Bildungssystem in Grönland

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Das Bildungssystem in Grönland hat sich von den Anfängen an im Laufe von rund 300 Jahren an das dänische Bildungssystem angepasst. Heute gibt es in Grönland eine zehnjährige Unterrichtspflicht, die um eine Gymnasialbildung und zahlreiche Berufsausbildungen sowie Studiengänge ergänzt werden kann. Dabei muss das Land den Problemen der geringen Einwohnerzahl und der großen Verstreutheit der Bevölkerung trotzen, um dennoch ein Bildungssystem nach westlichen Standard anbieten zu können.

Geschichte

1721–1905

Grönländer werden missioniert. Eine Malerei von Aron von Kangeq

Die Inuit im präkolonialen Grönland kannten kein Bildungssystem im westlichen Sinne. Als Hans Egede 1721 nach Grönland kam und begann die dort lebenden Inuit zu missionieren und damit die Kolonialgeschichte des Landes einleitete, war ein wichtiger Teil seiner Arbeit, dass die Bevölkerung das Lesen lernte, um die Bibel lesen zu können. Erst mehrere Jahrzehnte später wurde es auch üblich Schreiben zu lernen. Ein zentralisiertes oder organisiertes Bildungssystem existierte im 18. Jahrhundert noch nicht. Der Unterricht oblag den europäischen Missionaren sowie den ebenfalls europäischen Katecheten. Der Missionar Jørgen Sverdrup erkannte den Wert der grönländischen Bevölkerung für das Bildungswesen und ließ deswegen ab etwa den 1770er Jahren grönländische Katecheten ausbilden, was das Missionswesen stark förderte. 1798 konnten nahezu alle Grönländer der dänischen Mission lesen und schreiben, während diejenigen, die von der Herrnhuter Brüdergemeine missioniert wurden, keine solchen Kenntnisse hatten.

Im 18. und frühen 19. Jahrhundert bestand neben der Ausbildung der wenigen grönländischen Katecheten kein Bedarf an der weiterführenden Ausbildung der Grönländer, da diese lediglich der Jagd nachgehen und die Bibel lesen können sollten. Um die Ausbildung der Katecheten besser zu organisieren, wurden in den 1840er Jahren zwei Lehrerseminare in Nuuk und Ilulissat gegründet, von denen das Ilinniarfissuaq in Nuuk das bedeutendere war. An diesem studierte als einer der ersten Rasmus Berthelsen, der anschließend selbst 54 Jahre lang bis zu seinem Tod 1901 als Lehrer tätig war und somit großen Einfluss auf das Bildungswesen hatte. In der Herrnhuter Brüdergemeine gründete der Missionar Samuel Kleinschmidt ebenfalls eine Katechetenschule, wechselte aber 1859 zum Ilinniarfissuaq und lehrte dort zusammen mit Rasmus Berthelsen bis zu seinem Tod 1886. Von 1870 bis zu seinem Tod 1900 war der Missionar Nikolaj Edinger Balle Leiter des Seminariums und spielte somit ebenfalls eine bedeutende Rolle im grönländischen Bildungswesen des späten 19. Jahrhunderts.[1]

Der Schulunterricht fand ausschließlich auf Grönländisch statt und während anfangs nur Lesen, Schreiben und Christentumskunde unterrichtet worden waren, kamen im 19. Jahrhundert auch Rechnen, Geografie, Geschichte und Naturgeschichte hinzu. Eine Schulpflicht existierte jedoch nicht und häufig fand der Unterricht mangels eigentlicher Schulgebäude bei den Lehrern zuhause statt. Diese waren neben den Missionaren die Katecheten, die teils an den Seminarien ausgebildet waren, teils aber auch nur privat, sowie an den Wohnplätzen meist nur Leser, also Einwohner ohne weiterführende Ausbildung, die die grundlegendste Bildung aus ihrer eigenen Schulbildung weitervermittelten.[2]

