Bestand (Forst)

Baumkollektiv mit spezifischen Merkmalen und Strukturen From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Bestand ist im Waldbau und der Forstwirtschaft ein Baumkollektiv mit spezifischen Merkmalen und Strukturen, die sich von der Umgebung wesentlich unterscheiden und für das eine gemeinsame und selbständige Behandlung, Bewirtschaftung, oft auch Buchung, sinnvoll ist. Der Bestand ist die kleinste Einheit der forstlichen Zustandserfassung, Planung und Kontrolle.[1] In forstlichen Zusammenhängen ist einfach „Bestand“ üblich. Ist der Bezug mehrdeutig, wird oft synonym vom Waldbestand gesprochen.

Bestände werden in der Forsteinrichtung in Bestandestypen zusammengefasst. Die wichtigsten Bestandestypen sind Reinbestände und Mischbestände, diese werden oft weiter unterteilt in gleichaltrige bzw. ungleichaltrige Rein- bzw. Mischbestände.[2] Ein Mischbestand ist definiert als Bestand aus zwei oder mehr Baumarten, die jede einzeln und besonders im Zusammenwirken die Bestandesökologie signifikant beeinflussen. Die Bauarten können stamm–, trupp–, gruppen– oder kleinhorstweise miteinander gemischt sein. Wird ein Bestand zu mindestens 90 Prozent aus nur einer Baumart aufgebaut, ist es ein Reinbestand.[3] Eine weitere wichtige Größe ist das Bestandesalter. Üblich ist die Gruppierung nach dem Baumalter in etwa zwanzigjährige Intervalle, die als Altersklassen bezeichnet werden. Ein gleichaltriger Bestand (also mit nur einer Altersklasse) ist ein Altersklassenwald.

Eine wichtige Kennzahl zur Charakterisierung von Beständen ist die Bestandesdichte. Diese beschreibt einen Bestand hinsichtlich seiner Baumzahl, seiner Grundfläche oder seines Volumens. Aufgrund der Konkurrenz der Einzelbäume eines Bestands um Licht, Wasser und Nährstoffe stehen diese Größen in einem systematischen Zusammenhang. Stehen die Bäume dichter beieinander, ist die Konkurrenz untereinander stärker. Dadurch ist der für jeden einzelnen Baum verbleibende Wurzelraum kleiner, der Kronendurchmesser wird kleiner, die Kronenform schmaler. Bäume im dichten Stand verstärken ihr oberirdisches Wachstum, der relative Anteil der Wurzelbiomasse nimmt ab. Die Wuchsform, das Höhen- und Breitenwachstum der individuellen Bäume im Bestand wird als Bestandesstruktur zusammengefasst. Bestandesstruktur und Bestandesdichte hängen naturgemäß neben den Charakteristika des Baumbestandes selbst von den Standortbedingungen des Bestands ab.[4]

Bestände werden forstwirtschaftlich nach ihrem Ertrag (gemeint ist der Holzertrag) kategorisiert. Aufgrund zahlreicher in der Vergangenheit protokollierter Zuwachsverläufe in verschiedenen historischen Beständen wird der Ertrag, abhängig vom Standort, modelliert, um den Ertrag des konkreten Bestands abhängig vom Alter vorhersagen zu können. Dafür sind sogenannte Ertragstafeln aufgestellt worden. Diese gelten eigentlich nur für Reinbestände der entsprechenden Baumart. Mit Hilfe der Ertragstafel kann ein Förster zum Beispiel den optimalen Hiebzeitpunkt für die Holzernte ermitteln. Heute existieren durch Waldökologen aufgestellte ausgefeiltere Modelle, die mehr Parameter berücksichtigen und genauere Prognosen zulassen, diese sind aber in der forstlichen Praxis nur wenig verbreitet.[5]

Wichtig für die forstliche Praxis ist auch die Bestandesbegründung. Unterschieden wird eine Begründung durch natürliche Selbstaussaat, die Naturverjüngung, und die Begründung durch Pflanzung von Jungbäumen. Die gepflanzten Bäumchen werden in Forstbaumschulen herangezogen. Dafür werden Samen von forstlich besonders wertvollen Samenbäumen des jeweiligen Wuchsbezirks geerntet und vermehrt. Der heranwachsende junge Wald wird in Altersstufen gegliedert. Ein heranwachsender Jungwald besteht zunächst aus zahlreichen isoliert voneinander aufwachsenden Einzelbäumchen. Sobald die Kronen benachbarter Bäume sich berühren können und so die gesamte Grundfläche des Waldes ohne Lücken überschirmen, Kronenschluss genannt, ist der Jungbestand eine Dickung. Ab diesem Zeitpunkt kann der Bestandesschluss bestimmt werden. Der Bestandessschluss ist also definiert mit dem Eintritt in die Dickungsphase. Im Detail kann, je nach Kronenaufbau und resultierender Überschirmung, der Bestandesschluss als „räumdig“ (Kronenabstand überschreitet eine Kronenbreite), licht, locker, geschlossen und gedrängt (Kronen greifen ineinander) charakterisiert werden. Im Bestandessschluss beginnen die unteren Äste der Baumkrone, wegen Lichtmangel abzusterben. Forstlich erwünscht ist, dass diese Äste bald abfallen, um einen langen und geraden, gut nutzbaren Schaft zu erzielen. Das, natürliche oder künstliche, Entfernen der abgestorbenen unteren Äste wird Astreinigung genannt.

Um wüchsige und gesunde, aber auch forstlich wertvolle und gut nutzbare Bestände zu erzielen, greifen Förster in allen Phasen der Waldentwicklung in die Bestände ein. Diese Maßnahmen werden zusammengenommen Waldpflege genannt.[6]

Einzelnachweise

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