Bott (Unternehmen)

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Die Bott GmbH & Co. KG ist eine Firmengruppe, die an drei europäischen Standorten Fahrzeugeinrichtungen, Betriebseinrichtungen, Elektrolaborsysteme und Montage- und Prüfsysteme für den weltweiten Markt entwickelt und produziert. Hauptsitz der Gruppe ist Gaildorf im Landkreis Schwäbisch Hall (Baden-Württemberg).[1]

Schnelle Fakten
Bott GmbH & Co. KG
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Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1930
Sitz Gaildorf, Deutschland Deutschland
Leitung
  • Jan Willem Jongert
  • René Leroux
  • Daniel Köster
Mitarbeiterzahl 1277[1]
Umsatz 220 Mio. Euro[1]
Branche Fahrzeugeinrichtungen, Betriebseinrichtungen, Elektrolaborsysteme, Montage- und Prüfsysteme
Website bott.de
Stand: 31. Dezember 2023
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Geschichte

Gründung und Zweiter Weltkrieg

1930 gründete Wilhelm Bott in einer Mühle bei Gaildorf/Großaltdorf eine mechanische Werkstätte.[2][3] Das Unternehmen fertigte zunächst Dreh- und Präzisionsteile für die Automobilindustrie und belieferte Kunden wie NSU, Magirus, Mercedes-Benz und die Auto-Union. 1940 beschäftigte der Betrieb 70 Mitarbeiter. Die Bott GmbH & Co. KG wurde ab 1941 in die Kriegswirtschaft eingebunden und beschäftigte zeitweise auch Zwangsarbeiter. Von Kriegsschäden blieb das Unternehmen verschont.[2][4]

Zur Betriebsstätte gehört landwirtschaftlicher Besitz.[2] Dieser wurde während und nach dem Zweiten Weltkrieg bewirtschaftet und sicherte das Überleben der Familie und der Mitarbeiter. In der unmittelbaren Nachkriegszeit fertigte die Bott GmbH & Co. KG zunächst aus Flugzeugschrott des nahegelegenen US-Militärflughafens Dinge für den alltäglichen Gebrauch wie beispielsweise Geschirr.[5]

Wiederaufbau und Neuausrichtung

Nach und nach wurden die alten Geschäftsverbindungen mit Genehmigung der Besatzungsbehörden wieder hergestellt. Nach der Währungsreform 1948 nutzte Wilhelm Bott den wirtschaftlichen Aufschwung, um die Geschäftstätigkeiten auszuweiten. Schwerpunkt war zunächst die Herstellung von Spinnringen und schmiertechnischen Geräten. Schon bald spezialisierte sich der Betrieb auf Präzisionsteile aus Metall und Baugruppen mit eigenem Werkzeugbau. Parallel dazu wurde eine Härterei mit großer Lackierstraße für die Wärme- und Oberflächenbehandlung aufgebaut.

Werbestreichhölzer für die Bott-Kinos

Als Ziegellieferant für die in Bau befindlichen, aber insolventen Metropol-Kinos in Heilbronn beteiligte sich Wilhelm Bott an deren Versteigerung und erhielt den Zuschlag.[6] Die Kinos baute er zu Filmtheatern mit Niederlassungen in anderen Städten mit zuletzt 18 Kinos aus. Mit diesen Erlösen konnte die Bott GmbH & Co. KG bis 1989 die Liquidität des Unternehmens sichern und in Erweiterungen und den Ausbau der Produktion investieren.

1965 starb Wilhelm Bott überraschend und Schwiegersohn Klaus F. Klingler übernahm daraufhin die Geschäftsführung.[6] 1967 wurde Gerhard Schick zweiter Geschäftsführer und kaufmännischer Leiter. Das Unternehmen fokussierte sich ab 1969 auf die von Wilhelm Bott begonnenen Betriebs- und ab 1981 auch auf Fahrzeugeinrichtungen. In diese Zeit fiel auch die Gründung der ersten Auslandsniederlassung. Diese entstand 1976 in Paris. In den folgenden Jahrzehnten richtete sich die Bott GmbH & Co. KG völlig neu aus: Bis 1998 wurden die Filmtheater, die Präzisionsteilefertigung und die Härterei aufgegeben und unrentable Geschäftsbereiche aufgelöst.

