Bund der Pfadfinder*innen

größter interkonfessioneller Verband für Pfadfinder*innen in Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Bund der Pfadfinder*innen e.V. (BdP; bis 2025 Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder) ist der größte interkonfessionelle Bund für Pfadfinder in Deutschland und erreicht mit seiner Arbeit etwa 30.000 Kinder und Jugendliche[1].

Gründung1976
Zweckinterkonfessioneller Pfadfinderbund
Schnelle Fakten Bund der Pfadfinder*innen (BdP), Rechtsform ...
Bund der Pfadfinder*innen
(BdP)
Logo
Rechtsform eingetragener Verein
Gründung 1976
Sitz Immenhausen
Zweck interkonfessioneller Pfadfinderbund
Vorsitz Lukas Schmuck
Marina Pyko
Wanda Rosmus
Alexander Schmidt
Sonja Coulin
Philip Taubmann
Mitglieder 14.926 (2025)
Website www.pfadfinden.de
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Geschichte

Der Bund der Pfadfinder e. V. entstand 1971 aus einer Arbeitsgemeinschaft innerhalb des Bundes Deutscher Pfadfinder (BDP). Anlass war eine knapp verlorene Vorstandswahl innerhalb des BDP. Der neu gegründete Jugendverband verstand sich zunächst als ein „Bund im Bund“[2], entwickelte sich jedoch in den folgenden Jahren zu einem organisatorisch und inhaltlich eigenständigen Bund, der später den Namen Bund der Pfadfinder (BdP) annahm.

Hintergrund der Abspaltung waren grundlegende und als unüberbrückbar empfundene Differenzen über die zunehmende Politisierung des BDP. Diese wurde von Teilen der Mitgliedschaft als sozialistische Unterwanderung wahrgenommen. Der Weltverband der Pfadfinderbewegung WOSM hatte in diesem Zusammenhang signalisiert, einen solchen Verstoß gegen den Grundsatz der politischen Neutralität der internationalen Pfadfinderbewegung nicht länger zu tolerieren.

Infolge dieser Entwicklungen löste sich im Mai 1971 der Ring deutscher Pfadfinderbünde auf. Um die Voraussetzungen für eine weiterhin mögliche Mitgliedschaft deutscher Pfadfinderverbände im Weltverband der Pfadfinderbewegung zu schaffen, wurde der Dachverband am 1. Januar 1973 als Ring deutscher Pfadfinderverbände neu gegründet. Beteiligt waren die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg, der vom BDP abgespaltene Bund der Pfadfinder (BdP) sowie der durch den Zusammenschluss der evangelischen Pfadfinderinnen- und Pfadfinderverbände entstandene Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP). Dieser Schritt war notwendig, da für einen Ausschluss des BDP aus der internationalen Pfadfinderbewegung die erforderliche Einstimmigkeit der beteiligten Verbände zuvor nicht erreicht worden war.

Im Jahr 1976 fusionierten der Bund der Pfadfinder (BdP) und der Bund Deutscher Pfadfinderinnen (BDP) zum Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP).

Im Jahr 2025 änderte der Pfadfinderbund seinen Namen in Bund der Pfadfinder*innen.[3]

Im Jahr 2026 begeht der Bund sein 50-jähriges Bestehen.

Profil

Abzeichen der Ranger- und Roverstufe des BdP

Der Bund der Pfadfinder*innen e. V. (BdP) ist eine unabhängige und gemeinnützige Organisation, die auf den Grundsätzen der weltweiten Pfadfinderbewegung (Pfadfinderversprechen, Pfadfinderregeln, fortschreitende Programme) sowie der bündischen Jugend basiert. Der BdP bietet Kindern und Jugendlichen ein breites Spektrum an Aktivitäten, die auf der Idee des „Learning by Doing“ und der Persönlichkeitsentwicklung aufbauen.

Altersstufen

Die Mitglieder des BdP sind in drei Altersgruppen oder „Stufen“ organisiert:

  • Wölflinge: (ca. 7 bis 11 Jahre): Die jüngsten Mitglieder, die spielerisch Gemeinschaft und Natur erleben.
  • Pfadfinderinnen und Pfadfinder: (ca. 11 bis 15 Jahre): Jugendliche, die eigenständig in kleinen Gruppen (Sippen) agieren und Abenteuer auf Fahrten und bei Zeltlagern erleben.
  • Ranger und Rover: (ca. 16 bis 25 Jahre): Junge Erwachsene, die eigenverantwortlich Projekte, Workshops, Wanderungen und internationale Begegnungen organisieren.

