Biosphärenreservat Žuvintas

UNESCO-Biosphärenreservat in Litauen From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Biosphärenreservat Žuvintas ist ein Biosphärenreservat um die Seen Žuvintas und Amalva und deren Feuchtland im südlichen Litauen, im südlichen Teil der mittleren litauischen Tiefebene,[1] etwa 30 km östlich von Alytus. Das Reservat befindet sich am mittleren Flusslauf des Nemunas (Memel) und dem oberen Flusslauf der Neris. Es umfasst 18.490 Hektar Seen, Feuchtgebiete, Moore, Torfmoore und Wälder.[2] Diese Vielfalt an Lebensräumen begünstigt eine hohe Biodiversität. Als größtes Feuchtgebiet mit einem See in Litauen ist das Biosphärenreservat Žuvintas ein wichtiger Ort für Wasservögel zum Nisten und als Zwischenstation während des Vogelzugs.[3]

Steg im Biosphärenreservat Žuvintas

Der Naturschutzstatus des Biosphärenreservats geht bis in das Jahr 1937 zurück, womit es das älteste Naturschutzgebiet Litauens ist.[4] Es wurde 2011 als UNESCO-Biosphärenreservat nominiert und ist somit das erste und einzige Gebiet in Litauen, das im Rahmen des UNESCO - Programms „Der Mensch und die Biosphäre“ anerkannt und in das Weltnetz der Biosphärenreservate aufgenommen wurde.[1] Im Gebiet leben etwa 11.000 Menschen.[5]

Geographie und Klima

Das Biosphärenreservat Žuvintas liegt in den Bezirksgemeinden Alytus und Lazdijai im Landkreis Alytus sowie in der Gemeinde Marijampolė im gleichnamigen Landkreis.[6]

Das Gebiet befindet sich im südlichen Teil der Mittellitauischen Tiefebene und umfasst die Feuchtgebiet-Komplexe Žuvintas und Amalvas, die sich in einer Senke der limnoglazialen Ebene inmitten von Moränenhügelketten bildeten, sowie den Bukta-Wald auf einer Moränenebene. Žuvintas, das größte Feuchtgebiet in Litauen (6.847 ha), beinhaltet eine sumpfige Ebene mit dem flachen See Žuvintas und die umliegenden Auen. Der See Žuvintas ist mit 971 ha nur noch ein kleiner Überrest des ehemaligen postglazialen Sees.

Der Fluss Dovinė ist der Hauptabfluss des Žuvintas-Sees

Seine wichtigsten Zuflüsse sind Bambena und Kiaulycia und der Fluss Dovinė dient als Hauptabfluss. Das Einzugsgebiet des Žuvintas-Sees (345 km²) umfasst mehr als die Hälfte des Einzugsgebiets des Flusses Dovinė (589 km²). Neben dem See Žuvintas gehört auch der Amalvas-See zum Einzugsgebiet der Dovinė. Dieser See sowie das Amalva-Moor liegen nördlich des Žuvintas-Gebiets und sind diesem ähnlich, jedoch ist das Moor kleiner (3,414 ha). Ein dritter großer See im Reservat ist der See Žaltytis.[4][1]

Das Biosphärenreservat liegt im Nemunas-Delta. Mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 7,1–7,4 °C entspricht die Temperatur in dieser Region dem litauischen Durchschnitt. Verglichen mit dem zuletzt genutzten Klimanormalwert (SCN) von 1981–2010 ist die erwartete durchschnittliche Jahrestemperatur in Litauen um 0,5 °C, nämlich von 6,9 °C im Jahr 2020 (basierend auf der SCN 1981–2010) auf 7,4 °C im Jahr 2021 (basierend auf dem SCN von 1991–2020), angestiegen.[7] Der wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlich 18,0–18,1 °C und die kälstesten Monate sind Januar und Februar mit Durchschnittstemperaturen von −3,6 °C bis −3,1 °C. Die absoluten Tiefsttemperaturen liegen bei −31,2 °C, die absoluten Höchsttemperaturen bei 35,1 °C. Aufgrund dieser deutlichen saisonalen Temperaturschwankungen wird die Region gemäß der Köppen-Geiger-Klimaklassifikation der Dfb-Zone zugeordnet.[8] Der jährliche Niederschlag beträgt 600–640 mm. An etwa 65 bis 80 Tagen im Jahr liegt Schnee. Die Sonnenscheindauer beträgt 1870 Stunden pro Jahr. Durch den Zustrom trockener kontinentaler Luftmassen ist das Klima kontinental geprägt und weniger vom Meer beeinflusst. Daher ist es trockener, die Sommer sind heißer und die Winter kälter als an der Küste. Allerdings sind die Entwässerungsbedingungen im Biosphärenreservat schlecht, wodurch Sümpfe und Feuchtgebiete entstanden sind. Dies führt dazu, dass das lokale Klima feuchter ist als sonst für die Region typisch. Infolgedessen ist es im Frühling und Herbst häufig neblig. Im Sommer sind die Temperaturen niedriger, da sich der feuchte Boden langsamer erwärmt.[9]

