Zecca (Venedig)

Münzprägestätte von Venedig From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Zecca wurde einerseits die Münzprägestätte Venedigs im Allgemeinen bezeichnet, andererseits das in der Nähe des Dogenpalasts stehende Gebäude. Erstere bestand vom frühen 9. Jahrhundert bis 1870 (mit einer undokumentierten Periode im 12. Jahrhundert). Das Münzgebäude geht auf einen Entwurf Jacopo Sansovinos zurück und ist heute Teil der Biblioteca Nazionale Marciana. Es entstand zwischen 1536 und den 1560er Jahren.[1]

Der Palast der Zecca am Bacino San Marco
Unter der Aufsicht der Proveditoren prägen die Meister der Zecca Münzen, Marco Vecellio, Sala del Senato, Dogenpalast

Entstehung und Aufgabenspektrum

Venedig besaß spätestens vom 9. Jahrhundert und auch nach dem Ende der Republik im Jahr 1797 noch bis 1870 eine Zecca, die zunächst im Handelszentrum der Stadt in der Nähe der Rialtobrücke saß, ab dem 16. Jahrhundert unweit des Dogenpalasts. Allerdings wurden bis 1284 ausschließlich Silbermünzen geprägt.

Zwar zirkulierten diese Münzen bereits zur Zeit Ludwigs des Frommen in weitem Umkreis, doch schon gegen Ende des 9. Jahrhunderts hatte der venezianische Denar nur noch regionale Bedeutung. Erst der Silbergrosso des 12. Jahrhunderts erhielt vor allem seit Enrico Dandolo wieder größere Bedeutung,[2] und damit auch die venezianische Zecca. Ab 1284 kam der Golddukaten hinzu und es folgten weitere Münzen. Diese waren meist entweder in Venedig gültig, oder in seinem Herrschaftsgebiet, eine Politik, die erst in der Frühen Neuzeit nach und nach aufgegeben werden musste. Für das Kolonialreich wurden eigene Münzen, wie etwa der Tornesello geprägt.

Daneben agierte die Zecca auch auf dem Markt für Barrengold und -silber, allein schon, um das Wertverhältnis zwischen Silber und Gold entsprechend der sich jeweils anpassenden Interessenlage zu steuern.

Eine Münzprägestätte, die Zecca (arab. „Münze“), lässt sich bereits zu Anfang des 9. Jahrhunderts fassen. Johannes Diaconus nennt einen Johannes Tornaricus und bezeichnet ihn als „monetarius“, der an König Lothars Hof geflohen war. Von etwa 829 bis 836 erscheint ein „Domenicus Monetarius“.[3] Zur Zeit Lothars I. wurde der Usus, den Prägungsort auf der Münze zu nennen, aufgegeben, so dass nur noch technische Untersuchungen das Fortbestehen einer venezianischen Münzprägung belegen können.

Rudolf von Burgund gestand dem Dogen Orso II. in jedem Fall 925 das Münzrecht zu, doch regierte er in Italien nur zwei Jahre lang. Berengar I. bezog sich 888 und 891 auf die gebräuchliche Münzprägung, also auf eine etablierte Zecca.

972 nennt ein Dokument aus dem Friaul eine Jahreszahlung, die entweder in Form von 5 Mailänder Denaren, oder 10 venezianischen erfolgen sollte. Diese genaue Angabe war nötig geworden, weil die Denare der verschiedenen Prägestätten im Wert so stark auseinander drifteten, dass man nicht mehr von fränkischen Denar- oder Pfundangaben ausgehen konnte. Zur Zeit Ottos II. oder Ottos III. wurde auf einem einzigen erhaltenen Münzexemplar der Kaisername vermerkt, während um 1000 nur noch Christus als religiöse Herrscherfigur genannt wird.

Abermals erscheint ein Kaisername unter Konrad II. und (wahrscheinlich) Heinrich III. Um diese Zeit erscheint der Heilige Markus auf den Münzen. Die Münzen, die unter Heinrich IV. und dem V. erschienen, die zudem kleiner waren, tauchten nun viel häufiger auf.

Goldmünzen kamen überwiegend aus Byzanz. Sie waren spätestens um 1000 in Venedig in Gebrauch, auch für interne Transaktionen. Damit erschienen auch erstmals Wechselkurse, bei denen nicht klar ist, wie sie festgelegt wurden.

