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Blaues Pferdchen

Gemälde von Franz Marc From Wikipedia, the free encyclopedia

Blaues Pferdchen ist ein Freundschafts- und Widmungsbild von Franz Marc. Das Bild entstand als Freundschafts- und Widmungsbild für Walter Macke, den zweijährigen Sohn August Mackes. Es befindet sich seit 1956 in der Modernen Galerie des Saarlandmuseums[1][2] in Saarbrücken.

Schnelle Fakten
Blaues Pferdchen (Franz Marc)
Blaues Pferdchen
Franz Marc, 1912
Öl auf Leinwand
58× 73cm
Saarlandmuseum, Saarbrücken
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Entstehung

Das Blaue Pferdchen entstand 1912 während eines Aufenthalts Marcs bei der Familie Macke in Bonn. Oben rechts im Bild fügte Marc mit dem Pinsel in schwarzer Farbe eine Widmung hinzu: „Dem l. Waltherchen Macke gewidmet / 1912“.[1] Das Gemälde erhielt daher auch den Beinamen „Kinderbild“. Etwa zeitgleich malte August Macke sein Bild Der Sturmhttps://www.wikidata.org/wiki/Q55663043, das sich ebenfalls in der Modernen Galerie in Saarbrücken befindet; beide Werke werden als Freundschaftsbilder des Blauen Reiter gedeutet.[3][4]

Stilistik

Die Farbwahl des Bildes steht im Zusammenhang mit Marcs Farbsymbolik, die er in einem Brief an August Macke vom 12. Dezember 1910 formulierte. Darin ordnete er dem Blau das „männliche Prinzip, herb und geistig“ zu, dem Gelb das „weibliche Prinzip, sanft, heiter und sinnlich“ und dem Rot „die Materie, brutal und schwer“.[5] Das Blau des Pferdchens verweist demnach auf das geistige Prinzip.

Das Pferd ist Marcs zentrales Motiv. Die Tierdarstellung diente ihm als Weg zu einer pantheistisch grundierten Weltdeutung; bereits 1910 beschrieb er sein Bestreben, sich in „das Zittern und Rinnen des Blutes in der Natur“ einzufühlen.[6] Marc ging es nicht um das Abbild, sondern um das Wesen des Tieres; den anthropozentrischen Blick lehnte er ab. Klaus Lankheit prägte für Marcs Übergang von der Erscheinungsfarbe zur „Wesensfarbe“ beziehungsweise „Wesensform“ die maßgeblichen kunstwissenschaftlichen Begriffe.[7]

Gegenüber den verwandten Werken Blaues Pferd I (1911, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München)[8], Die großen blauen Pferde (1911, Walker Art Center, Minneapolis)[9] und Der Turm der blauen Pferde (1913, seit 1945 verschollen) unterscheidet sich das Blaue Pferdchen durch das kleine Format sowie durch die weicheren, betont schlichten Formen. Der Beiname Kinderbild bezieht sich sowohl auf den Widmungsempfänger als auch auf den kindlich-unbeholfenen Charakter der Darstellung. Das Saarlandmuseum zählt das Werk zu den wenigen Tierkinder-Bildern Marcs.[4]

Provenienz

Die Besitzerkette des Gemäldes ist weitgehend lückenlos dokumentiert.[1][2] Das Bild gelangte 1912 als Widmungsgeschenk an Walter Macke; anschließend befand es sich im Besitz von Elisabeth Erdmann-Macke, der Witwe August Mackes, und danach bei deren Sohn Wolfgang Macke in Bonn. Aus dessen Besitz wurde es 1936 an die Kestner-Gesellschaft in Hannover ausgeliehen; ein entsprechender rückseitiger Aufkleber ist erhalten.[1]

1953 ging das Werk an die Galerie Wilhelm Grosshennig in Düsseldorf, anschließend an die Kunsthandlung Walter Feilchenfeldt in Zürich, nach dessen Tod im Dezember 1953 an Marianne Feilchenfeldt. Um 1956 befand es sich im Besitz von Albert F. Daberkow in Bad Homburg.[1] Im selben Jahr erwarb das Saarlandmuseum das Gemälde.[2]

Der Ankauf erfolgte unter dem Direktor Rudolf Bornschein und löste im damals noch nicht zur Bundesrepublik gehörenden Saarland heftige lokalpolitische Kritik aus, die teilweise noch das Vokabular der nationalsozialistischen Kampagne gegen die „Entartete Kunst“ aufgriff.[4]

Anders als zahlreiche andere Werke Marcs war das Blaue Pferdchen von der Beschlagnahmeaktion „Entartete Kunst“ des Jahres 1937 nicht betroffen; es verblieb während der Zeit des Nationalsozialismus in Familienbesitz.[1] Hinweise auf eine verfolgungsbedingte Entziehung oder auf Restitutionsforderungen sind nicht bekannt.

Besonderheit

Eine Gemäldeuntersuchung mittels Röntgenstrahlung machte eine ältere, übermalte Komposition unter dem Gemälde sichtbar. Nach einer Drehung der Aufnahme um 180 Grad trat eine Landschaft mit zwei Rehen zutage. Sichtbar wurde die frühere Malschicht, weil Marc zum Zeitpunkt ihrer Entstehung noch Bleiweißpigmente verwendete, die Röntgenstrahlen stark absorbieren, während er 1912 Zinkweiß einsetzte, das sich auf einer Röntgenaufnahme kaum abbildet. Marc nutzte die Leinwand demnach ein zweites Mal.[4]

Literatur

  • Klaus Lankheit: Franz Marc. Katalog der Werke. DuMont Schauberg, Köln 1970.
  • Annegret Hoberg, Isabelle Jansen: Franz Marc. Die Werke 1895–1914. Prestel, München 2004.
  • Wolfgang Macke (Hrsg.): August Macke, Franz Marc. Briefwechsel. DuMont Schauberg, Köln 1964.
  • August Macke und Franz Marc. Eine Künstlerfreundschaft. Hatje Cantz, Ostfildern 2014 (Ausstellungskatalog Kunstmuseum Bonn / Städtische Galerie im Lenbachhaus).
  • Saarlandmuseum, Moderne Galerie. Die Sammlung. Saarbrücken 2017 (Kat.-Nr. 03-41).
Commons: Blaues Pferdchen by Franz Marc – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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