Die Treffen der Gruppen finden regelmäßig in Form von Meutenstunden (Wölflinge), Sippenstunden (Pfadfinderinnen und Pfadfinder) und Rundentreffen (Ranger und Rover) statt. Dabei stehen Naturerfahrungen, gemeinschaftliches Handeln und die Förderung individueller Fähigkeiten im Mittelpunkt.[4]

Arbeitsweise und Werte

Der BdP ist parteipolitisch und weltanschaulich unabhängig. Seine Arbeit wird ehrenamtlich geleistet und finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und öffentlichen Zuschüssen. Die koedukative Ausrichtung des BdP zeigt sich auch im Bundeszeichen, das sowohl das Kleeblatt der Pfadfinderinnenbewegung als auch die Lilie der Pfadfinderbewegung kombiniert.

Die Angebote des BdP umfassen: - Abenteuerreisen und internationale Begegnungen, - Förderung von Eigenverantwortung und sozialen Kompetenzen, - Nachhaltige Erlebnisse in der Natur und Umweltbildung.

Mitgliedschaften

Der BdP ist Mitglied im Ring deutscher Pfadfinder*innenverbände (rdp) und damit Teil der internationalen Dachverbände World Association of Girl Guides and Girl Scouts (WAGGGS) und World Organization of the Scout Movement (WOSM). Diese Mitgliedschaften ermöglichen weltweite Kooperationen und den Austausch mit anderen Pfadfinderorganisationen.

Durch diese enge Verknüpfung mit den Weltverbänden trägt der BdP zur internationalen Verständigung und zur Förderung der globalen Pfadfinderbewegung bei.

Struktur

Zelt des Flensburger Stammes des BdP beim Solitüdefest (2014)

Landesverbände

Der BdP ist in verschiedene Landesverbände aufgeteilt, die sich in der Regel an den Grenzen der Bundesländer orientieren.

  • Baden-Württemberg
  • Bayern
  • Berlin/Brandenburg
  • Bremen
  • Hessen
  • Niedersachsen
  • Nordrhein-Westfalen
  • Rheinland-Pfalz/Saar
  • Sachsen
  • Sachsen-Anhalt
  • Schleswig-Holstein/Hamburg (auch Mecklenburg-Vorpommern)
    angeschlossen ist das Dansk Spejderkorps Sydslesvig
  • Thüringen

Die Landesverbände sind in unterschiedlicher Weise in den BdP integriert. Teilweise sind sie nur eine unselbstständige Untergliederung des BdP. In diesem Fall sind sie rechtlich nicht selbständig, der gewählte Landesvorsitzende ist nur Erfüllungsgehilfe des Bundesvorsitzenden. Andere Landesverbände sind eingetragene Vereine. In diesem Fall liegen alle Rechte und Pflichten beim Vorsitzenden des als e.V. eingetragenen Landesverbandes.

Bezirke

Größere Landesverbände sind in Bezirke unterteilt. So ist der LV Niedersachsen in drei Bezirke unterteilt[5]: Harz Heide, Weser-Ems und Mitte, der LV Bayern sogar in vier[6]. Diese werden durch sogenannte Bezirkssprecher im Landesverband repräsentiert. Die Mitgliedschaft einer Ortsgruppe in einem Bezirk ist nicht zwingend notwendig, so gibt es bspw. in Niedersachsen auch einen bezirkslosen Stamm.[5]

Einrichtungen

Zugehöriges Halstuch

Das Bundeszentrum „Zentrum Pfadfinden“ des BdP befindet sich in Immenhausen. Es bietet Übernachtungsplätze in Gruppenhäusern sowie einen großen Zeltplatz mit mehreren Waschhäusern. Unterstützt wird es vom Freundeskreis Immenhausen. Ansässig ist dort auch die Geschäftsstelle des BdP, genannt Bundesamt.[7]

Die einzelnen Landesverbände haben teilweise Bildungszentren bzw. Jugendbildungsstätten.[8][9]

Der BdP hatte bis zum Oktober 2016 mit der Bundeskämmerei einen eigenständigen Ausrüster. Die Aufgabe wurde an ein externes Unternehmen abgegeben.[10]

Zur Unterstützung und Absicherung der Arbeit wurde 1998 die Stiftung Pfadfinden gegründet.[11]

Aufarbeitung sexualisierter Gewalt

Nach eigenen Angaben sei es dem Bund „in seiner Vergangenheit nicht immer gelungen, seine Mitglieder vor sexualisierter Gewalt zu schützen“.[12] Der Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt im Zeitraum 1976 bis 2006 wurde in der Studie Grenzenlose Orte des Instituts für Praxisforschung und Projektberatung untersucht, die am 29. Februar 2024 vorgestellt wurde. Im Rahmen der Studie wurden 103 Betroffene und 36 Beschuldigte innerhalb des Bundes ermittelt.[13] Die Studie zeigt viele Probleme in der Struktur des BdP auf und formuliert konkrete Empfehlungen.[14] Nach Angaben der Forscher ist der BdP der erste Jugendverband, der sich „durch diese wissenschaftlicher Aufarbeitungsstudie seiner Vergangenheit“ stellt.[15]

Literatur

Einzelnachweise

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