Conn Barracks

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Die Conn Barracks waren die größte Kaserne der US-Heeresgarnison Schweinfurt. Das Areal liegt am westlichen Stadtrand von Schweinfurt und wird seit 2014 nicht mehr militärisch genutzt.

Schnelle Fakten Vereinigte Staaten, Ehemals stationierte Truppenteile ...
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Conn Barracks
Fliegerhorst Schweinfurt (links, weiß markiert).Luftfoto während des US-Angriffs am 14. Oktober 1943 auf Schweinfurt (rechts: Großindustrie markiert)

Fliegerhorst Schweinfurt (links, weiß markiert).
Luftfoto während des US-Angriffs am 14. Oktober 1943 auf Schweinfurt (rechts: Großindustrie markiert)

Land Deutschland
Gemeinde Geldersheim, Niederwerrn, Schweinfurt
Koordinaten: 50° 3′ 22″ N, 10° 10′ 17″ O
Eröffnet 1936–1937
Ehemals stationierte Truppenteile
Luftwaffe: Flugzeugführerschule 7
United States Air Forces in Europe (USAFE)
United States Constabulary: 6. Regiment
3rd Infantry Division:
1. Brigade
1rd Infantry Division:
2. Brigade
u.v.m.

Deutsches Reich

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Conn Barracks (Bayern)
Conn Barracks (Bayern)

Lage der Conn Barracks in Bayern

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Blue Swan ist der Name für eine KI-Gigafabrik die der Freistaat Bayern auf einer Teilfläche der Conn Barracks für drei bis fünf Milliarden Euro errichten will.[1] Die ersten Bautätigkeiten soll es 2027 geben.[2]

Die Kaserne war ursprünglich von 1937 bis 1945 ein Fliegerhorst der Luftwaffe (Wehrmacht) namens Flugplatz Schweinfurt, auch Fliegerhorst Schweinfurt. 1945 wurde durch die United States Army Air Forces (USAAF) ein Behelfsflugplatz unter der Bezeichnung Advanced Landing Ground ALG R-25 Schweinfurt in Betrieb genommen. Von 1945 bis 1947 war er als Schweinfurt Air Base der United States Air Forces in Europe (USAFE) und der Military Post Wiesbaden unterstellt. Die Start- und Landebahn hatte die Kennung 09/27.[3]

Von 1947 bis 1951 war die Kaserne Teil der United States Constabulary (6th Regiment und 28th Squadron).[4] 1948 wurde die Kaserne offiziell der U.S. Army übergeben[4] und hieß fortan Conn Barracks. Zahlreiche Truppenteile waren seitdem in der Kaserne stationiert, die Teil der US-Heeresgarnison Schweinfurt (USAG Schweinfurt) war, die 2014 komplett aufgelöst wurde.

Das Kasernenareal war immer interkommunal und gehört zu den Gemeinden Geldersheim und Niederwerrn im Landkreis Schweinfurt sowie in einem kleinen Bereich zur kreisfreien Stadt Schweinfurt. Als Folgenutzung wird derzeit ein großer Industrie- und Gewerbepark aufgebaut, wofür bereits 2013 der Zweckverband Interkommunaler Gewerbepark Conn Barracks gegründet wurde.

Etymologie

Die Flugplatzkaserne wurde am 22. Dezember 1947 Conn Barracks genannt, zu Ehren von Leutnant Orville B. Conn, Jr., der als erster Angehöriger der Sixth Cavalry Group 1944 bei der Landung in der Normandie gefallen war.[5]

Geografie

Größe

Die Konversionsliegenschaft hat eine Gesamtfläche von 202,25 Hektar, was etwa der Fläche der Münchener Innenstadt entspricht.

Kommunale Aufgliederung

Die Fläche gliedert sich wie folgt auf:

  • Geldersheim: 167,55 Hektar (82,8 %)[6]
  • Niederwerrn: 33,45 Hektar (16,6 %)[6]
  • Schweinfurt: 1,25 Hektar (0,6 %)[6]

Innerhalb der Conn Barracks verläuft die Grenze zwischen Niederwerrn und Geldersheim entlang der historischen Euerbacher Straße, die bis zum Bau des Fliegerhorsts im Jahre 1936 noch als durchgehende Fahrstraße bestand und seitdem unterbrochen ist. Ihr westlicher Teil wurde Hauptzufahrt zur neuen Kaserne (heutige Conn-Straße).[7] Beim Ausbau zur US-Kaserne wurden entlang der historischen Straße interne Straßen angelegt.