Zonen

Die drei Zonen des UNESCO-Biosphärenreservats

Das Biosphärenreservat hat eine zusammenhängende Fläche und besteht, wie jedes UNESCO-Biosphärenreservat, aus drei Zonen:

  • Die streng geschützte Zone wird als Kernzone bezeichnet. Eine Kernzone trägt zum Erhalt von Landschaften, Ökosystemen, Arten und genetischer Vielfalt bei. Daher sind Siedlungen in diesem Gebiet nicht zulässig. Die Kernzone des Biosphärenreservats besteht aus strengen Naturschutzgebieten (IUCN-Kategorie I – Žuvintas, Buktbale und Liuliškyne) und Naturschutzgebieten (IUCN-Kategorie IV – Amalvas, Kiaulycia, Žaltytis, Želsva, Paželsviai und Liepakojai).
  • Die Kernzone ist von der Pufferzone umgeben. In dieser Zone leben etwa 1.100 Einwohner. Forst- und Landwirtschaft sind erlaubt, sofern sie mit nachhaltig ökologisch sind. Darüber hinaus wird diese Zone insbesondere für die Wiederherstellung von Ökosystemen, wissenschaftliche Forschung, Monitoring und Bildung genutzt.
  • Die größte Zone ist die Übergangszone, in der nachhaltige soziokulturelle und ökologische Aktivitäten besonders stark unterstützt werden.[10][11]

Natur

Flora

Der Žuvintas-See ist ein typischer verlandeter See. Sein Grund ist mit Chara- und Potamogeton-Arten bedeckt, und große Flächen werden von Wasserpflanzen (Nymphaea candida, Potamogeton natans, Nuphar lutea) dominiert. Charakteristisch für den See sind die schwimmenden Inseln bestehend aus Typha angustifolia.[12][13]

Moorkiefernwald

Schilfsümpfe, Übergangsmoore, Seggenmoore und Hochmoore umgeben den See. Vor allem im Südosten bedecken Schilfsümpfe und Seggenmoore (mit vorherrschenden Arten wie Carex omskiana, C. diandra, C. disticha) große Flächen. An den Hängen der Hochmoore kommen Moorkiefernwälder vor, während in offenen Gebieten Calluna vulgaris, Eriophorum vaginatum und Sphagnum-Arten (Sph. magellanicum, Sph. fuscum, Sph. rubellum) vorherrschen. Die Feuchtwälder rund um den See bestehen hauptsächlich aus Schwarzerle und Birke.[12]

Bukta-Wald

Darüber hinaus ist der Bukta-Wald im Naturschutzgebiet ein Referenzgebiet für Mischwälder in der litauischen Zentralebene. Er beherbergt wertvolle Habitate für Hainbuchen, die typische Pflanzen- und Pilzarten mitteleuropäischer Hainbuchen- und Buchenwälder beherbergen.[14]

Insgesamt wurden im Biosphärenreservat 987 Pflanzenarten identifiziert, von denen zwei von der Europäischen Union geschützt sind und 30 in der Roten Liste Litauens aufgeführt sind. Darüber hinaus wurden hier 105 Algen und 292 Pilze gefunden, von denen sechs auf der Roten Liste Litauens stehen. Diese Vielfalt an Lebensräumen und Vegetation trägt zu hervorragenden Bedingungen für zahlreiche Wasservögel bei.[15][14]