Die Bechtle AG

Die Kinos wurden später auch zur Keimzelle für das von Schick mitgegründete Unternehmen Bechtle GmbH, später Bechtle AG.[7] Auf der Suche nach einem Werkzeugverwaltungsprogramm für die Bott GmbH & Co. KG und einem Warenwirtschaftssystem zur Verwaltung des Süßigkeitenverkaufs für die Filmtheater stieß Schick 1983 auf den Maschinenbaustudenten Ralf Klenk vom Technischen Beratungsdienst der Fachhochschule Heilbronn (heute Hochschule Heilbronn). Nach erfolgreicher Einführung der Programme wurde die Bechtle GmbH von Schick und Klenk gegründet, benannt nach einem Mitarbeiter der Kinobetriebe.[8]

Neue Niederlassungen in Europa

1980 beteiligte sich die Bott GmbH & Co. KG am Unternehmen Lockpanel Ltd. in Bude (Großbritannien), das Lochwandsysteme, Werkbänke und Lagerschränke produzierte. Lockpanel wurde anschließend von Bott übernommen und firmiert seitdem als Bott Ltd.[9][3][10] 1984 erfolgte mit der Gründung einer italienischen Vertriebsgesellschaft in Bozen der Einstieg in den südeuropäischen Markt. Ein Jahr später wurde am Standort Gaildorf eine zweite Produktionsstätte eingeweiht, die dritte folgte im Jahr 2000.

Mit dem Zukauf eines Werkes für Produktion und Montage in Tarnazsadány in Ungarn weitete die Bott GmbH & Co. KG 1996 ihre Geschäftstätigkeit in Richtung Mittel- und Osteuropa aus.[11] Wegen der guten Marktlage in Großbritannien errichtete das Unternehmen 1999 in Bude eine zweite Fertigungsstätte sowie ein Einbaucenter für Fahrzeugeinrichtungen in Ashby-de-la-Zouch, die 2001 bzw. 2002 erweitert wurden.[12] 2003 gründete die Bott GmbH & Co. KG in Falkirk eine Niederlassung in Schottland, die 2005 in erweiterte Räume nach Cumbernauld umzog.[13]

2007 baute die Bott GmbH & Co. KG am Stammsitz Gaildorf ein Einbaucenter für Fahrzeugeinrichtungen auf. 2008 entstand am britischen Stammsitz in Bude ein neues Bürogebäude. Das Einbaucenter in Ashby-de-la-Zouch wurde bis 2016 kontinuierlich erweitert. 2013 wurde am Stammsitz in Gaildorf ein Schulungscenter eingeweiht.[14]

Wechsel in der Geschäftsführung

Klaus F. Klingler führte die Geschäfte des Unternehmens bis 2003.[6] Sein Nachfolger wurde Klaus Wüst. In schwieriger wirtschaftlicher Situation übernahmen im Januar 2005 Clive R. Woodward, Leiter der englischen Bott-Niederlassung, und Reinhard Wollermann-Windgasse die Geschäftsleitung der Unternehmensgruppe.[3] 2018 wurde Wollermann-Windgasse durch Jan Willem Jongert ersetzt.[15] 2019 erzielte die Unternehmensgruppe einen Umsatz in Höhe von 138 Millionen Euro.[16] René Leroux stieß 2022 zur Geschäftsführung.[17] 2026 wurde Daniel Köster zum Geschäftsführer und Finanzvorstand ernannt.[18]

Entwicklung in den 2020er-Jahren

Anfang 2021 übernahm die Bott GmbH & Co. KG die Firma Elabo, die Arbeitsplatzsysteme in den Bereichen Elektronik und Elektrotechnik produzierte und vertrieb. Elabo beschäftigt am Standort Crailsheim rund 185 Mitarbeiter.[19] Bei Bott GmbH & Co. KG erfolgte 2021 zudem auf einem 40.000 Quadratmeter großen Grundstück in Gaildorf der Spatenstich für ein neues Einbaucenter, das im Frühjahr 2023 fertiggestellt wurde. Neben einer Fahrzeughalle entstand am neuen Standort eine Außenfläche mit Platz für rund 300 Fahrzeuge. Hinzu kommen Büro- und Arbeitsräume sowie Platz für künftige Erweiterungen.[20][21] Bis zum Jahr 2024 baute die Bott GmbH & Co. KG auch ihren Standort in Ungarn weiter aus. Rund fünf Millionen Euro investierte das Unternehmen, wovon ein Teil in Gebäude für Logistik und Produktion floss und ein Teil in neue Technologien, etwa in der Fertigung.[11][22]

2025 übernahm die Bott GmbH & Co. KG das britische Unternehmen Van Guard Accessories, das Dachträgersysteme sowie Diebstahl- und Sicherheitsschutzsysteme produziert.[23] Im Juli 2025 feierte die Bott GmbH & Co. KG ihr 95-jähriges Bestehen. Ebenfalls gefeiert werden sollte bei diesem Anlass die strategische Neuausrichtung des Unternehmens, die neben dem Ausbau verschiedener Niederlassungen auch eine Neuaufteilung des Produkt- und Serviceangebots einschließt.[24] In diesem Rahmen wurde Elabo Anfang 2026 vollständig in die Marke Bott integriert und in Bott Systems GmbH umbenannt.[25]