Lage

Der Mittelpunkt der Europäischen Union liegt 30 km südwestlich der Conn Barracks, in Gadheim

Die Conn Barracks liegen 4 km (Luftlinie) nordwestlich vom Schweinfurter Stadtzentrum, auf 240 m ü NN, in einem Bogen der Wern, außerhalb des Überschwemmungsgebietes.[8]

Die Conn Barracks liegen in der Mitte des deutschen Sprachraums (D-A-CH). Seit der deutschen Wiedervereinigung liegen sie zudem nahezu in der gesamtdeutschen Mitte, an einem neuen Autobahnknoten mit Großlogistik. Seit dem Brexit liegt der Mittelpunkt der Europäischen Union 30 Kilometer südwestlich der Conn Barracks.[9]

Straße

Die Conn Barracks werden im Norden von der zweibahnigen, vierstreifigen, nicht kreuzungsfreien, von Ampeln geregelten B 303 durchquert. Der kleine nördlich der B 303 gelegene Teil (Motorpool) ist durch einen internen Fußgängersteg mit der Hauptliegenschaft verbunden. Über die B 303 ist die 1 km entfernte Autobahn-Anschlussstelle Nr. 30 Schweinfurt-West der A 71 Erfurt–Schweinfurt erreichbar. Von dort ist in 6 km am Autobahndreieck Werntal die A 70 und in weiteren 5 km am Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck die A 7 erreichbar.

Schiene

Das Areal liegt an der Bahnstrecke Schweinfurt–Erfurt. In den Conn Barracks befindet sich ein eigener, direkter Gleisanschluss.[10] Von hier sind der Containerterminal am Hauptbahnhof Schweinfurt und die Gleise des Hafens Schweinfurt erreichbar.

Öffentlicher Verkehr

Der Bahnhof Oberwerrn an der Bahnstrecke Schweinfurt–Meiningen/Erfurt liegt 1,5 km nordwestlich der Conn Barracks. Dort halten die Linien RB 40 und RB 50 von: Bahnhof Schweinfurt StadtHaltepunkt Schweinfurt Mitte – Schweinfurt Hauptbahnhof, nach: Meiningen und Bad Kissingen/Gemünden am Main.

Mit der Bahn ist vom Schweinfurter Hauptbahnhof über zwei ICE-Anbindungen Berlin in weniger als dreieinhalb Stunden und München ab zweieinhalb erreichbar und damit jeweils eine dreiviertel Stunde schneller als von Frankfurt am Main. Hamburg ist ab vier Stunden erreichbar.

Der Flughafen Frankfurt Main liegt 115 km westlich und der Flughafen Nürnberg 90 km südöstlich der Conn Barracks.

Siehe auch: Schweinfurt, Neue Zentralität durch deutsche Wiedervereinigung

Zufahrten

Main Gate / Motorpool

Collage aus vier Luftbildern der Conn Barracks von 2023 der Bayerischen Vermessungsverwaltung. Die Fotos sind entzerrt, maßstabsgetreu und genordet (Abmessungen der Einzelbilder 1 km × 1 km). Am oberen Rand ist die B 303, in der oberen rechten Ecke Niederwerrn und in der unteren linken Ecke Geldersheim zusehen.

Die einstige US-Zufahrt Main Gate (Hauptzufahrt) an der Conn-Straße wird ausgebaut. Die Zufahrt zum Motorpool bleibt unverändert bestehen. Beide Zufahrten zweigen an einer Kreuzung der B 303 ab (siehe Collage: linke obere Ecke. Das Motorpool am oberen Bildrand ist nur im südlichen Bereich sichtbar).

Geldersheim Gate

Das Geldersheim Gate am nördlichen Dorfrand Geldersheims, an der Kreisstraße SW 31, wird als südwestliche Zufahrt in den neuen Gewerbepark ausgebaut (auf der Collage nicht mehr zu sehen). Hierfür wurden 2025 erste Bäume gefällt.[11] Von dort gelangt man über die interne Verbindungsstraße (siehe Collage: linkes untere Bild: oben links) zum einstigen Flugplatz in den Conn Barracks.

