Bewusstseinsverschiebung
psychopathologischer Begriff aus der Psychiatrie
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Eine Bewusstseinserweiterung (oder Bewusstseinsverschiebung, engl. shift in consciousness) ist ein psychopathologischer Begriff aus der Psychiatrie. Er kennzeichnet das Gefühl einer Erweiterung inneren Erlebens.[1] Die Bewusstseinsverschiebung ist eine qualitative Form der Bewusstseinsstörung (im Gegensatz zu einer Minderung des Bewusstseins).
Beschreibung
Die Betroffenen berichten, ihr gesamtes Erleben sei intensiver oder klarer als üblich. Sie empfinden sich lebendiger und offener. Gefühle oder Sinneswahrnehmungen, z. B Geräusche oder Farben, werden als besonders intensiv erlebt. Reales Erleben wird damit abnorm vergegenwärtigt. „Ergreifende, beglückende Einsicht, Offenbarung“[2], „Überwachheit“[3].
Beispiele
Patienten berichten vom subjektiven Gefühl innerer Bereicherung, einer besseren Auffassung und der wacheren Aufnahme von Eindrücken der Umgebung. Andere schildern, sie seien durch die Reizüberflutung völlig überfordert.[1]
Einordnung
Im AMDP-System (System zur Erstellung des psychiatrischen Befundes) findet sich die Bewusstseinsverschiebung unter Nr. 4.
Diagnostik
Das Syndrom wird in der psychiatrischen Untersuchung, im Gespräch zwischen Arzt und Patient, diagnostiziert. Es wird meist nicht spontan, ohne weiteres vom Patienten berichtet. Man kann dann z. B. folgende Fragen stellen: "Haben Sie das Gefühl, z. B. die Farben intensiver zu sehen oder die Musik lauter zu hören?" "Haben Sie das Gefühl, dass ihre Wahrnehmung besonders scharf ist?"[4]
Ursachen
Diese sind unspezifisch: Drogen, psychotische Zustände oder im Rahmen von Meditation, auch Angst und Depression.[5]
Abgrenzung (Differentialdiagnose)
- Wahnstimmung: eine besondere, undeutliche und ahnungsvolle Gespanntheit, vor der Ausbildung eines Wahns.
- Illusionen: verfälschte Wahrnehmungen. Es bestehen Wahrnehmungen, die aber inkorrekt sind.
- Derealisation: veränderte Umgebung, verändertes Zeiterleben; die Vertrautheit geht verloren. Meist unangenehm
- Depersonalisation: Der Betroffene erlebt sich selbst als fremd, unwirklich, verändert. Meist unangenehm
- Bewusstseinseinengung: Vermindertes Ansprechen auf Außenreize.
Behandlung
Diese erfolgt im Rahmen der Behandlung der Grundkrankheit, falls erforderlich.
Literatur
- Das AMDP-System (Manual zur Dokumentation des psychischen Befundes). 11. Auflage. hogrefe, 2023, ISBN 978-3-8017-3193-9.