1112 verkaufte der Doge ein Stück Land, auf dem eine Münzprägestätte unterhalten wurde. Dieses Grundstück befand sich in der Pfarrgemeinde San Bartolomeo wohl am Rio della Fava zwischen den Kirchen San Bartolomeo und San Salvador.[4] Nicht weit davon entfernt lag die Rialtobrücke, die noch 1264 als Pons de la moneta bezeichnet wurde. Es ist weder klar, ob die besagte Münzprägestätte die einzige war, noch ob sie 1112 durch eine andere in diesem Stadtgebiet abgelöst oder jede Münzprägung eingestellt wurde. Tatsächlich gibt es eine Lücke zwischen den Münzen aus der Zeit Heinrichs V., der 1125 starb, und denen aus der Zeit des Dogen Vitale Michiel II., der von 1156 bis 1172 herrschte. Es existieren keine Münzen mit den Namen der Nachfolger Heinrichs V., obwohl dies seit den Karolingern Usus war. Vitale Michiel ist der erste Dogenname, der auf einer venezianischen Münze erschien. Nach 1140 verdrängte zudem der Veroneser Denar zunehmend den venezianischen, der in privaten Dokumenten gar nicht mehr auftaucht. Gleichzeitig dominierten Goldmünzen des östlichen Mittelmeerraums den Fernhandel, dazu zählten Münzen aus dem Königreich Jerusalem, aus den sarazenischen Gebieten und aus Byzanz, dessen Münzen weiterhin am weitesten verbreitet waren. Es spricht Vieles dafür, dass Venedig 1112 die eigene Münzprägung einstellte.

Erst unter Vitale Michiel II. wurden geringe Mengen von Silbermünzen wieder in Venedig geprägt, wohl schon vor 1172. Wahrscheinlich hängt die spätere Ausweitung der eigenen Münzproduktion – und damit wohl ein Wiederaufleben der Zecca – mit der Massenverhaftung zusammen, die Kaiser Manuel II. im März 1171 in Konstantinopel durchführen ließ. Venedig führte fortan eineinhalb Jahrhunderte lang immer wieder Krieg gegen Byzanz, der zunächst in der Eroberung von Konstantinopel im Rahmen des Vierten Kreuzzugs 1204 mündete. Sebastiano Ziani, der 1172 zum Dogen gewählt wurde, ließ Münzen mit seinem Namen prägen, die sich, im Gegensatz zu denen seines Vorgängers, nicht mehr am byzantinischen Modell orientierten, sondern an der Veroneser Münze. Dieser machte sie bereits vor 1200 erhebliche Konkurrenz und ihr Anteil an Hortfunden steigt steil an. Dies dürfte auch damit zusammenhängen, dass es bei Goldmünzen aus dem östlichen Mittelmeerraum zu Engpässen kam. Der Sieg Saladins über die Kreuzfahrer von 1187 und die Schwierigkeiten, die die byzantinische Münze hatte, und in deren Folge es zu Abwertungen des byzantinischen Hyperpyron kam, führte zum Ausfall bedeutender Goldquellen. Damit musste die Zecca erheblich größere Mengen an Münzen prägen und zugleich mit ihren Aktivitäten viel weiter in den östlichen Mittelmeerraum hineinwirken, indem sie Mengen und Wechselkurse beeinflusste.

Im 13. Jahrhundert befand sie sich in jedem Falle im Sestiere San Marco. Dieser Stadtteil sah zu dieser Zeit noch viel stärker nach einer Festung aus, und möglicherweise wurde die Zecca bereits 1112 oder vor 1172 nach dorthin verlegt. Von etwa 1200 bis 1285 war der Grosso die wichtigste Münze, hier entstanden ab 1285 auch die Golddukaten, die bis etwa 1330 die wichtigste Münze waren. Von 1330 bis 1379 war dies der Soldino, danach führten Reformen, die sich bis 1423 erstreckten, zu einer Stabilisierung des Münzsystems. Dieses war vor allem während der Kriege gegen Mailand gefährdet, da dieses gefälschte Münzen mit niedrigem Edelmetallanteil auf den Geldmarkt brachte.

Erstmals werden Verantwortliche für die Zecca am 19. März 1224 im Liber plegiorum erwähnt.