Euerbacher Gate

Die US-Zufahrt Euerbacher Gate am Ostrand der Conn Barracks, mit Brücke über die Bahn, wurde bis auf weiteres geschlossen (siehe Collage: rechtes obere Bild: untere Mitte). Sie lag am Ende der 1 km langen Verbindung (Euerbacher Straße), die durch den Werngrund zur einstigen amerikanischen Wohnsiedlung Askren Manor führt, heute Bellevue.

Geschichte

Der Fliegerhorst wurde von März 1936[4] bis September 1937[4] an der westlichen Stadtgrenze errichtet. Die Anlage diente zunächst der Flugzeugführerschule 7 als Übungsplatz für Sturzkampfflugzeuge (Stuka) des Typs Junkers Ju 87. Viele Kadetten kamen dabei bei gewagten Luftmanövern ums Leben.[5] Der Geschwaderstab des Sturzkampfgeschwaders 165 wurde am 1. Oktober 1937 im Fliegerhorst gegründet,[12] wo zuvor am 1. April die II. Gruppe des Geschwaders aufgestellt worden war. Die I. Gruppe existierte seit dem 1. April 1936 am Flugplatz Kitzingen.[13] Von 1941 bis 1945 diente der Flugplatz Bombern.[4] Er wurde zur Tarnung zeitweise unter Wasser gesetzt, jedoch zusammen mit der angrenzenden Bahnlinie von den Alliierten stark bombardiert. Die Gegend glich schließlich einer Mondlandschaft. Personenzüge aus Richtung Erfurt und Bad Kissingen konnten oftmals nicht mehr bis zum Hauptbahnhof fahren, sondern mussten bereits am Bahnhof Oberwerrn enden.

Advanced Landing Ground ALG R-25 Schweinfurt (1945)

Am 11. April 1945 marschierte die 42. Division der 7. US-Armee[4] in Schweinfurt ein und besetzte sofort den Fliegerhorst. Nach Abzug der Air Force (USAFE) im Jahre 1947 wurde das Areal des eigentlichen Flugplatzes nur noch als Hubschrauberlandeplatz der 4. Brigade genutzt, einer Heeresfliegerbrigade (Militärhubschrauber). Zudem als Startplatz für Flugabwehrraketen (FlaRak-Stellung Hawk). Die Raketenstellung wurde am Ende des Kalten Kriegs 1992 aufgelöst.

2-1 Aviation Battalion aus den Conn Barracks in Bosnien-Herzegovina 1997

Auf dem großen, nördlichen Freibereich des Flugfeldes erweiterten die Amerikaner sukzessive die Kaserne, am Ende bis auf etwa die doppelte Größe der NS-Zeit. Von 1958 bis 1996 waren in den Conn Barracks die 1. Brigade der 3rd Infantry Division, von 1996 bis 2008 die 2. Brigade der 1st Infantry Division und zudem viele andere Einheiten stationiert.[4] 1991 wurde zudem das 3rd Squadron der 4th Cavalry von den Schweinfurter Ledward Barracks in die Conn Barracks verlegt.[4] Dort waren fortan die Kampftruppen der USAG Schweinfurt konzentriert, während die Ledward Barracks zu einem großen Teil nur noch der Verwaltung, Versorgung und Freizeit dienten. Am Gleisanschluss der Conn Barracks, der Schweinfurt Terminal Station (SFT) der 5th Signal Command, wurden u. a. Panzer für den Irakkrieg (2003) verladen, weshalb die Conn Barracks damals in den Blickpunkt amerikanischer Medien rückten.

Im Jahr 2014 löste die US-Army die US-Heeresgarnison Schweinfurt vollständig auf. Die Conn Barracks wurden am 15./16. Dezember 2014 der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) übergeben.[14]

Siehe auch: Amerikanische Luftverteidigung in Deutschland

Bestand 2014

Die Conn Barracks verfügten bei Abzug der US-Amerikaner 2014 insgesamt über 280 Gebäude.[15] Auf dem Areal waren zu diesem Zeitpunkt: Wohngebäude,[15] Verwaltungsgebäude,[14] Truppenunterkünfte,[14] Lager- und Wartungshallen,[14] Feuerwehrgebäude,[14] eine Veranstaltungshalle,[15] ein Einkaufszentrum,[14] eine Kirche,[14] ein Sportzentrum,[14] Sportanlagen, ein Gleisanschluss für Bahnverladung,[15] Ver- und Entsorgungseinrichtungen,[15] ein Flugplatz mit 675 m langer, befestigter Start- und Landebahn,[16] ein Hubschrauberlandeplatz,[17] Hangars,[14] ein Tower[14] und ein Startplatz für mobile Flugabwehrraketen, mit diversen Gebäuden und einem Rollbahnsystem.[18]

