Blathmin Ní Briain
irische Königstochter
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Blathmin Ní Briain, auch Blathmuine ingen Muirchertach (andere erschlossene gälische Namensform) oder Bjaðmunjo Mýrjartaksdóttir (normalisierter altnordischer Name) genannt, war eine irische Königstochter. Als Kind wurde sie 1102 mit dem ebenfalls noch jungen norwegischen Königssohn Sigurðr verheiratet, um ein Friedensbündnis zu sichern. Die Ehe wurde aber im darauffolgenden Jahr nach dem Tod ihres Schwiegervaters wieder aufgelöst.
Quellen und Namensformen

Blathmin wird in mehreren altnordischen Quellen erwähnt, namentlich im Ágrip af Nóregs konunga sǫgum aus dem 12. Jahrhundert, der Orkneyinga saga aus dem 13. Jahrhundert und der innerhalb der Heimskringla aus dem 13. Jahrhundert überlieferten Magnúss saga berfœtts. Ihr handschriftlich beispielsweise als biad mynio oder biað mynio zu lesender Name wird in der Sekundärliteratur und verschiedenen Editionen der Handschriften unterschiedlich normalisiert. Daher findet er sich auch in den Formen Biadmuin,[2] Biadmunio,[3] Biadmonia,[4] Biadmynia,[5][6] Bianmynia,[7] Bjadmunju,[5] Bjaðmunjo,[8] Bjaðminja,[9] Bjaðmynja,[10][11][12][13][14][3] Bjadmynja[15][16][17] und Bladmynja.[18]
Die Wiedergabe ihres Namens in den skandinavischen Quellen deutet darauf hin, dass der gälische Name Bé Binn oder Bébinn gemeint ist, der auch von anderen Mitgliedern der Uí Briain (Nachfahren des Brian Boru) getragen wurde.[5] Andere gälische Namen, die mit ihrem Namen gleichgesetzt werden, sind Ben Muman[19][16] (auch Bé Muman,[20] Ben Mumain,[21] Bean-Mumhan[22] oder Bean-Mumham „Dame aus Munster“[23]), Blath-Mumhan[22] oder Blath-Mumham („Blume aus Munster“),[23] Blathmuine[24][25][9][26] und Bláthmín.[12][27][28][29] Die irischen und kymrischen Annalen nennen ihren Namen nicht.
Die Zuweisung des Patronyms variiert zwischen Bjaðmunjo Mýrjartaksdóttir („Muirchertachs Tochter“, in altnordischer Namensform)[30] oder Blathmuine ingen Muirchertach (gälische Namensform mit Vatersname) und Blathmin Ní Briain oder Blathmuine Ní Bhriain (gälische Namensformen mit Bezug auf ihren Ururgroßvater Brian Boru).[26]
Hintergrund

Blathmin war eine Tochter von Muirchertach Ua Briain[31] und hatte mindestens drei Geschwister oder Halbgeschwister, zwei Brüder namens Domnall Gerrlámhach und Mathgamain[32] und eine vermutlich ältere Schwester namens Lafracoth. Der Name ihrer Mutter scheint unbekannt zu sein. Muirchertach hatte nach dem Tod seines Vaters Toirdelbach Ua Briain im späten 11. Jahrhundert die Kontrolle über das Königreich Munster übernommen und war dabei, seine Herrschaft als Hochkönig über ganz Irland auszuweiten. Dabei erlangte er die Macht über das nordisch-gälische Königreich Dublin und begann, seinen Einfluss bis in das nahegelegene Königreich der Inseln zu erweitern.[33] Die politische Situation der Inseln in den 1090er Jahren ist mit Ungewissheit behaftet.[34][35] Als sicher gilt, dass Magnús Óláfsson eine plündernde Flotte aus Skandinavien in die Irische See führte und dort bis zu seinem Tod 1103 herrschte.[36][37][38][39] Direkt vor dem Friedensschluss zwischen den Uí Briain und den Norwegern lag Muirchertach nicht nur im Wettstreit mit Magnús, sondern befand sich auch in einem bereits länger andauernden Kampf gegen Domnall Mac Lochlainn, den König des Cenél nEógain.[40][41][28][42][43]
Als Auslöser für das norwegische Eingreifen wirkte möglicherweise die Ausdehnung von Muirchertachs Einfluss in das Gebiet der Irischen See nach dem Tod des Königs der Inseln, Gofraid Crobán, im Jahr 1095.[27][44][45][46] Die Gegend scheint nach dessen Ableben in ein Chaos verfallen zu sein und Magnús wollte offenbar die norwegische Autorität wieder geltend machen. Er unternahm zwei Expeditionen in das Gebiet der Irischen See, von denen eine 1098 ankam[47] und die andere 1102.[36][37][44][43] Der Fokus der zweiten Überseeunternehmung scheint Irland selbst gewesen zu sein.[27][43] Im Anschluss an eine zu vermutende norwegische Eroberung Dublins[40][27] verhandelten Magnús und Muirchertach ein Friedensabkommen für ein Jahr, welches aus den ehemaligen Feinden Verbündete machte[40][41][28][43] und durch die Heirat von Blathmin mit Sigurðr, dem Sohn von Magnús, besiegelt wurde.[48][49][50][44][41][51][28][52][53][42][54][17][55] Die Heiratsanfrage war möglicherweise bereits 1098 oder 1099 gestellt worden.[56]