Unternehmensstruktur

Bis 2004 war die Bott GmbH & Co. KG ein rein inhabergeführtes Familienunternehmen.[6] Die Gesellschafteranteile gingen nach dem Tod von Wilhelm Bott auf die Töchter über. Die Bott GmbH & Co. KG ist heute nach wie vor überwiegend im Besitz der Familienmitglieder des Gründers. 2009 konnte Reinhard Wollermann-Windgasse Anteile am Unternehmen erwerben und ist seitdem Gesellschafter.[26]

Die Bott Unternehmensgruppe beschäftigt weltweit rund 1277 Mitarbeiter und erzielte 2023 einen Umsatz von rund 220 Millionen Euro.[1] Etwa zwei Drittel des Umsatzes werden im Ausland erwirtschaftet.

Zur Bott-Gruppe gehören unter anderem folgende Tochtergesellschaften:

  • Bott GmbH & Co. KG Gaildorf
  • Bott Ltd., Bude (Großbritannien)
  • Bott Hungaria Kft, Tarnazsadány (Ungarn)
  • Bott France S.A.S., Le Blanc Mesnil (Frankreich)
  • Bott Austria GmbH, Wiener Neudorf (Österreich)
  • Bott Systems GmbH, Crailsheim
  • Bott Srl., Bozen (Italien)
  • Bott Danmark A/S, Fredericia (Dänemark)
  • Bott North America Inc., Clovis, CA (USA)
  • Systainer Systems North America LLC, Lebanon, IN (USA)
  • Van Guard Accessories Ltd., Exeter (UK)

Die Gruppe produziert am Stammsitz in Gaildorf und am Sitz in Crailsheim, seit 1980 in Bude in Großbritannien und seit 1996 in Tarnazsadány in Ungarn.[9] Zur Gruppe gehören neben den drei Produktionsstätten zehn weitere Niederlassungen und Vertriebsgesellschaften. Darüber hinaus unterhält Bott Vertriebsstützpunkte in Glinde bei Hamburg (2013), Leverkusen (2016), Wilnsdorf bei Siegen (2016), Hannover (2018), München (2018), Fredericia in Dänemark (2014), Wiener Neudorf in Österreich (2017), Cumbernauld in Schottland (2003), Bozen in Italien (1984) und Paris in Frankreich (1980) sowie ein Einbaucenter in Ashby-de-la-Zouch in England (1999). Das Unternehmen hat Lizenzpartner und Kooperationen sowie rund 130 Vertriebspartner auf drei Kontinenten.

Produkte

Die Bott GmbH & Co. KG produziert und vertreibt modular kombinierbare Werkbänke, Systemschränke, Schubladenschränke und Lagerschränke für Industrie und Handwerk. Die Produkte lassen sich in vier verschiedene Bereiche unterteilen: Fahrzeugeinrichtungen, Betriebseinrichtungen, Elektrolaborsysteme und Montage- und Prüfsysteme.[25] Das Sortiment der Unternehmensgruppe umfasst sechs Produktmarken mit rund 15.000 Artikeln.

Die Fahrzeugeinrichtungen, wie zum Beispiel die Bott-Vario3-Fahrzeugeinrichtung, bestehen aus Regal- und Schranksystemen mit herausnehmbaren Elementen, dazu gehören etwa Schubladen, Sichtlagerkästen, Servicekoffer, Trageboxen, ebenso auch versenkbare Tischplatten, Sitzbänke oder Werkbänke sowie der Systainer3-Koffer, in dem Werkzeug untergebracht werden kann.[27][28] Hinzu kommen bei Bedarf Installationen für Stromversorgung oder Beleuchtung.[29] Die Ladung wird durch Elemente an den tragenden Bauteilen der Einrichtung und mit einem sogenannten C-Lash-System an zusätzlichen Zurrschienen gesichert. Die Einrichtung ist modular aufgebaut.[27] Die Bott GmbH & Co. KG bietet verschiedene Systeme für Kunden aus unterschiedlichen Branchen und für Fahrzeuge unterschiedlicher Größen.[29][30]

Für Betriebe bietet die Bott GmbH & Co. KG die beiden Einrichtungslinien Cubio und Verso an, die zum Beispiel Schränke, Werkbänke oder Werkzeugwagen einschließen. Die Linien sind miteinander kombinierbar und modular aufgebaut und können durch die Arbeitsplatz- und Ordnungssysteme von Bott ergänzt werden.[31][32] Die Betriebseinrichtungen von der Bott GmbH & Co. KG kommen in verschiedenen Branchen zum Einsatz, wie in Fertigungs- und Montagebetrieben, Feuerwehren, dem Energiesektor oder auch der Luftfahrt- und Automobilindustrie.[31]

