Bernd Fischerauer

österreichischer Regisseur, Schauspieler, Drehbuch- und Romanautor (1943-2017) From Wikipedia, the free encyclopedia

Bernd Fischerauer (* 11. März 1943 in Graz; † 15. Mai 2017 in München)[1] war ein österreichischer Regisseur, Schauspieler, Drehbuch- und Romanautor.

Bernd Fischerauer (2009)

Leben

Fischerauers Vater war Mitglied der Waffen-SS und auch nach 1945 noch überzeugter Antisemit.[2] Bernd Fischerauer studierte nach der Matura in Graz 1961 am Max Reinhardt Seminar und schloss 1965 mit der Regieklasse ab. Seine hauptsächlichen Arbeitsfelder waren Theater und Fernsehen.

1968 inszenierte er die Grazer Erstaufführung von Wolfgang Bauers Erstlingswerk Magic Afternoon (mit Herwig Seeböck). Ab 1969 inszenierte er am Wiener Volkstheater unter der Direktion von Gustav Manker und wurde dort zum maßgeblichen Regisseur junger österreichischer Autoren wie Wolfgang Bauer (Change, 1969, Silvester oder Das Massaker im Hotel Sacher, 1971), Peter Turrini (Rozznjogd, Sauschlachten, Der tollste Tag) sowie Heinrich von Kleists Der zerbrochne Krug (mit Helmut Qualtinger), Hartmut Langes Die Gräfin von Rathenow und Elias Canettis Hochzeit.

Die Inszenierung von Change von Wolfgang Bauer am Volkstheater Wien wurde 1970 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Anschließend machte Fischerauer daraus ein Drehbuch und lieferte 1975 mit Change sein Debüt als Filmregisseur ab. 1971/1972 erhielt er den Karl-Skraup-Preis als bester Regisseur. Er inszenierte auch die vierstündige Fernsehproduktion Blut und Ehre – Jugend unter Hitler (1982).

Sein Fernsehfilm Liebe und weitere Katastrophen (1999) brachte den Hauptdarstellern den Bambi ein, ihm selbst eine Nominierung für den Adolf-Grimme-Preis. In Costa-Gavras’ 2002 erschienener Literaturverfilmung Der Stellvertreter nach Rolf Hochhuth spielte Fischerauer die Rolle des Bischofs von Galen.

Regie führte er weiterhin in der Serie Zur Sache, Lena!, in welcher Lisa Fitz, Uschi Glas, Marianne Lindner und Michael Roll mitspielten.[3] Typisch für seine oft heimatverbundenen Arbeiten sind Die Wiesingers, Der Salzbaron, Apollonia[4] oder Gipfelsturm. Die Serie Regina auf den Stufen[5] hatte auch international Erfolg.

Ab 2009 widmete Fischerauer sich im Rahmen der vom Bildungskanal alpha ins Leben gerufenen Reihe Vom Reich zur Republik Themen aus der Zeitgeschichte zwischen 1862 und 1949.[6][7][8] In der Reihe sind folgende Spielfilme bzw. Dokudramen unter der Regie Fischerauers erschienen:

Weitere Informationen Titel, Jahr ...
TitelJahrBehandelter ZeitraumThema
Hitler vor Gericht 27. März 2009 1924 Hitler-Prozess 1924 in München.
Der Staat ist für den Menschen da[9] 23. Mai 2009 1948–1949 Erarbeitung des Grundgesetzes durch den Parlamentarischen Rat 1948/49
Der Gewaltfrieden[10] 19. Feb. 2010 1918–1920 Dolchstoßlegende, Friedensvertrag von Versailles und die Niederschlagung des Spartakusaufstandes von USPD und KPD durch die MSPD unter Friedrich Ebert und Gustav Noske
Konterrevolution – Der Kapp-Lüttwitz-Putsch 1920[11][12] 20. Mai 2011 1920 Kapp-Lüttwitz-Putsch
Die Machtergreifung[13][14] 28. Jan. 2012 1932 Die Vorgeschichte der NS-Machtergreifung ab Sommer 1932
Europas letzter Sommer[15] 30. Juni 2012 1914 Diplomatische Initiativen während der Julikrise 1914 nach dem Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand.
Die Reichsgründung[16] 24. Nov. 2012 1862–1871 Preußischer Verfassungskonflikt 1862–1866, Deutsche Einigungskriege 1864–1871 und Reichseinigung 1871. Der einer Biographie nahekommende Film behandelt vor allem die beherrschende Rolle Otto von Bismarcks in Preußen zwischen 1862 und 1871.
Die nervöse Großmacht[17] 1. Dez. 2012 1871–1898 Bismarcks autoritärer Regierungsstil in der Innen- (Kulturkampf, Sozialistengesetze) und sein auf Ausgleich beruhendes komplexes Bündnissystem in der Außenpolitik (Dreibund) ab 1871, sowie der schließliche Bruch mit dem so wankelmütigen wie geltungssüchtigen Kaiser Wilhelm II., der 1890 zu Bismarcks Entlassung und das Deutsche Reich auf nachhaltigen Kollisionskurs mit seinen Nachbarn führt.
Der Weg zur Macht[18] 26. Jan. 2013 1929–1932 Aufstieg der NSDAP zur Massenpartei in Folge der Weltwirtschaftskrise von 1929 bis Sommer 1932.
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Außerhalb der obigen Reihe Vom Reich zur Republik zeichnet „Frei“[2] (2014) die Flucht eines hohen SS-Offiziers nach Südamerika auf den Rattenlinien nach.

Fischerauer verfasste außerdem folgende Bücher:

Filmografie (Auswahl)

Als Regisseur

Als Schauspieler

Privates

Bernd Fischerauer lebte mit seiner Ehefrau, der Schauspielerin Rita Russek, in München und auf Elba. Er starb im Mai 2017 in München im Alter von 74 Jahren.

Einzelnachweise

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