Bremswiderstand (Bergsport)

Sicherungsmethode im Sportklettern From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Bremswiderstand im Sportklettern ist eine Methode, im Verlauf eines Sicherungsseils zusätzlich zum Sicherungsgerät oder der Seilbremse in Höhe des ersten Bohrhakens der Zwischensicherungen absichtlich die Seilreibung zu erhöhen. Dadurch wird im Fall eines Sturzes des Vorsteigers ein weiterer Teil der Fangstoßkraft durch Reibung aufgenommen, und die beim Sicherungspartner ankommende Sturzzugkraft verringert sich. Insbesondere ein Sicherungspartner, der leichter ist als der Kletterer, wird bei der Körpersicherung weniger heftig nach oben beschleunigt. Auch die hinter dem Sicherungsgerät aufzubringende Handhaltekraft wird geringer.

Die zusätzliche Bremswirkung kann durch eine spezielle Einhängemethode – den Reibungsclip – oder durch ein mechanisches Gerät erzielt werden.

Somit können die sicherungstechnischen Folgen einer größeren Gewichtsdifferenz in einer Seilschaft ausgeglichen werden.[1]

Die Reibungserhöhung wirkt auch beim Ablassen des Kletterers und ist daher auch beim Toprope-Sichern hilfreich.

Methoden und Geräte

Reibungsclip

Reibungsclip

Die Methode des Reibungsclips kommt ohne zusätzliche Geräte aus. Hierbei wird das Seil zunächst in die erste Zwischensicherung der Nachbarroute einhängt, dann in gleicher Höhe in die erste Zwischensicherung der zu kletternden Route. So entstehen zwei zusätzliche Umlenkungen des Seiles von jeweils nahezu 90 Grad.[2] Diese erhöhen die Reibung entsprechend der Euler-Eytelwein-Formel exponentiell. Der Kletternde kann bis zu 35 % schwerer sein, als der Sichernde, wenn mit dieser Methode gesichert wird.

Der Reibungswiderstand beim Hochziehen des Seiles durch den Vorsteiger wird ein wenig erhöht.

Für geringere Gewichtsunterschiede bis 25 % kann statt der ersten die 2. Zwischensicherung der zu kletternden Route geclipt werden. Vorteil dieser Variante ist der noch geringere Reibungswiderstand beim Hochziehen des Seiles.

Geräte mit dynamischer Bremswirkung

Dynamischer Bremswiderstand Edelrid „Ohm“ (geöffnet)

Geräte mit dynamischer Bremswirkung erhöhen die Reibung situationsabhängig. Beim Klettern verbleibt das Gerät in einer deaktivierten Ausgangsposition, die beim Clippen des Seils nicht stört. Erst im Sturzfall aktiviert das Gerät und stellt unterstützende Bremswirkung zur Verfügung, um den Gewichtsunterschied zu kompensieren. Generell lassen sich die Geräte je nach Funktionsweise in zwei Kategorien einteilen: Geräte mit Klemmwirkung und Geräte mit Seilumlenkung[3]. Zusätzlich gibt es Hybridgeräte, welche sowohl auf Umlenkung als auch Seilklemmung basieren.

Geräte mit Klemmvorrichtung

Bremsassistenten mit Klemmwirkung verfügen über einen Mechanismus, der das Seil im aktivierten Zustand so abklemmt, dass Reibung erzeugt wird, welche das Seil bremst.[4]

Ein Vertreter dieses Bremsprinzips ist der Bremswiderstand „Ohm“ der Firma Edelrid. Der Produktname wurde in Anlehnung an die Einheit Ohm des elektrischen Widerstands gewählt. Es verfügt über eine winkelabhängige Klemmvorrichtung. Solange es, bedingt durch sein Eigengewicht, im Ruhezustand nach unten hängt, kann das Seil bei langsamem Zug fast ungehindert passieren. Eine schnelle Seilbewegung nach oben reißt das Gerät jedoch mit, die Klemmvorrichtung beginnt zu greifen und verstärkt den Mitreißeffekt. In der oberen Stellung bremst nun die Klemmvorrichtung den Sturzzug und leitet so eine Teilkraft in die Zwischensicherung ein.[5] Die Firma Edelrid hat 2025 ein verbessertes Gerät, den OHMEGA als Nachfolger des OHM auf den Markt gebracht.[6]

Ein weiterer Vertreter mit Klemmvorrichtung ist das "Assist" der Bergsportfirma Mammut.[7] Es verfügt über eine Klemmvorrichtung, welche das Seil gleichzeitig mehrfach umlenkt.

Geräte mit Seilumlenkung

Bremsassistenten mit Seilumlenkung verfügen über einen Mechanismus, der das Seil im aktivierten Zustand so umlenkt, dass Reibung erzeugt wird, welche das Seil bremst. Die Bremswirkung entsteht durch die Reibung an mehrfachen kleinen Umlenkungen des Seiles um runde Metallnocken, wiederum entsprechend der Euler-Eytelwein-Formel.[8]

Ein Vertreter dieses Funktionsprinzips ist das "ZAED" der Firma raed sports. Das Gerät verfügt über einen Kugelsperrbolzen, der in 3 verschiedenen Positionen eingesetzt werden kann. Dadurch lässt sich der Umschlingungswinkel des Seils um die Umlenknocken im aktivierten Zustand variieren, wodurch der sowohl bei geringen als auch großen Gewichtsunterschieden zwischen Kletterer und Sicherungspartner genutzt werden kann.[9]

Ein anderer Vertreter dieses Bremsprinzips ist die „Seilbremse Bauer“ der Firma BauerAndMore. Der Umschlingungswinkel um die Metallnocken ist jedoch nicht konstant wie beim Reibungsclip, sondern wird geregelt.[10]

Hybridgeräte mit Klemmvorrichtung und Seilumlenkung

Transparent version of a Hybrid Brake Assistant for climbing

Ein Vertreter des hybriden Funktionsprinzips ist das Gerät "ZAED pro". Es verfügt sowohl über eine Seilumlenkung, welche bei Stürzen ab dem zweiten Haken aktiviert wird als auch über eine Klemmvorrichtung, welche bei Stürzen in den ersten Haken aktiviert wird[11].

Einzelnachweise

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