Boston Corbett
amerikanischer Mörder
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Boston Corbett (eigentlich Thomas H. Corbett; * 1832 in London; † unbekannt, nach 1888 verschollen) war ein englischstämmiger US-amerikanischer Soldat der Union im Sezessionskrieg. Bekannt wurde er als Angehöriger der 16ten New York Cavalry, weil er am 26. April 1865 den flüchtigen Schauspieler John Wilkes Booth – den Attentäter auf Präsident Abraham Lincoln auf der Garrett-Farm in Virginia durch einen Schuss schwer verletzte. Booth starb wenige Stunden später.[1]

Leben
Frühe Jahre und Beruf
Corbett wurde 1832 in London geboren und kam als Kind mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten. Vor dem Krieg arbeitete er im Hutmacherhandwerk (Fertigung/Verarbeitung von Filzhüten), was damals ein verbreiteter Beruf war. In späteren Darstellungen wird diskutiert, ob die in diesem Gewerbe damals typische Chemikalienexposition seine psychische Stabilität beeinträchtigt haben könnte. Hierfür gibt es jedoch keine eindeutige Diagnose aus der Zeit, sondern vor allem rückblickende Einordnungen.[2]
Corbett trat als religiös stark geprägte, teils exzentrisch auftretende Persönlichkeit hervor und führte den Vornamen „Boston“ nach eigener Darstellung in Bezug auf seine Zeit in Neuengland.
Sezessionskrieg
Im Amerikanischen Bürgerkrieg diente Corbett in der Unionsarmee, zuletzt als Sergeant in der 16th New York Cavalry.[3] Corbett wurde 1864 gefangen genommen und inhaftiert, bevor er wieder zur Truppe zurückkehrte.
Rolle bei der Verfolgung und dem Tod John Wilkes Booths
Nach dem Attentat auf Lincoln beteiligte sich Corbett an der Fahndung nach dem Attentäter John Wilkes Booth. In den frühen Morgenstunden des 26. April 1865 erreichten Unionssoldaten und Ermittler die Garrett-Farm nahe Port Royal (Virginia), wo Booth und sein Begleiter David Herold in einer Tabakscheune vermutet wurden. Nach längerer Aufforderung zur Aufgabe wurde die Scheune in Brand gesetzt, um Booth herauszutreiben.
Obwohl Booth lebend gefasst werden sollte, schoss Corbett durch einen Spalt in der Scheunenwand und traf Booth in den Hals-/Nackenbereich. Booth wurde aus der brennenden Scheune gebracht und starb kurz darauf. Corbett begründete den Schuss später damit, Booth habe angesetzt auf die Soldaten zu zielen, und er habe eine unmittelbare Gefahr gesehen. Diese Rechtfertigung blieb schon damals umstritten, weil die Festnahme zur Befragung politisch und strafprozessual bedeutsam gewesen wäre.[4] Corbett wurde unmittelbar nach dem Ereignis in der Öffentlichkeit teils als „Lincoln’s Avenger“ (Lincoln’s Rächer) stilisiert und fotografisch dokumentiert.
Spätere Jahre, psychische Krise und Verschwinden
In den Jahrzehnten nach dem Krieg lebte Corbett unstet. Er wird immer wieder mit zunehmenden Konflikten und paranoiden Vorstellungen in Verbindung gebracht. In Kansas erhielt er zeitweise eine Anstellung im Umfeld des Staatskapitols. Nach einem bewaffneten Zwischenfall wurde er 1887 als geisteskrank eingestuft und in eine psychiatrische Einrichtung in Topeka eingewiesen.[5] Am 26. Mai 1888 gelang Corbett die Flucht. Letzte dokumentierte Spur war ein Aufenthalt in Neodesha (Kansas) Anfang Juni 1888. Danach verliert sich seine Spur. Es existieren spätere Vermutungen, er könne Jahre später bei einem Brand in Minnesota ums Leben gekommen sein.[2]
Einordnung
Corbett nimmt in der Erinnerungskultur zur Lincoln-Ermordung eine ambivalente Rolle ein: Einerseits beendete sein Schuss die Flucht Booths, andererseits verhinderte er eine geplante Festnahme und Befragung, die zur Aufklärung möglicher Hintermänner beitragen sollte. Eine spätere Biografik betont zudem den Kontrast zwischen kurzzeitigem Ruhm und seiner späteren sozialen sowie psychischen Desintegration.