Heirat

Die Heiratsabsprache zwischen Magnús und Muirchertach wird in mehreren Quellen erwähnt. Aus den Annalen von Inisfallen[57] und den Annalen der vier Meister[58] geht hervor, dass die Hochzeit 1102 stattfand.[59][60][61][62][63][64][65] Die Annalen von Ulster vermerken den Friedensschluss ebenfalls für 1102, nennen aber keine Heirat, sondern nur die Übergabe irischer Geiseln.[66] Weitere Quellen, die von der Heirat berichten (und sie teilweise zu Geschehnissen in den Jahren 1098 und 1099 einordnen[27]), sind unter anderem das Ágrip af Nóregs konunga sǫgum,[67][68][69][70][71][8] die Orkneyinga saga,[63][64][72][73] die Magnúss saga berfœtts aus der Heimskringla[49][67][68][74][69][75][76][14][61][28][64][77] und die kymrische annalistische Chronik Brut y Tywysogion.[78]
In einigen historischen Quellen scheint es Verwechslungen bezüglich der Heirat zu geben. Die Historia ecclesiastica aus dem 12. Jahrhundert beispielsweise behauptet, dass Magnús selbst um 1093 die Tochter eines irischen Königs heiratete.[79][80][81] Der Morkinskinna zufolge hatte Magnús beabsichtigt, eine gewisse Maktildr zu heiraten, die als Tochter eines Kaisers beschrieben wird.[82][83] Möglicherweise handelt es sich bei Maktildr um Matilda, eine Tochter des schottischen Königs Máel Coluim mac Donnchada († 1093) und Schwester des ab 1097 regierenden Königs Étgar mac Maíl Choluim,[82] die 1110 den König von England, Henry I, heiratete und deren gleichnamige Tochter durch die Ehe mit Heinrich V. selbst Kaiserin wurde. Die ansonsten unbelegte Erzählung von der geplanten Heirat könnte die in der Morkinskinna[84] und der Fagrskinna aus dem 13. Jahrhundert[85] überlieferte irrtümliche Annahme mitgeprägt haben, dass Sigurðr eine Tochter von Máel Coluim mac Donnchada heiratete.[24][86][69][64]
Zum Zeitpunkt der Heirat waren Sigurðr neun und Blathmin fünf Jahre alt (so Orkneyinga saga, Morkinskinna und Fagrskinna), anderen Quellen zufolge soll er zwölf gewesen sein.[59][87][88][64] Das bemerkenswert junge Alter der Frischvermählten und die Tatsache, dass es in den historischen Quellen überhaupt überliefert ist, deuten darauf hin, dass eine dynastische Heirat notwendig war, um Frieden zwischen ihren Vätern zu schließen.[89] Etwa zeitgleich mit der Hochzeit von Blathmin und Sigurðr sicherte Muirchertach ein weiteres Heiratsbündnis, wobei Lafracoth, eine weitere Tochter von ihm, den englischen Magnaten Arnulf de Montgomery heiratete, der sich mitten in einem Aufstand gegen den herrschenden König von England befand.[49][90][91][87][60][92][93][94][95][96][65]
Folgen

Magnús setzte seinen Sohn Sigurðr als Herrscher über seine neugewonnenen Überseegebiete – die Grafschaft der Orkaden, das Königreich der Inseln und das Königreich Dublin – ein,[98][99][27][100][95] während Muirchertach durch seinen neuen Schwiegersohn offenbar Einfluss auf die Inseln nehmen wollte.[50][88][61][28][101][102] Tatsächlich kooperierten Muirchertach und Magnús im folgenden Jahr bei militärischen Unternehmungen in ganz Irland.[59][88][101] Zu Muirchertachs Unglück – oder auf seine unterlassene Hilfe hin[48] – wurde Magnús 1103 in Ulster getötet.[98][59][50][88][61][103][101][104] Wie die Morkinskinna[105] und die Fagrskinna[106] berichten, verließ Sigurðr Blathmin sofort[15][89][2][63][107] – offenbar war ihre Ehe nicht vollzogen, sondern nur ein Eheversprechen gegeben worden – und kehrte nach Norwegen zurück.[108] Dort teilte sich Sigurðr die norwegische Königsherrschaft mit seinen zwei Brüdern, Eysteinn und Óláfr,[109][108] und heiratete später der Magnússona saga in der Heimskringla zufolge Málmfríðr, die Tochter des Herrschers von Hólmgarðr, Haraldr Valdamarsson.[110] Erst über 150 Jahre später wagte sich ein anderer norwegischer König auf die Inseln.[61]
Primärliteratur
Altnordische Quellen
- Ágrip af Nóregs konunga sǫgum (Kapitel 51)
- Edition mit englischsprachiger Übersetzung: M. J. Driscoll (Hrsg.): Ágrip af Nóregskonungasǫgum. A Twelfth-Century Synoptic History of the Kings of Norway (= Viking Society for Northern Research Text Series. Band 10). 2. Auflage. Viking Society for Northern Research, London 2008, ISBN 978-0-903521-75-8, S. 70–71 (altnordisch, englisch, PDF).