In den 1840er Jahren begann man, einige Grönländer mit dänischen Vätern zwecks Ausbildung nach Dänemark zu schicken, wo sie handwerkliche Berufe erlernen sollten, da sie meist aufgrund ihrer Erziehung für die Jagd ungeeignet waren. Diese Versuche wurden jedoch schnell wieder aufgegeben, vor allem weil die Lehrlinge meist keinerlei Dänisch sprachen. Erst in den 1870er Jahren wurde ein erneuter Versuch unternommen, wofür in Kopenhagen das Grønlænderhjemmet eingerichtet wurde, an dem die Lehrlinge gemeinsam wohnten. Zugleich wurden einige Frauen nach Dänemark geschickt, wo sie sich zur Hebamme ausbilden lassen sollten, allerdings schloss nur Karoline Rosing diese Ausbildung erfolgreich ab.[3] Viele Grönländer arbeiteten jedoch in Handwerksberufen ohne hierfür eine organisierte Ausbildung erhalten zu haben.[4]

1905–1950

Nach Nikolaj Edinger Balles Tod hatte Christian Wilhelm Schultz-Lorentzen die Leitung des Seminariums übernommen. Er veranlasste die Einführung des grönländischen Kirchen- und Schulgesetzes im Jahr 1905, durch das Grönland offiziell aufhörte Missionsgebiet zu sein, Teil der dänischen Volkskirche wurde und das Bildungswesen dem dänischen Staat unterstellt wurde. Unter Schultz-Lorentzen wurde auch das Seminarium ausgeweitet. Bis hierhin waren in rund 55 Jahren 100 Schüler aufgenommen worden (mit Aufnahme jedes dritte Jahr), also durchschnittlich rund fünf bis sechs pro Jahrgang. Fortan bestand jeder Jahrgang aus rund zwanzig Schülern und es wurde ein eigenes Seminariumsgebäude errichtet.[1]

Nach der Arbeit der Grønlandskommission von 1920/21 wurde 1925 das Gesetz zu Grønlands Styrelse eingeführt, das auch das Bildungswesen erneut revolutionierte. Hierbei wurde die siebenjährige Schulpflicht eingeführt, die in Dänemark schon seit 1814 herrschte. Bisher hatte die Ausbildung am Seminarium sechs Jahre gedauert, wurde nun aber aufgeteilt: Im Anschluss an den Besuch der Grundschule war es möglich zwei Jahre lang eine Efterskole zu besuchen, von denen vier Stück gegründet wurden. Erstmals wurden auch Mädchen der Zugang zu weiterführender Bildung ermöglicht und eine der vier Efterskoler wurde später in eine reine Mädchenschule umgewandelt. Nach dem Besuch der Efterskole konnte ein zweijähriger Højskolekursus besucht werden, der am Seminarium in Nuuk stattfand und in etwa der dänischen Realschule entsprach. Die Absolventen der Højskole konnten anschließend ihre Ausbildung am Seminarium fortsetzen, die noch einmal zwei Jahre in Anspruch nahm. Die besten Schüler der Højskole oder des Seminariums durften zuletzt eine höhere Ausbildung in Dänemark genießen, wobei hierfür nur drei bis vier Grönländer pro Jahr ausgewählt wurden. Zudem wurde 1925 der Dänischunterricht eingeführt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war das Bildungswesen von Grönländern dominiert und lediglich am Seminarium und den Efterskoler unterrichteten Dänen.[2][1][5]

Die Ausbildung von Grönländern in Dänemark in handwerklichen Berufen für besonders Talentierte nahm in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts leicht zu. Zwischen 1927 und 1936 wurden 41 Grönländer nach Dänemark geschickt, von denen alleine 23 als Böttcher, sieben als Zimmerer und fünf als Maschinenschmiede ausgebildet wurden. Lediglich zwei erhielten eine nichthandwerkliche Ausbildung als Büroangestellte. Den Lehrlingen stand keine freie Berufswahl zur Verfügung und im Gegensatz zu dänischen Lehrlingen erhielten sie während der Ausbildung keinen Lohn; allerdings bezahlte der Staat für Ausbildung, Essen und Unterkunft.[6]