Die Zecca im 15. Jh., Ausschnitt der Ansicht Venedigs von Erhard Reuwich (Peregrinatio in terram sanctam, 1486)

Steuerung des Wechselkurses zwischen Gold und Silber

Welchen Problemen die Zecca gegenüberstand und wie überaus weit ihr Einfluss reichte, zeigt folgender Vorgang, der seinen ersten Impuls aus Westafrika erhielt: Das „Reich von Mali mit seinen umfangreichen Goldexporten [brachte] zuerst die nordafrikanische, dann auch die europäische Wirtschaft in gewisse Schwierigkeiten. Die berühmte Pilgerreise Mansa Musas …, bei der er 1324–25 vielleicht zehn Tonnen Gold mitführte, drückte den Kairoer Goldpreis für mehr als 12 Jahre. Erst der Tod Sulaymans (Mansa Musas Bruder und Nachfolger) und der nachfolgende Zerfall des Reiches, brachten das komplizierte transsaharische (Gold-)Handelsnetz zum Zusammenbruch. Wohl in den 70er Jahren kam es zu einem fast vollständigen Abreißen der Goldkarawanen. Durch diese Tatsache kam es an allen europäischen Münzen zu spürbaren bis dramatischen Erschütterungen. … Unter diesen Umständen war es nicht einfach, den Golddukaten zu stützen, der mittlerweile die wichtigste Voraussetzung für den Handel mit Syrien und Ägypten geworden war. 1331–32 war nämlich der Gold- gegenüber dem Silberkurs bereits von 1:14,2 auf 1:13,1, 1346/49 gar auf 1:10,5 gefallen, schließlich erreichte er 1350 den Tiefststand von 1:9,4. Silber wurde teurer, Gold immer billiger. … Hatte der ständige Abfluss von Silber in die Levante zu einem sich immer stärker abzeichnenden Mangel an diesem Metall geführt, so brachte nun ein massiver westafrikanischer Zustrom von Gold die Wertrelationen auf dem Markt und – vermittelt – an den Münzprägestätten erneut in Bewegung. Die Rogadia versuchte dementsprechend durch Zollbefreiungen die Zufuhr des jeweils nur unzureichend einlaufenden Edelmetalls zu verstärken.“

Anders ging die Zecca vor, als der Silberpreis unter Druck geriet. Sie „stellte 1354 die Prägung des grosso ein, um durch ein künstlich erzeugtes Unterangebot seinen Wert auf der erreichten Höhe zu halten, was ihr bis 1379 auch weitgehend gelang…. In dieser Zeit stabilisierte sich die Gold-Silber-Relation zwischen 1:9,9 und 1:10,5, d. h. das Silber erholte sich im Preis. Aber auch nach dem Chioggia-Krieg zwischen Genua und Venedig (1378–81) überstieg die Relation nicht wieder 1:12,5, schwankte von 1401 bis 1500 zwischen 10,7 und 11,6 und um 1509 lag sie bei 1:10,7. Entscheidend dürfte dabei gewesen sein, dass Venedig seine nahöstlichen Gewürzkäufe, die es praktisch zu einem Monopol ausbaute, fast nur noch mit Golddukaten tätigte. Venedig wurde zum größten „Goldleck“ Europas.“[5]

Organe

Die jeweils mächtigsten Ratsgremien beaufsichtigten die für den Finanzplatz Venedig zentrale Einrichtung. Zunächst führte der Rat der Vierzig, die Quarantia, die Aufsicht über die Zecca. Die Massari all’Argento e all’Oro registrierten seit 1269 dazu sorgsam die Menge des in der Zecca befindlichen Edelmetalls und berichteten. Im selben Gebäude saßen dementsprechend auch die beiden spätestens seit 1236 durch Überlieferung ihrer Beschlüsse fassbaren Camerlenghi di Comun, die eigentlichen Schatzmeister der Republik. Ihre Zahl wurde 1527 auf drei erhöht. Durch ihre Hand flossen die Geldmittel aller Einrichtungen, die Abgaben und Zölle oder sonstige vom Staat verlangten Gelder einzogen. Die kaum zu bewältigende Arbeit übernahmen ab 1627 mit Blick auf die Zecca in einem besonders komplizierten Bereich die Revisori e Regolatori delle Entrate pubbliche in Zecca. Sie wurden bereits 1584 erstmals als Sonderkommission aufgestellt und befassten sich ab 1592 mit allen öffentlichen Einnahmen.

1416 übernahm der Senat (Consiglio dei Pregadi) die Aufsicht über die Münzprägung. 1472 zog der immer mächtiger werdende, 1310 gegründete Rat der Zehn (Consiglio dei Dieci) die Münzaufsicht an sich. Mit dessen Reform im Jahr 1582 führte der Senat die Zecca.

