Birutė Galdikas

litauisch-kanadischer Primatologin und Naturschützerin (1946–2026) From Wikipedia, the free encyclopedia

Birutė Mary F. Galdikas (auch: Birutė Marija Filomena Galdikas; * 10. Mai 1946 in Wiesbaden; † 24. März 2026 in Los Angeles[1][2]) war eine kanadische Zoologin und Verhaltensforscherin litauischer Herkunft. Sie galt als die erfahrenste Kennerin der Orang-Utans Borneos.[3]

Birutė Galdikas (2011)

Leben

Galdikas’ Eltern Antanas Galdikas und seine Frau Filomena stammten aus Litauen und waren auf dem Weg ins kanadische Exil, als ihre Tochter in Deutschland zur Welt kam. Ihr Vater arbeitete als Anstreicher, ihre Mutter als Krankenschwester.[4] Sie wuchs mit zwei jüngeren Brüdern und einer Schwester in Toronto auf, wo sich ihr Interesse an der menschlichen Evolution entwickelte.[4] Sie studierte an der University of California in Los Angeles Psychologie, Biologie und Anthropologie und wurde dort 1978 auch promoviert.

Als Studentin begegnete Galdikas an der University of California in Los Angeles dem Paläoanthropologen Louis Leakey, der sie zur Feldforschung über Menschenaffen ermutigte.[4] Galdikas war neben Dian Fossey (Gorillas) und Jane Goodall (Schimpansen) eine von drei Frauen, die mit Unterstützung durch Leakey ab den 1960er-Jahren (Goodall und Fossey) bzw. ab 1971 (Galdikas)[5] Langzeitstudien über Menschenaffen begannen. Die drei Forscherinnen wurden später häufig als „Trimates“ oder „Leakey’s Angels“ bezeichnet.[4] Leakey hoffte, von diesen Verhaltensbeobachtungen Rückschlüsse auf das Verhalten der Vormenschen ziehen zu können. Gemeinsam mit der National Geographic Society und später finanziell unterstützt durch die Leakey Foundation ermöglichte Leakey es, dass Galdikas auf Borneo eine Forschungsstation einrichten konnte, um das Verhalten frei lebender Orang-Utans zu studieren.

1971 gründete Galdikas im Zentrum Borneos zusammen mit ihrem damaligen Ehemann, dem Fotografen Rod Brindamour, das zu Ehren ihres Mentors benannte Camp Leakey.[4] Brindamour hatte sie 1970 geheiratet; die Ehe wurde 1979 geschieden.[4] Die Arbeit im sumpfigen Regenwald erforderte jahrelange tägliche Beobachtungen vom Verlassen der Schlafnester am Morgen bis zum Bau neuer Nester in der Abenddämmerung.[4] Galdikas forschte im Nationalpark Tanjung Puting auf Borneo; sie arbeitete zudem als Professorin für Archäologie an der Simon Fraser University in Burnaby in der kanadischen Provinz British Columbia, wo sie allerdings nicht mehr lehrte.

1981 heiratete Galdikas in zweiter Ehe den aus Borneo stammenden Pak Bohap, der 2022 starb.[4] Sie hatte drei Kinder: den Sohn Binti aus erster Ehe sowie Frederick und Jane aus zweiter Ehe.[4] Bei ihrem Tod hinterließ sie außerdem sieben Enkelkinder und ihre Schwester Aldona.[4]

Als Professorin nahm sie auch an der Ausbildung litauischer Wissenschaftler teil, nahm junge Forscher für Praktika auf der Insel Borneo auf, besuchte die Vytautas-Magnus-Universität in Kaunas mehrfach und hielt Vorträge für deren Studierende. 2021 trat Galdikas dem Komitee des Präsident-Valdas-Adamkus-Preises bei, der für Bemühungen zur Wiederherstellung der natürlichen Umwelt und zur Sicherstellung der Nachhaltigkeit verliehen wird. Ein nach ihr benannter Eichenhain existiert im Botanischen Garten der Universität Kaunas.

