Landkreis Oberhavel

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Der Landkreis Oberhavel ist ein Landkreis im Norden des Landes Brandenburg. Die Kreisstadt ist Oranienburg.

Schnelle Fakten Wappen, Deutschlandkarte ...
Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Koordinaten: 52° 55′ N, 13° 13′ O
Bundesland:Brandenburg
Verwaltungssitz: Oranienburg
Fläche: 1.808,18 km²
Einwohner: 217.690 (31. Dez. 2024)[1]
Bevölkerungsdichte: 120 Einwohner je km²
Kfz-Kennzeichen: OHV
Kreisschlüssel: 12 0 65
Kreisgliederung: 19 Gemeinden
Adresse der
Kreisverwaltung:
Adolf-Dechert-Straße 1
16515 Oranienburg
Website: www.oberhavel.de
Landrat: Alexander Tönnies (SPD)
Lage des Landkreises Oberhavel in Brandenburg
KarteFreistaat SachsenFreistaat Thüringen
Karte
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Geographie

Der Landkreis Oberhavel erstreckt sich als Sektoralkreis von der Südgrenze des Landes Mecklenburg-Vorpommern bis an die Nordgrenze des Landes Berlin. Der obere Flusslauf der Havel ist namensgebend und durchfließt den Landkreis von Norden nach Süden. Mehr als 50 % der Fläche des Landkreises sind Landschafts- oder Naturschutzgebiete.

Der Norden des Landkreises wird durch den Naturraum des Neustrelitzer Kleinseenlandes eingenommen. Dort liegen die beiden größten Seen des Landkreises: der Große Stechlinsee (4,1 km²) im Rheinsberger Seengebiet und der Stolpsee (3,7 km²) am Rand der Himmelpforter Heide. Südlich schließt sich die ackergeprägte Granseer Platte an. Sie umfasst mit dem Großen Wentowsee (2,8 km²) und dem Dreetzsee (1,7 km²) den dritt- und viertgrößten See des Landkreises. Einer der größten Feuchtwaldkomplexe der Granseer Platte ist der Harenzacken.[2]

Der mittlere Teil des Landkreises wird darüber hinaus eingenommen durch die Zehdenick-Spandauer Havelniederung, die Waldlandschaften Rüthnicker Heide und Schorfheide, das Rhinluch mit dem Kremmener Luch und das Eberswalder Tal. Im südlichen Teil des Landkreises erstrecken sich die Hochebene des Gliens mit dem Waldgebiet Krämer, der waldreiche Westbarnim mit dem Herthamoor und das Havelländische Luch.[2]

Der Landkreis hat Anteil an den folgenden historischen Landschaften: im Norden an Mecklenburg (Fürstenberger Werder), im Nordosten und Osten an der Uckermark, im Südosten am Barnim, im Südwesten am Havelland sowie im Westen und Nordwesten am Ruppiner Land. Im mittleren Teil liegt das historische Land Löwenberg.

Nachbarkreise sind im Norden der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte (Mecklenburg-Vorpommern), im Osten die Landkreise Uckermark und Barnim, im Süden das Land Berlin und der Landkreis Havelland sowie im Westen der Landkreis Ostprignitz-Ruppin.

Geschichte

Der Landkreis Oberhavel entstand im Ergebnis der brandenburgischen Kreisreform zum 6. Dezember 1993 durch Zusammenlegung der ehemaligen Landkreise Gransee und Oranienburg.

Der Erste Fall der COVID-19-Pandemie in Brandenburg wurde am 2. März 2020 im Landkreis Oberhavel festgestellt.[3]

Gemeinden

Nach Abschluss der Gemeindegebietsreform im Jahr 1993 umfasst der Landkreis 19 Gemeinden, darunter neun Städte. 14 der Gemeinden sind amtsfrei.

(Einwohner am 31. Dezember 2024)[4]

Amtsfreie Städte

  1. Fürstenberg/Havel (5741)
  2. Hennigsdorf (26.677) – Mittelzentrum
  3. Hohen Neuendorf (26.857)
  4. Kremmen (7535)
  5. Liebenwalde (4413)
  6. Oranienburg (49.122) – Mittelzentrum
  7. Velten (12.727)
  8. Zehdenick (13.040) – Mittelzentrum (mit Gransee)

Weitere amtsfreie Gemeinden

  1. Birkenwerder (7935)
  2. Glienicke/Nordbahn (12.159)
  3. Leegebruch (6732)
  4. Löwenberger Land (8508)
  5. Mühlenbecker Land (15.177)
  6. Oberkrämer (12.145)

