Blauroter Steinsame
Art der Gattung Rindszungen (Buglossoides)
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Der Blaurote Steinsame (Aegonychon purpurocaeruleum[1], Syn.: Buglossoides purpurocaerulea, Lithospermum purpurocaeruleum), auch als Blaurote Rindszunge oder Purpurblauer Steinsame bezeichnet, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Aegonychon innerhalb der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae).[1]
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Blauroter Steinsame (Aegonychon purpurocaeruleum) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Aegonychon purpurocaeruleum | ||||||||||||
| (L.) Holub |
Der Blaurote Steinsame war Blume des Jahres 2000.
Beschreibung


Vegetative Merkmale
Der Blaurote Steinsame ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 60 Zentimetern erreicht. Die Stängel sind bogig liegend und können an ihren auf der Erde aufliegenden Enden Wurzeln bilden.[2]
Von den Laubblätter sind die untersten in einen kurzen Stiel verschmälert, die oberen sitzend. Die einfachen Blattspreiten sind bei einer Länge von 4 bis 8 Zentimetern sowie einer Breite von 7,5 bis 15 Millimetern lanzettlich und beidendig zugespitzt. Es ist eine gut sichtbaren Mittelrippe an der Blattunterseite und sie sind dicht anliegend behaart.[2]
Generative Merkmale
Die Blüten stehen in einem traubigen Blütenstand zusammen.[2]
Die zwittrige Blüte ist bei einem Durchmesser von 10 bis 15 Millimetern radiärsymmetrisch mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind nur an ihrer Basis verwachsen. Die Kelchzipfel sind schmal-linealisch und verlängern sich bis zur Fruchtzeit bis 8 Millimeter Länge und sie rollen sich an der Frucht ein und sind mit Borstenhaaren bewimpert.[2] Die Kronblätter sind röhrig verwachsen mit weit trichterförmig ausgebreitetem Saum, innen mit behaarten Streifen. Sie sind beim Aufblühen rot-violett, die Farbe geht später in ein tiefes Blau über (daher der Namensteil „blaurot“). Die Staubblätter sind dicht drüsig behaart.[2]
Die Teilfrüchte haben eine weiß glänzende glatte Oberfläche und sind 4 bis 5 Millimeter lang. Während der Fruchtreife ist der Kelch 8 bis 12 Millimeter lang. Die Härte des Samens, der ein Aufbrechen verhindert, führte zum Gattungsnamen Steinsame.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.[3]
Ökologie und Phänologie
Der Blaurote Steinsame ist ein sommergrüner Hemikryptophyt. Die vegetative Vermehrung erfolgt durch die sich später herabbiegenden bogigen Stängel, die an den Berührungspunkten Wurzelbüschel bilden, und durch das Rhizom.
Die Blütezeit reicht von April bis Juni. Blütenökologisch handelt es sich langröhrige „kleine Trichterblumen“ mit fünf Haarleisten im offenen Schlund, durch die die Rüssel der Bestäuber zum Nektar geführt werden. Bei ihrer Entfaltung sind die Blütenkronen purpurrot, im geöffneten Zustand sind sie tiefblau. Bestäuber sind Bienen-Verwandte[2] und Hummeln. Auch spontane Selbstbestäubung kommt vor.
Die Diasporen sind die Klausen, die steinhart, kugelig, glatt und glänzend weiß sind. Die Diasporen breiten sich als Rollfrüchte aus, sind winterhart und Kältekeimer.
Vorkommen und Gefährdung
Der Purpurblaue Steinsame ist ein submediterranes Florenelement. Diese kalkliebende Art gedeiht in trockenwarmen (Flaumeichen-)Wäldern auf der collinen bis submontanen Höhenstufe. Im südöstlichen Alpenvorland ist der Purpurblaue Steinsame gefährdet. Das Verbreitungsgebiet umfasst Süd-, Ost- und Mitteleuropa nördlich bis Belgien und Polen, dazu Westasien und den Kaukasusraum.[4] Er steigt im Kanton Wallis bis in eine Höhenlage von 1200 Metern auf.[2] In Europa kommt der Purpurblaue Steinsame in Spanien, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Schweiz, Italien, Polen, Tschechien, Slowakei, Österreich, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Albanien, Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Moldau, Türkei, Russland sowie auf der Krim vor.[1]
In Deutschland kommt der Blaurote Steinsame vor allem in den wärmebegünstigten Tallagen Süddeutschlands vor wie z. B. Oberrheinische Tiefebene, Mainfränkische Platten, Nahetal. Im Osten Deutschlands beschränkt sich das Vorkommen auf Thüringen und den Südwesten Sachsen-Anhalts.
Der Blaurote Steinsame ist in Mitteleuropa eine Charakterart der Ordnung der xerothermen Eichenmischwälder (Quercetalia pubescentis-petraeae), kommt aber auch in Pflanzengesellschaften des Verbands Berberidion oder der Ordnung Fagetalia vor.[3]
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).[5]

Taxonomie
Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Lithospermum purpurocaeruleum durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus 1, S. 132.[1] Diese Art wurde 1973 durch Josef Holub in Folia Geobotanica, Band 8, S. 165 als Aegonychon purpurocaeruleum (L.) Holub in die Gattung Aegonychon gestellt. Ein weiteres Synonym von Aegonychon purpurocaeruleum (L.) Holub ist Buglossoides purpurocaerulea (L.) I.M.Johnst.[1] Früher war sie der Gattung Steinsamen (Lithospermum) und danach den Rindszungen (Buglossoides) zugeordnet.[6]
Giftigkeit und Verwendung
Die Samen sind durch Pyrrolizidin-Alkaloide schwach giftig. Der Blaurote Steinsame wird als Zierpflanze für Wildpflanzengärten und Felsgruppen empfohlen; allerdings ist er sehr ausbreitungsfreudig. Früher wurde er auch als Heilpflanze gegen Blasen- und Nierenleiden eingesetzt.