Gut Boltenhof

Gutshofensemble im Ortsteil Boltenhof der Stadt Fürstenberg/Havel im Landkreis Oberhavel (Brandenburg) From Wikipedia, the free encyclopedia

Gut Boltenhof (historisch auch Rittergut Boltenhof) ist ein denkmalgeschütztes Gutshofensemble im Ortsteil Boltenhof der Stadt Fürstenberg/Havel im Landkreis Oberhavel (Brandenburg). Das Gut entwickelte sich aus einem frühneuzeitlichen Vorwerk und wurde im 19. Jahrhundert als Rittergut geprägt. In der Zeit der DDR diente das Gutshaus unter anderem als Wohnraum, zeitweise als Konsum-Verkaufsstelle sowie als Erntekindergarten. Seit den 1990er Jahren wird das Ensemble schrittweise saniert und heute für landwirtschaftliche, touristische, gastronomische sowie Wohn- und Veranstaltungszwecke genutzt.[1][2][3]

Gut Boltenhof, Gutshaus

Lage

Alter Rinderstall

Gut Boltenhof liegt in der Niederungs- und Seenlandschaft der Fürstenberger Region zwischen Dannenwalde und Himmelpfort. Prägend für das Erscheinungsbild sind die historische Lindenallee als Zufahrt, der Gutspark sowie die Hofstruktur mit Gutshaus, Wirtschafts- und ehemaligen Stallgebäuden.[2][1]

Rittergut, Rechtsstatus und historische Einordnung

Rittergüter bildeten in Brandenburg bis ins 19. Jahrhundert hinein bedeutende landwirtschaftliche Großbetriebe und waren teilweise mit besonderen rechtlichen Privilegien verbunden. Diese Sonderstellungen verloren im Zuge der Agrar- und Verwaltungsreformen des 19. Jahrhunderts schrittweise ihre Bedeutung.[4]

Für Boltenhof ist überliefert, dass das Gut 1813 als Mannlehngut geführt wurde. Im Jahr 1906 ließ der damalige Eigentümer Theodor Fratzscher den Besitz in freies Eigentum umwandeln (Allodifizierung). Damit endete der Lehnsgutscharakter; Gut Boltenhof wurde zu einem Allodialgut.[1]

Geschichte

Entstehung als Vorwerk (16.–18. Jahrhundert)

Die Feldmark der späteren Ortschaft Boltenhof wurde bereits im 16. Jahrhundert von den Junkern zu Blumenow und Barsdorf bewirtschaftet. Im 18. Jahrhundert entstand auf dem Blumenower Anteil nahe der Landesgrenze ein Vorwerk, aus dem sich der spätere Gutsstandort entwickelte.[1]

Rittergut im 19. Jahrhundert

Lindenallee um 1930

Im 19. Jahrhundert wurde die Gutsanlage baulich ausgebaut. In dieser Zeit entstanden wesentliche Teile der heutigen Hofstruktur mit Stall- und Wirtschaftsgebäuden sowie das Gutshaus in seiner prägenden Gestalt als zweigeschossiger Bau mit Mansarddach. Gutsarbeiterhäuser säumten die Zufahrt zum Herrenhaus.[2]

Besitzfolge (Auswahl)

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wechselte Gut Boltenhof mehrfach den Eigentümer. Überliefert sind unter anderem:

  • 1857: Karl Gustav Schauer
  • 1887: Robert Hansmann
  • 1903: Hugo Sponholz
  • 1906: Theodor Fratzscher
  • 1906–1911: Carl Julius Andreas Bolle
  • ab 1911 bis 1945: Familie Witte[1]

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Bis 1945 wurde das Gut durch die Familie Witte bewirtschaftet. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs endete die Zeit der privaten Gutsbesitzer in Boltenhof.[1]

Bodenreform und DDR-Zeit (1945–1990)

Nach 1945 wurde das Gut zunächst durch die Rote Armee genutzt. Im Zuge der Bodenreform erfolgte die Aufteilung landwirtschaftlicher Flächen. In den folgenden Jahren wurde der Betrieb in die landwirtschaftlichen Strukturen der DDR eingebunden; später bestand eine Anbindung an das volkseigene Saatzuchtgut Blumenow. Das Gutshaus diente unter anderem als Wohngebäude, Konsum-Verkaufsstelle und zeitweise als Erntekindergarten.[1]

Entwicklung seit 1990

Nach der politischen Wende kam es zu verschiedenen Zwischennutzungen. 1997 erwarb die Familie Riest das Gut und begann eine schrittweise Sanierung unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten.[1][3]

Denkmalpflege

Das Gutshofensemble steht als Ganzes unter Denkmalschutz. Die Sanierung der Gebäude erfolgt seit den 1990er Jahren schrittweise in Abstimmung mit den zuständigen Denkmalbehörden. In Presseberichten wird insbesondere die denkmalgerechte Instandsetzung des Gutshauses hervorgehoben.[2][3]

Eigentümerfamilie Riest und Generationswechsel

Uwe Riest und Ingeborg Riest († 3. August 2023) prägten den Aufbau nach dem Erwerb in den 1990er Jahren und die Sanierung des Denkmals. 2015 übergaben sie altersbedingt die Verantwortung für die Führung des Unternehmens an ihren Sohn Jan-Uwe Riest. Seit dem 1. Mai 2015 ist Jan-Uwe Riest Eigentümer und Betreiber des Gutes; gemeinsam mit seiner Ehefrau Andrea Riest wird der touristische und gastronomische Betrieb weiterentwickelt. Zum 1. Januar 2024 gingen auch die landwirtschaftlichen Flächen in das Eigentum bzw. die Verantwortung von Jan-Uwe Riest über.[5]

Heutige Nutzung

Landwirtschaft

Die landwirtschaftlichen Flächen werden ökologisch bewirtschaftet. Der Betrieb ist Mitglied im Anbauverband Biopark.[6]

Beherbergung, Gastronomie und Veranstaltungen

Neben der Landwirtschaft bestehen Angebote in den Bereichen Beherbergung, Gastronomie und Veranstaltungsnutzung. Die historischen Gebäude dienen unter anderem als Landhotel, Gastronomiebetrieb sowie als Ort für kulturelle Veranstaltungen und private Feiern.[7][8]

Auszeichnungen

Gut Boltenhof wurde im Rahmen regionaler Vermarktungs- und Tourismusinitiativen mehrfach ausgezeichnet. Im Jahr 2020 wurde der Betrieb im Zusammenhang mit dem Tourismuspreis Brandenburg in der Berichterstattung zur Corona-Sonderausgabe erwähnt. Im Jahr 2020 gewann Gut Boltenhof den Marketing-Award „Leuchttürme der Tourismuswirtschaft“ des Ostdeutschen Sparkassenverbandes für das sogenannte „Brandenburg-Zimmer“.[9]

Commons: Gut Boltenhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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