Boden des Jahres

Gedenkjahr From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Boden des Jahres wurde erstmals anlässlich des alljährlichen Weltbodentags am 5. Dezember 2004 für das Jahr 2005 vorgestellt. Durch die Aktion soll die Bedeutung des Bodens für die Menschen und seine Schutzwürdigkeit vermittelt werden. Sie findet in Deutschland, Österreich und der Schweiz statt. Seit 2024 ernennt außerdem die International Union of Soil Sciences (IUSS) den World Soil of the Year.

Zielsetzung

Böden sind durch menschliche Tätigkeit weltweit in ihrer Funktionalität bedroht. Allerdings werden Böden im Gegensatz zum Arten-, Luft- und Wasserschutz in Politik, öffentlicher Meinung und Naturschutz kaum beachtet. Dabei treten Bodenschäden wie Versauerung, Erosion oder Versiegelung in Mitteleuropa genauso auf, wie in anderen Teilen der Welt. Und diese Schäden sind besonders gravierend, denn im Gegensatz zu Luft- und Gewässerverunreinigungen, die über Reinigungssysteme relativ kurzfristig reversibel sind, sind die meisten Bodenschäden schwer umkehrbar bis irreversibel. Auch wenn sich in den letzten Jahren die Versiegelung neuer Flächen etwas verlangsamt hat, von rund 80 ha pro Tag im Jahr 2011 auf 40 ha pro Tag im Jahr 2020, ist das Problem nach wie vor gravierend.[1] Außerdem sind hierzulande, weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit, 50 % der Ackerfläche erosionsgefährdet.[2]

Das mangelnde Interesse mag zum einen daran liegen, dass Bodenschäden meist schleichend und unauffällig sind. Prozesse, die nur über Jahrzehnte sichtbare Veränderungen bewirken, fallen der Öffentlichkeit nicht weiter auf. Auf der anderen Seite steht mangelndes Wissen. Böden werden als solche in Schulen und Medien kaum beachtet. Nach dem Prinzip „man schützt nur, was man kennt“ wird daher seit einigen Jahren vermehrt versucht die Bedeutung und Gefährdung von Böden populärer zu machen. Die Aktion „Boden des Jahres“ mit Informationen zu den jeweiligen Böden wird zu diesem Zweck seit 2005 durchgeführt.

Organisation

Die Aktion wurde 2004 von der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft (DBG) und dem Bundesverband Boden (BVB) initiiert[3], Ende 2007 schloss sich die Österreichische Bodenkundliche Gesellschaft (ÖBG) dem Trägerkreis an.[4] Mittlerweile gehört auch der Ingenieurtechnische Verband für Altlastenmanagement und Flächenrecycling dazu. Die Aktion wird darüber hinaus vom Umweltbundesamt unterstützt. Ausgewählt wird der Boden des Jahres vom Kuratorium Boden des Jahres[5], das sich aus Vertretern/-innen der beteiligten Institutionen sowie weiteren Experten/-innen zusammensetzt; dessen Sprecherin ist seit November 2025 die Bodenwissenschaftlerin Sonja Medwedski, nachdem jahrelang Gerhard Milbert, der als Bodenexperte am Geologischen Landesamt Nordrhein-Westfalen tätig war, das Kuratorium geleitet hat; vor ihm war Monika Frielinghaus vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg Sprecherin des Kuratoriums. Seit 2011 wird auch eine Aktion „Boden des Jahres“ durch die Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz (BGS/SSP) durchgeführt, unabhängig von der Deutschen und Österreichischen Bodenkundlichen Gesellschaft, aber im Kontakt mit diesen.

Die Böden des Jahres werden der Öffentlichkeit jeweils in Fachzeitschriften und in einem Flyer vorgestellt, die Informationen über die Entstehung, Eigenschaften, Verbreitung und Gefährdungen des jeweiligen Bodentyps bzw. der Gruppe von Böden enthalten. Neben den Flyern über den jeweiligen Boden des Jahres gibt es noch einen allgemeinen Flyer, in dem die Aktion „Boden des Jahres“ vorgestellt wird und der Wissenswertes über Böden kurz und leicht verständlich zusammenfasst.

