Brodsky Synagoge (Odessa)

Synagoge in der Ukraine From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Brodsky Synagoge (ukrainisch Бродська синагога Brodska synagoga) in Odessa, das damals im Ansiedlungsrayon lag, wurde in den Jahren von 1863 bis 1868 von jüdischen Einwanderern aus dem galizischen Brody erbaut. Sie gehörte zu den ersten Choral-Synagogen im russischen Kaiserreich und war die damals größte Synagoge in der südlichen Ukraine.[1]

Brodsky-Synagoge
Brodsky-Synagoge in Odessa vor 1906

Geschichte

Die Ursprünge der Brodsky-Gemeinde sind umstritten, ihre Gründung erfolgte aber spätestens im Jahr 1841. Sie befand sich zunächst in gemieteten Räumlichkeiten und wurde von den reformfreudigeren Juden geprägt, die zum größeren Teil aus Österreich stammten, zu der aber auch russische Einwanderer gehörten. Es gibt zudem Hinweise auf eine um 1820 bestehende Vorgänger-Gemeinde. Im Jahr 1842 wurde der Antrag gestellt, die bis dahin „Gebetshaus Nr. 1“ genannte Einrichtung als „Synagoge“ zu bezeichnen, welcher aber abgelehnt wurde. Die Gemeinde bestand aus Mitgliedern aller Gesellschaftsschichten, wurde aber von Kaufleuten dominiert, die erst mit der Zeit sesshaft wurden. Die Etablierung in der Stadt fiel ihr daher lange Zeit schwer, zumal die Mitglieder der Hauptsynagoge Odessas ihnen skeptisch gegenüberstanden. Im Jahr 1844 wird die Gemeinde als „Privatsynagoge, von der Elite der Gemeinde unterhalten“ erwähnt.[2] 1847 erfolgte der Umzug in ein größeres Haus, das sich am heutigen Standort befand. Bereits in diesem soll eine Orgel bestanden haben.[3]

Im Jahr 1859 war sie aber auf 300 Gemeindemitglieder angewachsen. Dennoch scheiterten Versuche, die Gemeinde mit der Hauptsynagoge zu vereinen, weshalb man sich zum Bau der eigenen Synagoge entschloss.[4] Als Architekt des heutigen Bauwerks gilt Osip Kolowitsch, der im Auftrag der Vorstandsmitglieder der Jüdischen Gebetsschule Nr. 1 die Synagoge entwarf. Im Jahr 1909 wurde eine Orgel eingebaut, woraufhin einige Gemeindemitglieder aus Protest in andere Synagogen wechselten. Besucht wurde die Synagoge unter anderem von Isaak Babel, Mendele Moicher Sforim, Scholem Alejchem, Wladimir Zeev Jabotinsky, Fjodor Iwanowitsch Schaljapin und Chaim Nachman Bialik, weshalb sie auch in mehreren literarischen Werken auftaucht.[5]

Nach der Eingliederung Odessas in die Sowjetunion wurde die Synagoge 1925 profaniert und kam an den jüdischen Rosa-Luxemburg-Arbeiterklub. 1929 ging sie an den jüdischen Klub der Schuhfabrik über. 1944 überführten die rumänischen Besatzer das Archiv der Region Odessa in die Synagoge. Die Sowjetunion behielt diese Nutzung bei und baute eine fünfstöckige Struktur in das Bauwerk ein. Das Gebäude verfiel allerdings zunehmend und gilt seit längerer Zeit als einsturzgefährdet. Die Übergabe an eine jüdische Gemeinde scheiterte lange Zeit vor allem an den Kosten der Sanierung.[6][7][5][8]

Im Jahr 2016 wurde sie an die jüdische Gemeinde zurückgegeben und sollte nach der Renovierung das Odessaer jüdische Museum und Toleranzzentrum beherbergen. Übernommen wurde das Gebäude durch eine Chabad-Gemeinde.[9][10]

Architektur

Die Synagoge wurde im neugotisch-florentinischen Stil errichtet. Vier Türme mit Kuppeln und kleinen Türmchen befinden sich an den Ecken. Sie steht als „Denkmal von lokaler Bedeutung“ unter Denkmalschutz.[10]

Das ursprüngliche Innere ist nur von zwei Bildern bekannt. Der niedrige, hölzerne Toraschrein erstreckte sich über die ganze Wandfläche. Davor befand sich die Bima, die bisher in den Synagogen in der Mitte des Raums stand, sowie genügend Platz für den Kantor und den Chor. Im Jahr 1909 wurden Umbauten durchgeführt, um Platz für eine Orgel zu schaffen. Dies war vermutlich die erste Orgel in einer Synagoge in Osteuropa.[11][7]

Siehe auch

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI