Berkach (Hessen)

Stadtteil von Groß-Gerau im Kreis Groß-Gerau From Wikipedia, the free encyclopedia

Berkach (mundartlich: Bergoff)[3] ist ein Stadtteil der Kreisstadt Groß-Gerau im südhessischen Landkreis Groß-Gerau.

Schnelle Fakten Stadt Groß-Gerau ...
Berkach
Wappen von Berkach
Koordinaten: 49° 54′ N,  29′ O
Höhe: 87 m ü. NHN
Fläche: 2,8 km²[1]
Einwohner: 1130 (10. Nov. 2021)[2]
Bevölkerungsdichte: 404 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 64521
Vorwahl: 06152
Das alte Rathaus
Das alte Rathaus
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Evangelische Kirche

Geographische Lage

Im Norden der Ebene des Hessischen Ried liegt Berkach in einer nach Westen offenen, vom Scheidgraben im Süden und vom Landgraben im Osten und Norden gebildeten weitgehend verlandeten Mäanderschleife, die der Neckar vor 2000 Jahren ausgebildet hatte, als er noch bei Trebur in den Rhein mündete. Diese Schleife schneidet der Mühlgraben ab, der durch den Ort führt.

In der Gemarkung[4] liegt die Wüstung Altbachs-Mühle.[5]

Die nächstgelegenen Ortschaften sind im Norden Dornberg, im Osten Büttelborn, im Süden Dornheim und im Westen Wallerstädten.

Geschichte

Mittelalter

Der früheste erhalten gebliebene urkundliche Nachweis belegt das Bestehen von Birkehe oder Birchehe 1035. Berkach war Teil von Germaremarcha. Damals schenkte König Konrad II. dem Kloster Fulda dort eine Besitzung. Weitere Hinweise auf die Besitzverhältnisse in Berkach finden sich

Als Ortsname sind in den historischen Unterlagen unter anderem Bercach, villa (1246), Bercka (bis 1403), Berckauch (1419), Birkawe (1468), Berckbach (1508), Berckhof (1557) und Bergach (1738) dokumentiert.[1]

Frühe Neuzeit

Bei der Teilung der Landgrafschaft Hessen unter den Erben Philipp des Großmütigen 1567 gelangte Berkach an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Noch deren erster Regent, Georg I., veranlasste, dass die von seinem Kanzler, Johann Kleinschmidt, zusammengestellte Rechtssammlung Landrecht der Obergrafschaft Katzenelnbogen auch dort rechtsverbindlich wurde. Sie galt in Berkach als Partikularrecht, subsidiär ergänzt um das Gemeine Recht, bis ans Ende des 19. Jahrhunderts.[6] Erst das Bürgerliche Gesetzbuch, das einheitlich im ganzen Deutschen Reich galt, setzte zum 1. Januar 1900 das alte Partikularrecht außer Kraft.

Die Zentberechtigten waren[1]

1672 wurde das Dorf von „teutschen Soldaten abgebrannt“.[7]

Neuzeit

1806 wurde die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt zum Großherzogtum Hessen. Hier lag Berkach in der Provinz Starkenburg (seit 1816), im Amt Dornberg. Im Zuge der Verwaltungsreform von 1821 wurden die Ämter aufgelöst, für die Verwaltungsaufgaben Landratsbezirke gebildet und für die Rechtsprechung Landgerichte eingerichtet.[8] Für Berkach zuständig war nun der Landratsbezirk Dornberg, für die Rechtsprechung das Landgericht Großgerau, ab 1879 das Amtsgericht Groß-Gerau. 1829 hatte Berkach 35 Häuser und 186 Einwohner. Alle – außer zweien – waren lutherisch, einer reformiert, einer römisch-katholisch.[7]

1832 wurden Kreise geschaffen. Berkach lag nun im Kreis Groß-Gerau. Die Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums wurden am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch Regierungsbezirke ersetzt, was jedoch am 12. Mai 1852 wieder rückgängig gemacht wurde. Dadurch gehörte Berkach zwischen 1848 und 1852 zum Regierungsbezirk Darmstadt, bevor wieder der Kreis Groß-Gerau für die übergeordnete Verwaltung zuständig wurde. Dort verblieb der Ort durch alle weiteren Verwaltungsreformen bis heute.[1]

Die Gemeinde Berkach schloss sich im Zuge der Gebietsreform in Hessen am 31. Dezember 1971 freiwillig der Stadt Groß-Gerau an.[9][10] Ortsbezirke wurden nicht gebildet.[11]

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,[Anm. 1] denen Berkach angehört(e):[1][12][13]

Einwohnerentwicklung

 1629:23 Hausgesesse[1]
 1806:193 Einwohner, 35 Häuser[14]
 1829:186 Einwohner, 35 Häuser[7]
 1867:241 Einwohner, 38 Häuser[16]
Berkach: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2020
Jahr  Einwohner
1791
 
170
1800
 
145
1806
 
193
1829
 
186
1834
 
211
1840
 
212
1846
 
202
1852
 
209
1858
 
240
1864
 
232
1871
 
247
1875
 
260
1885
 
266
1895
 
285
1905
 
323
1910
 
337
1925
 
334
1939
 
347
1946
 
535
1950
 
545
1956
 
466
1961
 
487
1967
 
555
1970
 
603
1980
 
?
1990
 
?
2000
 
?
2011
 
963
2015
 
1.083
2020
 
1.100
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[1]; 1791[17]; 1800[18]; Zensus 2011[19]; nach 2011 Website Groß-Gerau (Webarchiv)[20]

Religionszugehörigkeit

 1829:284 lutherische (= 99,30 %), 1 reformierter (= 0,35 %), und 1 katholische (= 0,35 %) Einwohner[7]
 1961:392 (= 80,49 %) evangelische, 79 (= 16,22 %) römisch-katholische Einwohner[1]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Ortsbildprägende Gebäude in der Rathausstraße sind die Evangelische Kapelle und das auf drei Seiten freistehende alte Rathaus von 1597, ein stattlicher Fachwerkbau mit reichem Balkenwerk und Schnitzereien.

2016 nahm Berkach erstmals an der alle 2 Jahre stattfindenden Aktion „Der Kreis rollt“ teil. Die Fahrradroute verlief mitten durch den Ort, die B44 war für den Autoverkehr gesperrt. Viele Vereine und Institutionen beteiligten sich mit Ständen und Ausstellungen.[21]

Verkehr und Infrastruktur

Den Ortskern im Westen berührend verbindet die Bundesstraße 44 Berkach mit der Kernstadt Groß-Gerau. Von dieser Verkehrsader nach Osten abzweigend durchquert die Kreisstraße K 160 den Ortskern in Richtung Büttelborn. Östlich verläuft die Bahnstrecke Mannheim–Frankfurt am Main.

Im Alten Rathaus ist ein Jugendtreff untergebracht. Ferner gibt es am Ort ein Dorfgemeinschaftshaus und diesem benachbart einen Kindergarten.

Commons: Berkach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise

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