Bernhardinerkloster Breslau
Kirchengebäude in Breslau, Polen
From Wikipedia, the free encyclopedia
Das ehemalige Bernhardinerkloster (polnisch Zespół pobernardyński we Wrocławiu), das vormalige Kloster der Bernhardiner (Franziskaner) in Breslau, das aus der ehemaligen Bernhardinerkirche und dem Kloster in der Straße Bernardyńska 5 in der ehemaligen Neustadt bestand, beherbergt heute das Architekturmuseum, Büros der städtischen Denkmalbehörde und Privatwohnungen und ist ein Baudenkmal.[1]

Beschreibung
Das Bernhardinerkloster wurde als ein Viereck mit Hof und Kreuzgängen mit wertvollen Innenräumen im spätgotischen Stil erbaut, daran schließt sich ein zweiter Hof an, der durch den verlängerten Südflügel, das Kirchenschiff und die Kapelle sowie eine Mauer zur Straße hin getrennt ist. Die Kirche selbst ist basilikal, ohne Querschiff, die Kirchenschiffe sind mit Sterngewölben geschlossen. Die Grundrissgeometrie weicht vom rechten Winkel ab.
Geschichte bis 1945

Kloster
Die erste Holzkirche wurde 1453 gebaut, kurz nach der Ankunft des Franziskaners Johannes Capistranus in Breslau und nachdem sich die Franziskaner der strengen Observanz in der Stadt niedergelassen hatten. Das Kloster wurde der Österreichisch-Böhmischen Observantenvikarie zugeordnet.[2] Der Bau des Klosterkomplexes begann 1462 auf Initiative Capistrans und wurde 1505 abgeschlossen. Die Holzkirche wurde abgerissen und an ihrer Stelle in den Jahren 1463 bis 1466 eine dreischiffige Basilika errichtet, die das Patrozinium des heiligen Franziskaners Bernhardin von Siena trug. Den Grundstein zum Bau einer steinernen Kirche und Kloster legte der Konsul Valentin Haunold. Sie wurde am 28. Mai 1464 durch den Breslauer Weihbischof Johannes Erler, Titularbischof von Gardar geweiht. Haunold stiftete am Mittwoch nach Michaelis (2. Oktober) 1465 neben der Kirche, anstelle der Gemächer Capistrans, eine Kapelle, möglicherweise identisch mit der späteren Taufkapelle. Johann Bramer auf Ober-Stephansdorf vermachte 1465 zum Kirchenbau 123 Mark Meißner Groschen.[3] Im Jahr 1491 stürzten ihre Chorgewölbe ein.
Im Zuge der Reformation predigten die Observanten entschieden gegen die neue Lehre der Protestanten. Deshalb vertrieb sie der Rat der Stadt Breslau 1522 aus ihrem Kloster, und sie verließen die Stadt.[4]
Die Brüder bemühten sich bei der böhmisch-ungarischen Regierung in Prag um die Genehmigung, nach Breslau zurückzukehren, erhielten jedoch unterschiedliche Entscheidungen. König Ludwig II. befahl am 26. Juni 1522 den Breslauern, die Ordensbrüder wieder aufzunehmen und ihnen das Jakobskloster zu überlassen, in dem nur noch wenige Brüder lebten. Er wies Herzog Kasimir von Teschen und Herzog Friedrich II. von Liegnitz an, dem mit ihren Truppen Nachdruck zu verleihen. Der Magistrat wies den Provinzial der Franziskaner an, das Jakobskloster schnell wieder mit 12 Brüdern der Saxonia zu besetzen, was auch geschah, so dass für die Bernhardiner kein Platz mehr blieb.[5] König Ludwig konzedierte dem Breslauer Magistrat, dass sie die antilutherischen Bernhardiner nicht aufnehmen müssten, wenn sie ihm 10.000 Gulden zahlten und ein Jahr lang 1.000 Pferde stellten, damit er die Türken abwehren könne. Die Stadtoberen akzeptierten diese Auflage.
Da die böhmische Franziskanerprovinz durch die Wirren der Reformation im 16. Jahrhundert stark geschwächt wurde, waren weitere Anstrengungen zur Rückkehr zunächst nicht möglich.
Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges wandte sich die böhmische Franziskanerprovinz 1656/59 mit einer Eingabe an den habsburgischen Kaiser Leopold I., der die Stadt Breslau anwies, den Ordensleuten ihr Eigentum zurückzugeben. In einem längeren Rechtsstreit entschied das Wiener Oberamt 1670, dass nach 150 Jahren und der Umwidmung der Gebäude zu einem Hospital eine Rückabwicklung der Sache unrealistisch sei, und wies die Stadt Breslau an, 10.000 Gulden an die Staatskasse zur „allergnädigsten Disposition“ durch den Kaiser zu zahlen. 1677 verzichtete die Ordensprovinz in Person des mit dem Wiener Hof sehr vertrauten Provinzials Bernhard Sannig auf alle Ansprüche auf das frühere Kloster, wenn der Magistrat dem Orden in Breslau ein anderes Grundstück zum Klosterbau zur Verfügung stellte. Dem stimmte der Kaiser 1677 zu und konzedierte dem Magistrat, dass die Kaufsumme für das Grundstück mit der 1670 beschiedenen Zahlung von 10.000 Gulden verrechnet werden könne. Auf diese Weise war es den Franziskanern möglich, 1679 in ein neues Kloster, das Antoniuskloster, nach Breslau zurückzukehren.[6]
Hospitalstiftung

