Betty von Rothschild

Salonnière und Ehefrau von James de Rothschild From Wikipedia, the free encyclopedia

Betty von Rothschild (geboren 15. Juni 1805 in Frankfurt am Main, gestorben 1. September 1886 in Paris) war eine deutsch-französische Philanthropin und Salonnière.

Betty von Rothschild, Porträt von Jean-Auguste-Dominique Ingres

Leben

Betty von Rothschild wurde am 15. Juni 1805 in Frankfurt geboren als Tochter von Salomon von Rothschild und Caroline Stern (1782–1854). Sie erhielt die Ausbildung einer höheren Tochter, mit Musikunterricht und Tanzstunden, Zeichenstunden und unternahm Reisen zu Kurorten in den Alpen. Auch besuchte sie Wien, dort gründete ihr Vater in den 1820er Jahren sein Finanz- und Industrieunternehmen. Im Juli 1824 heiratete sie ihren Onkel, den Pariser Bankier Jakob Rothschild (1792–1868), später James de Rothschild. Sie verbrachten ihre Hochzeitsreise in der Schweiz und im Sommer 1824 zogen sie nach Paris. Dort entwickelte sie sich zur Stütze ihres Mannes, genoss ein hohes gesellschaftliches Ansehen und erwies sich in diesen Belangen als sehr talentiert. Sie führte einen Salon, der schnell zu einem Treffpunkt für Menschen unterschiedlichster Herkunft wurde. Dort wurden bei gutem Essen anregende Gespräche und Unterhaltung gepflegt.[1]

Rue Lafitte Bankhaus Rothschild

In ihrem Haus empfingen die Eheleute regelmäßig Gäste und in der Woche gaben sie mindestens vier Diners. An diesen nahmen immer zehn bis sechzig Gäste teil. Dazu formulierte Lady Harriet Leveson-Gower, Countess Granville, die Frau des britischen Botschafters Lord Granville: „Kaum dem Kindesalter entwachsen, erledigte sie die Aufgaben in ihrem Haus, als hätte sie nie etwas anderes getan.“ Gäste im Salon der für die Förderung der Kunst bekannten Betty von Rothschild waren Politiker, Maler, Künstler, Musiker und Mitglieder des Königshauses.[1]

Kurz nachdem Frédéric Chopin Paris erreicht hatte, engagierte sie ihn als Klavierlehrer für ihre Familie und im Jahr 1841 gab sie bei Jean-Auguste-Dominique Ingres ein Porträt in Auftrag, das jedoch erst 1848 fertiggestellt wurde. Sie war eine enge Freundin der französischen Königin Marie-Amélie. Zu den Gästen ihres Salons zählten auch die Dichter und Schriftsteller Heinrich Heine, Honoré de Balzac, die Brüder Goncourt und der Komponist Gioacchino Rossini.[1]

Château de Ferrières

Mit ihrem Mann lebte sie ab den 1850er Jahren zudem im weitläufigen Château de Ferrières außerhalb von Paris, das James von Joseph Paxton erbauen ließ. In ihrem Château fanden spektakuläre Veranstaltungen statt, so trat dort der Chor der Pariser Oper unter der Leitung von Gioachino Rossini auf.[1]

Familie

Betty von Rothschild pflegte im Gegensatz zu ihrem Mann die jüdischen Traditionen und brachte diese auch ihren fünf Kindern näher:

Sie verbrachte als Mutter viel Zeit mit ihren Kindern, nahm auch an deren Stunden mit ihren Hauslehrern teil und studierte mit ihren Kindern die unterschiedlichsten Fächer. Dabei verband sie die klassische Ausbildung mit modernen Interessen und jüdischen Traditionen. Betty von Rotschild war für ihre Intelligenz und ihren Tatendrang bekannt und bewundert.[1]

Bildung für Mädchen und Frauen und Wohltätigkeit

Da ihr die Bedeutung von Bildung für Mädchen und Jungen gerade auch aus ärmeren Schichten bekannt war, um ein anständiges Leben mit einem guten Einkommen führen zu können, investierte sie Zeit und Geld in die Berufsausbildung und moralische Erziehung von Mädchen.[1] Gemeinsam mit weiteren Frauen der jüdischen Oberschicht von Paris gründete sie ab 1844 zunächst die „Société pour l’établissement des jeunes filles Israélites“, ab 1862 koordinierte diese die „Dames Israélites de Paris“ genannte Dachorganisation genossenschaftliche Selbsthilfe- und Absicherungsvereine für Frauen, Unterstützung für junge Mütter, Aussteuerbeihilfen, Kinderkrippen, Waisenhäuser und Lehrlingsprogramme für junge Mädchen.[2]

Mit ihrem Mann James gründete sie 1852 in Paris eine Wohltätigkeitsstiftung, deren erstes Projekt der Bau des Hôpital Rothschild in der Rue Picpus war.[1] Dem Krankenhaus waren auch ein Hospiz und ein Waisenhaus angegliedert. Aus den Anfangsjahren ist die Buchführung über die Aufwendungen von Betty de Rothschild nur in Bruchstücken erhalten, doch verlässliche Zahlen für das erste Halbjahr 1872 belegen Ausgaben von 103.000 Francs.[2] Ihre Kinder setzten später die soziale Arbeit von Betty von Rothschild fort. Sie erweiterten die Aktivitäten der Stiftung Rothschild und errichteten Sozialwohnungen, um die Lebensbedingungen von Arbeitern zu verbessern. Betty von Rothschild unterstützte zudem ein Waisenhaus, die Hilfe für Tuberkulosekranke und den Aufbau der Assistance publique. Während des Deutsch-Französischen Krieges errichtete sie „Ambulanzen“ in den Innenhöfen ihrer Häuser sowie im Rothschild-Krankenhaus und leistete medizinische Versorgung für verwundete Soldaten und für unterernährte und kranke Menschen. Betty von Rothschild blieb lange im belagerten Paris und half den Bedürftigen.[1]

James von Rothschild starb 1868 und Betty von Rothschild verbrachte danach mehrere Monate im Jahr in Cannes. Sie kaufte dort 1881 die Villa Marie-Thèrese, die sie anschließend restaurierte. Auch in Cannes gründete sie mehrere Stiftungen und Institutionen zugunsten ihrer Wohltätigkeitsaktivitäten. Betty von Rothschild starb am 1. September 1886 in Paris im Château Boulogne und wurde auf dem Friedhof Père-Lachaise begraben. Ihr Sohn Edmond gründete 1889 in ihrem Andenken die Siedlung Bat Shlomo (Salomons Tochter) im osmanischen Palästina.[1]

Literatur

  • Laura S. Schor: The Life & Legacy of Baroness Betty de Rothschild, Peter Lang Publishing Inc., New York, 200. ISBN 978-0820478852

Einzelnachweise

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