1950–1979

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg in Grönland der Wunsch nach einer Modernisierung, der nach der Arbeit der Grønlandskommission von 1948 bis 1950 in der G50-Politik resultierte. Dabei wurden mit dem Schulgesetz von 1950 Kirch- und Schulwesen voneinander getrennt. In größeren Schulen wurden dänischsprachige Klassen eingeführt, in denen der Unterricht mit Ausnahme des Religions- und des Grönländischunterrichts ab der dritten Klasse auf Dänisch stattfand. Nach der weiterhin siebenjährigen Grundschule wurde weiterhin der Besuch einer Efterskole ermöglicht, die auf den Besuch der vierjährigen Realschule vorbereitete. Dort war die Unterrichtssprache mit Ausnahme von Religion und Grönländisch grundsätzlich Dänisch. Da das Interesse für weiterführende Schulbildung groß war und die Kapazitäten der grönländischen Efterskoler überstieg, wurden ab den 1960er Jahren zahlreiche Kinder zum Schulbesuch nach Dänemark geschickt.[1][5][2]

Mit der Modernisierungspolitik der 1950er und 1960er Jahre stieg der Bedarf an Personen mit Berufsausbildungen in Handwerks- und Verwaltungsberufen stark an und konnte durch die geringe Zahl an in Dänemark ausgebildeten Grönländern nicht gestemmt werden, da es neben der Lehrerausbildung am Seminarium weiterhin keine organisierten Berufsausbildungen in Grönland gab. Erst in den 1970er Jahren begann man, weitere Berufsausbildungen in Grönland zu schaffen und Berufsschulen zu gründen.[7.1]

Die Aufteilung in grönländisch- und dänischsprachige Klassen führte rasch zu einem Niveauunterschied, da der dänischsprachige Unterricht als qualitativ besser angesehen wurde und bald dazu führte, dass grönländische Eltern ihre Kinder in dänischsprachige Klassen schickten. In den 1960er Jahren begann man die Klassen bereits von der ersten Klasse an sprachlich aufzuteilen und für diese den Grönländischunterricht erst ab der dritten Klasse einzuführen. Der starke Bevölkerungsanstieg um 1960 führte dazu, dass es plötzlich massiv an Lehrern für die innerhalb weniger Jahre verdreifachte Zahl an Schülern mangelte, weswegen vor allem dänische Lehrer ohne Grönländischkenntnisse eingesetzt wurden, was zu einer weiteren Danisierung des grönländischen Schulwesens führte, die später eine der Keimzellen für das Aufkommen der grönländischen Nationalitätsbewegung der 1970er Jahre wurde.[1][5][2]

Mit dem Schulgesetz von 1967 wurde das grönländische Schulsystem noch weiter an das dänische angepasst. Hierzu zählte die Einführung der Folkeskole, die die bisherige Grundschule (Kinderschule) ersetzte. Diese musste mindestens sieben Jahre besucht werden, allerdings konnte sie freiwillig bis zu drei Jahre weitergeführt werden, sodass der Schulabschluss nach der siebten, achten, neunten oder zehnten Klasse möglich war. Wer eine höhere Bildung anstrebte, konnte je nach Niveau nach der fünften, sechsten, siebten oder achten Klasse in eine Vorbereitungsklasse wechseln, die nach zwei Jahren mit der Realschulreife endete. Mit dieser konnte anschließend die dreijährige Realschule besucht werden.[1][5]

Seit 1979

Schulkinder am ersten Folkeskoletag in Upernavik (2007)

Die damalige grönländische Nationalitätsbewegung kulminierte in der Einführung der Hjemmestyre im Jahr 1979. Das Bildungswesen gehörte zu den ersten Verantwortungsbereichen, die die grönländische Regierung von Dänemark übernahm, was am 1. Januar 1980 geschah. Das hierbei eingeführte Schulgesetz beendete die Vorherrschaft der dänischen Sprache in der Theorie und beschloss das Grönländisch sofern möglich einzige Unterrichtssprache sein sollte. Tatsächlich sorgte die große Zahl dänischer Lehrkräfte sowie dänischsprachige Unterrichtsmaterialien noch jahrelang dafür, dass der Unterricht häufig de facto auf Dänisch stattfand. Das Bildungssystem bestand nun aus einer dreijährigen Vorschule, gefolgt von einer sechsjährigen Grundschule, die zusammen die Hauptschule bildeten, wodurch die Schulpflicht auf neun Jahre erhöht wurde. Hiernach konnte eine zweijährige Fortsetzungsschule und danach eine zweijährige Kursschule besucht werden.[8][9]