Amtsangehörige Gemeinden
(Sitz der Amtsverwaltung *)

  1. Gransee, Stadt * (5868) – Mittelzentrum (mit Zehdenick)
  2. Großwoltersdorf (712)
  3. Schönermark (406)
  4. Sonnenberg (813)
  5. Stechlin (1123)
Sonnenberg

Bevölkerungsentwicklung

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Jahr Einwohner
1993166.214
1995170.505
2000192.123
2005200.184
2010203.124
2015207.524
Jahr Einwohner
2020214.234
2021215.795
2022216.849
2023217.290
2024217.690
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Gebietsstand und Einwohnerzahl am 31. Dezember des jeweiligen Jahres[5][6][7], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik

Kreistag

Die 56 Sitze im Kreistag verteilen sich seit der Wahl am 9. Juni 2024 wie folgt auf Parteien und Wählergruppen:[8]

Wahl des Kreistags Oberhavel 2024
Wahlbeteiligung: 67,0 % (2019: 60,3 %)
 %
30
20
10
0
25,3 %
20,6 %
17,0 %
7,8 %
6,5 %
5,9 %
4,3 %
2,9 %
2,0 %
7,6 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2019
 %p
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  −2
  −4
  −6
+10,5 %p
+1,7 %p
−0,9 %p
−5,0 %p
−5,8 %p
−0,6 %p
−0,9 %p
+1,7 %p
+0,4 %p
−1,1 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
i Landwirtschaft, Gartenbau, Umwelt
Sitzverteilung im Kreistag Oberhavel seit 2024
             
Insgesamt 56 Sitze
Weitere Informationen Partei / Gruppierung, Stimmen 2019 ...
Partei / Gruppierung Stimmen
2019
Stimmen
2024
Sitze
2019
Sitze
2024
AfD14,8 %25,3 %814
CDU18,9 %20,6 %1112
SPD17,9 %17,0 %1010
Bündnis 90/Die Grünen12,8 %7,8 %74
Die Linke12,3 %6,5 %74
BVB/Freie Wähler6,5 %5,9 %44
FDP5,2 %4,3 %32
Tierschutzpartei1,2 %2,9 %12
Landwirtschaft, Gartenbau, Umwelt1,6 %2,0 %11
Bürger für Oberkrämer2,3 %1,8 %11
Piraten1,5 %1,6 %11
Einzelbewerber Michael Gerlach1,2 %1
Pro Velten1,4 %1,0 %11
Die Unabhängigen Bürger0,5 %0,7 %
Bündnis Frieden, Vernunft und Gerechtigkeit0,7 %
Die PARTEI0,6 %
Die Heimat (2019: NPD)0,9 %1
BürgerBündnis freier Wähler0,9 %
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Landrat und Dezernenten

Von 1994 bis 2014 war Karl-Heinz Schröter (SPD) Landrat des Landkreises Oberhavel. Wegen seiner Berufung zum Innenminister des Landes Brandenburg war 2015 eine Neuwahl erforderlich.

Ludger Weskamp (SPD) erreichte in der Landratsstichwahl am 8. März 2015 60,1 % der gültigen Stimmen[9] Allerdings verfehlte er durch die geringe Wahlbeteiligung von 20,7 % das erforderliche Quorum von 15 % der Wahlberechtigten. Infolgedessen hatte der Kreistag zu entscheiden. Er wählte Weskamp am 27. Mai 2015 zum Landrat.[10] Er trat sein Amt am 12. Juni 2015 an. Weskamp schied zum 31. Dezember 2021 vorzeitig als Landrat aus, nachdem er am 13. Juli 2021 zum Präsidenten des Ostdeutschen Sparkassenverbandes gewählt worden war.

Bei der Stichwahl eines neuen Landrates am 12. Dezember 2021 wurde das erforderliche Quorum mit einer Wahlbeteiligung von 21,7 % verfehlt[11], sodass der Kreistag nach einer öffentlichen Stellenausschreibung am 6. April 2022 Alexander Tönnies (SPD) durch Briefwahl entsprechend § 72 Abs. 3 des Brandenburgischen Kommunalwahlgesetzes für eine Amtszeit von acht Jahren zum neuen Landrat wählte. Er trat am 27. April 2022 sein Amt an.[12]

Die Kreisverwaltung Oberhavel gliedert sich wie folgt (Stand: 2024):[13]