Fauna

Seggenrohrsänger im Biosphärenreservat Žuvintas

Mit mittlerweile 255 Arten auf der Liste der Vögel ist die Anzahl der Vogelarten in Žuvintas auf dem litauischen Festland unübertroffen. 153 dieser Arten haben im Biosphärenreservat gebrütet oder brüten dort derzeit. 42 der Vögel stehen unter Schutz durch die Europäische Union und 58 sind in der Roten Liste Litauens verzeichnet. Eine der größten Populationen von Rohrdommeln, Rohrweihen und Kleinsumpfhühnern in Litauen nistet am Žuvintas-See. Tausende von Kranichen und Gänsen sowie andere Wasser- und Feuchtgebietsvögel halten sich im Biosphärenreservat auf. Der Seggenrohrsänger, eine der seltensten Singvogelarten Europas, bewohnt die Feuchtwiesen von Žuvintas. Der Seggenrohrsänger ist weltweit vom Aussterben bedroht und brütet lediglich noch in vier Ländern, darunter Litauen. In der Nähe des Sumpfes und des Bukta-Waldes liegt der See Žaltytis, der ebenfalls ein wichtiger Ort für Zugvögel ist.[13][14][15]

Im Biosphärenreservat gibt es 45 Säugetierarten. Drei davon stehen unter dem Schutz der EU und sechs sind in der Roten Liste Litauens erfasst. Außerdem wurden 23 Fischarten entdeckt, von denen eine ebenfalls unter EU-Schutz steht. Die Zahl der im Biosphärenreservat vorkommenden Amphibien und Reptilien beträgt 15, von denen zwei Arten unter Schutz der Europäischen Union stehen. Darüber hinaus sind 2020 wirbellose Tiere in dem Naturschutzgebiet beheimatet. Vier davon stehen unter dem Schutz der EU und 21 sind auf der Roten Liste Litauens aufgeführt.[14][15]

Geschichte des Schutzes

Professor T. Ivanauskas und Jonas Simanynas im Jahr 1938 auf dem Žuvintas-See

Am 28. Januar 1928 wurde eine Verordnung des Innenministers der Republik Litauen veröffentlicht, die Beschränkungen für den Žuvintas-See und seine Umgebung einführte. Die Jagd auf Vögel und Säugetiere wurde in einem Umkreis von 1 km um den See verboten. Während der gesamten Zeit der Unabhängigkeit Litauens blieben diese Jagdbeschränkungen, die den rechtlichen Schutz des Naturschutzgebiets gewährleisten, unverändert in Kraft.

Der erste Umweltschützer Teofilis Zubavičius kam am 5. April 1937 auf Einladung von Tadas Ivanauskas nach Žuvintas, was den Beginn des eigentlichen Schutzes darstellt. Laut schriftlichen Quellen wurde das Naturschutzgebiet Žuvintas 1937 gegründet, aber da kein offizielles Dokument mit dem genauen Gründungsdatum erhalten geblieben ist, bleibt dies unbekannt.[4]

Im selben Jahr enteignete das Landwirtschaftsministerium der Republik Litauen den Žuvintas-See von Privatpersonen, um gefährdete Wasservögel zu schützen. Er wurde an die Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften der Universität Kaunas übergeben. Im Rahmen dieser Schutzmaßnahmen wurde ein Verwalter ernannt.

Mit Beginn der sowjetischen Besatzung verlor Žuvintas seinen Status als Naturschutzgebiet und wurde am 1. Oktober 1940 dem Volkskommissariat für die Lebensmittelindustrie der Litauischen SSR unterstellt. Am 5. Februar 1946 beauftragte der Rat der Volkskommissare der Litauischen SSR die Akademie der Wissenschaften mit der Einrichtung eines Naturschutzgebietes im Bezirk Žuvintas. Dieses sollte den Žuvintas-See, das umliegende Sumpfgebiet sowie einen Wald im westlichen Teil des Bezirks umfassen. In diesem Zusammenhang wurde das erste Naturschutzbüro eingerichtet. Die Gesamtfläche des Naturschutzgebiets Žuvintas betrug 3167,2 Hektar. Von 1947 bis 1963 gehörte das Naturschutzgebiet zu den Instituten für Botanik, Zoologie und Parasitologie der Litauischen SSR.