- Fagrskinna (Kapitel 69 und 71, mit falscher Angabe des Vaters)
- Edition: Finnur Jónsson (Hrsg.): Fagrskinna: Nóregs kononga tal (= Samfund til udgivelse af gammel nordisk litteratur. Band 30). S. L. Møllers bogtrykkeri, Kopenhagen 1903, S. 320, 328 (altnordisch, online).
- Magnúss saga berfœtts (Kapitel 11)
- Edition: Finnur Jónsson (Hrsg.): Heimskringla: Nóregs konunga sögur. G. E. C. Gads Forlag, Kopenhagen 1911, S. 525 (altnordisch, digitalisiert).
- Englischsprachige Übersetzung: Alison Finlay und Anthony Faulkes (Hrsg.): Snorri Sturluson: Heimskringla. Vol. 3: Magnús Óláfsson to Magnús Erlingsson. Viking Society for Northern Research, London 2015, ISBN 978-0-903521-93-2, S. 136 (englisch, PDF).
- Morkinskinna (mit falscher Angabe des Vaters)
- Edition: Finnur Jónsson (Hrsg.): Morkinskinna (= Samfund til Udgivelse af Gammel Nordisk Litteratur). Kopenhagen 1932, S. 323, 337 (altnordisch, online).
- Orkneyinga saga (Kapitel 30)
Irische Quellen
- Annalen von Inisfallen (§ 1102.6)
- Edition: Annals of Inisfallen. In: Corpus of Electronic Texts. University College Cork, 23. Oktober 2008, abgerufen am 6. März 2023 (englisch, irisch, Latein).
- Englischsprachige Übersetzung: Annals of Inisfallen. In: Corpus of Electronic Texts. University College Cork, 16. Februar 2010, abgerufen am 6. März 2023 (englisch).
- Annalen der vier Meister (§ 1102.11)
- Edition: Annals of the Four Masters. In: Corpus of Electronic Texts. University College Cork, 3. Dezember 2013, abgerufen am 6. März 2023 (englisch, irisch, Latein).
- Englischsprachige Übersetzung: Annals of the Four Masters. In: Corpus of Electronic Texts. University College Cork, 16. Dezember 2013, abgerufen am 6. März 2023 (englisch).
Kymrische Quellen
- Brut y Tywysogion
- Edition mit englischsprachiger Übersetzung: John Williams ab Ithel (Hrsg.): Brut y Tywysogion: The Chronicle of the Princes of Wales (= Rerum Britannicarum Medii Ævi Scriptores, or Chronicles and Memorials of Great Britain and Ireland during the Middle Ages). Cambridge University Press, Cambridge 2012, S. 72–73, doi:10.1017/CBO9781139163484 (walisisch, englisch, Erstausgabe: 1860).
Sekundärliteratur
- Seán Duffy: Emerging From the Mist: Ireland and Man in the Eleventh Century. In: P. Davey, D. Finlayson und P. Thomlinson (Hrsg.): Mannin Revisited: Twelve Essays on Manx Culture and Environment. The Scottish Society for Northern Studies, Edinburgh 2002, ISBN 0-9535226-2-8, S. 57–59 (englisch, PDF ( vom 25. September 2015 im Internet Archive)).
- Seán Duffy: Irishmen and Islesmen in the Kingdoms of Dublin and Man, 1052–1171. In: Ériu. Band 43, 1992, S. 110–113, JSTOR:30007421 (englisch).
- Rosemary Power: Magnus Barelegs’ Expeditions to the West. In: The Scottish Historical Review. Band 65, Nr. 180, 1986, S. 107–132, JSTOR:25530199 (englisch, inklusive ausführlicher Besprechung der einzelnen Quellen).
Weblinks
- Charles Cawley: Biadmunia [Blathmin] ([1094/97]–). In: Medieval Lands (fmg.ac). (englisch).