Ankerzentrum

2018 gingen in Bayern sieben Ankerzentren in Betrieb, eines davon in Schweinfurt. 2019 zog es von den Ledward Barracks in den Geldersheimer Bereich der Conn Barracks um. Es hat eine maximale Kapazität von 1500 Personen, gilt aber bei 80 % Auslastung (1200 Personen) als voll belegt, da aufgrund von Familienstrukturen und Nationalitäten nicht immer alle Zimmer komplett genutzt werden können.[19]

Die Zentrale Ausländerbehörde (ZAB) und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) zogen 2020 ebenfalls von den Ledward Barracks in die Conn Barracks um.[20]

Neuer Gewerbepark

Zweckverband und Gewerbesteuer

Der Zweckverband Interkommunaler Gewerbepark Conn Barracks besteht aus den vier Mitgliedern:[10]

  • Gemeinde Geldersheim
  • Gemeinde Niederwerrn
  • Stadt Schweinfurt
  • Landkreis Schweinfurt

Im Zweckverband sind Stimmrechte und Finanzierung paritätisch (gleich stark) auf alle vier Gebietskörperschaften aufgeteilt.[10] Jedes Mitglied erhält somit 25 % der anfallenden Gewerbesteuer.

Machbarkeitsstudie

Eine Machbarkeitsstudie von 2017 unter den Gesichtspunkten Lärmemission, Naturschutz und Infrastruktur ergab, dass 100 Hektar gewerblich genutzt werden können. Im nordwestlichen Bereich sei ein Gewerbegebiet und im zentralen Bereich auch ein Industriegebiet denkbar.[21]

Bauleitplanung

Nach dem neu aufgestellten Flächennutzungsplan für die Conn Barracks werden rechtlich 94 Hektar in gewerbliche Bauflächen, 1,6 Hektar in gemischte Bauflächen und 71 Hektar in Flächen für extensive (naturnahe) Landschaftsnutzung umgewandelt.[22]

Der Zweckverband will nicht nur für die geplante KI-Fabrik Baurecht schaffen. Auch für die angrenzende südliche Teilfläche von 40 Hektar zwischen Bahntrasse und ehemaliger Landebahn wurde ein Bebauungsplan aufgestellt.[23]

Umsetzung

Am 28. November 2025 kaufte der Zweckverband von der BImA das 183,5 Hektar große Areal. Der Teilbereich mit der Anker-Einrichtung verbleibt im Eigentum des Bundes.[2]

Der Gewerbepark soll nach einem „Phasenmodell“ entwickelt werden. Zuerst mit der KI-Gigafabrik Blue Swan im wenig bebauten Kasernen-Bereich im Westen und Südwesten, dann das übrige Areal.[23]

Motorpool

Motorpool: Vorführung eines Militär-Roboters vor amerikan. Kindern 2010

Der 3 ha große Motorpool ist ein durch die B 303 abgetrennter Bereich im Norden der Conn Barracks (siehe: Main Gate / Motorpool). In ihm liegen zwei zweigeschossige Hallen, in denen auch die Obergeschosse über Rampen befahrbar sind (Bau 7 & 8). Das kleine Areal erwarb 2017 die Gemeinde Niederwerrn von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Der Motorpool bleibt Bestandteil des Verbandsgebiets des Zweckverbandes, um die angestrebte, einheitliche Gesamtentwicklung der über 200 ha großen Konversionsfläche zu gewährleisten. Einen Teil des Motorpools hat ein gewerblicher Mieter gekauft.[24]

KI-Gigafabrik Blue Swan

Projekt-Visualisierung „Blue Swan“. Midjourney/Paula Breukel/KI-generiert

In den Conn Barracks soll ein Rechenzentrum für Künstliche Intelligenz (KI) für drei bis fünf Milliarden Euro entstehen.[1] Die sogenannten Gigafactories sind Rechenzentren mit einem Strombedarf, der bisherige Anforderungen in Deutschland weit übersteigt. 2027 oder 2028 sollen bereits die ersten Ausbaustufen realisiert sein.[25]