Galdikas starb nach langer Krankheit am 24. März 2026 in Los Angeles. Bei ihr waren Lungenkrebs und eine Lungenfibrose diagnostiziert worden, deren Verschlechterung Personen aus ihrem Umfeld mit ihrem Einsatz gegen Waldbrände auf Borneo in Verbindung brachten.[4]

Forschung und Naturschutz

Galdikas’ Langzeitbeobachtungen zeigten, dass Orang-Utans unter den landlebenden Säugetieren eines der längsten Geburtsintervalle haben: Weibchen bekommen nur etwa alle sieben bis acht Jahre ein Jungtier und investieren außergewöhnlich lange in dessen Aufzucht.[4] Sie beschrieb außerdem, dass Orang-Utans zwar Allesfresser sind, Früchte jedoch den Hauptteil ihrer Nahrung ausmachen.[4] Durch die Verbreitung großer Pflanzensamen über ihre Verdauung und durch das Öffnen des Kronendachs beim Abbrechen einzelner Äste tragen sie zur Regeneration des Waldes bei.[4] Galdikas trug zudem dazu bei, das Bild der Orang-Utans als strikt einzelgängerische Tiere zu korrigieren, indem sie bei Weibchen lockere matrilineare Gruppierungen beobachtete.[4]

An Galdikas’ Feldforschung knüpften spätere Beobachtungen zum Werkzeuggebrauch von Orang-Utans an.[4] Dass sich die Wahl der Werkzeuge und ihre Verwendung zwischen Populationen unterschieden, wurde als Hinweis auf kulturell weitergegebene Verhaltensweisen gedeutet.[4] Die Bedeutung sozialer Bindungen und über Generationen weitergegebener Informationen trug auch dazu bei, die besondere Verletzlichkeit der Orang-Utans gegenüber Lebensraumverlust zu erklären.[4]

Der Schutz der Orang-Utans und ihres Lebensraums wurde früh zu einem zentralen Teil von Galdikas’ Arbeit.[4] Sie gründete 1986 die Orangutan Foundation International, deren Arbeit nach ihrem Tod von einem indonesischen Team unter Leitung ihres Sohnes Frederick fortgeführt wurde.[4] Die Stiftung trug bis 2026 zur Auswilderung von mehr als 1000 rehabilitierten Orang-Utans aus Gefangenschaft sowie zur Rettung und Umsiedlung von weiteren rund 200 wildlebenden Orang-Utans bei.[4] Als größte Bedrohungen für den Lebensraum der Tiere beschrieb Galdikas Holzfällerei und Palmölplantagen.[4] Wegen ihres Einsatzes erhielt sie Todesdrohungen und wurde einmal entführt.[4]

Kritik richtete sich gegen Galdikas’ enge Arbeit mit verwaisten Orang-Utans, für die sie bei Hunderten Tieren zeitweise die Rolle einer Ersatzmutter übernahm.[4] Kritiker wandten ein, die später ausgewilderten Tiere verhielten sich anders als wild aufgewachsene Orang-Utans, außerdem könne die Nähe zu Menschen wissenschaftliche Objektivität und den Schutz vor zwischenartlicher Krankheitsübertragung beeinträchtigen.[4] Zugleich wurde ihre Arbeit damit verteidigt, dass Krankheitsrisiken in der Frühzeit der Feldforschung weniger gut verstanden waren und menschliche Ersatzmütter für Orang-Utan-Waisen oft die einzige Überlebenschance darstellen.[4]

Auszeichnungen

  • Arizona State University Institute of Human Origins: Science Award Officer
  • Offizierskreuz des Order of Canada
  • Queen Elizabeth II Commemorative Medal (Canada)
  • Chevron Conservation Award
  • Goldmedaille für Conservation, Chester Zoological Society (UK)
  • Explorer and Leadership Award, Real Sociedad Geográfica de España

Schriften (Auswahl)

Einzelnachweise

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