Berthold III. (Trechirgau)
Graf im Mayengau, Moselgau, Trechirgau, Einrichgau, Bidgau und in der Wetterau
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Berthold III. (* um 990; † etwa 1047), auch genannt Berchtold, Bezelin oder Bertholf, war Graf im Mayengau, Moselgau, Trechirgau, Einrichgau, Bidgau und in der Wetterau, womit er einer der einflussreichsten und mächtigsten Grafen der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts am Mittelrhein war. Große Teile seiner Besitzungen fielen ihm nach dem Aussterben der Konradiner um 1036 zu, andere Grafschaften waren bereits in den Händen seines Vaters, wie die im Mosel-, Trechir- und Mayengau.

Zu seinen Nachkommen zählen Persönlichkeiten wie Emicho der Kreuzfahrer, Jutta von Sponheim oder Hugo von Sponheim. Mit seinen kinderlosen Söhnen starb das Adelsgeschlecht der Bertholde in männlicher Linie aus, womit ein Großteil der Besitzungen von Erzbischof Poppo von Trier als erledigtes Lehen eingezogen wurde, die Besitzungen in der Wetterau allerdings an die Emichonen gelangten.
Herkunft und Ausgangspunkt

Von Geschwistern Bertholds ist nichts bekannt – die Erwähnungen seines Vaters oder Bertholds selbst geben keine weiteren Informationen über seine Familie. Bertholds Vater tauchte erstmals im Jahr 992 als Graf im Moselgau (Muselgovvi et in comitatu Becelini comitis)[1] auf, 998 als Graf im Mayengau (in pago Meinefeld ac comitatu Becelini comitis)[2] und 1005 erstmals im Trechirgau (in comitatu Becilini comitis in pago Drikeringon)[3]. Berthold II. wurde ausschließlich Bezelin (auch Bezilin, lat. Becelin/Becilin) genannt, während sein Sohn Berthold III. abwechselnd Bezelin und Berthold, meist aber Berthold/Bertolf genannt wurde.
Zentral im ursprünglichen Herrschaftsbereich der Bertholde lag also die Mosel – von einem Grafensitz Bertholds oder seines Vaters ist aber urkundlich nichts bekannt. Hauptort und Namensgeber des Trechirgaues war der Ort Treis an der Mosel, womit Berthold vielleicht auf einem Vorgängerbau der Burg Treis lebte. Beide Grafschaften waren eng mit dem Reich verbunden, da Boppard und Andernach Reichsgut waren und mehrmals als Teil von den Gauen der Bertholde (998, 1043, 1046) genannt werden.
Leben und Wirken
Herrschaftsantritt
Nachdem sein Vater Berthold II. zuletzt am 18. Mai 1008 im Mayengau (in pago Meineueld nominato in comitatu Becilini comitis)[4] erwähnt wurde, taucht sein Sohn Berthold acht Jahre später im selben Gau als Bertoldi comitis in einer kaiserlichen Urkunde auf, als Heinrich II. dem Stift St. Florin zu Koblenz das Markrecht zu Gillenfeld im Mayengau verleiht[5]. Im selben Jahr erscheint er bereits als Graf im Moselgau (in pago Muselgowe in comitatu Bertholdi comitis)[6] und zwei Jahre darauf im Trechirgau (in pago Trechire in comitatu vero Berchdoldi comitis)[7], womit er das gesamte Erbe seines Vaters spätestens seit 1018 in seinen Händen vereinte – sollte er also Erbberechtigte Geschwister gehabt haben, waren sie bis dahin gestorben.
Für weitere 18 Jahre taucht Berthold regelmäßig als Zeuge kaiserlicher und trierischer Urkunden auf oder wird lediglich als Graf einer seiner Gaue in verschiedensten Schenkungsurkunden genannt. Dabei wird Bertholds Bindung an Kaiser Heinrich II. durch seine Anwesenheit in Bamberg im April 1020[8] deutlich, als dieser Papst Benedikt VIII. mehrere Bistümer und Klöster jenseits der Alpen bestätigt. Es könnte sich bei diesem Berthold aber auch um Bezelin von Villingen handeln.