Weitere Informationen Vorschlag, Name ...
Vorschlag Name Funktion Aufgabenbereich
SPD Alexander Tönnies Landrat
CDU[14] Egmont Hamelow Dezernent und stellvertretender Landrat Dezernat I – Bauen, Wirtschaft und Umwelt
Holger Mittelstädt Dezernent Dezernat II – Bildung, Kultur und Sport
Tobias Berger Dezernent Dezernat III – Arbeit und Soziales
Katja Hermann Dezernentin Dezernat IV – Service, Mobilität und Sicherheit
Nancy Klatt Dezernentin Dezernat V – Jugend, Gesundheit und Verbraucherschutz
Matthias Kahl Dezernent Dezernat VI – Finanzen und IT
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Wappen

Das Wappen wurde am 18. Mai 1994 genehmigt. Blasonierung: „Geteilt von Silber über Grün; oben goldbewehrte und rotgezungte rote Adler, die Flügel mit goldenen Kleestengeln belegt; unten zwei versetzt nebeneinander fliegende rotbewehrte silberne Schwäne.“[15]

Partnerkreise

Der Landkreis Oberhavel unterhält Partnerschaften[16] mit folgenden Landkreisen:

Außerdem werden freundschaftliche Beziehungen[16] unterhalten mit:

Wirtschaft und Infrastruktur

Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Oberhavel Platz 302 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „ausgeglichenem Chancen-Risiko Mix“ für die Zukunft.[17] Im Zukunftsatlas 2019 wird der Landkreis auf Rang 283 gelistet.[18] Im Jahr 2022 auf Platz 226.[19]

Unternehmen

Felder bei Neuholland

Der Schwerpunkt der Industrie im Landkreis Oberhavel liegt im Süden des Kreises, im engeren Verflechtungsraum mit Berlin. Hierzu gehören neben dem Dienstleistungssektor insbesondere Unternehmen der Verkehrstechnik und Stahlindustrie (vor allem in und um Hennigsdorf) sowie der Chemie- und Pharmaindustrie (in und um Oranienburg). Die Wirtschaftsstandorte Oranienburg, Hennigsdorf und Velten bilden gemeinsam einen von 15 Regionalen Wachstumskernen des Landes Brandenburg.[20]

Der größte industrielle Arbeitgeber des Landkreises ist Alstom Transport Deutschland mit seinem traditionsreichen Schienenfahrzeugwerk in Hennigsdorf, das auf die Entwicklung, Fertigung und Wartung von Regional- und Fernverkehrszügen spezialisiert ist und mehrere tausend Beschäftigte zählt. Das Werk gehört zu den bedeutendsten Standorten der europäischen Bahnindustrie. Ein weiterer zentraler Arbeitgeber ist die ORAFOL Europe GmbH mit Sitz in Oranienburg, einer der weltweit führenden Hersteller von selbstklebenden grafischen Produkten, reflektierenden Materialien und Industrieverklebungen. Am Standort Oranienburg betreibt das Unternehmen zugleich sein zentrales Forschungs-, Entwicklungs- und Logistikzentrum und beschäftigt dort über 1.000 Mitarbeitende. In Velten ist die Rail Service Deutschland GmbH angesiedelt, die Instandhaltungs-, Modernisierungs- und Serviceleistungen für Schienenfahrzeuge erbringt und zu den wichtigsten Servicestandorten der Stadler-Gruppe in Deutschland zählt. Ein bedeutender Standort der pharmazeutischen Industrie befindet sich in Oranienburg mit der Takeda GmbH, die dort einen zentralen Produktions- und Entwicklungsstandort für Arzneimittel betreibt. Im Bereich Management-, Technologie- und SAP-Beratung ist die TITECON GmbH mit Sitz in Hohen Neuendorf ansässig. Das Unternehmen zählt zu den führenden spezialisierten Beratungshäusern für SAP Analytics Cloud, Business Intelligence, Unternehmenssteuerung und datengetriebene Transformationsprojekte und betreut Kunden aus Industrie, Handel und Finanzwirtschaft im gesamten deutschsprachigen Raum. Darüber hinaus sind zahlreiche mittelständische Unternehmen aus den Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Metallverarbeitung, Kunststofftechnik, Bauwirtschaft, Energietechnik sowie Logistikdienstleistungen im Landkreis vertreten und tragen wesentlich zur regionalen Wertschöpfung und Beschäftigung bei.

