Bohr-van-Leeuwen-Theorem
mathematischer Satz
From Wikipedia, the free encyclopedia
Das Bohr-van-Leeuwen-Theorem ist ein Theorem aus dem Bereich der Festkörperphysik und statistischen Physik. Es besagt, dass bei Anwendung der klassischen Statistik die Magnetisierung im thermischen Gleichgewicht Null wäre, da sich die Bewegungsenergie einer Ladung im Magnetfeld nicht ändert. Demnach ist Magnetismus bei Festkörpern ein rein quantenmechanischer Effekt. Das Theorem wurde 1911 von Niels Bohr[1] und 1921 unabhängig von Hendrika Johanna van Leeuwen[2] entdeckt.
Heuristische klassische Betrachtung
Die Magnetisierung (die Dichte der magnetischen Momente) ist proportional zur Änderung der Energie eines Systems in einem Magnetfeld. Da die Kraft auf eine bewegte Ladung (Lorentzkraft) exakt senkrecht zur Bewegungsrichtung der Ladung wirkt, erfährt diese Ladung durch das Feld zwar eine Richtungsänderung, die Größe der Kraft bleibt jedoch konstant, d. h., die Änderung der Energie ist Null und somit kann es keine Magnetisierung geben.[3]
Mathematischer Beweis
Für ein (bzw. mehrere) Teilchen mit Ladung bzw. in Magnetfeldern mit Vektorpotentialen ist die Hamiltonfunktion , welche die Energie des Systems beschreibt, definiert über [4] . Dabei stellt das erste Argument den sogenannten kanonischen Impuls dar, während den kinetischen Impuls bildet. Im Gegensatz zu ist nicht eindeutig, sondern man kann zu ihm ein beliebiges Gradientenfeld hinzufügen, ohne dass sich ändert.
Die Zustandssumme eines Systems aus N solcher (ununterscheidbarer) Teilchen in der statistischen Physik ist klassisch über den kanonischen Impuls definiert:[5]
Nun geht man zum kinetischen Impuls über, indem man substituiert: . Da alle Impulse über den gesamten dreidimensionalen Raum integriert werden, ändern sich die Integralgrenzen nicht. Die Zustandssumme wird dann zu
Da diese nun weder von , noch von abhängig ist, verschwindet die Magnetisierung,
Abweichung in der Quantenmechanik
In der Quantenmechanik gilt das Bohr-van-Leeuwen-Theorem nicht mehr, weil der Spin des Teilchens zu berücksichtigen ist.[3] Infolgedessen gilt der einfache Zusammenhang also die Unabhängigkeit der kinetischen Energie vom Vektorpotential, in der Quantenmechanik nicht mehr.
Stattdessen hängt der Hamiltonoperator explizit von den inneren und äußeren Magnetfeldern ab, wodurch Magnetismus als spezifisch quantenmechanisches Phänomen in nichtquadratischer Ordnung bezüglich der Magnetfeldstärke, also z. B. Ferromagnetismus von bestimmten Festkörpern und Paramagnetismus in bestimmten Molekülen, zustande kommen können.