert.
Die damals technischen Möglichkeiten erwiesen sich jedoch bald als begrenzt, sodass es mittels Schachtförderung nicht gelang, dem Kohleflöz weiter in die Tiefe bis zum Auskeilen zu folgen. In 1840 wurde im Häringer Bergbau erstmals hydraulischer Kalk[ANM 2] zum Schutz der Ulmen vor Verwitterung und Auflösung, mittels Mörtelanwurf, verwendet.[22] Im Jahr 1841 wurde der Fürst Lobkowitz Erbstollen, benannt nach dem Fürsten August Longin von Lobkowitz, angeschlagen.[18] Unterhalb des Stollenmundlochs verlief ab der zweiten Hälfte der 1870er Jahre die Inntalbahn.[23] Das Mundloch wurde in 495 Meter NN angelegt.[18]
In 1870 selben Jahr traf der Erbstollen nach einer Länge von ca. 2500 m auf das Flöz. Mit einer Gesamtlänge des nach SE verlaufenden Stollens von 2.820 m ist er der längste des Häringer Bergbaus. Trotz seiner beachtlichen Länge erwies sich der Stollen damals als sinnvollste Möglichkeit, die Kohle kostengünstig und mit primitiven Mitteln auszufördern.[6] Wegen auftretender Probleme und mehrerer Unfälle beim Bau dauerte die Errichtung rund 30 Jahre. Der Erbstollen, der über seine Errichtungszeit hochgerechnet einen täglichen, durchschnittlichen Vortrieb von ungefähr 25 cm erreichte, war nicht nur zur Förderung der Kohle, sondern auch zur Bewetterung und zum Abführen des Grubenwassers von großer Bedeutung. Nach der Fertigstellung des Erbstollens wurde außerdem im Berggrüblrevier, im Barbararevier, im Karlstollen sowie im Erbstollen Kohle gefördert.
Glanzzeit des Häringer Kohlebergbaus
Mit der Fertigstellung des Erbstollens wurde ab 1870 eine 20 Jahre dauernde Glanzzeit des Häringer Kohlebergbaus eingeleitet.[20] Durch den fertiggestellten Erbstollen wurden in den 1870er Jahren die Kohlen, mittels einer Pferdebahn, zu dem Perron der Nordtiroler Eisenbahn gefördert.[24] Zu diesem Zeitpunkt betrug das Gesamtvermögen der Bruderlade Tirols, der auch die Bergleute des Hätinger Bergwerks angehörten, über 175.000 Gulden.[25] Auch die in den letzten Jahren gestiegenen Kohlenpreise wirkten sich vorteilhaft für den Häringer Bergbau aus.[26] Somit konnte man sich währenddessen beruhigt neuen Projekten zuwenden, um eine Versorgungssicherheit für weitere Jahrzehnte zu garantieren.[18] In der ersten Hälfte der 1870er Jahre führte man Versuche mit unterschiedlichen Gesteinsbohrern durch, um deren Standfestigkeit zu vergleichen.[27] Aufgrund der Ergebnisse dieser Versuche verwendete man auf dem Bergwerk nur noch Gussstahlbohrer für die Gesteinsbohrarbeiten.[28] Hauptabnehmer der Kohlen waren die Saline in Hall, die Hüttenwerke in Brixlegg, die Ziegelöfen in Innsbruck sowie Abnehmer für den Hausbrand in Kufstein, Innsbruck und Hall.[29] Im Jahr 1880 wurden auf dem Bergwerk 204. 150 Meterzentner Braunkohle gefördert die für einen durchschnittlichen Preis von 152. 970 Florin verkauft wurden.[30] Zu Beginn des neuen Jahrzehnts waren die Kohlenvorräte im westlichen Berggrübl-Revier vollständig abgebaut, sodass man das Revier abwarf.[31] Aus diesem Grund wollte man das Abbaugebiet in tiefer gelegene Schichten erweitern und plante das Abteufen eines Tiefbauschachtes mittels zweier Angriffspunkte.[32]
