Bettina Adler

Tschechische Bildhauerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Bettina Adler (geborene Gross 28. September 1913 in Prag, Habsburgermonarchie; gestorben Februar 1993 in London) war eine tschechische Bildhauerin und Grafikerin.

Leben

Bettina Gross war die Tochter von Emanuel Gross und Albertine Berta Gross, geborene Maendl, und wuchs in einer jüdischen Familie auf. Sie fing früh mit der Holzschnitzerei an und ging um 1928 in eine Lehre bei einem Meister. In den 1930er Jahren studierte sie in Prag Bildhauerei und an der École des Beaux-Arts in Paris Zeichnen. Ihr Vater starb 1936 und Bettina emigrierte mit ihren Geschwistern 1939 nach Wales. Dort lebte sie mit anderen jüdischen Flüchtlingen in einer Emigrantengemeinschaft. Ihre Mutter Bertha Gross wurde in das KZ Auschwitz deportiert, wo sie 1944 starb. Bettina arbeitete während des Krieges in einer Knopffabrik in Merthyr Tydfil.[1]

Bettina Gross heiratete 1947, nach einer langen Romanze und einem regen Briefwechsel, die in der Biografie „H. G. Adler: Ein Leben in vielen Welten“ von Peter Filkins 2019 beschrieben werden, den ebenfalls aus Prag stammenden Schriftsteller und Historiker Hans Günther Adler (1910–1988), der die Schoah überlebt hatte und nach dem Krieg ebenfalls nach England emigriert war. Seine erste Frau war wie die Mutter von Bettina Gross in Auschwitz ermordet worden. Sie ließen sich in London nieder, dort wurde in dem Jahr auch ihr Sohn, der Dichter und Germanist Jeremy Adler, geboren. Zu ihren Freunden zählten der Schriftsteller Elias Canetti sowie die Künstler Marie-Louise von Motesiczky und Jehuda Bacon. In London begann Bettina Adler als Grafikerin zu arbeiten und entwarf Stoffmuster und Linolschnitte. Als Bildhauerin arbeitete sie wieder ab den 1960er Jahren. Sie arbeitete mit Gips, Holz und Terrakotta.[1]

Bettina Adler und ihr Mann förderten eine jüngere Generation von Künstlern und Intellektuellen, darunter die Emigrantin Helga Michie, die Adler in ihrer 2018 erschienenen Monografie „I Am Beginning to Want What I Am“ für ihre Ausbildung und die Ermutigung ihrer künstlerischen Laufbahn würdigte.[2]

Bettina Adler starb im Februar 1993 in London. Ihre Werke befinden sich in britischen öffentlichen Sammlungen, darunter im British Museum und im Victoria and Albert Museum in London. Jeremy Adler, emeritierter Professor für Germanistik am King’s College London, schenkte dem British Museum 2003 eine Sammlung von Drucken und Zeichnungen von Bettina und H.G. Adler als Zeichen der Dankbarkeit für den Zufluchtsort, den Großbritannien seinen Eltern während des Zweiten Weltkriegs gewährte. Darüber hinaus übergab er dem King’s College die Jeremy Adler Collection, eine Sammlung von Büchern, Einladungen und Ausstellungskatalogen über Künstler, darunter seine Mutter und Mitglieder ihres Emigrantenkreises.[1][2]

Einzelnachweise

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