Im 16. Jahrhundert bekamen für je verschiedene Bereiche zuständige Institutionen die Aufsicht. 1522 wurde ein Provveditor in Zecca vom Rat der Zehn gewählt, der wenige Jahre später die Leiter der Zecca wurde. Er beaufsichtigte die Prägung der Goldmünzen, war für den An- und Verkauf des Edelmetalls verantwortlich und sicherte den vorgeschriebenen Anteil am vorgesehenen Edelmetall auf der Basis des Münzfußes. Ab 1542 musste er auch dann angehört werden, wenn etwa Münzen im Ausland nötig waren, oder die Seeflotte Geld brauchte. 1562 erhielt er einen Kollegen, um die zahlreichen Aufgaben bewältigen zu können, ab 1572 wurden jedes Jahr drei Provveditori in Zecca gewählt.

Die Zecca im späten 19. Jh.

1543 kam der Depositario hinzu, der die Depositen beaufsichtigte, die im Gebäude der Zecca gelagert waren; er führte also die eigentliche Kasse des hier eingelagerten Geldes. Nur mit seiner Zustimmung und der des Provveditore in Zecca durften ab 1562 höhere Einrichtungen, wie etwa Gerichtshöfe, Gelder aus den Depositen entnehmen. Private Depositen mussten ab 1584 separat von den öffentlichen verwaltet werden. Einige Jahre lang war der Depositario sogar statt der sonst zuständigen Massari für den Handel mit Edelmetallen verantwortlich, doch musste er diese Zuständigkeit an die Provveditori abgeben. Die Kontrolle über Einnahmen und Ausgaben übernahm ab 1615 ein eigener Conservatore del Deposito[6], der zudem Begehrlichkeiten anderer Organe abwehren musste.

1551 wurden für eine der komplexesten Aufgaben, die Kontrolle des Gold- und Silberpreises und die damit zusammenhängende Münz- und Edelmetallpolitik eigene Provveditori sopra Ori e Monete geschaffen. 1582 wurde ihre Zahl von zwei auf drei erhöht, um 1700 sogar auf fünf. Sie konnten gegen Betrüger und Schmuggler vorgehen, den Zustrom ungeeigneten Goldes unterbinden und Vorschläge für die Festsetzung des Wechselkurses zwischen Gold und Silber im Senat unterbreiten (ohne stimmberechtigt zu sein). 1629 erhielten sie auch Zuständigkeiten beim Banco Giro. Ihnen standen ab 1687 die Inquisitori aggiunti zur Seite, die vor allem das Wertverhältnis zwischen den im Innern des venezianischen Herrschaftsgebietes zirkulierenden Münzen, und den externen Münzen oblag. Hinzu kamen immer wieder Ad-hoc-Kommissionen, die für die Bestrafung bei Münzfälschung und sonstigen Währungsdelikten zuständig waren, die bis zu schwersten Körperstrafen reichen. Den Kurs des Silbers steuerten ab 1652 zusätzlich die Provveditore agli Ori e Argenti.

Depositen

Die Zecca war keine einfache Münzprägeanstalt, sondern sie übernahm zugleich die Aufgabe Depositen zu verwalten, wie einige andere Institutionen, wie die Camera del Frumento, die für die Getreide-, besonders Weizenkäufe zuständig war, oder die Camera del Sal, die ähnliche Aufgaben für das Salz übernahm. Dabei konnten gewaltige Summen, etwa von ausländischen Potentaten, deponiert werden. Während der rund 25-jährigen Belagerung von Candia in den Jahren 1646 bis 1669, und während des Moreakrieges zwischen 1684 und 1717, die ungeheure Mittel verschlangen, ließ die Regierung ausnahmsweise den Kauf von Adelstiteln zu. Diese berechtigten zum Fernhandel und zur Übernahme politischer Ämter, und sie eröffneten langfristig das Einheiraten in die alten Adelsfamilien. Familien konnten sich für 100.000 Dukaten in den Adelsstand einkaufen, von denen 40.000 in Form von Depositen bei der Zecca angelegt werden mussten.[7]

Das Gebäude

Grundriss (mit schattierten Arkaden, in denen bis 1588 Geschäfte waren)

Der erste Hinweis auf ein Gebäude der Zecca am heutigen Standort stammt von 1277. Nach einem Brand im Jahr 1532 musste das Gebäude neu errichtet werden.[8] Zur Feuersicherheit (Verwendung von Stein, statt Holz) kam das Bedürfnis nach einem größeren Bau. Nach einer schwierigen Zeit gab es einen ökonomischen Aufschwung, der sich seit den 1490er Jahren mit dem Torre dell’Orologio und dem Neubau der Alten Prokuratien auch schon in ersten Repräsentationsgebäuden im Stil der Renaissance zeigte.

