Breitenbach (Adelsgeschlecht)

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Die Herren von Breitenbach, auch Breytenbach, Breydenbach, Breidenbach, Braidenbach, Braidenpach geschrieben, waren eine vogtländisch-sächsisch-thüringische Adels­familie. Die Familie ist trotz ähnlicher Schreibweise nicht verwandt mit den „von Breitenbuch“, mit denen sie oft in der Literatur verwechselt wird. Ferner bestand keine Verwandtschaft zu dem böhmischen Briefadelsgeschlecht Putz von Breitenbach, das sich mitunter von Breitenbach nannte. Die Familie ist auch nicht verwandt mit der Adelsfamilie „von Breidbach“ bzw. „von Breidbach zu Bürresheim“. Ebenfalls ist der preußische Minister Paul von Breitenbach nach aktueller Quellenlage nicht dem Geschlecht zuzuordnen, er wurde erst 1909 in den Adelsstand erhoben.

Wappen derer von Breitenbach
Wappen derer von Breitenbach

Geschichte

Die Familie hatte ihren Stammsitz Breitenbach bei Nossen (1436 erstmalig erwähnt als „Breitenbuche“[1]). Sie wurde erstmals sicher mit Hansen von Breytinbuch auf Krostericz (urkundlich 1372–1390), Richter zu Schleiz erwähnt, der 1387 sein Siegel mit zwei Flügeln und darüber gelegtem Widerhaken gab. Ob Conradus de Breitenbach, der in einer am 1. April 1154 in Naumburg ausgestellten Urkunde des Markgrafen Konrad von Meißen unter den Zeugen genannt wird, zu der Familie zählt, ist bisher noch ungeklärt[2]. Die Quellenlage scheint allerdings nicht eindeutig zu sein und kann ggf. auf eine Verwechslung mit dem Geschlecht „von Breitenbuch“ bzw. „von Breitenbauch“ zurückzuführen sein. Der Dekan des Stiftes Naumburg-Zeitz, Konrad von Breitenbach († 1580) auf Crostwitz, und seine Söhne Johann, bischöflicher Rat und Kämmerer, und Dietrich, werden in Naumburg (Saale) erwähnt. Im Ostchor des Naumburger Domes findet sich das Wappen des „CONRADVS DE BREITTENBACH D. CANTOR“.

Eine lückenlose Ahnenreihe für den Familienzweig „von Breitenbach“ in Meißen/Sachsen beginnt lt. mehrerer Quellen übereinstimmend mit Hans bzw. Johannes od. Johann von Breitenbach (∞ Gutta Schütz von Holzhausen aus einem alten hessischen Adelsgeschlecht) und seinem Sohn Abraham von Breitenbach (∞ Maria von Pflug/Pflugk). Dann folgen in der Ahnenreihe dessen gleichnamiger Sohn Abraham von Breitenbach (∞ Anna von Nischwitz), Jordan von Breitenbach (∞ Magdalena von Crostewitz), der herzoglich-württembergische Rat Hans Jordan von Breitenbach (∞ Magdalena von Trautmannsdorff), von dem der kursächsische Geheimrat Georg von Breitenbach, Herr auf Krostewitz abstammte. Der Sohn von Georg, Caesar von Breitenbach, Herr auf Seegeritz und Plausig, fungierte 1580 als kursächsischer Rat und Oberhofgerichtsassessor in Leipzig. Dessen Sohn war Hans Jobst von Breitenbach († 4. März 1681), wiederum dessen Sohn war Jobst Haubold von Breitenbach (* 24. April 1650, † 21. Januar 1709), Herr auf Schönaich und Berg-Eilenburg und kursächsischer Major, verheiratet am 17. Juni 1682 mit Hedwig Sophie/Sophia von Schönfeld, deren erster gemeinsamer Sohn Johann Ernst von Breitenbach (* 1683, † 1724) war kursächsischer Landkammerrat und Kriegskommissar und deren zweiter Sohn Gottlob Haubold von Breitenbach (* 1684) war Hauptmann im Regiment von Friedrich Wilhelm von Grumbkow und Ursprung eines Familienzweiges in Hinterpommern.

