Bibliothek der Dinge
Verleihort für Dinge
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Bibliothek der Dinge oder Leihladen bezeichnet Sammlungen von anderen Dingen als Büchern, die kostenlos oder günstig ausgeliehen werden können. Die Bibliotheken der Dinge treten unter verschiedenen Namen auf und gehören teils zu traditionellen Bibliotheken und sind teils eigenständig.

Beschreibung

Der Verleih von Gegenständen ist ein Feld der Sharing Economy.[1][2] Für Spielzeug sind ähnliche Angebote bereits seit den 1970er Jahren als Ludothek bekannt. Die Ausleihe von Kunstwerken ist in Artotheken möglich. Anbieter solcher Dienstleistungen sind meist Vereine oder Nonprofit-Organisationen, aber auch öffentliche Bibliotheken haben ihr Angebot um dieses Betätigungsfeld erweitert.[3] Bibliotheken stehen laut Michael Knoche ohnehin „schon immer für die Praxis von Teilen und Tauschen“.[4] Oliver Stengel und Najine Ameli halten die Transformation von klassischen Bibliotheken zu Bibliotheken der Dinge, in denen weiterhin Schriften verliehen werden, für die größte Revolution in der mehrtausendjährigen Bibliotheksgeschichte.[5] 2025 führten rund 150 Stadtbüchereien in Deutschland eine Bibliothek der Dinge.[6]
Leihläden, die nicht an eine Bibliothek angeschlossen sind, existieren an verschiedenen Standorten im deutschsprachigen Raum. Sie werden zumeist aus Gründen des Umweltschutzes gegründet. Dabei soll die zentrale Verfügbarkeit nützlicher Alltagsgegenstände zum Leihen dafür sorgen, dass Menschen diese nicht alleine für sich kaufen und so Ressourcen gespart werden.[7][8]
Kriterien für die zu verleihenden Gegenstände sind beispielsweise Anschaffungskosten, die Gegenstandsgröße im Verhältnis zum verfügbaren Lagerplatz, die erhoffte Nachfrage aber auch die Einbindung in das Ausleihsystem eine Rolle. Es sollte nur ein geringer Wartungs- und Betreuungsaufwand anfallen. Beispielsweise haben im April 2016 das Goethe-Institut in Bratislava[3] sowie die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) im April 2016 eine solche Bibliothek eingerichtet, in der Nähmaschine, Lötstation, Akkuschrauber, Sportgeräte wie Slackline oder Tischtennisschläger, Action-Camcorder oder Bluetooth-Lautsprecher, ein Heimplanetarium oder eine Discokugel ausgeliehen werden können.[9] In der Jugendbibliothek „Hoeb4U“ der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen sind seit 2017 unter dem Namen Stuff4U beispielsweise Zeichentablett, Hängematte und Werkzeugkasten auszuleihen.[10]
Die erste Schweizer Bibliothek der Dinge wurde im Dezember 2018 von der Stiftung für Konsumentenschutz in Bern angestoßen. Betrieben wird die LeihBar von Freiwilligen, die in einem Verein organisiert sind. Für einen Jahresbeitrag können Mitglieder aus einem breiten Sortiment von der Outdoor-Ausrüstung übers Party-Zubehör bis zum Gartenwerkzeug oder Haushaltsgerät auswählen.[11] Seither sind weitere Bibliotheken der Dinge in der Deutschschweiz und der Romandie sowie im Wallis und im Tessin entstanden. Mit Stand 2025 sind es 15 Standorte.[12]
Literatur
- Najine Ameli: Die neue Share Economy. Bibliotheken der Dinge. Gemeinschaftliche Nutzungen für eine nachhaltige Stadtentwicklung. transcript, Bielefeld 2020, ISBN 978-3-8376-5221-5.
- Denise Baden, Ken Peattie, Adekunle Oke: Access over Ownership. Case Studies of Libraries of Things. In: Sustainability, 2020, Band 12, Nr. 17, S. 7180 ff.; doi:10.3390/su12177180.
Weblinks
- Liste der Büchereien, die eine Bibliothek der Dinge anbieten. connect.oclc.org
- Liste von Leihläden, die Dinge nicht-kommerziell verleihen. Leihladen-Vernetzung.
- Schweiz: Wo finde ich LeihBars? Stiftung für Konsumentenschutz