Etymologie

Die Bezeichnung „Blue Swan“ wurde vom Supercomputer „Blue Lion“ in Garching bei München abgeleitet, wo sich der größte Campus der Technischen Universität München befindet, das Hochschul- und Forschungszentrum Garching. Der blaue Schwan steht für eine kontrollierte, technologisch getriebene Disruption, als positiver Gegenentwurf zum „Black Swan“.[26]

Begriffe

Bislang gibt es nur sogenannte KI-Fabriken in Deutschland, in Stuttgart und Jülich.[1]

„Die Europäische Union verfolgt mit ihrer Infrastrukturstrategie zwei sich ergänzende Förderlinien: so genannte KI-Fabriken und die künftig geplanten KI-Gigafactories.

KI-Fabriken sind Rechenzentren mit bis zu 25.000 spezialisierten Prozessoren, die für die Entwicklung und Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) optimiert sind. Sie integrieren Supercomputing, Datenressourcen und Schulungseinrichtungen und sollen Forschung und Industrie einen einheitlichen Zugang zu Hochleistungsrechnern ermöglichen.

KI-Gigafactories werden hingegen mit mehr als 100.000 KI-Prozessoren ausgestattet und sollen Modelle mit Hunderten Billionen Parametern trainieren. Diese Projekte bilden die nächste Ausbaustufe der europäischen KI-Infrastruktur.“[27]

Standort

Standortentscheidung

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder gab im September und nochmals bekräftigend im Oktober 2025 bekannt, dass der Freistaat Bayern in den Conn Barracks, ungeachtet einer Förderentscheidung der EU, in jedem Fall eine KI-Gigafabrik errichten will.[25]

Standortfaktor

Zentraler deutsche Leitungsknoten Grafenrheinfeld bei Schweinfurt, in der unteren Kartenmitte. Stromleitungen und Leitungsvorhaben des Bundes­bedarfsplanungsgesetzes, Stand 2013

Söder und Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume sagten, dass der entscheidende Standortfaktor die Stromversorgung sei. Deshalb könne die Gigafactory nicht in Garching am bayerischen Super-Rechenzentrum, dem Leibniz-Rechenzentrum (LRZ), stehen, das das Rechenzentrum für die Ludwig-Maximilians-Universität München und die Technische Universität München ist.

Das LRZ soll die Kontrollstelle und Steuerungseinheit werden. Aber die Netzanschluss-Leistungen von bis zu 300 Megawatt sind dort bei weitem nicht vorhanden.[25] Sie gibt es nur an wenigen Orten im deutschen Stromnetz, so im Schweinfurter Vorort Bergrheinfeld, unweit des stillgelegten Kernkraftwerks Grafenrheinfeld (siehe: Leitungsknoten Bergrheinfeld). Mit dem Anschluss an SuedLink wird sich die Situation dort noch deutlich verbessern.[25] Die Gigafactory wird ein Viertel des Stroms von SuedLink benötigen, zu der unweit des Standorts, westlich von Geldersheim, die Bauarbeiten im Herbst 2025 bereits begannen.[11]

Der Freistaat

„setzt auf den Standort Schweinfurt: Er bietet aufgrund der verfügbaren Flächen, der Stromnetzleistung und der Glasfaseranbindung hervorragende Bedingungen. Umgekehrt profitiert er von der großen Chance, den Strukturwandel durch Supertech zu befördern. Derzeit wird an der Erweiterung des Konsortiums und der Gewinnung von Ankerkunden gearbeitet, um eine schlagkräftige Allianz aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung zu bilden.“[28]

Standortsplitting

Blume veranschaulichte das Megaprojekt:

„Bildlich vorstellen, erklärt Blume, müsse man sich "Blue Swan" so: An einem Ort wäre das Steuerungszentrum, dort würden die Wissenschaftler sitzen. Dieser Ort müsse aber nicht zwingend am Standort der KI-Fabrik sein.“[1]

EU-Förderung

Die EU-Kommission definiert die KI-Gigafabriken als „Großanlagen für die Entwicklung und das Training von KI-Modellen der nächsten Generation mit Billionen von Parametern“. Europaweit sind fünf Anlagen geplant.[23]