Der Status als Naturschutzgebiet schützte Vögel und Säugetiere jedoch nicht vor der Jagd, da Žuvintas in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg ein beliebter Jagdort der sowjetischen Regierung und der Parteiführer war.

Von 1960 bis 1962 fand im Naturschutzgebiet Žuvintas eine komplexe wissenschaftliche Forschungsexpedition statt, die vom Institut für Zoologie und Parasitologie geleitet wurde.

1963 wurde die Fläche des Naturschutzgebiets auf 5428 ha erweitert und die Verwaltung an das Naturschutzkomitee übertragen.

Um die landwirtschaftlich genutzten Flächen zu vergrößern und das fruchtbare Land im Flussgebiet der Dovinė optimal zu nutzen, wurden seit dem 19. Jahrhundert Landgewinnungs- und Feuchtgebietsentwässerungsprojekte durchgeführt.[4] Trotz des Status als Naturschutzgebiet wurde das hydrologische System des Žuvintas-Sumpfes weiterhin künstlich beeinflusst. Durch die Regulierung des Wasserstandes mithilfe der Schleuse des Dovinė-Flusses wurden die Verlandung des Sees und der Rückgang der Vogelpopulationen erheblich beschleunigt. In den Jahren 1965–1975 wurden das Übergangsmoor und das Niedermoor im nördlichen Teil des Žuvintas-Sumpfes geschädigt und das hydrologische System des Hochmoores gestört. Mehr als die Hälfte des nahe gelegenen Amalva-Sumpfes wurde ebenfalls trockengelegt. Nach und nach wurde die Nutzung der Vegetation des Sees und das Mähen der meisten Wiesen am Seeufer eingestellt.

Zwischen 1979 und 1985 wurde die zweite komplexe wissenschaftliche Forschungsexpedition im Žuvintas-Reservats durchgeführt.

1993 wurde das Naturschutzgebiet Žuvintas in die Liste der Schutzgebiete der Konvention über Feuchtgebiete und flache Gewässer (Ramsar) aufgenommen. Ramsar-Gebiete werden als von bedeutendem Wert für die gesamte Menschheit und nicht nur für das Land oder die Länder, in denen sie sich befinden, anerkannt.[16]

Am 19. November 2002 richtete die Regierung der Republik Litauen auf der Grundlage des staatlichen Naturschutzgebiets Žuvintas, des ornithologischen Schutzgebiets Žaltytis und des botanisch-zoologischen Schutzgebiets Amalvas das Biosphärenreservat Žuvintas mit einer Fläche von 18.490 ha ein.

2004 wurde das Gebiet des Biosphärenreservats Žuvintas als wichtiges Gebiet für den Schutz von Vögeln anerkannt und in das Natura-2000-Netzwerk aufgenommen. Dieses Netzwerk umfasst Gebiete, die den Kriterien zur Erhaltung natürlicher Lebensräume und Arten von europäischer Bedeutung entsprechen, sowie Gebiete von besonderer Bedeutung für den Schutz natürlicher Lebensräume.

Der Managementplan für das Biosphärenreservat Žuvintas, der die Wiederherstellung natürlicher Lebensräume vorsieht, wurde 2006 genehmigt.

Seit 2010 wird der Wasserstand im Žuvintas-See nicht mehr künstlich reguliert.

2011 wurde das Biosphärenreservat Žuvintas in die Liste der Biosphärenreservate des UNESCO-Programms „Der Mensch und die Biosphäre“ aufgenommen. Es ist das erste und einzige Gebiet in Litauen, das zum globalen Netzwerk der Biosphärenreservate der UNESCO gehört.[17][18]

Nutzung und Schutz

Im Biosphärenreservat ist der Naturschutz das Leitprinzip. Menschliche Aktivitäten sind nur unter strengen Auflagen zulässig, wobei dem Schutz der Biodiversität, sensibler Lebensräume und Arten von europäischer und globaler Bedeutung stets höchste Priorität eingeräumt wird. Die zuständige Direktion führt ein systematisches Monitoring von Lebensräumen und Arten durch und trägt Daten zum nationalen Informationssystem für geschützte Arten bei. Diese kontinuierliche wissenschaftliche Begutachtung bildet die Grundlage für die folgenden Entscheidungen zum Naturschutz im Biosphärenreservat.

