Bolze Lott

Kölsches Original From Wikipedia, the free encyclopedia

Bolze Lott, eigentlich Scholastika Steinhausen, geborene Bolz, (* 8. Dezember 1825 in Köln; † 3. September 1902 ebenda)[1] war eine Kölner Kääzemöhn (Kerzenverkäuferin), Hausiererin und Schmugglerin. Sie gilt als Kölsches Original.

Biographie

Scholastika Bolz wurde als Tochter des Rheinarbeiters Mathias Bolz und der Margaretha Bolz, geb. Büsdorff, in der Kotsgasse (heute: Breslauer Platz) in der nördlichen Kölner Altstadt geboren. Mit 21 Jahren, am 29. Juli 1846, heiratete sie den „Rhingroller“ (Tagelöhner, der Rheinschiffe be- und entlud) Johann Friedrich Steinhausen. Dieser war ein berüchtigter Schläger, der bald inhaftiert wurde und kurz darauf im Arbeitshaus in Brauweiler starb.[2.1] Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, verdingte sich seine 22-jährige Witwe, et Bolze Lott genannt, als Kääzemöhn, die im Auftrag von Gläubigen für diese Kerzen in Kirchen aufstellte und anzündete. Es sprach sich aber herum, dass sie zwar im Voraus für die Kerzen kassierte, diese jedoch nicht aufstellte, und die Kundschaft blieb aus, zumal sie ihren Ärger darüber mit unflätigen Reden kundtat.[2.1]

Ab 1856 betätigte sich Bolze Lott in der Hafengegend als Schmugglerin, indem sie Waren wie etwa Mehl oder Fleisch unter ihrer Krinoline versteckte, die der im Jahr 1856 eingeführten Mahl- und Schlachtsteuer unterlagen.[3] Später kombinierte sie die Krinoline mit einem „Cul de Paris“ und konnte so noch mehr Waren vor dem Zoll am Körper verbergen. Es heißt, sie sei derart gewandet über die Deutzer Schiffbrücke in Richtung linksrheinisches Köln „gewatschelt“. Wenn Zollbeamte versuchten, sie zu durchsuchen, wurde sie gewalttätig oder schrie „Zeter und Mordio“, sie sei unsittlich berührt worden. Mitunter ließ sie sich kontrollieren, wenn sie nichts schmuggelte, um dann in Geschrei auszubrechen und die Beamten der Lächerlichkeit preiszugeben. Schließlich scheuten sich viele Zöllner, sie überhaupt zu durchsuchen.[2.2]

Nachdem 1874 die Zölle auf Fleisch und Mehl abgeschafft worden waren und sie daher nicht mehr schmuggeln konnte, verlegte sich Bolze Lott auf das Hausieren; von einem Bauchladen aus verkaufte sie vor Kirchen und an Wallfahrtsorten Kerzen, Heiligenbildchen und anderes „Jedöns“ („Zeugs“).

Berüchtigt war et Lott nicht nur für ihre illegalen Aktivitäten, sondern auch für ihr freches, rüdes Mundwerk. Wenn Leute nichts kauften, wurden sie unpassend zu der „heiligen“ Ware von Bolze Lott beschimpft, wie auch die Nachbarn wegen ihrer wüsten Reden Angst vor ihr gehabt haben sollen. Als sie mal im Winter bettelnd vor einer Kirche auf kalten Steinen saß, fragte ein Priester sie: „Hatt Ehr als jet kräge?“ („Habt Ihr schon was bekommen?“). Ihre Antwort: „Eja, en kahl Fott!“ („Ja, einen kalten Hintern!“), was gegenüber einem Geistlichen als besonders unflätig angesehen wurde. Einem anderen Pfarrer, der bei ihr nichts kaufen wollte, rief sie hinterher: „Paafgoot — Raafgoot, Düvel, halt der Sack op!“ („Pfaffengut ist Raffgut, Teufel, halt den Sack auf!“)[4][2.3] Es ist überliefert, dass ein Zebingemann zu ihr gesagt haben soll, nachdem sie ihn beleidigt hatte: „Lott, ich krigge alles gefleck, nur Ding Schnüß, da kann ich och nix maache.“ („Lott, ich kriege alles geflickt, nur Dein Mundwerk, da kann auch ich nichts machen.“)[2.4]

Scholastika Steinhausen starb am 3. September 1902 im Alter von 76 Jahren in ihrer Wohnung in der Großen Spitzengasse 23 (heute Tel-Aviv-Straße).[1]

Über ihren Tod schrieb der Arzt und Heimatschriftsteller Josef Bayer: „Ob sie bis hart an der Pforte des Todes ihr wüstes Schimpfen fortgesetzt hat oder ob sie, als Freund Hein sie beim Schopfe nahm, zu guter Letzt doch noch Reu und Leid erweckte, ist nicht bekannt, denn man hat sie an dem genannten Tage entseelt im Bett gefunden.“[2.4] Josef Klefisch, Präsident des Kölner Männer-Gesang-Vereins, verewigte sie 1952 in einem Liedtext.[5]

Literatur

Einzelnachweise

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