Betriebshof Schöneberg
ehemaliger Betriebshof der Berliner Straßenbahn
From Wikipedia, the free encyclopedia
Der Betriebshof Schöneberg ist ein ehemaliger Betriebshof der Berliner Straßenbahn. Er wurde 1899 von der Großen Berliner Straßenbahn (GBS) als Bahnhof X eröffnet und 1964 durch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) geschlossen. Das Grundstück dient gegenwärtig als Fahrzeugsammelstelle der Berliner Polizei und soll in den kommenden Jahren zu einem Feuerwehr- und Polizeimuseum ausgebaut werden.[1][2]

Lage und Aufbau


Der Betriebshof liegt an der Belziger Straße 52–58 im Ortsteil Schöneberg des Berliner Bezirks Tempelhof-Schöneberg. Das Grundstück mit einer Fläche von 15.779 Quadratmetern grenzt im Westen an die Gothaer Straße und im Norden an die Wartburgstraße. Die dreiteilige Wagenhalle bot auf 24 Hallengleisen Platz für bis zu 280 Straßenbahnwagen. Werkstätten und Diensträume waren im hinteren Teil der Halle angeordnet, die Verwaltung befand sich in einem separaten Gebäude im vorderen Teil an der Belziger Straße. Die Anlage steht unter Denkmalschutz.
Geschichte
Das Depot wurde anlässlich der Elektrifizierung des Streckennetzes der GBS zusammen mit sieben weiteren Anlagen erbaut. Entwurf und Ausführung des Baus oblagen der Bauabteilung der GBS unter Leitung von Joseph Fischer-Dick. Am 6. Februar 1899 wurde der Bahnhof X in Betrieb genommen. Er ersetzte den bisherigen Hof in der Hauptstraße aus dem Jahr 1879.[3][4] Ab 1920 wurde er als Hof 10 geführt, um 1935 erhielt er das Kürzel Schön. Zu den vom Hof aus eingesetzten Linien zählten unter anderem (Stand: 1937) die 7 (Westring), 60 (Weißensee, Rennbahnstraße – Lindenhof), 88 (Steglitz, Stadtpark – Bahnhof Schönholz) und 95 (Bahnhof Köpenick – Schöneberg, Belziger Straße).[5]
Die Bedeutung des Hofs ließ mit der bevorstehenden Einstellung des West-Berliner Straßenbahnbetriebs ab Ende der 1950er Jahre stetig nach. Zuletzt war die Linie 55 (Nollendorfplatz – Hakenfelde) mit 41 Trieb- und zwölf Beiwagen auf dem Hof beheimatet, 170 Schaffner und Fahrer taten hier ihren Dienst. Nach deren Verkürzung zum Bahnhof Zoo wurde der Betriebshof am 1. Oktober 1964 geschlossen. Zunächst war die Wagenreserve noch auf dem Gelände stationiert, gleichzeitig wurden nicht mehr benötigte Wagen vor Ort verschrottet.[3]
Das Grundstück diente danach der Unterstellung des Senatsfuhrparks sowie als Abstellfläche der Berliner Polizei für abgeschleppte und sichergestellte Fahrzeuge. Bereits in den 1990er Jahren war eine Umnutzung für künstlerische Zwecke vorgesehen.[6] Im November 2012 wurde die erneute Veräußerung des Grundstücks wieder aktuell. Die Bezirksverordnetenversammlung von Tempelhof-Schöneberg gab im Januar 2013 bekannt, dass dem Bezirksamt die Empfehlung unterbreitet werden soll, das Grundstück nicht an den Meistbietenden zu veräußern. Vielmehr soll derjenige den Zuschlag erhalten, dessen Projekt den größten sozialen und kulturellen Nutzen aufweist. Die Schaffung von Wohnraum auf dem Gelände wurde dabei nicht ausgeschlossen.[7] Eine im Januar 2015 von der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) und dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg vorgestellte Entwicklungsstrategie sah vor, dass Künstlerateliers und Büros für kulturelle oder soziale Projekte in die Hallen einziehen und ein zusätzlicher Neubau mit Wohnungen für Studenten und Senioren errichtet werden soll.[8]
Der Umzug der Fahrzeug-Sicherstellung der Polizei in einen Neubau in Biesdorf war für 2018 angekündigt. Die Übergabe des Neubaus erfolgte schließlich im August 2022. Die vollständige Räumung des Geländes Belziger Straße wurde für November 2022 angegeben.[9][10][11][12]
Zur vollständigen Räumung kam es jedoch nicht, da der Platz auf dem neuen Gelände nicht ausreichte.[13][14][15] Für eine Umnutzung der Hallen nach dem Auszug der Polizei wurden zwei verschiedene Nutzungskonzepte erarbeitet. Während der Plan der Senatsverwaltung für Kultur unter dem Titel Probenbühnenzentrum (PBZ) Belziger Straße die Errichtung von Probebühnen für die Berliner Theaterszene vorsah, plante die Senatsinnenverwaltung die Einrichtung eines Feuerwehr- und Polizeimuseums.[16][17][18][2]
Ende 2025 wurden neben weiteren historischen Gegenständen auch 30 Fahrzeuge, 15 Kutschen und neun Anhänger der historischen Sammlung der Berliner Feuerwehr in einer der drei Hallentrakte überführt, da der langjährige Depotstandort auf dem Gelände der Julius-Leber-Kaserne wegen Eigenbedarf seitens der Bundeswehr gekündigt worden war.[2] Der Ausbau zu einem kombinierten Museumsstandort für BVG, Feuerwehr und Polizei soll ab 2029/30 erfolgen.[19]
Ende Mai 2026 wurde bekannt, dass die Polizeiführung die Hallen 1 und 3 wegen mutmaßlicher Schadstoffbelastung gesperrt habe. Als Grund wurde eine mögliche gesundheitsgefährdende Ummantelung der Dachkonstruktionstahlträger mit mineralfaserhaltigen Baustoffen angegeben. Die Polizeiführung forderte von der zuständigen Berliner Immobilienmanagement die Erstellung eines externen Gutachtens zur Schadstoffbelastung, während die Gewerkschaft der Polizei auf den Sanierungsstau vieler Dienstgebäude verwies.[20]
Literatur
- Siegfried Münzinger: Die Betriebshöfe “Schön” und “Moa”. In: Berliner Verkehrsblätter. Heft 11, 1964.