Berijew Be-12

Amphibienflugzeug From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Berijew Be-12 Tschaika (Möwe, russisch Бериев Бе-12 Чайка, NATO-Codename: Mail) ist ein großes militärisches Amphibienflugboot, das auf dem Wasser starten und landen kann und auch ein einziehbares Fahrwerk für Starts und Landungen auf festem Untergrund hat. Entwickelt wurde es als Seeaufklärer zur See- und Küstenüberwachung, zur Suche nach Bodenschätzen, zur U-Boot-Jagd und zur Seenotrettung. Einige Be-12 wurden zu Löschflugzeugen umgebaut.

Schnelle Fakten
Berijew Be-12
Berijew Be-12P-200
Berijew Be-12PS (2011)
TypAmphibienflugboot
Entwurfsland

Sowjetunion 1955 Sowjetunion

Hersteller Berijew
Erstflug Oktober 1960
Indienststellung 1965
Produktionszeit

1960–1973[1]

Stückzahl 143[1]
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Geschichte

Berijew Be-12 im August 1990

Die Entwicklung der Be-12 begann nach einem Regierungsbeschluss vom März 1956. Wie beim Vorgänger Be-6 wurde ein Knickflügel gewählt. Anders als die Be-6 verfügt sie über ein einziehbares Fahrwerk und Turbinen anstelle von Kolbenmotoren. Die Be-12 flog erstmals im Oktober 1960 und wurde ein Jahr später auf der Luftparade in Moskau-Tuschino der Öffentlichkeit vorgeführt. Ab 1965 wurde sie bei den sowjetischen Seefliegerkräften eingegliedert und ersetzte dabei die Be-6.[1] Ein visuelles Merkmal ist der lange MAD-Heckstachel, der zur Ortung getauchter U-Boote diente. Insgesamt sind 143 Maschinen gebaut worden. Im Zentralen Museum der Luftstreitkräfte der Russischen Föderation in Monino kann eine Be-12 besichtigt werden.

Vom 23. bis 27. Oktober 1964 wurden von einer Be-12 mit einer Besatzung unter M. Michailow insgesamt sechs Höhenweltrekorde mit verschiedenen Nutzlasten erflogen.[2]

Nach der Auflösung der Sowjetunion wurden einige Flugzeuge zu Löschflugzeugen Be-12P umgerüstet. Pläne dazu existierten unter der Bezeichnung Be-18 schon seit den 1960er-Jahren. Vier ehemalige Marineflugzeuge wurden in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre solchermaßen umgebaut. Die militärische Ausrüstung wurde, bis auf das Radar, entfernt und durch insgesamt 6 m³ fassende Wassertanks im Rumpf ersetzt. Die Wasseraufnahme erfolgt auf dem Wasser gleitend in 25 bis 30 Sekunden, kann aber auch an Land durchgeführt werden. Die erste dieser Maschinen („Gelbe 40“, Werknummer 9601504) absolvierte am 27. April 1992 in Taganrog ihren Erstflug. Bis zum Jahr 2000 warfen diese Be-12 bei Waldbränden im gesamten russischen Gebiet 17.188 Tonnen Wasser ab. Am 14. Juli 1993 ging die Gelbe 40 bei einem Einsatz verloren.

Löschflugzeug Be-12P-200 (RA-00046, 2001)

Eine weitere umgerüstete Maschine mit der Werknummer 8601301 (Kennzeichen RA-00046) flog am 9. August 1996 unter der Bezeichnung Be-12P-200 erstmals. Durch ein modernisiertes System ist sie in der Lage, die Wasseraufnahme in nur noch 20 Sekunden durchzuführen.[3]

Die Ukraine griff 2025 eine Be-12-Basis an. Die russischen Flugboote seien zum Aufspüren ukrainischer Marinedrohnen eingesetzt worden.[4] Das führte zur ersten Zerstörung einer Be-12 in einem Krieg.[5] Um den 21. Februar 2026 wurden nochmals Be-12 angegriffen.[6]

Nutzerstaaten

Aktuelle Nutzer

Ehemalige Nutzer

Technische Daten

Weitere Informationen Kenngröße, Daten ...
KenngrößeDaten
Besatzung5[8]
Länge30,17 m
Spannweite29,71 m
Höhe7,0 m
Flügelfläche105 m²
Flügelstreckung8,4
Leermasse19.500 kg
Startmassemax. 29.500 kg
Triebwerkzwei Propellerturbinen Iwtschenko AI-20D
Leistungje 3.125 kW (4.190 WPS)
Höchstgeschwindigkeit610 km/h in 3.050 m Höhe
Marschgeschwindigkeit547 km/h in 4.570 m Höhe
Patrouillengeschwindigkeit320 km/h in 300 m Höhe
Dienstgipfelhöhe11.280 m[8]
Reichweite4.000 km
Aktionsradius≈ 600 km[8]
Bewaffnungbis zu 5.000 kg im Rumpfschacht und an den Tragflächen
(zielsuchende Torpedos, Wasserbomben, Minen, Raketen, Bomben (Sonarbojen sind im Heck gelagert))
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Literatur

  • Joachim Schreiber: Militärflugzeuge des Kalten Krieges. Band 2 (1956–1970). Motorbuch, Stuttgart 2025, ISBN 978-3-613-04783-9.
  • Nikolaus Krivinyi: Taschenbuch der Luftflotten 1976. J. F. Lehmanns, München 1976, ISBN 3-469-00511-7.
  • The International Institute for Strategic Studies (IISS): The Military Balance 2018. 1. Auflage. Routledge, London 2018, ISBN 978-1-85743-955-7 (englisch, Stand Januar 2018).
Commons: Berijew Be-12 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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