Zum 1. Januar 1981 übernahm die grönländische Regierung auch die Verantwortung für die Berufsbildung in Grönland. Der Abschluss der Fortsetzungsschule qualifizierte für die Durchführung einer solchen. Die Zahl an Berufsschulen in Grönland wuchs in dieser Zeit. 1988 wurde das Berufsbildungssystem modernisiert, sodass von nun an alle grundlegenden Berufsausbildungen in Grönland durchführbar sein sollten.[7.2]

Bereits 1977 wurde das HF eingeführt, das wie in Dänemark zum Besuch einer Hochschule oder Universität berechtigt, wobei die zweijährige Ausbildung am Ilinniarfissuaq stattfand, dessen Besuch fortan das HF voraussetzte. Ab 1983 konnte das HF auch in Aasiaat abgelegt werden. 1986 wurde das HF in Grönland in eine dreijährige Gymnasialausbildung umgewandelt, die fortan in Nuuk, Aasiaat und Qaqortoq angeboten wurde. Bis zur Einführung des HF konnten Grönländer nur dann eine Universität besuchen, wenn sie in Dänemark die Hochschulreife erlangt hatten. 2000 wurde in Sisimiut ein Technikgymnasium eröffnet und 2002 in Qaqortoq ein Handelsgymnasium.[10]

1984 wurde das Inuit Instituttet gegründet, aus dem 1989 das Ilisimatusarfik als Universität Grönlands hervorging. Bis dahin waren die Lehrerausbildung am Ilinniarfissuaq sowie seit 1974 die Ausbildung in Sozialpädagogik, die zu diesem Zeitpunkt einem Bachelorstudium entsprachen, noch die höchsten in Grönland erreichbaren Ausbildungen gewesen.[11]

In den 1990er Jahren flammte die Sprachproblematik erneut auf. Der Fokus auf der grönländischen Sprache hatte dazu geführt, dass viele Schüler nicht genügend Dänischkenntnisse für weiterführende Ausbildungen entwickelten. Gleichzeitig bestanden immer noch als Ausnahme dänische Klassen für die dänische Minderheit im Land, deren Schüler nun beispielsweise ebenfalls nicht für die Lehrerausbildung qualifiziert waren, da diese Grönländischkenntnisse voraussetzte. Es wurde deswegen beschlossen, alle Schüler in grönländischsprachigen Klassen zu unterrichten, andererseits aber auch den Dänischunterricht wieder mehr zu stärken.[7.3]

Die heutigen Rahmen für die grönländische Schul- und Berufsbildung stammen aus Reformen von etwa dem Jahrtausendwechsel.[7.4]

Schulsystem

Seit 2002 beträgt die Dauer der Schulpflicht zehn Jahre in Grönland. Diese wird üblicherweise in der Folkeskole absolviert, die dreigeteilt ist in eine dreijährige Unterstufe (yngstetrinnet), eine vierjährige Mittelstufe (mellemtrinnet) und eine dreijährige Oberstufe (ældstetrinet). Alternativ können Kinder zu Hause unterrichtet werden, sofern die Eltern dies wünschen oder keine Möglichkeit besteht, die Kinder eine Schule besuchen zu lassen, beispielsweise weil sie in einer Schäfersiedlung wohnen. 2021 gab es in Grönland 23 Schulen in Städten, 52 Schulen in Dörfern, eine Privatschule und eine Gehörlosenschule. Während in den Städten sämtliche Jahrgänge bis zur 10. Klasse separat unterrichtet werden, müssen in den Dorfschulen teilweise Schüler mehrerer Jahrgänge gemeinsam unterrichtet werden. Zudem endet der Unterricht in den Dorfschulen häufig bereits nach der 8. Klasse, teils sogar bereits nach der 6. oder 7. Klasse, wonach die Schüler in eine Stadt ziehen müssen. Nach der 8. Klasse oder im Alter von 14 Jahren können Schüler wie in Dänemark üblich auf eine Efterskole wechseln, die in diesem Fall die Folkeskole ersetzt. Dieses Angebot wird von etwa der Hälfte der Schüler wahrgenommen.[12][13]