In 1890 konnte die Jahresförderung um 76.725 Quentchen gegenüber 1885 auf 301.295 Quentchen gesteigert werden.[33] Im Jahr 1893 wurde mit einer Belegschaft von 274 Bergleuten eine Jahresförderung von rund 200.000 Quentchen Kohle erbracht.[34] In 1894 begann man von der Erbstollensohle aus mit dem Abteufen eines Blindschachtes.[20] Im März desselben Jahres begann man über Tage, am Ausgang des Längerertals ober Häring mit dem Ansetzen des Tiefbauschachtes.[32] Der neu errichtete Tiefbauschacht wurde 327 m abgeteuft und gemeinsam mit den neu errichteten Schächten konnte die Abbaumenge im gesamten Bergbau auf fast 40.000 t vervierfacht werden. Da sich eine fast vollständige Ausbeute der Kohlevorkommen oberhalb des Erbstollens 1890 abzeichnete, verlagerte man zunehmend die Gewinnung in die neu errichteten Horizonte des Tiefbauschachtes. Allerdings war die Förderung, als Folge des Grubenbrandes, in den Folgejahren 1894 und 1895 noch beeinträchtigt und konnte erst ab 1896 wieder gesteigert werden.[32] In 1895 konnten im Häringer Kohlebergbau 174.536 metrische Zentner Braunkohle gewonnen werden.[35] In diesem Jahr gab es im Häringer Bergbau bereits viele Vergünstigungen für die Bergleute[ANM 3] sowie soziale und medizinische Einrichtungen, wie z. B. Notapotheken und Krankenzimmer.[36] Im Jahr 1896 umfasste das Grubenfeld des Bergwerks ein Fläche von 37 Grubenmaßen und einer Überscharr, der übertägige Grundbesitz hatte eine Fläche von acht mal vier Hektar.[37] Im Jahr 1899 konnte auf dem Bergwerk die Förderung um 7300 Quentchen, aufgrund der Wiedereröffnung des Ferdinandstollenfeldes, gesteigert werden.[38]
1911 teufte man nach Probebohrungen schließlich den Neuschacht vom Erbstollenniveau 452 m ab, der die tiefsten Kohlevorkommen erschließen sollte.[2] Die Schachtanlage wurde 1913 in Betrieb genommen. Nach einem Einbruch der Fördermengen aufgrund einer Vielzahl unerfreulicher Ereignisse wie den immer wieder auftretenden Grubenbränden konnte eine Steigerung der Tonnagen erzielt werden und um 1910 nahezu an die Höchstproduktion von 40.000 t angeschlossen werden. Während des Ersten Weltkrieges wurde vorübergehend das bisher beste Ergebnis erwirtschaftet, wobei 43.570 t an Ausbeute zu verzeichnen waren.
Weltwirtschaftskrise und Krieg
Während der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre unterlag der gesamte Abbau einem Einsparungsprogramm, dessen Konsequenzen nur noch eine Kohleförderung über den Neuschacht bzw. den Erbstollen zuließ.
In der Zwischenkriegszeit konnten die Fördermengen mit 35.000 t annähernd konstant gehalten werden, nur 1926 kam es erneut aufgrund eines verheerenden Großbrandes zum Einbruch. In der Mitte der 1930er Jahre stagnierte der Absatz der Häringer Kohle, da die Österreichischen Bundesbahnen ihren Bedarf im Ausland deckten.[39]
Der Neuschacht wurde ständig in die Tiefe erweitert, wobei seine Sohle 1937 nur noch 51,1 m über Adrianiveau befand. Weitere Untersuchungsbohrungen wurden bis 5 m über der Adria abgeteuft. Da in den untersten Revieren allerdings keine rentable Förderung mehr zu verzeichnen war, wurde die Gewinnung der Kohle im Wesentlichen auf die darüber liegenden Horizonte beschränkt.
Eine Schließung des mittlerweile stark defizitären Kohlebergbaus erfolgte 1941, wobei die Maschinen demontiert, die Stollen vermauert sowie Gebäude und Grundstücke verkauft wurden. Die Arbeitskräfte wurden von Bergwerksbetrieben wie dem Kupferbergbau Brixlegg, Molybdänbergbau an der Alpeiner Scharte und dem Steinkohlebergbau Nösslachjoch übernommen. Am Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 führte ein Engpass an fossilen Energieträgern zur kurzfristigen Wiedereröffnung mit ca. 20 Bergleuten beim Franziskistollen. Jedoch konnte ein rentables Betriebsergebnis aufgrund der niedrigen Kohlenpreise nicht erwirtschaftet werden, sodass es zur Aufgabe des Abbaus kam.
