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Biblioteca Nazionale Marciana

Nationalbibliothek in Venedig From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Biblioteca Nazionale Marciana (Nationale Markusbibliothek, Bibliothek von San Marco, Libreria Marciana, Biblioteca Marciana, Libreria Sansoviniana, Libreria di San Marco) ist eine der größten Nationalbibliotheken Italiens und eine der wichtigsten Sammlungen für griechische, lateinische und orientalische Handschriften. Sie befindet sich in Venedig südlich des Markusplatzes, zwischen Campanile und Zecca. Zugleich ist die Bibliothek die einzige Institution, die noch aus der Zeit der Republik Venedig verblieben ist.

Gründung1468
Bestand900.000 Bände (2015)
Schnelle Fakten Gründung, Bestand ...
Biblioteca Nazionale Marciana

Hauptfassade der Bibliothek, erbaut von Jacopo Sansovino
Gründung 1468
Bestand 900.000 Bände (2015)
Bibliothekstyp Regionalbibliothek
Ort Venedig
ISIL IT-VE0049
Betreiber staatlich
Website Biblioteca Nazionale Marciana
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Geschichte der Bibliothek

Eine erste Schenkung erfolgte 1362 durch Francesco Petrarca, der Venedig seine Handschriftensammlung vermachte, doch verließ er die Stadt sechs Jahre später mitsamt seiner Sammlung, die über ganz Europa verstreut wurde. Erst die Stiftung des Kardinals Bessarion gilt als Ausgangspunkt der Marciana, auch wenn sie noch nicht den heutigen Standort bezog. Bessarion schenkte am 31. Mai 1468 seine private Bibliothek (746 Bände, darunter 482 griechische und 264 lateinische Handschriften sowie ca. 300 Drucke) dem Konvent auf San Giorgio Maggiore. Der Senat, der sich beeilte, um einer eventuellen Zusage durch den Papst zuvorzukommen, behauptete, eine Bibliotheca Sancti Marci offerieren zu können, die sich in einem völlig neuen Saal des Dogenpalastes befinden sollte. Während Bessarion sie zum allgemeinen Nutzen der Menschen (ad communem hominum utilitatem) stiftete, wollte der Senat die Bibliothek zwar öffentlich zugänglich machen, doch vor allem sollte sie „zur Schönheit und zum Schmuck der berühmtesten Stadt“ beitragen (ac decoro et ornamento urbis huius celeberrime). Die beiden Stiftungen bildeten den Grundstock der Bibliothek der Kathedrale von San Marco (Marc-iana, „des Markus“). Verantwortlich wurde zunächst Marcantonio Coccio, genannt Sabellico; dann 1515 Andrea Navagero und im Jahr 1530 Pietro Bembo. Sie waren keine regelrechten Direktoren, sondern führten den Titel gubernator.

Der Sansovino-Saal, 1855

Die Bibliothek wuchs durch die Einverleibung von Bibliotheksbeständen auf dem Gebiet Venedigs durch die Republik und dank der Schenkungen weiterer Stifter. Besonders zu erwähnen sind die Stiftung von 2200 gedruckten Büchern des deutschen, in Padua lehrenden Botanikers Melchior Wieland von 1589, die Stiftung von 1794 des Amedeo Svajer von 240 Manuskripten, darunter das Testament Marco Polos, oder die Schenkung des Giacomo Nani von 1000 überwiegend griechischen und orientalischen Handschriften von 1797. Dank des einzigartigen Bestandes griechischer Handschriften wurde die Bibliothek seit dem 16. Jahrhundert zum Zentrum humanistischer Studien.

1553 erhielt die Bibliothek, da sie an ihrem alten Standort kaum genutzt wurde, ein neues Domizil. Gegenüber dem Sitz der Baubehörde, den Prokuratien, von denen bisher nur die nördlichen Procuratie Vecchie existierten, wurde längs der Piazzetta bis 1591 ein Neubau errichtet.