Molo mit Fleischmarkt und Zecca (links angeschitten), Detail aus Jost Ammans Prozession zur Vermählung des Dogen mit dem Meer an Christi Himmelfahrt, Holzschnitt, um 1565
Detail des ersten Stocks der Südfassade

In der Folge der Verwüstung Roms im Jahre 1527 (Sacco di Roma), trat Venedig nun auch mit der Papststadt in Konkurrenz als neuem Rom.[9] Vor allem unter der Ägide des Dogen Andrea Gritti wurde die renovatio nun in größeren Zügen geplant. Die einheitliche Umgestaltung des Markusplatzes nach römischem Vorbild war die zentrale Aufgabe, die Jacopo Sansovino umzusetzen hatte. Seit 1529 Hauptarchitekt (proto) der Procuratia de Supra, der die Bebauung und Pflege des Markusplatzes wie des Doms oblag, gehören zu seinen Arbeiten die Loggetta des Campanile (bis 1542), die Biblioteca Marciana, sowie als Erstem der Neubau der Zecca. Finanziert wurde der Bau, dessen Kosten von 5000 Dukaten sich im Verlauf versechsfachten, über den Freikauf von eigenen Dienern oder Sklaven auf dem damalig venezianischen Zypern (für 50 Dukaten pro Kopf).[10]

Der noch heute stehende Palazzo der ehemaligen Münzprägestätte der Republik Venedig wurde 1536 nach Plänen Sansovinos zunächst zweistöckig begonnen.[11][12] Aus Sicherheitsgründen wurde das edlere Gold auf dem oberen, Silber im Erdgeschoss verarbeitet. In die Fassade der Parterre wurden Käse- und Salamigeschäfte integriert, die zum Einen auch der Procuratia gehörten, zudem, aufgrund des Standorts, auch sehr lukrativ waren.[12] Begonnen wurde mit dem Bau jedoch nördlich, zur Piazza hin, während an der Lagune die Münzproduktion provisorisch fortlief.[13]

Bis zur Vollendung des Bibliotheksgebäudes war nebenan der Fleischmarkt, hinter dem zur Piazzetta hin der Eingang zur Münze gelegt wurde. So wurden die untere Produktionsebene erreicht, während oben links die Schmelzöfen für das Gold hinter großen Fenstern zur Lagune standen, die mit schweren Eisegittern bewährt waren und eine gute Durchlüftung gewährleisten sollten. Die Öfen für Silber und die Beamten, die für die Silberprägung zuständig waren, befanden sich darunter.[14] Von ihnen getrennt, liegt rechts des hallenartigen Flures der Innenhof, unter dessen 40 Arkaden die eigentliche Münzproduktion stattfand, sowie Kohle gebunkert wurde.[12] Wände zwischen den Arkaden, die kleine Werkstatteinheiten entstehen ließen, unterstützen zusätzlich das schwere Gebäude. Unter dem Platz wurde in einer Zisterne Regenwasser gesammelt, das über den Brunnen in der Mitte entnommen werden konnte.[14]

Die Schauseite aus istrischem Marmor ist in neun, vertikal völlig gleichförmige Felder geteilt. Die Parterre ist schlicht und gänzlich rustiziert gestaltet. Sie kommt ohne äußerliche Betonung des mittigen Eingangs in das Gebäude aus. Ursprünglich eine Kollonade zwischen denen sich die Geschäfte reihten, wurde sie 1588 verschlossen und der Münze zugeschlagen.[1]

Über einem ganz simplen Gebälk, im ersten Stock, steht die Reihe hochaufrechter Fenster mit schwer wirkenden, exponierten Stürzen, zwischen beringten Halbsäulen. Sie tragen das dorische Gebälk (mit Triglyphen und Taenia) und ursprüngliche Dachgesims. Der hinzugefügte zweite Stock wurde 1558 begonnen und ist vielleicht in Absprache, aber ohne Zutun Sansovinos entstanden. Er folgt dem neunteiligen Schema und übernimmt die Ringsäulen mit nun ionischen Kapitellen, über den Fenstern stehen hier Giebel, darüber wieder ein Konsolgesims.[15]

Das Eingangsportal auf der Ostseite zur Piazzetta hin ist ein Werk Vincenzo Scamozzis aus den Jahren 1554 bis 1556 (es wird zuweilen auch Sansovino zugeschrieben).[16]

1860 und 1865 wurde das Gebäude restauriert.