Erst ein Darlehen des Landes Tirol und finanzielle Unterstützung der Gemeinde Bad Häring ermöglichten Ende 1945 den Bau einer Anschluss-Seilbahn vom Franziski-Stollen ausgehend zur Seilbahnrampe beim Maximilian-Stollen, über die ein oberirdischer Transport erfolgen konnte. Zudem wurden unter hohem finanziellen Einsatz neue Maschinen angeschafft und eine Aufbereitungsanlage sowie eine Sortier-, Bunker- und Verladeanlage in Kirchbichl aufgebaut werden. In den folgenden Jahren wurde bis 1954 von den oberen Horizonten des Franziskistollens und am Berggrübl erneut Kohle geschürft. Auch der Barbarahorizont und der Josefistollen erfuhren eine Wiedereröffnung; als Hauptabnehmer der Kohle fanden sich die Holzfaserplattenfabrik in Wörgl und Private zu Heizzwecken.
Ende des Kohlebergbaus
Der Transport des Energieträgers fand ab 1949 nicht mehr mittels Seilbahn, sondern wieder über den Erbstollen statt. 1954 zeichnete sich eine Auskohlung des Erbstollenpfeilers im Süden ab, ein Ausweiten nach Norden erschien aufgrund der immer wieder auflebenden Grubenbrände nicht möglich, weshalb eine vollständige Ausbeute des Horizontes unterblieb. Um eine Fortsetzung der Lagerstätte zu finden und somit den Fortbestand des Häringer Bergwerkes zu sichern wurden geologische Gutachten erstellt. Diese lieferten im Hinblick auf die Kohlevorkommen negative Ergebnisse, weshalb eine endgültige Stilllegung des Kohlenbergbaus nach fast 200-jährigem Bestehen unerlässlich schien. Während des letzten Auflebens des Bergwerkes in der Nachkriegszeit konnten noch beachtliche 175.000 t an Ausbeute erreicht werden.
Brände im Bad Häringer Kohlebergbau
Braunkohlen und Steinkohlen neigen unter bestimmten Bedingungen zur Selbstentzündung.[40] Die Brände entstanden vor allem durch die Bewetterung wenn die Kohleflöze mit Sauerstoff in Kontakt kommen. Neben dem Eintritt von Sauerstoff ist das Vorhandensein von größerer Mengen Schwefelkies im Kohlenflöz eine der Hauptursachen von Flözbränden.[41] Die Brandgefährdung im Häringer Kohlebergbau war somit sehr hoch.[22] Das Rauchen am Fuße des Pölven wurde vermutlich bereits im Mittelalter beobachtet.[2] Das brennende Kohlenflöz in Häring ist lt. von Isser bereits seit dem Jahr 1535 bekannt.[15] Im Jahr 1558 wurde diese Brandgefährdung des Häringer Kohlenfözes in einem Tiroler Landreim erwähnt.[18]
„Bei Kufstein ein berg prinnen thuet.
Am Paichen genannt, on sonder Huet,
Gybt kalch, darff kainer ferren gluet.“[2]
Die Anwohner machten sich die, aufgrund des Flözbrandes entstandene, Erwärmung des Bodens nutzbar, indem sie auf dem erwärmten Boden Frühgemüse anbauten.[18]
Der erste Brand nach Wiederauffindung der Flöze ereignete sich 1795 am Theresienstollen. Damals wurde vier Tage lang glühender Schutt ausgefördert und Wasser in die Grube eingeleitet. 1811 registrierte man erneut im Josephirevier eine starke Erwärmung, wobei der erhitzte Schutt wieder ausgefördert wurde und Wasser über Rohrleitungen eingeleitet wurde. Erst 1815 wurde die Gefahr gebannt, jedoch musste man mit neuen Problemen kämpfen, da die nassen Massen an vielen Stellen ins Rutschen gelangten und Gegenmaßnahmen forderten. Als Prävention gegenüber neu entstehenden Bränden wollte man jegliches Kohleklein in den nächsten 8–12 Jahren ausführen und die ausgekohlten Räume mit Schutt ausfüllen. Eine vollständige Räumung der Grube war jedoch unmöglich und sehr kostspielig, sodass dies auch nicht versucht wurde. Obwohl man sich der latenten Gefahr eines Brandes bewusst war, blieb es bei unzureichenden Gegenmaßnahmen, unter anderem auch weil die Arbeitskräfte und Fördermengen begrenzt waren.