Nach der Vertreibung der Bernhardiner 1522 wurde im Kloster ein Hospital eingerichtet, später auch eine Schule und eine Sozialeinrichtung. Während der Reformation wurde die Kirche 1544 den Protestanten übergeben, die dort die Kirchengemeinde der Neustadt gründeten, die dort zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 ihren Sitz hatte. Das Hospital konnte nur von Breslauer Bürgern und Bürgerinnen evangelischer Konfession in Anspruch genommen werden und war Mitte des 19. Jahrhunderts auf siebzig Senioren ausgelegt.[7] 1634 wurde die Kirche durch G. Sauer wiederaufgebaut und von 1702 bis 1704 die Giebel der Kirche an der Westfassade spätbarock umgestaltet. 1782 wurde das Kloster um ein Schulgebäude und 1827 um ein neues Krankenhaus erweitert; beide Gebäude wurden in den Jahren 1871–1872 durch Karl Johann Christian Zimmermann umgebaut und erweitert. Renovierungen der Kirche erfolgten 1899 bis 1901 und des Klosters im Jahr 1907, wobei der westliche Teil des Kreuzgangs als Lapidarium genutzt wurde.
Güterbesitz
Zur Unterhaltung des Hospitals vermachte 1552 der Breslauer Ratsherr Hanns Kulmann der Einrichtung die Güter Domslau, Protsch und Peiskerwitz. Die Kulmann’sche Hospitalstiftung gelangte an die Breslauer Stadtkämmerei, die die Verwaltung dem städtischen Magistrat übertrug. Einer der Verwalter war Bartholomäus Riediger († 1738).[8] Später fiel die Patrimonialgerichtsbarkeit an das königlich-preußische Landgericht.
Geschichte nach 1945


Der im Zweiten Weltkrieg zu 60 % zerstörte Kirchen- und Klosterkomplex wurde in den Jahren 1947 bis 1949 und 1957 bis 1967 nach den Entwürfen und unter der Leitung von Edmund Małachowicz wiederaufgebaut, der 1966 vom Bauminister für seinen Beitrag zum Wiederaufbau unter Bewahrung des gotischen Charakters der Gebäude eine Auszeichnung erhielt. Seit 1965 hat das Breslauer Architekturmuseum seinen Sitz im Gebäude der ehemaligen Kirche und in vier Flügeln des ehemaligen Klosters. Beim Wiederaufbau erhielt das Kloster in den Jahren 1956 bis 1974 einen neuen Ostflügel.
Architektur
Die Anlage besteht aus Kirche und südlich angrenzendem, um zwei Innenhöfe angelegtem Kloster. Sie gehört außer dem modern gestalteten Ostflügel der Spätgotik an. Die Bauteile bestehen aus Backstein und wurden in den rekonstruierten Bauteilen unter Verwendung von Beton gebaut. Die Kirche hat ein dreischiffiges sechsjochiges basilikales Langhaus mit einschiffigem, dreijochigem, dreiseitig geschlossenem Chor, an den sich im Südosten die zweijochige Sakristei sowie eine dreiseitig geschlossene Kapelle der Muttergottes und des hl. Johannes Capistranus im Südwesten anschließt. Der Chor und das Mittelschiff mit Sterngewölben geschlossen, in den Seitenschiffen, der Kapelle und der Sakristei mit einfachen Kreuzgewölben. Hohe Spitzbogenfenster erhellen den Raum. Der Chor, die Kapelle und die Westfassade der Kirche sind mit Strebepfeilern versehen. Der barocke, verputzte Westgiebel ist von Doppelpilastern flankiert und wird von einer Dreiecksverdachung bekrönt.
Das Kloster wurde auf rechteckigem Grundriss mit langem, parallel zum Langhaus gelegenem Südflügel (ein- und zweigeschossig) erbaut. Im Kreuzgang sind Kreuzrippen- und Netzgewölbe eingezogen. Zwischen Chor und Kloster ist ein Saal mit Mittelpfeilern angeordnet, über dem sich der Turm erhebt. Der Bauschmuck zeigt im Chor und im Mittelschiff Dienste und Schlusssteine mit spätgotischen Steinmetzdekorationen, ebenso in der Kapelle, teilweise mit erhaltenem Fenstermaßwerk. Das Sandsteinportal im Westen ist spitzbogig mit Stufen und wird flankiert von Säulen mit gewundenen Schäften und von Fialen, bekrönt von einem Wimperg mit Eselsrückenbogen. Weitere Portale sind spitzbogig und rechteckig gestaltet.
Eine gotische Grabplatte des Theoderich von Trost aus dem Jahr 1407 ist erhalten.
Literatur
- Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 1069–1070.