Nach Biedermann[3] ist der Familienzweig aus Meißen/Sachsen direkt eingebunden in das hessisches Uradelsgeschlecht „Breidenbach genannt Breidenstein“, d. h. Johannes von Breitenbach ist ein direkter Nachfahre von Arnold von Breidenbach genannt Breidenstein (∞ Margaretha von Erfurtshausen) aus dem hessischen Zweig und dessen Sohn Gerlach von Breidenbach genannt Breidenstein (∞ mit Margaretha bzw. Johanna Schenck zu Schweinsberg). Auch in anderen Quellen findet man im hessischen Zweig Arnold, Gerlach und letztlich Johannes/Johann/Hans (∞ Gutta Schütz von Holzhausen)[4][5][6] in direkter Ahnenfolge. Ebenso hat der in den vorgenannten Quellen genannte Hans von Breitenbach den oben erwähnten Sohn Abraham (∞ Maria von Pflug/Pflugk). Es ist nach der beschriebenen Quellenlage davon auszugehen, dass der Familienzweig in Meißen/Sachsen seine Wurzeln im hessischen Zweig Breidenbach genannt Breidenstein hat.

Mit Sigmund/Siegmund von Breitenbach (∞ Elisabeth von Maxen) und seinen Kindern Christoph, Haubold und Anna beginnt ein bayerischer Zweig der Adelsfamilie, deren Ursprung in Meißen/Sachsen ist, dann aber bereits 1580 im Mannesstamm erloschen ist.

Mit Gottlob Haubold von Breitenbach findet man einen Zweig in Hinterpommern, ein Sohn von Jobst Haubold von Breitenbach, also ebenfalls mit Ursprung in Meißen/Sachsen, mit Besitz von diversen Gütern im Umfeld von Lauenburg in Hinterpommern. Der Zweig lässt sich bis zum Ende des 20. Jahrhunderts in Hinterpommern nachweisen.

Im Deutschordensstaat ist der Deutschordensritter Hans von Breitenbach (ab 1497, Hauskomtur in Brandenburg/Preußen) sowie die Brüder Berttram, Albrecht/Albert und Johann von Breitenbach (mindestens die beiden letzteren ebenfalls Deutschordensritter bis zum Ende des Deutschordensstaates 1561). Nach aktueller Quellenlage blieb Berttram kinderlos und Albrecht/Albert und Johann hatten je eine Tochter, aber keine männlichen Nachkommen. Die Zuordnung der hier aufgeführten Deutschordensritter zu der Familie „von Breitenbach“ bzw. „Breidenbach genannt Breitenstein“ sind noch ungeklärt.

Besitzungen

Das Geschlecht in Sachsen/Thüringen besaß Güter in Krostewitz (1411, bei Delitzsch), Berg (vor Eilenburg), Eilenfeld, Wedelwitz, Wehlitz, Kötzschwitz, Göhren, Böhlen, Zöschen, Zossen (bei Merseburg), Seegeritz, Schönaich und Ehrenberg (bei Altenburg).

In Hinterpommern besaß der Familienzweig Rittergüter in Groß Boschpol, Klein Bohlschau, Lantow, Chotzlow, Vitrös, Paraschin sowie Anteile an Enzow, Lissow und Thadden[7].

In Bayern besaß der Familienzweig das Schloss Schönberg bei Donaustauf/Regensburg.

In Livland erhielten die Brüder Bertram, Albrecht/Albert und Johann von Breitenbach nach Ende des Deutschordensstaates 1562 vererbbare Lehen im Amt Rujen (80 Bauernhöfe), 1574 erfolgte eine Aufteilung zwischen Johann, der die Ortschaften bei Metzküll erhielt, und Albrecht/Albert, der die Ortschaften bei Arras erhielt)[8].