Die Bott GmbH & Co. KG bietet außerdem das Arbeitsplatzsystem Avero an. Neben Bedienelementen, Boxen und Werkzeugen umfasst es auch ein digitales Assistenzsystem.[33] Durch ein Baukastensystem können Einzel- oder Mehrplatzsysteme entstehen, ebenso Montage- oder Transportlinien und Bereitstellungswägen.[34] Die Bott GmbH & Co. KG richtet für die Industrie einzelne Montagearbeitsplätze oder ganze Fertigungslinien ein, die über Rollenbahnen miteinander verbunden sind.[35]

Über die Bott Systems GmbH (zuvor Elabo) bietet das Unternehmen auch intelligente und automatisierte Montagetische, Prüfsysteme und Elektroarbeitsplätze sowie dazugehörige Software an.[36][37]

Sponsoring

Die am 19. Dezember 1986 von Johanna Bott gegründete Johanna-und-Wilhelm-Bott-Stiftung fördert herausragende Leistungen in den Abschlussklassen der Realschule und des Gymnasiums in Gaildorf, den Jugendaustausch mit dem Ausland, wissenschaftliche Forschungsvorhaben, die Heimatgeschichte und sponsert Vereine, die gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke verfolgen.[38] Darüber hinaus fördert sie kulturelle, kirchliche, sportliche und schulische Projekte im Rahmen der Stiftungsidee. So ist die Stiftung Hauptsponsor des jährlichen Jugend-Eurocups, einem internationalen U17-Jugendfußball-Hallenturnier, bei dem in jungen Jahren beispielsweise die späteren Fußballweltmeister Philipp Lahm, Thomas Müller, Mats Hummels, Sami Khedira, Bastian Schweinsteiger oder Shkodran Mustafi auftraten.[39]

Die Bott GmbH & Co. KG sponsert zudem Teams im Motorsport.[40] Die britische Tochtergesellschaft ist ebenfalls im Sponsoring aktiv. Bott Ltd. fördert zum Beispiel die körperlich behinderte Dressurreiterin Emily Skerrett[41] und das Projekt Bloodhound SSC.[42]

Literatur

  • Hans König: Mit Fleiß und Ausdauer vom Einmannbetrieb zum Industrieunternehmen. Wilhelm Bott (1900–1965). In: Vergessen? Berühmt? Unsterblich? Menschen aus dem Limpurger Land. Lebensbilder aus fünf Jahrhunderten. Veröffentlichungen zur Ortsgeschichte und Heimatkunde in Württembergisch Franken. Herausgegeben vom Historischen Verein Württembergisch Franken, Band 16, Schwäbisch Hall 1998, S. 24–25.
  • Stiftungen in Heilbronn-Franken. In: Pro-Sonderheft 2007 des pro-Magazins für die Region Heilbronn-Franken, Eppinger Verlag OHG Schwäbisch Hall, S. 74.
  • Hans Buchhofer: Inge und Klaus F. Klingler feiern im kleinen Kreis ihre goldene Hochzeit. In: Haller Tagblatt, 19. März 2015.
  • Umsatzrekord: Gaildorfer Unternehmen erwirtschaftet zwei Drittel der Einnahmen im Ausland. In: Rundschau (Südwest Presse), 29. Januar 2016.
  • Manfred Stockburger: Bodenständiger Frühaufsteher mit Jagdinstinkt. In: Heilbronner Stimme, 12. Dezember 2013.
  • Jerome Umminger: Nicht reden. Anpacken. In: w.news, Wirtschaftsmagazin der Region Heilbronn-Franken, Ausgabe 8, 2011.
  • 10 Jahre Feuerstein in Hof/Leithaberge. In: Baumaschine, Baugerät, Baustelle, Ausgabe 7–8/1999, S. 48–49.
  • 25 Jahre Feuerstein. Neue (Jack)-bott vario Fahrzeugeinrichtung. In: Baublatt. Österreich, November 2010, S. 21–23.
  • 25 Jahre Feuerstein. In: Der österreichische Installateur, 11/2010, S. 18.
  • Walter Döring: Bott und Bechtle. In: Weltmarktführer. Innovationen made in Schwäbisch Hall-Hohenlohe. Mit einem Geleitwort von Peter Altmaier und Nicole Hoffmeister-Kraut, Molino Verlag, Schwäbisch Hall und Sindelfingen 2020, S. 290–295. ISBN 978-3-9820231-5-1.

Einzelnachweise

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