Gewöhnliche Moosbeere (Vaccinium oxycoccos)
  • Das Sammeln von Beeren ist ausschließlich Anwohnern vorbehalten und unterliegt strengen, jährlich von der Direktion bekanntgegebenen Bedingungen und Zeiträumen. In bestimmten Gebieten, wie dem Naturschutzgebiet Kiaulycia, ist das Sammeln erst ab September erlaubt, in anderen Gebieten, wie dem Naturschutzgebiet Amalvas, gelten weniger strenge Bestimmungen. Diese Regeln dienen der Sicherstellung einer traditionellen Nutzung ohne gravierende Umweltzerstörung.
  • Der Zugang zu den streng geschützten Naturschutzgebieten ist streng reglementiert und wird in erster Linie für Forschungs- oder Bildungszwecke gewährt. Eine vorherige Absprache mit der Direktion ist erforderlich. Unabhängige Besuche sind auf die Lehrpfade, tagsüber und außerhalb der sensiblen Brutzeiten der Vögel beschränkt. Auch Überflüge in geringer Höhe (unter 1 km) bedürfen einer vorherigen Genehmigung.
  • Die Jagd ist streng geregelt: Füttern, Anlocken und Jagen von Wasser- und Sumpfvögeln ist strengstens verboten. Das Füttern von Huftieren ist auch in der Pufferzone nicht gestattet, das Aufspüren verletzter Tiere ist nur unter Auflagen und nach Abstimmung mit der zuständigen Behörde erlaubt.
  • Angeln ist im Žuvintas-See gänzlich verboten. Bei anderen Seen, wie dem Žaltytis-See, ist das Angeln nur vom Ufer oder auf dem Eis in bestimmten Zonen erlaubt. Für den Amalvas-See gelten zusätzliche Einschränkungen, darunter ein Verbot von Lebendködern, die Pflicht zum Zurücksetzen von Hechten und stark eingeschränkte Möglichkeiten zum Eisfischen.
  • Wassernutzung und Boote unterliegen strengen Beschränkungen, um Störungen der Natur zu vermeiden. Der Zugang zum Žuvintas-See ist auf wissenschaftliche und Bildungszwecke beschränkt. Auf anderen Seen kann das Befahren mit Booten gänzlich verboten oder nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt sein, beispielsweise die Nutzung unmotorisierter Boote auf dem Amalvas-See zwischen Juli und März.
  • Innerhalb der Natura-2000-Gebiete werden alle Aktivitäten einer strengen Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen. Gemäß den zugehörigen EU-Richtlinien benötigen Aufforstungsmaßnahmen und wirtschaftliche Aktivitäten Genehmigungen. Landbesitzer erhalten genaue Auflagen oder haben die Möglichkeit, Unterstützung beim Management zu erhalten.[19]

Zum Schutz des Natur- und Kulturerbes wurden im Biosphärenreservat Žuvintas drei strenge Naturschutzgebiete (IUCN-Kategorie I) und sechs Schutzgebiete (ein botanisches und fünf botanisch-zoologische Schutzgebiete; IUCN-Kategorie IV) ausgewiesen

  • Das strenge Naturschutzgebiet Buktbalė schützt typische Lebensgemeinschaften von Laub- und Hainbuchenwäldern, sumpfigen Laubwäldern und Auwäldern. Es schützt außerdem Lebensräume geschützter Arten wie des Lanzettblättrigen Froschlöffels (Alisma lanceolatum), des Wald-Hornkrauts (Cerastium sylvaticum), des Sumpfquendels (Lythrum portula), der Grünlichen Waldhyazinthe (Platanthera chlorantha) und des Weißrückenspechts.
Tausende Gänse auf dem Žuvintas-See während des Vogelzugs
  • Das Naturschutzgebiet Liūliškynė wurde zum Schutz feuchter Laubwälder, insbesondere Hainbuchenwälder, sumpfiger Laubwälder und Auwälder, geschaffen. Das Reservat bietet Lebensraum für geschützte Arten wie die Hain-Klette (Arctium nemorosum).
  • Das Naturschutzgebiet Žuvintas ist der größte Feuchtgebietskomplex mit einem See in Litauen. Es ist ein wichtiger Brut- und Rastplatz für zahlreiche Wasservogelarten während des Vogelzugs.

