Brilliner

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Die Brilliner waren ein Straßenbahn-Typ, der in den 1930er Jahren von der J. G. Brill Company in den Vereinigten Staaten entwickelt wurde. Die vierachsigen Großraumwagen ähnelten stark den nahezu zeitgleich entstandenen PCC-Wagen.

Ein Brilliner in Atlantic City in den 1950er Jahren, die Lackierung wurde von Raymond Loewy entworfen

Geschichte

Im Einsatz in Philadelphia

Die J. G. Brill Company war ursprünglich Mitglied des Electric Railway Presidents’ Conference Committee (ERPCC), das Anfang der 1930er Jahre die Entwicklung des PCC-Wagens einleitete. Brill war eines der drei Straßenbahnunternehmen, die dem ERPCC angehörten, und zählte in dieser Zeit zu den größten Straßenbahnherstellern weltweit.

Da das Unternehmen mit der Entwicklung innerhalb des ERPCC unzufrieden war, begann Brill unabhängig mit der Konstruktion einer eigenen modernen Straßenbahn unter Verwendung nicht patentierter PCC-Elemente. Das Ergebnis waren die zehn Brilliner für Washington, D.C., die 1935 ausgeliefert wurden.

Die Fahrzeuge besaßen ein schlichtes, stromlinienförmiges Design, das dem des PCC ähnelte. Sie verwendete zudem einen kastenförmigen Grundriss und einen genieteten Stahl-Wagenkasten. Aufgrund des kastenförmigen Grundrisses konnten die Brilliner die engen Kurvenradien nicht befahren, die von der Philadelphia Transportation Company (PTC), dem Hauptkunden des Unternehmens, gefordert wurden.[1]

Der Brilliner war das letzte Straßenbahnmodell des Unternehmens vor der Fusion mit der American Car and Foundry (ACF). Zehn Wagen wurden an die Red Arrow Lines geliefert – dies waren die einzigen Zweirichtungsfahrzeuge, während alle anderen Einrichtungsfahrzeuge waren. 24 Triebwagen gingen an Atlantic City, drei Wagen wurden an die PTC verkauft, und je ein Wagen an Cincinnati und Baltimore.[2]

Der Brilliner wurde nie in größeren Stückzahlen gebaut, da die Konkurrenzunternehmen St. Louis Car Company und Pullman-Standard mit dem PCC ein technisch überlegenes Produkt auf den Markt brachten. Hinsichtlich des geringen Gewichts und der Antriebskonstruktion galten die Brilliner als gut durchdacht, jedoch wiesen ihre Drehgestelle strukturelle Schwächen auf. Zeitgenössische Beobachter vermuteten, Brill hätte diese Probleme beheben können, wenn genügend Fahrzeuge verkauft worden wären – ein Umstand, der den PCC-Herstellern gelang, obwohl auch ihre Wagen anfangs Kinderkrankheiten zeigten.

Einsatz

Brilliner in Cincinnati

In den Vereinigten Staaten wurden Brilliner an mehrere Verkehrsbetriebe geliefert:

  • Atlantic City: 25 Wagen (6891, 6902–6925; später 201–225). Der berühmte Industriegestalter Raymond Loewy, der die Lackierungen der PCC-Wagen in Cleveland und die ikonischen Elektrolokomotiven der PRR-Klasse GG1 der Pennsylvania Railroad entwarf, gestaltete das Erscheinungsbild dieser Fahrzeuge, die als „Miss America Fleet“ bekannt wurden.
  • Baltimore: 1 Wagen (Nr. 7501), ausgemustert 1956.
  • Chicago: 1 Wagen (Nr. 7001).
  • Cincinnati: 1 Wagen (Nr. 1200, später 1128).
  • Philadelphia:
    • Philadelphia Transportation Company: 3 Wagen (Nr. 2021–2023), ausgemustert 1965.
    • Philadelphia Suburban Transportation Company: 10 Wagen (Nr. 1–10).
  • San Francisco: 2 Wagen aus der ersten Serie der sogenannten Magic Carpets (Nr. 1000–1005).
  • Washington, D.C.: 10 Wagen (Nr. 1001–1010).

Ende der 1940er Jahre testete die Brüsseler Straßenbahn Brilliner-Drehgestelle unter dem Triebwagen Nr. 5018, der als Versuchswagen für die später beschafften PCC-Wagen diente.

Erinnerungskultur

Ein Straßenbahnwagen, Red Arrow Lines 5, befindet sich heute in der Sammlung des Pennsylvania Trolley Museum.[3]

Literatur

Commons: Brilliner – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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