Die Aktion „Boden des Jahres“ wird jedes Jahr von einer anderen Partnerorganisation durchgeführt, die sich in Abstimmung mit dem Kuratorium um die thematische Ausrichtung, die Publikationen (Faltblatt, Plakat, weitere Veröffentlichungen) sowie die Gestaltung und Realisierung der Auftaktveranstaltung kümmert. Diese Auftaktveranstaltung findet immer am (oder um den) Weltbodentag, d. h. am oder um den 5. Dezember (des Vorjahres) in Berlin statt, zum Beispiel in einer Landesvertretung (wenn der Jahrespartner ein Bundesland ist) oder in einem Bundesministerium (wenn der Partner eine Bundeseinrichtung ist). Jahrespartner 2026 ist das Land Hessen, dementsprechend fand die Vorstellung des Bodens des Jahres 2026 am 5. Dezember 2025 in der Hessischen Landesvertretung in Berlin statt.[6][7]

Bisherige Böden des Jahres

(Quellen siehe Projektseite unter Weblinks)

Weitere Informationen Jahr, Deutscher Name ...
JahrDeutscher NameBezeichnung nach WRB
2005SchwarzerdeChernozem oder Phaeozem
2006FahlerdeAlbeluvisol (seit 2014 Retisol) oder Albic Luvisol
2007PodsolPodzol
2008BraunerdeCambisol oder Brunic Arenosol
2009KalkmarschFluvisol oder Gleysol
2010StadtbödenTechnosols
2011VegaFluvic Cambisol
2012NiedermoorRheic Histosol
2013PlaggeneschPlaggic Anthrosol
2014WeinbergsbödenKeine direkte Entsprechung in der WRB. Die Bezeichnung beschreibt lediglich eine Nutzungsart.
2015StauwasserbodenPlanosol oder Stagnosol
2016GrundwasserbodenGleysol
2017GartenbodenHortic Anthrosol
2018Alpiner FelshumusbodenFolic Histosol oder Suprafolic Leptosol
2019KippenbodenRegosol
2020WattGleysol mit Tidalic Qualifier
2021LössbodenKeine direkte Entsprechung in der WRB. Die Bezeichnung beschreibt ein Ausgangsmaterial der Bodenbildung.
2022PelosolVertisol
2023AckerbodenKeine direkte Entsprechung in der WRB. Die Bezeichnung beschreibt lediglich eine Nutzungsart.
2024WaldbodenKeine direkte Entsprechung in der WRB. Die Bezeichnung beschreibt lediglich eine Nutzungsart.
2025Rendzina[8][9][10]Leptosol oder Phaeozem
2026Archivboden[11][12]Keine direkte Entsprechung in der WRB. Die Bezeichnung beschreibt lediglich eine besondere Funktion des jeweiligen Bodens.
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World Soil Of The Year

Anlässlich der Abschlusszeremonie des Kongresses zum hundertjährigen Bestehen der International Union of Soil Sciences wurde 2024 erstmals der World Soil of the Year verkündet[13], für dessen Auswahl später eine eigene Arbeitsgruppe in der IUSS gegründet wurde.[13][14] Im Unterschied zum deutschen Boden des Jahres wird nicht bloß ein Bodentyp (bzw. eine Referenzbodengruppe), sondern ein geographisch näher bestimmter Boden gewählt.

Weitere Informationen Jahr, Bezeichnung nach WRB ...
Jahr Bezeichnung nach WRB Ort
2024 Calcic Chernozem[13] Bălți-Steppe, Republik Moldau
2025 Oxygleyig Chernic Gleysol[15] Nationalpark Hortobágy, Karpatenbecken, Ungarn
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Verwandte Themen

  • Die Global Soil Week ist eine unregelmäßig in Berlin stattfindende Konferenz zum Thema Bodenschutz und nachhaltige Bodennutzung.

Literatur

  • Sonja Medwedski, Gerhard Milbert, Maike Bosold, Jeannette Mathews & Klaus Kruse: The ‘soil of the year’ campaign in Germany — experiences from over 20 years of public relations work for soil awareness. In: Land 2025, 14, 1250; https://doi.org/10.3390/land14061250

Einzelnachweise

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