Botanische und botanisch-zoologische Reservate:

  • Das Botanische Reservat Liepakojai schützt alkalische Moorlebensräume und Brutgebiete geschützter Arten wie des Sumpf-Glanzkrauts (Liparis loeselii), des Fleischfarbenen Knabenkrauts (Dactylorhiza incarnata) und des Seggenrohrsängers (Acrocephalus paludicola).
  • Das Botanische und Zoologische Reservat Zelsva schützt für Südwestlitauen typische Laubwälder mit Hainbuchen. Es bietet Lebensraum für Arten wie den Gemeinen Efeu (Hedera helix), die Hecken-Wicke (Vicia dumetorum) und den Kleinen Maivogel (Euphydryas maturna).
  • Das Botanische und Zoologische Reservat Kiaulycia bewahrt Feuchtgebiete, Seggenbestände, Wiesen und Übergangsmoore. Zu den Lebensräumen gehören außerdem Auenwiesen, Tieflandwiesen, mineralreiche Quellen und sumpfige Laubwälder. Zu den in diesem Gebiet geschützten Arten gehören der Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe), die Schmale Windelschnecke (Vertigo angustior), die Rotbauchunke (Bombina bombina) und die Wiesenweihe (Circus pygargus).
  • Das botanisch-zoologische Reservat Amalvas umfasst einen Teil des Amalvas-Moors und -Sees und schützt die Artenvielfalt sowie die Nistplätze von Arten wie dem Tüpfelsumpfhuhn (Porzana porzana), dem Birkhuhn (Lyrurus tetrix) und dem Blaukehlchen (Luscinia svecica). Es dient außerdem als Rastplatz für Zugvögel. Beschädigte Feuchtgebiete wurden und werden in diesem Gebiet wiederhergestellt.
  • Das Naturschutzgebiet Žaltytis repräsentiert einen typischen eutrophen See. Es ist ein Sammelplatz für Schnepfenvögel und verschiedene andere Zugvögel.
  • Das botanisch-zoologische Reservat Paželsviai schützt feuchte Laubwälder, Auwälder und krautreiche Fichtenhabitate.[3][20]

Verwaltung

Direktion und Besucherzentrum in Aleknony

Die Direktion der Schutzgebiete Dzūkija-Suvalkija wurde vom Staatlichen Dienst für Schutzgebiete des Umweltministeriums der Republik Litauen gegründet. Sie ist eine staatliche Einrichtung, die Maßnahmen im Biosphärenreservat Žuvintas und anderen Schutzgebieten der Region organisiert.

Hauptaufgaben der Direktion:

  • Organisation von Maßnahmen zum Erhalt der Stabilität des natürlichen Ökosystems und zum Schutz der Lebewesen darin
  • Koordinierung der Naturforschung und -beobachtung im Biosphärenreservat
  • Erhebung von Informationen über den Zustand und die Veränderungen verschiedener Aspekte der natürlichen Umwelt
  • Förderung angewandter Forschung im Bereich Naturschutz
  • Organisation der Wiederherstellung zerstörter und beschädigter Naturkomplexe und -objekte
  • Durchführung von Umweltbildung und -schulungen
  • Überwachung des Biosphärenreservats und Kontrolle der wirtschaftlichen Aktivitäten von Privatpersonen und Unternehmen im Zuständigkeitsbereich der Direktion
  • Koordinierung von Grundstückbildungs- und Landreformprojekten
  • Beteiligung an der Raumplanung und Koordinierung von Bauprojekten mit Festlegung besonderer Anforderungen für die Schutzgebiete
  • Stellungnahmen zu staatlichen und privaten Forstwirtschaftsprojekten
  • Verwaltung des Natura-2000-Gebiets: Bewertung der Auswirkungen von Aktivitäten, Ausstellung von Bescheinigungen für Nutzungsbeschränkungen, Unterstützung von Waldbesitzern, Aufforstungsgenehmigungen, Übermittlung von Daten zu Lebensräumen und Standorten geschützter Arten an das Informationssystem für geschützte Arten, Abschluss von Schutzvereinbarungen mit privaten Grundstückseigentümern über Nutzungsbeschränkungen für Land, Wald und Wasser[21]