Mit dem Abschluss der Folkeskole sind die Schüler dazu berechtigt, eine dreijährige Gymnasialbildung an einem der vier Gymnasien oder per Fernunterricht wahrzunehmen. Nach dem Abschluss des Gymnasiums kann ein Studium oder vergleichbarer Bildungsweg begonnen werden, was wiederum zwei bis sechs Jahre in Anspruch nimmt. Alternativ kann nach der Folkeskole eine Berufsschule besucht werden, wo die Ausbildung durchschnittlich vier Jahre dauert. Insgesamt gibt es knapp 70 mögliche Berufsausbildungen an zehn Berufsschulen.[13][14][15]

Bildungsinstitutionen in Grönland

Schulen

Die Folkeskole von Qaarsut, eine typische Dorfschule (2011)

In Nuuk existieren fünf Folkeskoler und zusätzlich die einzige Privatschule Grönlands (Nuuk Internationale Friskole). In Sisimiut und Ilulissat gibt es jeweils zwei Folkeskoler. In den vierzehn anderen Städten und sämtlichen Dörfern gibt es jeweils eine Schule. Lediglich in einigen nahezu verlassenen Dörfern ist die Schule bereits geschlossen worden, da keine Kinder mehr im jeweiligen Ort leben.[16]

In Grönland befinden sich zwei Efterskoler, die Efterskole Villads Villadsen in Qasigiannguit und die Maniitsumi Efterskoli in Maniitsoq.[17]

Die gymnasiale Ausbildung in Grönland trägt den Namen GUX und vereint somit die in Dänemark üblichen Gymnasialausbildungen STX (Allgemeines Gymnasium), HTX (Technisches Gymnasium) und HHX (Handelsgymnasium). Die vier Gymnasien befinden sich in Nuuk (ca. 450 Schüler), Aasiaat (ca. 260 Schüler), Sisimiut (ca. 170 Schüler) und Qaqortoq (ca. 140 Schüler). Diese verteilen sich auf vier Kommunen; lediglich in der Avannaata Kommunia gibt es kein Gymnasium. Für Schüler, die nicht in eine der vier Städte ziehen wollen, wird per eGUX Fernunterricht angeboten.[14]

Berufsschulen

In Grönland gibt es eine Vielzahl spezifischer Berufsschulen.

Teknikimik Ilinniarfik

Die technische Berufsschule Kalaallit Nunaanni Teknikimik Ilinniarfik (KTI) (“Technikschule in Grönland”) geht auf die 1969 gegründete Centralfagskolen („Zentralfachschule“) in Nuuk zurück, in der Zimmerer, Maschinisten, Kfz-Mechatroniker, Skipper und Bauarbeiter ausgebildet wurden. Diese wurde nach einigen Jahren in Teknisk Skole („Technische Schule“) umbenannt. Diese wurde 1977 in die Saviminilerinermik Ilinniarfik/Jern- og Metalskolen („Eisen- und Metallschule“) in Nuuk und die Sanaartornermik Ilinniarfik/Bygge- og Anlægsskolen („Bauschule“) aufgeteilt. 2008 wurde in Sisimiut zudem die Aatsitassalerinermik Ilinniarfik/Råstofskolen („Rohstoffschule“) gegründet. 2011 wurden die drei Berufsschulen wieder unter dem heutigen Namen vereinigt, verblieben aber an ihren jeweiligen Standorten. Insgesamt werden an der KTI rund 650 Lehrlinge ausgebildet.[18][19]

Folgende Ausbildungen werden angeboten (Stand 2026):

Weitere Informationen Abteilung, Saviminilerinermik Ilinniarfik (Nuuk) ...
AbteilungSaviminilerinermik Ilinniarfik (Nuuk)Sanaartornermik Ilinniarfik (Sisimiut)Aatsitassalerinermik Ilinniarfik (Sisimiut)
Ausbildungen
  • Schlosser
  • Schiffsmonteur
  • Schweißer
  • Marinemotor- und Schneemobilmechaniker
  • Automechaniker
  • Elektriker
  • Terminal- und Transportarbeiter
  • Verschaler
  • Dachdecker
  • Fliesenleger
  • Abrissarbeiter
  • Sanitärtechniker
  • Zimmermann
  • Maler
  • Minenarbeiter
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KTI bietet zudem in Zusammenarbeit mit Danmarks Tekniske Universitet (DTU) zwei Professionsbachelorstudiengänge (entspricht in etwa einem Fachhochschulstudium) zum Diplomingenieur in Arktischer Technologie (kurz Artek) (Sisimiut/Ballerup) und in Fischereitechnologie (Sisimiut/Hirtshals) an. Ein Teil des Professionsbachelorstudiengangs zum Maschinenbauingenieur an der Teknika in Kongens Lyngby und Kalundborg kann zudem am KTI absolviert werden.[20]