Ein großer Grubenbrand ereignete sich am im Jahr 1836[22] im Franziski-Feld, der bis heute andauert.[31] Bereits ein Jahr zuvor wurde eine starke Wärmeentwicklung festgestellt. Innerhalb weniger Stunden breitete sich das Feuer rasch aus, sodass am nächsten Morgen bereits das gesamte nördliche Feld in Flammen stand. Das gesamte verfügbare Personal wurde zur Brandbekämpfung herangezogen, über 100 weitere Hilfskräfte wurden aus Häring und Umgebung aufgenommen. Schnell wurde klar, dass die einzige Möglichkeit darin bestand den Brandherd einzudämmen, wofür man eine Brandmauer errichten wollte.[22] Nach eineinhalb Jahren war der Raum für den Absperrdamm geschaffen und man begann mit der Verschlämmung. Ober Tage konnte man starken Rauchaustritt an vielen Stellen feststellen, wobei man alle Rauchstellen mit Lehm versiegelte. Teils mussten zu diesem Zweck auch Waldflächen gerodet werden. Zweieinhalb Jahre nach Ausbruch des Feuers wurde erneut glühende Kohle aufgefunden und ein Ersäufen des Reviers in Erwägung gezogen. Da jedoch das Dammsystem entsprechend erweitert wurde, sah man vor einer Flutung ab. Durch sie unterirdischen Brände entstanden an der Oberfläche zahlreiche Pingen, die verfüllt wurden.
Mehrere Jahrzehnte blieben die Häringer vor größeren Brandereignissen verschont, erst am 22. Januar 1893 wurde im nördlichen Erbstollenfeld ein Brand wahrgenommen. Der Brand war durch Selbstentzündung im Alten Mann, in dem Kohlenklein und anderer Abraum gestapelt waren, entstanden.[42] Der Brand wirkte sich auch nach über Tage aus.[43] Die übertägigen Auswirkungen waren so heftig, dass bereits am 25. Jänner in Häring zwei Arbeiterhäuser, wegen Erstickungsgefahr für die dort wohnenden Bergleute, geräumt werden mussten.[42] Die durch Ritzen im Deckgebirge aufsteigenden Brandgase waren so konzentriert, dass ihr Geruch im großen Umfeld um das Bergwerk zu wahrnehmbar war.[43] Die Löscharbeiten wurden stark erschwert, da sich im Grubengebäude schwefelhaltige Brandgasen befanden.[42] Es wurden die einziehen Tagesöffnungen und die oberen Stollen mittels Brandmauer verschlossen, um so die Luftzufuhr zum Brand zu unterbinden, um den Brand dadurch zu ersticken.[44] Der untertägige Brand war, obwohl nur ein Teil des Grubengebäudes vom Brand direkt betroffen war, so intensiv, dass die Produktion im Bergwerk mehrere Monate eingestellt werden musste.[43] Sogar die Arbeiten im Steinbruch mussten aufgrund der übertägigen starken Rauchschwaden eingestellt werden.[44] Am 21. Juni desselben Jahres konnte der Brand gelöscht und der Betrieb des Bergwerkes wieder aufgenommen werden.[45]
Während der folgenden Jahre flammten immer wieder an mehreren Stellen Brandherde auf, die nie vollständig eingedämmt werden konnten.[32] Aufgrund der starken Rauch- und Gasentwicklung wurden häufig Beschwerden geäußert.[18] Im Jahr 1905 kam es erneut zu einem Grubenbrand mit verheerenden Auswirkungen, sodass man gezwungen war das ganze Tiefbaufeld absaufen zu lassen. Das eingeleitete Wasser erwärmte sich aufgrund des Brandes auf 40 Grad Celsius, die Temperatur der Wetter im Barbaraschacht stieg auf 60 Grad Celsius an. Auch in den folgenden Jahren 1907 und 1909 wurden wiederholt Brandherde gemeldet, die zu Betriebsstörungen führten.[2] Im Juni 1926 brach erneut ein gefährlicher Grubenbrand aus, dessen Bekämpfung sich so schwierig gestaltete, dass die Produktion erneut zeitweise eingestellt werden musste.[18]
Literatur
- Alfred Löhmer: Geschichte des Häringer Kohlenbergbaues: Werk und Menschen. Mit einem Nachtrag von Dipl.Ing. Otto Sykora. Eigenverlag, Häring 1953.