Die EU fördert sie mit Milliarden. 65 % sind von Unternehmen zu finanzieren, 35 % von der EU und dem im Bund federführenden Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR).[25][28] Der Freistaat will sich mit dem Gewerbepark Conn Barracks als Standort dafür bewerben. Der Antrag an die EU soll im ersten Quartal 2026 gestellt werden. Sollte sich Brüssel für andere Standorte entscheiden, wird in Schweinfurt mit bayerischem Geld gebaut.[23]

Die EU-Kommission bekam 76 Interessenbekundungen aus 16 EU-Mitgliedstaaten mit 60 Standorten, getragen von Industrie, Forschung, Versorgern und Investoren. Das Vorhaben ist Teil des „EU-InvestAI“-Programms (englisch: artificial intelligence AI) mit 20 Milliarden Euro Fördermitteln für den Aufbau einer europäischen KI-Infrastruktur. Durch Öffentlich-private Partnerschaften sollen Investitionen bis zu 200 Milliarden Euro mobilisiert werden. Eine formale Ausschreibung zur Auswahl der Projekte ist für Ende 2025 geplant.[29]

Aber nur vier konkrete Standorte wurden bisher öffentlich bekannt,[29] mit Orten die alle an großen, nationalen Strom-Leitungsknoten liegen:

Souveränität Europas

Wissenschaftsminister Blume betonte:

„Entscheidend ist, dass wir den Rückstand Europas aufholen. Wir wollen nicht abhängig sein von leistungsfähigen KI-Modellen, die in anderen Teilen der Welt entwickelt werden, bei denen aber niemand weiß, was drin ist. Wir wollen selbst ans Steuerrad der KI.“[25]

Ferner weist Blume auf die Sicherung von Talenten und Arbeitsplätzen hin:

„Eine extrem starke Tech-Industrie, international anerkannte Forschungskapazitäten und unser klares Bekenntnis zur digitalen Souveränität Europas machen den Freistaat zum prädestinierten Standort für eine Gigafactory. Für Bayern und ganz Deutschland gehe es dabei auch um die nachhaltige Sicherung des Talentpools, hochwertige Arbeitsplätze, die globale Anschlussfähigkeit unserer Unternehmen und einen Schub für weitere Super-Tech-Ansiedlungen.“[30]

Zu Anwendungen und Bereichen sagt Blume:

„Im Fokus steht [...] das Trainieren von Modellen für die unmittelbare Anwendung im Gesundheitsbereich, in der Mobilität ebenso wie bei Fragen von Sicherheit und Verteidigung.“[31]

Organisationen

Konsortium

„Blue Swan“ ist auch die Bezeichnung für das Konsortium hinter der Gigafactory. Es besteht aus dem Freistaat Bayern, dem Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) in Garching und der Firma Investa, die auf den Bau von Rechenzentren spezialisiert ist.[25]

Blue Swan Service GmbH

Im nächsten Schritt gründet die Bayerische Akademie der Wissenschaften (BAdW) als Trägerin des LRZ die Blue Swan Service GmbH, um die Konsortialbildung weiter voranzutreiben und künftig die Gigafabrik zu betreiben. Die GmbH mit Sitz in Garching soll als gewerbliche Trägerin der IT-Services der Blue Swan Gigafactory fungieren, zur Abdeckung kommerzieller Bedarfe.[28]

Blue Swan e.V.

Ergänzend soll der Verein Blue Swan e.V. gegründet werden, um Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Verbände und Unternehmen zu vereinen, die zur Förderung des bayerischen KI-Ökosystems und der Gigafabrik beitragen wollen.[28]

Bauleitplanung

Das 15,1 Hektar große Areal der KI-Gigafabrik wird im Flächennutzungsplan als „Sonstiges Sondergebiet“ (SO) mit der Zweckbestimmung „Data Center“ ausgewiesen. Im Oktober 2025 wurde für dieses Gebiet vom kommunalen Zweckverbands der Bebauungsplan „Gewerbepark Conn Barracks - Blue Swan“ beschlossen.[32] 2026 soll der Bebauungsplan rechtskräftig sein.[23]

Baubeginn

Die ersten Bautätigkeiten soll es 2027 geben.[2]

Siehe auch

Einzelnachweise

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