Tourismus, Wissenschaft und Bildung

Steg und Aussichtsturm am See Žuvintas

Als ältestes Schutzgebiet Litauens dient das Biosphärenreservat Žuvintas als wichtiges Beispiel für Naturschutz, Bildung und wissenschaftliche Forschung.[11]

Für Besucher und Forscher gibt es Naturlehrpfade, ein Besucherzentrum mit Museum sowie Unterkünfte für Forscher, Schulklassen und andere Gäste. Zu den Naturlehrpfaden gehören ein Weg im Wald von Bukta und der Steg am See Žuvintas. Außerdem stehen Besuchern mehrere Vogelbeobachtungsplattformen zur Verfügung.[22][11][13]

Die wissenschaftliche Forschung in Žuvintas umfasst verschiedene Themenbereiche wie Hydrologie und Wassermanagement, Limnologie, Ornithologie, Ökologie sowie Boden- und Torfkunde. Laufende Projekte befassen sich mit dem Erhalt der Biodiversität, der Agrarumwelt, der ländlichen Entwicklung und Fragen des Wassermanagements.[23][24][25][26][27]

Herausforderungen und Zustand der Ökosysteme

Moore sind einzigartige Ökosysteme, die eine entscheidende Rolle für den Erhalt der Biodiversität und die Reduzierung des Treibhauseffekts spielen, da sie ein hohes Kohlenstoffdioxid-Speichervermögen besitzen. Darüber hinaus können Moore große Mengen Wasser speichern. Dies ist unter anderem auf die besondere Vegetation der Moore zurückzuführen, beispielsweise auf Torfmoos (Sphagnum), das enorme Mengen Wasser speichern kann.[26]

Das zum Biosphärenreservat Žuvintas gehörende Amalva-Moor war infolge des Torfabbaus und der landwirtschaftlichen Nutzung, einschließlich der intensiven Entwässerung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, von Austrocknung betroffen.[26]

Entwässerungskanäle aus der Zeit der Litauischen Sozialistischen Sowjetrepublik heute

Dieses Problem entstand während der Zeit der Litauischen Sozialistischen Sowjetrepublik, als Entwässerungskanäle und -rohre für Torfabbau und landwirtschaftliche Nutzung angelegt wurden. Diese Entwässerungssysteme störten den natürlichen Wasserkreislauf und die Fähigkeit des Torfs, Feuchtigkeit zu speichern. Infolgedessen trocknete der Boden aus und das Amalva-Moor degradierte zunehmend. Durch sinkende Grundwasser- und Torfspiegel wuchsen Wälder und Sträucher auf den Torfflächen, was zur Zersetzung der obersten Torfschichten führte, die als Gasspeicher dienen. Dies verstärkte den Treibhauseffekt und führte zu einem erheblichen Verlust der Artenvielfalt.[26]

Die Vegetationsveränderung von Feuchtgebieten zu Wäldern wirkte sich negativ auf Torfmoose und andere einheimische Pflanzen wie das Scheiden-Wollgras (Eriophorum vaginatum), die Gewöhnliche Moosbeere (Vaccinium oxycoccos) und den Rundblättrigen Sonnentau (Drosera rotundifolia) aus. Da sich ihr Lebensraum veränderte, waren viele Tierarten, wie das Birkhuhn (Tetrao tetrix), der Raubwürger (Lanius excubitor), der Kranich (Grus grus) und andere Feuchtgebietsvögel, bedroht.[26]

