Boris Sapir
russisch-US-amerikanischer Historiker
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Boris Sapir (geboren 24. Februar 1902 in Łódź, Kongresspolen; gestorben 11. Dezember 1989 in Amsterdam) war ein russisch-US-amerikanischer Historiker.


Leben
Boris Sapir war ein Sohn des Geschäftsmanns Moses Sapir. Er besuchte das Vitanovskii Gymnasium in Łódź. Nach der deutschen Besetzung im Dezember 1914 ging die Familie nach Moskau, wo Sapir das dem Lasarew-Institut für Orientalische Sprachen angegliederte Gymnasium besuchte. Er wurde durch die Ereignisse der Februarrevolution 1917 politisiert. Er schloss sich 1919 den Menschewiki an und wurde im Russischen Bürgerkrieg Mitglied der Roten Armee. Nach dem Sieg über die Weißen wendeten sich die Bolschewiki 1921 gegen die Menschewiki. Sapir war zwischen Februar 1921 und Dezember 1925 die meiste Zeit Gefangener der Bolschewiki und dabei auch im Sonderlager Solowezki inhaftiert. 1926 gelang ihm die Flucht aus der Sowjetunion. Sapir wurde in Deutschland Mitglied der Emigrantenorganisation der Menschewiki (RSDRP), schrieb in ihrer Zeitschrift Sotsialisticheskii Vestnik („Sozialistischer Bote“) und war ihr Vertreter bei Tagungen der Sozialistischen Jugendinternationale.
Sapir studierte Jura und wurde 1932 bei Gustav Radbruch an der Universität Heidelberg promoviert. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 zog er nach Frankreich und später in die Niederlande. Auf seiner Flucht vor den Deutschen gelangte Sapir 1940 nach Kuba. Er forschte dort über die Geschichte der Juden in Kuba.
1944 zog er in die USA. In New York City arbeitete er die nächsten Jahre als Sachbearbeiter beim Joint Distribution Committee. Sapir erhielt die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. 1948 heiratete er die Niederländerin Berti Willikes-MacDonald, sie hatten zwei Kinder. In seinem Ruhestand zog er 1967 in die Niederlande und arbeitete beim Internationaal Instituut voor Sociale Geschiedenis (IISG) in Amsterdam. Er hatte nun Zeit, sich der Erforschung der Geschichte der menschewistischen Partei zu widmen. 1985 wurde er zum Ehrendoktor der Universität Amsterdam ernannt. Im Dezember 1991 wurde Sapir in der Sowjetunion politisch rehabilitiert. Der von ihm erarbeitete Index der in der bis 1965 erschienenen Zeitschrift Sotsialisticheskii Vestnik verwendeten Pseudonyme erschien postum 1992.
Schriften (Auswahl)

- Dostojewsky und Tolstoi über Probleme des Rechts. Tübingen: Mohr, 1932 Heidelberg, Jur. Diss. 1932 (1977)
- The Jewish community of Cuba: settlement and growth. Übersetzung ins Englische Simon Wolin. Vorwort Bernard Dov Weinryb. New York: J.T.S.P. Univ. Press, 1948
- Mitautor: The Mensheviks. From the Revolution of 1917 to the Second World War. Chicago, 1974
- (Hrsg.): Vpered 1873-1877. Materialy iz arkhiva Valeriana Nikolaevicha Smirnova. Dordrecht: Reidel, 1970 (ru)
- Lavrov, gody emigratsii. Arkhivnye materialy v dvukh tomakh. Dordrecht 1974 (ru)
- Notes and Reflections on the History of Menshevism. In: Leopold Henry Haimson (Hrsg.): From the Revolution of 1917 to the Second World War. Chicago: University of Chicago Press, 1975, S. 364–377
- Fedor Il'ich Dan: Pis'ma, 1899–1946. Amsterdam 1985 (ru)
- Iz arkhiva L. O. Dan. Amsterdam 1987 (ru)
Literatur

- Boris Sapir, in: Catherine Epstein: A past renewed : a catalog of German-speaking refugee historians in the United States after 1933. Cambridge: Cambridge University Press, 1993, Anhang, S. 366
- Stephen Corrsin (Hrsg.): Boris Moiseevich Sapir : menshevik and social historian; an introduction to his life, an inventory of his archives at the Bakhmeteff Archive, Columbia University, New York and a bibliography of his publications. Amsterdam: Stichting beheer IISG, 1997
Weblinks
- Literatur von und über Boris Sapir im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Boris Sapir papers, 1898-1992, bei Columbia University
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sapir, Boris |
| ALTERNATIVNAMEN | Sapir, Boris Moiseevich |
| KURZBESCHREIBUNG | russisch-US-amerikanischer Historiker |
| GEBURTSDATUM | 24. Februar 1902 |
| GEBURTSORT | Łódź |
| STERBEDATUM | 11. Dezember 1989 |
| STERBEORT | Amsterdam |