Bilowodsk

Siedlung städtischen Typs in der Ukraine From Wikipedia, the free encyclopedia

Bilowodsk (ukrainisch Біловодськ; russisch Беловодск Belowodsk) ist eine im Osten der Ukraine gelegene Siedlung städtischen Typs am Ufer des Derkul, einem Nebenfluss des Siwerskyj Donez mit etwa 8100 Einwohnern (2014).[1]

Kirche im Ort
Schnelle Fakten Basisdaten, Verwaltung ...
Bilowodsk
Біловодськ
Wappen von Bilowodsk
Bilowodsk (Ukraine)
Bilowodsk (Ukraine)
Bilowodsk
Basisdaten
Staat: Ukraine Ukraine
Oblast:Oblast Luhansk
Rajon:Rajon Starobilsk
Höhe:68 m
Fläche:16.23 km²
Einwohner:7.695 (1. Januar 2022)
Bevölkerungsdichte: 474 Einwohner je km²
Postleitzahlen:92800
Vorwahl:+380 6466
Geographische Lage:49° 12′ N, 39° 35′ O
KATOTTH: UA44140010010089375
KOATUU: Angabe fehlt
Verwaltungsgliederung: 1 Siedlung städtischen Typs, 32 Dörfer
Verwaltung
Bürgermeister: Wiktor Petrowytsch Tschumak
Adresse: вул. Леніна 105
92800 смт. Біловодськ
Website: http://bv.loga.gov.ua/
Bilowodsk (Oblast Luhansk)
Bilowodsk (Oblast Luhansk)
Bilowodsk
i1
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Im Zentrum des ehemaligen Rajon Bilowodsk in der Oblast Luhansk gelegen, war Bilowodsk das administratives Zentrum des Rajons 98 km nördlich vom Oblastzentrum Luhansk.

Geschichte

Bilowodsk wurde im Jahr 1686 von Kosaken gegründet und ist damit eine der ältesten Siedlungen der Sloboda-Ukraine. Vom 13. Juni 1942 bis zum 20. Januar 1943 war der Ort durch die Truppen der Wehrmacht besetzt.[2] Von 1779 bis 1860 hatte Bilowodsk den Status einer Stadt und seit 1957 hat Bilowodsk den Status einer Siedlung städtischen Typs. Der Name der Siedlung (Bilowodsk bedeutet „weißes Wasser“) geht auf das klare, „weiße“ Wasser des Flusses Derkul zurück, an dem der Ort liegt.[3]

Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 wurde der Ort im März 2022 von russischen Truppen besetzt und steht seitdem nicht mehr unter ukrainischer Kontrolle.

Verwaltungsgliederung

Am 14. August 2017 wurde die Siedlung zum Zentrum der neugegründeten Siedlungsgemeinde Bilowodsk (Біловодська селищна громада/Bilowodska selyschtschna hromada). Zu dieser zählen auch die 32 in der untenstehenden Tabelle aufgelistetenen Dörfer[4], bis dahin bildete sie die gleichnamige Siedlungsratsgemeinde Bilowodsk (Біловодська селищна рада/Bilowodska selyschtschna rada) im Zentrum des Rajons Bilowodsk.

Seit dem 17. Juli 2020 ist sie ein Teil des Rajons Starobilsk[5].

Folgende Orte sind neben dem Hauptort Bilowodsk Teil der Gemeinde:

Weitere Informationen Name, ukrainisch transkribiert ...
Name
ukrainisch transkribiertukrainischrussisch
Baranykiwka Бараниківка Бараниковка (Baranikowka)
Brussiwka Брусівка Брусовка (Brussowka)
Danyliwka Данилівка Даниловка (Danilowka)
Harmaschiwka Гармашівка Гармашовка (Garmaschowka)
Hontscharowe Гончарове Гончарово (Gontscharowo)
Horodnje Городнє Городнее (Gorodneje)
Horodyschtsche Городище Городище (Gorodischtsche)
Jewsuh Євсуг Евсуг (Jewsug)
Kononiwka Кононівка Кононовка (Kononowka)
Kopani Копані Копани
Krejdjane Крейдяне Крейдяное (Kreidjanoje)
Lymariwka Лимарівка Лимаревка (Limarewka)
Lytwyniwka Литвинівка Литвиновка (Litwinowka)
Nosdriwka Ноздрівка Ноздревка (Nosdrewka)
Nowoderkul Новодеркул Новодеркул
Nowolymariwka Новолимарівка Новолимаревка (Nowolimarewka)
Nowooleksandriwka Новоолександрівка Новоалександровка (Nowoalexandrowka)
Nowospassiwka Новоспасівка Новоспасовка (Nowospassowka)
Nyschnjobaranykiwka Нижньобараниківка Нижнебараниковка (Nischnebaranikowka)
Parnewe Парневе Парневое (Parnewoje)
Perwomajsk (seit 2024 offiziell ukrainisch Popiwka)[6] Первомайськ Первомайск (Perwomaisk)
Pluhatar Плугатар Плугатарь (Plugatar)
Prywilne Привільне Привольное (Priwolnoje)
Rosdollja Роздолля Раздолье (Rasdolje)
Schulikiwka Шуліківка Шуликовка (Schulikowka)
Selekiwka Зелеківка Зелековка (Selekowka)
Semykosiwka Семикозівка Семикозовка (Semikosowka)
Stepowe Степове Степовое (Stepowoje)
Ternowe Тернове Терновое (Ternowoje)
Tretjakiwka Третяківка Третяковка (Tretjakowka)
Uslissja Узлісся Узлесье (Uslesje)
Witrohon Вітрогон Ветрогон (Wetrogon)
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Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung
195919701979198920012014
9.577 8.564 10.494 11.151 8.764 8.179