Architekturgeschichtliche Einordnung

Den ursprünglichen Entwurf mit nur zwei Stockwerken wird häufig für Sansovinos bestes Werk angesehen (während die Biblioteca Marciana sein berühmtestes ist). Schon zu seiner Zeit wurde es wohl schon bewundert. Giorgio Vasari nannte es das feinste, reichste und stärkste von Sansovinos Gebäuden.[17] Selbstbewusst vereinigte er hier die funktionale Leichtigkeit der Durchfensterung mit der männlichen Rohheit der dorischen Ordnung und der festungsartigen Rustizierung, ein beliebtes Stilmittel des Manierismus.[1]

In Venedig war eine solche Kombination aus grob behauenem istrischem Stein und klassischen Säulenordnungen bereits von Mauro Codussi für San Michele in Isola (Baubeginn 1469) und in veränderter Form für den Palazzo Corner Spinelli (1497–1500) verwendet worden. Es ist jedoch wahrscheinlicher, dass Sansovino sich von der antiken, unter Claudius im Jahr 52 erbauten Porta Maggiore und von Giulio Romanos Entwürfen für das Portal der Villa Madama (1519), sowie für Romanos eigene Residenz in Macel de’ Corvi (1523–1524, abgerissen 1902) inspirieren ließ. Diese Entwürfe dürften Sansovino aus seiner zweiten Periode in Rom (1516–1527) bekannt gewesen sein.[17][18] In seinem siebenbändigen Architekturtraktat Alle Werke der Architektur und Perspektive betrachtete sein Zeitgenosse und Kolllege Sebastiano Serlio die Verwendung klarer Kapitelle und Basen mit rohen, rustizierten Säulen als Lösung, um große Stärke auszudrücken und wäre einer Festung angemessener als allem anderen.[19][17] Die eher für Wohnhäuser typischen Tympanone über den Fenstern des zweiten Stocks mindern den massiven Gesamteindruck des originalen Baus.[20] Naheliegend aber ist, dass sich Antonio da Ponte für den Bau des Gefängnisses (den Prigione Nuove) von der Zecca inspirieren ließ.

Literatur

  • Richard Goy: Venice: The City and Its Architecture. Phaidon, London/New York 1997, ISBN 0-7148-3864-0 (englisch, archive.org).
  • Richard J. Goy: Venice: An Architectural Guide. Yale University Press, New Haven/London 2010, ISBN 978-0-300-14882-4 (englisch).
  • Deborah Howard: Jacopo Sansovino: Architecture and Patronage in Renaissance Venice. Yale University Press, New Haven 1975, ISBN 0-300-01891-6.
  • Deborah Howard: The Architectural History of Venice. Revidierte und erweiterte Auflage. Yale University Press, New Haven/London 2002, ISBN 0-300-09029-3 (englisch, Erstausgabe: 1980).
  • Vincenzo Lazari: Scrittura di Jacopo Sansovino e parti del Consiglio de’ Dieci riguardanti la rifabbrica della Zecca di Venezia ora per la prima volta pubblicate, Venedig 1850.
  • Manuela Morresi: Jacopo Sansovino. Electa, Mailand 2000, ISBN 8-84357571-6.
  • Alan M. Stahl: Zecca. The Mint of Venice in the Middle Ages, Johns Hopkins University Press, Baltimore, London 2000.
  • Alan M. Stahl: The Venetian Mint after the Black Death: Three Texts (1353), in: Katherine L. Jansen, Joanna Drell, Frances Andrew (Hrsg.): Medieval Italy: Texts in Translation, University of Pennsylvania Press, 2010, S. 87–89.
  • Alan M. Stahl: The Venetian Mint in the Age of the Black Death, in: Curtis Perry (Hrsg.): Material Culture and Cultural Materialisms in the Middle Ages and the Renaissance, Arizona Studies in the Middle Ages and the Renaissance 5 (2001) 41–57. (academia.edu)
  • Giorgio Vasari: Le vite de' più eccellenti pittori, scultori ed architettori, 9 Bände, Sansoni, Florenz 1878–1885.
Commons: Zecca (Venice) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

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