Bjug Harstad

norwegisch-amerikanischer lutherischer Geistlicher, Kirchen- und Hochschulfunktionär From Wikipedia, the free encyclopedia

Bjug Aanondson Harstad (* 17. Dezember 1848 in Valle, Setesdal, Königreich Norwegen; † 20. Juni 1933) war ein norwegisch-amerikanischer lutherischer Geistlicher, Kirchen- und Hochschulfunktionär. Er galt als Pionier des lutherischen Kirchenwesens im Pazifischen Nordwesten und gründete unter anderem die Pacific Lutheran Academy.

Bjug Harstad, 1897

Biographie

Geboren als Bjug Aanondson auf dem Hof Harstad im norwegischen Valle, wanderte er 1861 mit seiner Familie nach Seneca in Illinois aus. Er schrieb sich am Luther College in Decorah ein und nahm dort den elterlichen Hofnamen Harstad als Nachnamen an.[1] Er graduierte dort 1871 als Baccalaureus Artium und nahm ein Theologiestudium am Concordia-Seminar in St. Louis auf, das er 1874 abschloss. Im selben Jahr wurde er zum Priester der Norwegischen Synode ordiniert und trat eine erste Pfarrstelle in Mayville im Dakota-Territorium an, wo er bis 1891 bleiben sollte.[2] In dieser Zeit gründete er 18 lutherische Gemeinden im weiten Umland, in denen er je nach Bedarf auf Englisch, Norwegisch oder Deutsch predigte. Weiterhin gründete er drei Schulen und Bildungseinrichtungen; 1878 die Franklin School, deren erster Schulleiter er zwei Jahre lang blieb, 1880 die Gran Boarding School, an der er neun Jahre lang lehrte, und 1889 die Bruflat Academy, die erste High School in Norddakota.[3] Von 1889 bis 1890 hatte er einen Lehrstuhl am Luther Seminary inne, wohin er auch von 1910 bis 1911 nochmals kurzzeitig zurückkehren sollte. 1884 wählte ihn der Minnesota-Distrikt der Norwegischen Synode zum Distriktspräsidenten. Dieses Amt hatte er bis 1892 inne, de facto wurde es aber schon ab 1890 von Jørgen Andreas Thorsen geführt.[2]

1890 wurde er von der Kirchenleitung der Norwegischen Synode nach Washington entsendet, um sich dort nach einer geeigneten Fläche für die Gründung einer lutherischen Bildungsanstalt zu erkundigen. Er traf sich mit lokalen Pfarrern in Seattle und organisierte eine geeignete Landfläche im kaum erschlossenen Washington, die zu einer Universität entwickelt werden sollte. Er warb bei den norwegischen Gemeinden im Mittleren Westen um finanzielle Unterstützung und nahm so nicht an der Grundsteinlegung des Campus am 4. Oktober 1891 teil. Er übernahm eine Pfarrstelle in Parkland, wo er bis 1928 predigte, und wurde 1893 zum ersten Präsidenten des neu gegründeten Pazifik-Distrikts der Norwegischen Synode gewählt. Am 14. Oktober 1894 war der Bau der neuen Hochschule mit dem Namen Pacific Lutheran Academy abgeschlossen, Harstad hielt die Festansprache und wurde zum ersten Hochschulpräsidenten gewählt. Schon im Folgejahr trat er aufgrund seiner hohen Aufgabenlast aus seinen anderen Tätigkeiten von diesem Posten zurück und übergab ihn an O. N. Gronsberg, behielt jedoch einen Lehrauftrag bis 1906. Von 1895 bis 1896 vertrat er die Pfarrstelle in San Francisco, die durch Gronsbergs Berufung vakant geworden war. Nach Gronsbergs Rücktritt 1896 war Harstad nochmals ein Jahr lang Präsident der PLA. Um die Schuldenlast der Akademie zu lindern, ging Harstad 1898 als Goldgräber nach Alaska und steckte einen Claim im kanadischen Dawson ab. In dieser Zeit vertrat Nils Joseph Hong ihn als Hochschulpräsidenten, der Pazifik-Distrikt berief Ludvig Foss zu seinem neuen Vorsteher. Harstad fand zwar kein Gold am Klondike, kehrte jedoch mit neugefundenen Kräften vom Polarkreis zurück.[1] Er nahm seine Pfarrstelle in Parkland und seinen Lehrauftrag wieder auf, und vertrat Pfarrstellen 1904 in Los Angeles und 1911 im Umland von Farmington. Ab 1896 war er mit kurzer Unterbrechung auch bis 1904 Herausgeber des Pacific Herold.[2]

Als 1917 sich die Norwegische Synode mit anderen lutherischen Kirchen norwegischer Herkunft zur Norwegian Lutheran Church of America vereinigte, lehnte Harstad die Union ab und gründete mit einer Minderheit der Geistlichen und Gemeinden die sogenannte Kleine Norwegische Synode, die heutige Evangelical Lutheran Synod. Bis 1921 war er erster Kirchenpräsident dieses neuen Körpers. Damit schied er auch aus der Leitung der PLA aus, die – mit Ausnahme des Kirchengebäudes – an die NLCA überging.[1]

Harstad heiratete 1877 Gyro Svensdaughter Aamli, die aus seinem Heimatdorf stammte. Sie hatten gemeinsam elf Kinder.[4] Harstad verstarb am 20. Juni 1933. Nach ihm wurde 1960 die Harstad Hall, ein zentraler Gebäudekomplex auf dem Campus der heutigen Pacific Lutheran University, benannt. Seine Heimatgemeinde Valle setzte ihm zu Ehren 1983 einen Gedenkstein aus Granit.[5]

Commons: Bjug Harstad – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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