Innerhalb von sechs Jahren wurde das Amalva-Torfgebiet mit Unterstützung der Europäischen Union wiederhergestellt. Sorgfältig geplante Maßnahmen, wie die Wiederherstellung des natürlichen Wasserstands durch das Blockieren der Entwässerungskanäle, die Rodung von Bäumen und Sträuchern sowie die Wiederansiedlung typischer Moorvegetation (Moose, Wollgras, Rundblättriger Sonnentau und andere Pflanzen), wurden umgesetzt, um eine erfolgreiche Renaturierung zu erreichen. Die hydrologischen Bedingungen, die Wasserzirkulation im Boden und die Wasserspeicherkapazität des Torfs haben sich bereits verbessert. Es wird erwartet, dass sich die Vegetation vollständig regeneriert und für diese Gebiete typische Pflanzengesellschaften bildet.[26]

Bislang hat diese Renaturierung zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen beigetragen und sich positiv auf die Populationen seltener und geschützter Tierarten, dem Birkhuhn und Raubwürger, ausgewirkt.[26]

Die lokale Bevölkerung beteiligte sich an der Renaturierung, indem sie Aktivitäten plante und Wälder, Bäume und Sträucher rodete. Informationskampagnen über die Bedeutung dieses Feuchtgebiets motivierten die Bürger zur aktiven Teilnahme.[26]

Während die durchschnittliche Waldfläche in Litauen 33 % beträgt, ist die Waldfläche im Gebiet des Reservats mit etwa 16 % relativ gering. Die meisten Gebiete rund um das Biosphärenreservat sind landwirtschaftliche Nutzflächen, diese Gebiete haben einen höheren Ertrag als der Landesdurchschnitt. Die zunehmende Eutrophierung der Gewässer im Einzugsgebiet des Flusses Dovinė führt zu einer Verschlechterung der Wasserqualität in den dortigen Seen. Das gesamte Feuchtgebietssystem im Reservat und insbesondere der See Žuvintas ist stark von der Nährstoffauswaschung aus den landwirtschaftlichen Flächen des Gebiets betroffen, was die Ökosysteme bedroht.[28]

Kultur

Varnupiai-Hügel

Das Biosphärenreservat liegt in einer Region mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung. Traditionelle Heuernte- und Weidepraktiken werden in dieser Region insbesondere in Moorwiesen seit Langem angewandt.[11]

Das Gebiet beherbergt Kulturdenkmäler von lokaler und nationaler Bedeutung. Das größte archäologische Denkmal ist der Hügel Varnupiai, inklusive einer alten Siedlung, der in dem Dorf Varnupiai liegt (Ältestenrat Igliauka, Gemeinde Marijampolė). Dieser Hügel wurde von Menschen erschaffen, wobei Holz ein wichtiges Baumaterial war. In dem Bereich des Varnupiai-Hügels zwischen den Žuvintas und Amalva Hügeln lebten Menschen bereits während der Steinzeit.

Dreifaltigkeitskirche in Riečių

Darüber hinaus wurden in diesem Gebiet archäologische Funde der jotvingischen Kultur, die auf das Jahrtausend vor Christus bis ins 13. Jahrhundert n. Chr. zurückgeht, gemacht.[29] Südlich des Hügels befindet sich der mythologische Padkavinis-Stein, in den ein Hufeisensymbol eingraviert ist.

Es gibt noch weitere Kulturerbe in dem Gebiet, wie beispielsweise die alten Friedhöfe der Dörfer und die Gräber wichtiger historischer Persönlichkeiten (9 in dem Gebiet des Biosphärenreservats) oder auch die zwei Kirchen St. Georg-Kirche in Daukšiai und Dreifaltigkeitskirche in Riečiai.[30]

2-Euro-Gedenkmünze aus dem Jahr 2021, die dem Biosphärenreservat Žuvintas gewidmet ist

Repräsentation

  • 2013 wurde das Biosphärenreservat Žuvintas auf litauischen Briefmarken abgebildet.[31]
  • 2021 gab die litauische Zentralbank eine 2-Euro-Gedenkmünze heraus, die dem Biosphärenreservat Žuvintas gewidmet ist. Es wurden eine halbe Million dieser Münzen geprägt.[32][33]
Commons: Biosphärenreservat Žuvintas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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