Niuernermik Ilinniarfik

Grönländische Lehrlinge im Handelsbereich wurden von 1966 bis 1978 an der Handelsschule im dänischen Ikast ausgebildet. Zwischen 1978 und 1983 wurden schrittweise Ausbildungen zur neuen Handelsschule in Nuuk überführt. 1983 wurde eine Zweigstelle in Qaqortoq eröffnet. Die Niuernermik Ilinniarfik/Greenland Business School beherbergt insgesamt über 300 Auszubildende an ihren beiden Standorten. Es werden 21 Ausbildungen in verschiedenen Niveaus angeboten, nämlich eigentliche Berufsausbildungen, Berufsakademieausbildungen sowie zwei Bachelorstudiengänge in Internationalem Handel und Marketing bzw. Wirtschaft und Ressourcensteuerung.[21][22]

Grønlands Maritime Center

1959/60 wurde in Nuuk eine Schiffsführerschule gegründet, die zeitweise an der damaligen Zentralfachschule und der Spezialarbeiterschule untergebracht war. 1974 wurde die Fischereifachschule in Paamiut als Abteilung der Schiffsführerschule in Nuuk gegründet. 1976 wurde als weitere Abteilung in Nuuk die Seefahrtschule in Nuuk. 1981 wurde eine Abteilung der Schiffsführerschule in Ilulissat gegründet. Die Seefahrtschule in Nuuk wurde 1981 nach Paamiut überführt und 1982 wurde die Seefahrtschule und die Fischereifachschule zur Seefahrt- und Fischereischule fusioniert, während die Schiffsführerschule in Nuuk und Ilulissat bestehen blieb. 1997 wurde die Schiffsführerschule in Nuuk ebenfalls nach Paamiut überführt und in Imarsiornermik Ilinniarfik umbenannt.[23][24] Die Abteilung in Ilulissat wurde wahrscheinlich in den 2000er Jahren geschlossen. 2009 wurde die Fischer- und Jägerschule Piniarnermut Aalisarnermut Ilinniarfik in Uummannaq gegründet.[25] 2013 wurden die Schulen in Paamiut und Uummannaq unter dem Namen Imarsiornermik Ilinniarfik/Grønlands Maritime Center fusioniert und nach Nuuk mit Zweigstelle in Paamiut verlegt. Es werden insgesamt neun Ausbildungen in den Bereichen Fischerei und Schifffahrt angeboten.[26]

Inuili

Die Lebensmittelschule Inuili (Inuussutissalerinermik Ilinniarfik) in Narsaq wurde 1989 gegründet.[27] Um 2012 übernahm sie die Fischinstrustrieschule ATI in Maniitsoq.[28] Wegen Gebäudeproblemen übernahm Inuili 2025 auch die Landwirtschaftsschule in Upernaviarsuk.[29] Inuili bietet Stand 2026 Grundausbildungen an zum Bäcker/Konditor, Ernährungsassistent, Gastronom, Gourmetschlachter, Schäfer, Kellner, Fischereitechnologieindustrieoperator.[30]

Peqqissaanermik Ilinniarfik

Die Gesundheitsschule Peqqissaanermik Ilinniarfik (PI) wurde 1993 in Nuuk gegründet. Bis 2008 wurde das Studium zur Krankenschwester dort angeboten, bevor es zum Ilisimatusarfik überführt wurde. Seitdem bietet die PI nur noch Berufsausbildungen an.[31] Die PI bietet Stand 2026 Ausbildungen an zur psychiatrischen Hilfsperson, Gesundheitshelfer, Gesundheitsassistent, Rettungsassistent, Gesundheitsarbeiter, Klinikassistent und Zahnpfleger.[32]

