Bert Nagel

deutscher Germanist, Linguist und Hochschullehrer From Wikipedia, the free encyclopedia

Bert Nagel (ursprünglich: Albert) (* 27. August 1907 in Karlsruhe; † 28. Juli 1999 in Heidelberg) war ein deutscher Germanist, Linguist und Hochschullehrer.[1]

Leben und Wirken

Nach seiner Reifeprüfung 1926 in Karlsruhe studierte Bert Nagel von 1926 bis 1930 Germanistik, Anglistik, Geschichte und Philosophie an der Universität Heidelberg. Dort promovierte er 1929 bei Friedrich Panzer. Die beiden Staatsexamen für den höheren Schuldienst folgten 1930 und 1932. Nach seinem Referendariat war er längere Zeit als Gymnasiallehrer im Schuldienst in Heidelberg tätig und zwar bis 1961. Im Jahre 1949 habilitierte er sich für Deutsche Literatur an der Universität Heidelberg und lehrte dort bis 1955 als Privatdozent und bis 1961 als außerplanmäßiger Professor. Von 1961 bis 1967 war er als Wissenschaftlicher Rat und Professor an dieser Universität tätig. Von 1968 bis 1975 lehrte er als Professor an der University of California, Irvine. Gastprofessuren hatte Nagel an der Universität des Saarlandes (1964), an der New York University und der Universität Mannheim (1966 bzw. 1967) sowie an der University of California, San Diego (1975) und der University of California, Riverside (1976/77) inne. Von 1978 bis 1981 lehrte er weiterhin als Gastprofessor an der University of California, Irvine. 1972 wurde ihm das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Zum 1. April 1933 trat Bert Nagel der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 1.815.892)[2] und leistete von 1939 bis 1945 als Soldat Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg.

In Lehre und Forschung beschäftigte sich Bert Nagel vor allem mit der mittelalterlichen Literatur, insbesondere mit dem Minnesang bzw. dem Meistersang. Später veröffentlichte er u. a. über Franz Kafka.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Die Ideengrundlage des Minnesangs von den Anfängen bis Walther. Dissertation Universität Heidelberg 1929 (Volltext).
  • (Übers.): Heinrich von Meißen / Ausgewählte Gedichte. Frauenlob. Kerle, Heidelberg 1951.
  • Die Umwelt des Meistersangs. In: Neue Heidelberger Jahrbücher, N.F., Jg. 1951, S. 13–53 (Volltext).
  • Der arme Heinrich Hartmanns von Aue. Eine Interpretation (= Handbücherei der Deutschkunde, Bd. 6). Niemeyer, Tübingen 1952.
  • Der deutsche Meistersang. Poetische Technik, musikalische Form und Sprachgestaltung der Meistersinger. Kerle, Heidelberg 1952 (= Habilitationsschrift Universität Heidelberg).
  • (Bearb.): Franz Saran / Das Übersetzen aus dem Mittelhochdeutschen. Eine Einleitung für Studierende, Lehrer und zum Selbstunterricht. 6. neubearb. Aufl. Niemeyer, Tübingen 1975, ISBN 3-484-10076-1).
  • Zur Interpretation und Wertung des Nibelungenliedes. In: Neue Heidelberger Jahrbücher, N.F., Bd. 1954, S. 1–89 (Volltext).
  • Meistersang. Metzler, Stuttgart 1962 (2. Aufl. 1971).
  • Hrotsvit von Gandersheim (= Sammlung Metzler, Bd. 44). Metzler, Stuttgart 1965.
  • Das Nibelungenlied. Stoff, Form, Ethos. Hirschgraben-Verlag, Frankfurt/M. 1965 (2. Aufl. 1970).
  • (Hrsg.): Meistersang. Meisterlieder und Singschulzeugnisse. Reclam, Stuttgart 1965 (Nachdruck 1977, ISBN 3-15-008977-8).
  • (Hrsg.): Der deutsche Meistersang (= Wege der Forschung, Bd. 148). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1967.
  • Franz Kafka. Aspekte zur Interpretation und Wertung. E. Schmidt, Berlin 1974, ISBN 3-503-00782-2.
  • Kafka und Goethe. Stufen der Wandlung von der Klassik zur Moderne. E. Schmidt, Berlin 1977, ISBN 3-503-01262-1.
  • Staufische Klassik. Deutsche Dichtung um 1200. Stiehm, Heidelberg 1977.
  • Kleine Schriften zur deutschen Literatur (= Göppinger Arbeiten zur Germanistik, Bd. 310). Kümmerle, Göppingen 1981, ISBN 3-87452-498-1.
  • Kafka und die Weltliteratur. Zusammenhänge und Wechselwirkungen. Winkler, München 1983, ISBN 3-538-07102-0.
  • Das Reimproblem in der deutschen Dichtung. Vom Otfridvers zum freien Vers. E. Schmidt, Berlin 1985, ISBN 3-503-01681-3.
  • Durch die Jahre. 1948–1987. Feuilleton-Beiträge und Essays aus 4 Jahrzehnten. Heidelberger Verlags-Anstalt, Heidelberg 1987, ISBN 3-920431-79-0.
  • Der freie Vers in der modernen Dichtung (= Göppinger Arbeiten zur Germanistik, Bd. 512). Kümmerle, Göppingen 1989, ISBN 3-87452-750-6.

Festschriften

  • Wilm Pelters/Paul Schimmelpfennig (Hrsg.): Wahrheit und Sprache. Festschrift für Bert Nagel zum 65. Geburtstag am 27. August 1972 (= Göppinger Arbeiten zur Germanistik, Bd. 60). Kümmerle, Göppingen 1972, ISBN 3-87452-121-4.
  • Gernot Müller (Hrsg.): Was bleibet aber, stiften die Dichter. Festschrift für Bert Nagel zum 85. Geburtstag (= Göppinger Arbeiten zur Germanistik, Bd. 590). Kümmerle, Göppingen 1993, ISBN 3-87452-832-4 (Bibliographie Bert Nagel S. 9–23).

Einzelnachweise

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