1603 erließ Venedig ein Gesetz, dass von jedem auf venezianischem Gebiet gedruckten Buch ein Pflichtexemplar an die Biblioteca Marciana abgeliefert werden musste, das heißt, sie übernahm die Funktion einer Nationalbibliothek der Republik. Nach dem Fall der Republik wurden viele Klöster durch Napoleon säkularisiert, und die Bibliothek erhielt weiteren Zuwachs aus Klosterbibliotheken.

Beim Einsturz des Markusturms am 14. Juli 1902 wurde die Bibliothek stark in Mitleidenschaft gezogen. Eine originalgetreue Restaurierung erfolgte bis 1912, während die Bibliothek 1904 in die benachbarte, ehemalige Münze (Zecca) zog. Diese wurde entsprechend umgebaut, der Hof überdacht und 1929 als neuer Lesesaal eingeweiht.[1]

Sala di lettura

Bestand

  • 900.000 Bände
  • 2.884 Inkunabeln
  • 13.000 Handschriften
  • 25.000 Drucke des 16. Jahrhunderts (Cinquecentine)
  • 6.800 Landkarten

Spezialgebiete der Bibliothek sind klassische Philologie und venezianische Geschichte. Außerdem besitzt sie eine wertvolle Sammlung von Musikalien sowie von Atlanten und geographischen Karten wie die Weltkarte des Fra Mauro und den berühmten Plan der Stadt Venedig von Jacopo de’ Barbari aus dem Jahr 1500. Unter den unzähligen Kostbarkeiten der Bibliothek befinden sich zwei Homer-Ausgaben, der Homerus Venetus A aus dem 11. Jahrhundert und der Homerus Venetus B aus dem 12. Jahrhundert, die Chronologia magna des Fra Paolino mit der ersten Karte Venedigs (Codex Zanetti lat. CCCXCIX), die Plinius-Handschrift für Pico della Mirandola von 1481, sowie ein Exemplar des ersten in Venedig gedruckten Buchs, die epistolae ad familiares von Cicero von 1481. Die 56 Bände Tagebücher des Marin Sanudo, eine der wichtigsten Quellen für die venezianische Geschichte zwischen 1496 und 1533, sind ebenfalls in ihrem Besitz.

Ein besonderer Schatz der Bibliothek ist die fast vollständige Sammlung von Aldinen. 1843 kam die Sammlung von Marco Contarini mit wertvollen Opernmanuskripten des 17. Jahrhunderts als Schenkung zur Bibliothek.

Die antiken und mittelalterlichen Manuskripte in den Beständen werden in der wissenschaftlichen Literatur traditionell mit Codex Marcianus und der Inventarnummer zitiert.[2]

Das Haus ist der Nuova Biblioteca Manoscritta angeschlossen, die Manuskripte Venetiens via Internet verfügbar macht.[3]

Die Libreria

Bedingung der Schenkung durch Bessarion war, dass die Bibliothek an einem würdigen Ort untergebracht werden sollte. Die Republik ließ sich jedoch zur Erfüllung dieser Pflicht viel Zeit. Die Büchersammlung der Republik war 1362 in einem Haus an der Riva degli Schiavoni untergebracht, dann in San Marco und später im Dogenpalast.