Perorsaanermik Ilinniarfik

Die Perorsaanermik Ilinniarfik/Socialpædagogisk Seminarium (PI/SPS) wurde 1969 in Nuuk gegründet, bot aber anfangs nur Einzelkurse an. Erst ab etwa 1975 konnten eigentliche Berufsausbildungen absolviert werden, darunter das einem Bachelor entsprechende Sozialpädagogikstudium. 1995 wurde das Seminarium nach Ilulissat verlegt.[33] Die Schule bietet sieben soziale Berufsausbildungen an sowie das von über der Hälfte durchgeführte Diplompädagogikstudium.[11][34]

Kalaallisuuliornermik Ilinniarfik

Die Kalaallisuuliornermik Ilinniarfik/Nationaldragtsskolen in Sisimiut wurde 2010 gegründet und lehrt die Verarbeitung von Tierhaut und damit die Herstellung traditioneller grönländischer Kleidung.[35] Bis 2017 wurden 32 Näherinnen ausgebildet, von denen jedoch mangels Arbeitsplätzen keine anschließend als solche arbeitete.[36]

Grønlands Kunstskole

Grønlands Kunstskole/Nunatsinni Eqqumiitsuliornermik Ilinniarfik wurde 1972 in Nuuk unter dem Namen Grafisk Værksted/Puilanerit auf Initiative von Bodil Kaalund und Hans Lynge errichtet. Von Anfang an wurde neben Grafik auch in Zeichnen, Bildhauerei und Malerei unterrichtet. 1981 wurde die Einrichtung in ihren heutigen Namen umbenannt und offiziell als Bildungseinrichtung anerkannt. Sie nimmt etwa fünf Studenten pro Jahr auf.[37]

Universitäre Weiterbildung

Die Universität von Grönland in Nuuk (2012)

Das Ilisimatusarfik/Grønlands Universitet ist die einzige Universität des Landes. Sie wurde 1983 unter dem Namen Inuitinstituttet gegründet, ging 1984 in Betrieb, änderte 1987 ihren Namen in den heutigen und ist seit 1989 offiziell als Universität anerkannt. 2008 wurden das Ilinniarfissuaq mit der zugehörigen Lehramtsausbildung sowie die Krankenschwesterausbildung der Peqqissaanermik Ilinniarfik in die Universität eingegliedert und die Universität zog auf den Campus Ilimmarfik außerhalb der Innenstadt von Nuuk um. Die Universität hatte 2025 rund 750 Studenten in zwölf Studiengängen an vier Instituten. Die meisten dieser Studiengänge sind geisteswissenschaftlich oder berufsorientiert ausgerichtet.[38]

Einige der Berufsschulen bieten ebenfalls Ausbildungen an, deren Abschluss einem Bachelor entspricht (siehe oben). Das Nunatta Isiginnaartitsisarfia/Grønlands Nationalteater ist für die Schauspielausbildung in Grönland zuständig. Diese war bis 2023 eine zweijährige Berufsausbildung und seither ein dreijähriger Bachelorstudiengang.[39]

Erwachsenenbildung

Knud Rasmussen Højskolia in Sisimiut (2010)

In Grönland gibt es zwei Højskoler, die sich der Erwachsenenbildung widmen. Die Knud Rasmussenip Højskolia (Knud Rasmussens Højskole) in Sisimiut wurde 1962 nach mehrjähriger Anlaufzeit eröffnet und war die erste Højskole Grönlands.[40] Die Sulisartut Højskoliat in Qaqortoq wurde 1977 gegründet, um Funktionären der grönländischen Arbeitergewerkschaft Sulinermik Inuussutissarsiuteqartut Kattuffiat (SIK), ehemals Grønlands Arbejder Sammenslutning (GAS) einen Bildungsort zu bieten.[41]

Für Personen ohne Schulabschluss bzw. mit nicht ausreichenden Noten für die Aufnahme einer Ausbildung bietet die Job- und Ausbildungszentren Majoriaq Kurse und Abschlussprüfungen für Erwachsene an.[42]

Erwachsene können sich zudem in unabhängigen Kursen an den Berufsschulen und der Universität weiterbilden lassen.[43]

Commons: Education in Greenland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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