Heirat und Erbe der Wetterau
Vermutlich heiratete Berthold um das Jahr 1017, denn bereits am 17. Januar 1036 erscheint er mit seinen zwei Söhnen Udo und Ezzo (Bertholfi comitis, Udonis, Ezonis)[9] in der Wetterau, genauer in Nidda. Ob er zu diesem Zeitpunkt bereits Graf der Wetterau war, ist nicht aus der Urkunde herauszulesen, jedoch besaß er schon Rechte dort.
Da alle verbliebenen Grafenrechte Ottos von Hammerstein in der Wetterau nach dessen Tod am 5. Juni 1036 von Kaiser Heinrich III. im Jahr 1043[10] an Berthold gegeben wurden, muss dieser über seine Gemahlin einen Anspruch auf die Wetterau gehabt haben. Da Ottos kinderlos gestorbener Sohn Udo hieß, genau wie Bertholds ältester Sohn, könnte Bertholds namentlich unbekannte Gemahlin eine Tochter Ottos von Hammerstein gewesen sein.
Ausdrücklich als Graf in der Wetterau wird Berthold erst am 8. Juli 1046 erwähnt, genauer als Graf von Malstatt (comitatu Malstat)[11], ein Vorläufer der Grafschaft Nürings. Mit dem Erbe der konradinischen Grafschaften in der Wetterau verschob sich Bertholds Einflussgebiet weiter in den Osten und verstärkt an den Rhein, wo er weitere kaiserliche Lehen empfing und seine Position ausbaute.


Bau der Stromburg und weiterer Werdegang
Die Stromburg wurde erstmals im Jahr 1056 von Bertholds gleichnamigen Sohn erwähnt, als er sich nach ihr benannte. Gebaut wurde sie im 11. Jahrhundert, wahrscheinlich von Berthold III. selbst, zur Verteidigung der Straße von Bingen zum Königsforst. Sie war also im Auftrag des Kaisers von Berthold gebaut worden und galt auch später als reichsunmittelbar. Diese von Berthold vollzogene Aufgabe zeigt erneut das Vertrauen zwischen Berthold und dem Kaiser, sowie seine Wichtigkeit rund um Rhein, Nahe und Mosel.
Ebenfalls um das Jahr 1040 übernimmt Berthold kurzfristig das Amt des Grafen im Einrichgau, nachdem sein Mitvasall Arnold I. kurz nach 1038 starb und seinen Sohn Arnold II. von Arnstein unmündig hinterließ. Vermutlich heiratete Berthold die Witwe Graf Arnolds, weshalb er im Jahr 1042 als Graf im Einrichgau (in pago Einrichi et in comitatu Bertholdi comitis)[12] auftaucht. Vor 1038 trat Arnold II. das Erbe seines Vaters an, denn in diesem Jahr taucht er als Graf im Einrichgau auf[13]. Bis dahin war Berthold wahrscheinlich schon gestorben.
Tod und hinterlassenes Erbe
Zuletzt erwähnt wird Berthold am 7. September 1046 als Graf im Bidgau (in pago Bietgowe in comitatu Bezelini comitis)[14] – er war bereits im Jahr 1048 verstorben, womit man sein Todesjahr um „etwa 1047“ anlegen kann. Mit seiner ersten Gemahlin hatte er drei Söhne und ein bis zwei Töchter: Udo starb noch vor dem Tod seines Vaters, denn er wird nicht mehr erwähnt, Ezzo (auch Hezilo) erbte den Niddagau und Berthold erbte sowohl den Trechir- und Mayengau, als auch umfangreiche Besitzungen im oberen Nahegau (Stromburg) und in der Wetterau. Seine Tochter Kunigunde heiratete den Grafen Emicho V. im Nahegau, mit dem sie die Söhne Emicho „den Kreuzfahrer“ und Berthold I. von Stromberg hatte.
Sein Sohn Berthold IV. stiftete mit seiner zweiten Gemahlin Hedwig im Jahr 1074[15] an Stelle seiner Burg das Kloster Ravengiersburg. Die Burg entstammte ebenfalls aus väterlichem Erbe und wurde Mitte des 10. Jahrhunderts von einem Grafen Ravengier erbaut, einem Vorfahren der Bertholde.
Familie und Nachkommen
Mit einer namentlich unbekannten Tochter Ottos von Hammerstein hatte er drei Söhne und mindestens eine Tochter:
- Udo (* um 1018; † 1040/48), 1040 bezeugt
- Ezzo (auch Hezilo, * um 1020; † nach 1048), 1048 Graf im Niddagau
- Berthold IV. (* um 1025; † 1075/1081), Graf im Mayen- und Trechirgau, 1064 Graf in der Wetterau und im Maingau, Graf von Stromberg
- Kunigunde (* um 1030; † nach 1097), Erbin von Stromberg, ⚭ Emicho V. im Nahegau († vor 1072)
- (?) N.N. (* um 1035), Erbin des Trechirgaues, ⚭ Stephan I. († 1075/90), 1062 Graf von Sponheim, Vogt von Worms
Die um 1039/40 geschlossene Ehe mit der Witwe des Grafen Arnold I. im Einrichgau blieb kinderlos.