Der gesamte Landkreis ist zudem durch intensive landwirtschaftliche Nutzung geprägt.[21] Darüber hinaus erlangt Oberhavel zunehmend Bedeutung als Naherholungsgebiet für Berlin, wobei insbesondere der Norden des Kreises als naturbelassene Urlaubsregion profiliert ist.[22]

Verkehr

Durch den Landkreis Oberhavel führen die Autobahn A 10 (Berliner Ring) sowie die von ihr abzweigenden Autobahnen A 111 in Richtung Berlin und A 24 in Richtung Hamburg. Zusätzlich verlaufen die Bundesstraßen 96, 96a, 109, 167 und 273 durch den Kreis.

Die wichtigsten Eisenbahnstrecken sind der Berliner Außenring, die Berliner Nordbahn nach Stralsund und die Kremmener Bahn nach Neuruppin. Linien der Berliner S-Bahn verkehren nach Oranienburg und Hennigsdorf. Die kreiseigene Oberhavel Verkehrsgesellschaft ist Betreiber des Busverkehrs im Landkreis. Sie hat ihren Sitz in Oranienburg und betreibt 42 Buslinien (2014). Wichtige Binnenwasserstraßen sind die Havel und der Oder-Havel-Kanal. Neben einer Vielzahl lokaler und regionaler Fahrradwege führen auch der Radfernweg Berlin-Kopenhagen und der Havelradweg durch den Kreis.

Kfz-Kennzeichen

Am 1. Januar 1994 wurde dem Landkreis das Unterscheidungszeichen OHV zugewiesen und seitdem ausgegeben.

Eingliederungen und Zusammenschlüsse von Gemeinden

In der Tabelle sind die Eingliederungen und Zusammenschlüsse von Gemeinden seit der Bildung des Landkreises am 5. Dezember 1993 erfasst.[23]

Weitere Informationen Gemeinde, Datum ...
Gemeinde Datum Eingliederung von nach Zusammenschluss von zu
Fürstenberg/Havel 26.10.2003 Altthymen
Barsdorf
Blumenow
Bredereiche
Himmelpfort
Steinförde
Tornow
Zootzen
Fürstenberg/Havel
Gransee 13.02.1997 Altlüdersdorf
Kraatz-Buberow
Meseberg
Neulögow
Gransee
Gransee 27.09.1998 Seilershof Gransee
Gransee 01.01.2003 Dannenwalde Gransee
Großwoltersdorf 27.09.1998 Großwoltersdorf
Wolfsruh
Zernikow
Großwoltersdorf
Hennigsdorf 01.05.1998 Stolpe-Süd
Hohen Neuendorf 06.12.1993 Bergfelde
Borgsdorf
Hohen Neuendorf
Hohen Neuendorf
Hohen Neuendorf 26.10.2003 Stolpe Hohen Neuendorf
Kremmen 31.12.2001 Beetz
Flatow
Groß-Ziethen
Hohenbruch
Kremmen
Sommerfeld
Staffelde
Kremmen
Liebenwalde 26.10.2003 Kreuzbruch Liebenwalde Freienhagen
Hammer
Liebenthal
Liebenwalde
Neuholland
Liebenwalde
Löwenberger Land 31.12.1997 Falkenthal
Glambeck
Grieben
Großmutz
Grüneberg
Gutengermendorf
Häsen
Löwenberg
Neulöwenberg
Teschendorf
Löwenberger Land
Löwenberger Land 31.12.2001 Neuendorf Löwenberger Land
Löwenberger Land 26.10.2003 Nassenheide Löwenberger Land
Mühlenbecker Land 26.10.2003 Mühlenbeck
Schildow
Schönfließ
Zühlsdorf
Mühlenbecker Land
Oberkrämer 18.05.1998 Eichstädt
Neu-Vehlefanz
Vehlefanz
Oberkrämer
Oberkrämer 31.12.2001 Bärenklau
Bötzow
Marwitz
Oberkrämer
Schwante
Oberkrämer
Oranienburg 26.10.2003 Friedrichsthal
Germendorf
Lehnitz
Malz
Schmachtenhagen
Wensickendorf
Zehlendorf
Oranienburg
Sonnenberg 27.09.1998 Baumgarten
Sonnenberg
Sonnenberg
Sonnenberg 26.10.2003 Rönnebeck
Schulzendorf
Sonnenberg
Stechlin 27.09.1998 Dollgow
Menz
Neuglobsow
Stechlin
Zehdenick 31.12.2001 Bergsdorf
Ribbeck
Vogelsang
Zehdenick
Zehdenick 26.10.2003 Badingen
Burgwall
Kappe
Klein-Mutz
Krewelin
Kurtschlag
Marienthal
Mildenberg
Wesendorf
Zabelsdorf
Zehdenick
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Siehe auch

Commons: Landkreis Oberhavel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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