Persönlichkeiten

  • Johannes von Breitenbach auf Köstritz, geboren in Leipzig, gestorben 1509 ebenda, studierte und promovierte 1465 in Perugia und wurde 1479 als Nachfolger von Johann von Eberhausen[9] Ordinarius der Juristischen Fakultät der Universität Leipzig, Bürgermeister von Leipzig (urkl. 1476–1508), Vertrauter des Herzogs Georg von Sachsen
  • Georg von Breitenbach, Professor zu Leipzig (urkl. 1501–1539), Ordinarius der Juristischen Fakultät der Universität Leipzig, Vertrauter des Herzogs Georg von Sachsen, Kanzler in Brandenburg 1540
  • Wolf von Breitenbach († 1603 in Zwickau), sächsischer Amtshauptmann von Zwickau und Werda, Oberhof-Gerichtsacessor
  • Haubold von Breitenbach († 11. August 1546) aus dem bayerischen Familienzweig, Domherr der Augsburger Kirche
  • Conrad von Breitenbach (lebte um 1564), Doktor und Dekan in Naumburg-Zeitz[10]

Wappen

Sachsen/Thüringen

Die von Breitenbach führen im silbernen Schild einen schwarzen Flug/Flügel, der mit einer roten/goldenen Widerhaken belegt ist. Auf dem Helm ein Paar Schwarz-Silber übereck geteilte Büffelhörner, dazwischen eine rot gekleidete, wachsende (gekrönte) Jungfrau. Die Helmdecken sind Schwarz und Silber.

Hinterpommern

Das Wappen der Familie in Hinterpommern ist nach aktuellem Quellenstand nicht korrekt überliefert, nach Siebmacher ähnelt es vermutlich dem Wappen aus Sachsen/Thüringen[7].

Bayern

Die Bayerischen Braidenbach führen das gleiche Motiv: im silbernen Schild ein schwarzer Flug/Flügel mit rotem Ballen, der mit einer roten/goldenen Widerhaken belegt ist. Auf dem Helm zwei schwarze Büffelhörner mit silbernem Balken, dazwischen eine rot gekleidete, wachsende (gekrönte) Jungfrau, die die Hörner in den Händen hält. Die Helmdecken sind Schwarz und Silber.

Hier sind sich die Wappenbücher nicht einig: Tyroff[11] zeigt 1831 und 1838 abweichend davon für die Bayerische Familie Breidenbach ein Wappen, dass analog zum Hessischen Stammwappen (geviertelt, mit Wolf) ist, ebenso werden bei Siebmacher für 1856 beide Hessischen Wappen (mit Wolf) für die Familie Breidenbach als Edelleute im Bayerischen Adel aufgeführt[12], während für 1612 und 1769 bei Siebmacher noch das zuerst beschriebene Wappen (mit rot gekleideter Jungfrau) für Braidenpach in Bayern aufgelistet ist.

Livland/Deutschordensstaat

Bei dem Familienzweig Breitenbach in Livland ähnelt das Wappen sehr dem Wappen aus Sachsen, allerdings trägt die rot gekleidete Jungfrau keine Krone[8].

Hessen

Das Wappen der hessischen Breidenbach genannt Breidenstein zeigt in Gold ein rotes doppeltes Wolfseisen oder Maueranker, später schwarzes Mühleisen. Stammvater des Zweiges Breidenbach genannt Breidenstein ist Gerlach „der Ältere“ (* 27. Mai 1386, † 5. Juni 1436) und der erste, der den Namenszusatz „genannt Breidenstein“ trägt. Das Stammwappen der hessischen Breidenbach zeigt einen Maueranker (es wurde im 15. Jahrhundert geviertelt und durch das „Z“ (Widerhaken) mit 3 Kleeblättern der Adelsfamilie Diedenshausen ergänzt). Typisch bei den Wappen aus Hessen ist ein Wolf, der nach links schaut und zwischen zwei Flügeln sitzt.

Literatur

Einzelnachweise

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