Quelle:[1]

Gestüte

Nationalgestüt Derkul

Katharina die Große gründete 1767 das Nationalgestüt Derkul Nr. 63, es ist das älteste Gestüt der Ukraine. Es befindet sich in dem Dorf Nowoderkul und liegt am Fluss Derkul. Zunächst zogen 73 Pferde ein und das Gestüt nahm die Kaltblutzucht auf. 1878 zog es Suffolk Punch, Ardenner und Percheron, die bis nach Belgien und Deutschland exportiert wurden.[7] Darüber hinaus kreuzte es Steppenpferde mit Vollblütern. Ende des Jahrhunderts wurde die Vollblutzucht erweitert und der hier gezüchtete Hammurabi siegte 1906 im Russischen Derby. Das Gestüt errang 48 Siege. Zu den bekannten Pferden gehören Zadornii, Derzkii, Hist und Dekabrist. In dieser Blütezeit lebten etwa 1.000 Pferde in Derkul.[8]

Sowohl im Ersten Weltkrieg als auch im Zweiten Weltkrieg erlitt das Gestüt schwere Verluste, da fast alle Pferde verloren gingen. 1933 brachte Marschall Semjon Budjonny die überlebenden Orlow-Traber nach Derkul, um die Rasse zu erhalten. Sie bildeten außerdem die Grundlage für die Reitpferderasse Ukrainer. 1943 wurde das Gestüt verstaatlicht.

2007 hatte das Gestüt einen Bestand von 250 Pferden, darunter überwiegend ukrainische Vollblüter und Saddlebreds. In den 2010er Jahren durchlebte es aufgrund mangelnder Investitionen eine schwierige Zeit, wurde aber weitergeführt. Der Einmarsch Russlands in die Ukraine im Jahr 2022 bedroht den Fortbestand des Gestüts; es wurde im selben Jahr insolvent.

Neben dem Gestüt (Nr. 44-206-9001) gehören auch die Hauptställe aus dem späten 18. bis späten 19. Jahrhundert (Nr. 44-206-0002), die Japanische Маnege (1897, Nr. 44-206-0003) und das Verwaltungsgebäude (1828, Nr. 44-206-0004) zum ukrainischen Kulturerbe.[9]

Nationalgestüt Limarewo

Nationalgestüt Limarewo Nr. 61

Das Nationalgestüt Limarewo Nr. 61 (ukrainisch: Лимарівський кінний завод, russisch: Лимаровский конный завод, auch Limarovsk ) ist ein staatliches Gestüt zur Zucht von Reitpferden. Es befindet sich im Dorf Novolymarivka, in der Flussaue des Derkul, etwa 10 km von Bilowodsk entfernt. 1822 wurde der Hauptstall im klassizistischen Stil fertiggestellt und das Gestüt eröffnet.

Von Beginn an züchtete Limarewo hochwertige Reitpferde. 1844 kam die Zucht arabischer Vollblüter hinzu, 1883 die der Orlow-Rostopchin-Pferde. Während der deutsch-faschistischen Besatzung (Juli 1942 – Januar 1943) erlitt das Gestüt erhebliche Schäden, insbesondere gingen wertvolle Zuchtpferde verloren. Zwischen 1946 und 1969 war D. Garkavets Direktor des Gestüts, trug zum Wiederaufbau des Gestüts bei. 1972 wurde zum 150-jährigen Bestehen eine Gedenktafel installiert. 1979 erklärte die Ukrainische SSR den Gebäudekomplex, bestehend aus Hauptstall, Lazarett, Jungpferdestall und Direktoriumsgebäude, aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zu Baudenkmälern, seit 2001 von nationaler Bedeutung. Nach dem Zerfall der UdSSR wurde Limarewo zum Staatsbetrieb. Heute werden vor allem Russische Traber und Orelische Traber gezüchtet. Zu den bekanntesten Pferden zählen Kovil, Knockout, Nastriy, Gruden, Grab, Nakal, Segment, Sambir, Debut, Progul, Kompas, Otmel, Tabun, Route, Karnaval, Velmozha, Derbent und Globus.[10][11]

Nationalgestüt Nowo-Alexandrowo

Das Nationalgestüt Nowo-Alexandrowo Nr. 64 befindet sich in dem Dorf Nowooleksandriwka, das 1823 zusammen mit dem Nationalgestüt gegründet wurde. Auf dem Gestüt liegt der Ursprung der Kaltblutrasse Nowoalexandrovsk. Die dort geborene Pferdezüchterin Maria Kemarska Semenivna (ukrainisch: Кемарська, Марія, Семенівна) trug maßgeblich zur Entstehung der Rasse bei.

Die drei Nationalgestüte in Bilowodsk liegen in einem Umkreis von rund 30 km. Auch das Nationalgestüt Streletzki Nr. 60 ist nur rund 40 km entfernt.

Persönlichkeiten

  • Julija Derkatsch (* 1986), aserbaidschanische Gewichtheberin ukrainischer Herkunft
Commons: Bilowodsk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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