Grundrisse beider Etagen

1534 planten die Prokuratoren von San Marco einen Bau für neue Amtsräume. Im Obergeschoss sollte die Bibliothek mit Lese- und Hörsälen untergebracht werden. 1537 entwarf Sansovino, der Architekt und seit 1529 proto („Ältester“) des Bauamts, schließlich ein Bibliotheksgebäude, dass gegenüber dem Dogenpalast entlang der Piazzetta gebaut werden sollte. Der drei Mal einundzwanzig Joche zählende Bau musste in mehreren Abschnitten errichtet werden, es wurde am Campanile begonnen. 1545 stürzte das Backsteingewölbe des Lesesaals ein, dass für den beweglichen Lagunengrund nicht geeignet war. Sansovino wanderte dafür ins Gefängnis. Dank der Fürsprache einflussreicher Freunde, wie Tizian und Aretino, wurde er jedoch wieder freigelassen. Er konnte weiterarbeiten, musste den Schaden jedoch auf seine Kosten (1000 Dukaten) beseitigen.[4] In Venedig sind flache Holzdecken üblich, die dann errichtete, gewölbte Holzdecke war lediglich dekorativ und nicht tragend. Bis 1550 wurden die ersten sieben Joche fertig, bis 1556 die nächsten sechs, während 1553 mit dem Marmorportal zum Lesesaal begonnen worden war. Mit der Dekoration der Eingangshalle wurde 1559 begonnen und schloss Deckengemälde Tizians ein (trotz eines Umbaus schon 1591 zur Ausstellung klassischer Skulpturen, wurden diese erhalten). Nach Sansovinos Tod 1570 vollendete Vincenzo Scamozzi von 1582 bis 1591 den Bau mit den letzten fünf Jochen zum Ufer hin.[5]

Die Libreria, vor allem Treppenhaus und Lesesaal, wurden prunkvoll mit Werken der ersten Künstler Venedigs ausgestattet, neben Tizian, Veronese, Alessandro Vittoria und Tintoretto.

Seit 1564 war die Bibliothek in Sansovinos Libreria-Bau untergebracht. 1812 wurde sie jedoch zeitweise wieder in den Dogenpalast verlegt, da Napoleon das Gebäude für andere Zwecke nutzen wollte. Dort blieb sie bis 1905.[5] Heute befindet sich die Sammlung wieder in dem für sie bestimmten Gebäude und zusätzlich in der angrenzenden Münze, der ebenfalls von Sansovino erbauten Zecca. Mit der in den neuen Prokuratien untergebrachten Bibliothek des Museo Correr befindet sich eine weitere öffentliche Bibliothek Venedigs in unmittelbarer Nähe.

Leiter der Bibliothek

Porträt des Anton Maria Zanetti (d. J.)
Porträt Jacopo Morellis (Angelo Zendrini: Elogio di Jacopo Morelli, Regia stamperia, Mailand 1822)

ab 1558 auf Lebenszeit, ab 1775 auf drei Jahre:

  • Silvestro Valier (1649–1694, als Prokurator von San Marco zuständig)
  • Anton Maria Zanetti: 1737–1778
  • Jacopo Morelli: 1778–1819
  • Pietro Bettio: 1819–1846
  • Giuseppe Valentinelli: 1846–1874
  • Giovanni Veludo: 1874–1884
  • Carlo Castellani: 1884–1897
  • Salomone Morpurgo: 1898–1905
  • Carlo Frati: 1906–1913
  • Ulisse Ortensi: 1913
  • Giulio Coggiola: 1913–1919
  • Ester Pastorello: 1919–1920
  • Luigi Ferrari: 1920–1946
  • Pietro Zorzanello: 1948–1951 (1947 „geschäftsführend“)
  • Tullia Gasparrini Leporace: 1951–1969
  • Giorgio Emanuele Ferrari: 1969–1973
  • Eugenia Govi: 1973–1976
  • Gian Albino Ravalli Modoni: 1976–1989
  • Marino Zorzi: 1990–2008
  • Marina Letizia Sebastiani: 2008–2012
  • Maurizio Messina: ab 2012[6]

Siehe auch

Literatur

zur Sammlung
zur Architektur
  • Richard J. Goy: Venice: An Architectural Guide. Yale University Press, New Haven/London 1997, ISBN 978-0-300-14882-4, S. 232–235 (englisch).
  • Deborah Howard: Jacopo Sansovino. Architecture and Patronage in Renaissance Venice. Yale University Press, New Haven/London 1975, ISBN 0-300-01891-6 (englisch, archive.org).
Commons: Biblioteca Marciana – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Libreria Marciana – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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