Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen

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Die Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen (BAG) ist ein bundesweites Netzwerk kommunaler Frauen- und Gleichstellungsbeauftragter in Deutschland. Es existiert formal seit 1985, als in Kassel die „Arbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros“ gegründet wurde.[1] Träger ist inzwischen der Verein zur Förderung der Frauenpolitik in Deutschland e.V., der 1997 gegründet wurde.[2] Der offizielle Sitz der BAG befindet sich seit 2000 in Berlin.

RechtsformNetzwerk mit eingetragenem Trägerverein
Gründung20. September 1985 in Kassel
SitzBerlin, Deutschland Deutschland
ZweckGeschlechter-Gleichstellung, die durch kommunale Entscheidungen gleichstellungsorientiert umgesetzt wird
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Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen
(BAG)
Rechtsform Netzwerk mit eingetragenem Trägerverein
Gründung 20. September 1985 in Kassel
Sitz Berlin, Deutschland Deutschland
Zweck Geschlechter-Gleichstellung, die durch kommunale Entscheidungen gleichstellungsorientiert umgesetzt wird
Vorsitz 12 gleichberechtigte Bundessprecherinnen
Mitglieder etwa 1900 kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte
Website www.gleichberechtigt.org
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In der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen (BAG) haben sich inzwischen etwa 1900 kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte zusammengeschlossen. Gemeinsam mit anderen bundesweiten Verbänden ist die BAG eine Lobby für mehr Geschlechter-Gleichstellung und setzt sich für gute Rahmenbedingungen vor Ort ein, damit die vielfältigen kommunalen Entscheidungen gleichstellungsorientiert umgesetzt werden.

Geschichte

Die Einrichtung der kommunalen Gleichstellungsstellen ist Ausdruck politischer und gesellschaftlicher Veränderungsprozesse. Die Geschichte der BAG ist Teil der frauenpolitischen Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland in den 1970er- und 1980er-Jahren. 1975 war von den Vereinten Nationen zum „Internationalen Jahr der Frauen“ erklärt worden. In diesem Jahr fand die erste UN-Weltfrauenkonferenz in Mexiko statt. 1980 folgte die 2. Weltfrauenkonferenz in Kopenhagen. In Deutschland gründete 1981 die niedersächsische Landesregierung das Institut „Frau und Gesellschaft“, die Stadtstaaten Hamburg und Bremen errichteten Gleichstellungs-Leitstellen. Kommunalen Frauen- oder Gleichstellungsbeauftragten (FGB) sollten Geschlechtergerechtigkeit und Gleichstellung von Frauen in den Kommunen befördern und als Controllinginstanz wirken.[3] 1982 wurde in der Stadt Köln die bundesweit erste kommunale Frauenbeauftragte ernannt. Viele weitere folgten, standen aber häufig mit ihren Themen und frauenpolitischen Anliegen allein da.[4]

Daraus erwuchs das originäre Interesse, sich bundesweit zu vernetzen. Die Idee war 1984 bei einem Treffen in Gelsenkirchen aufgekommen und wurde im September 1985 in Kassel als „Arbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros“ umgesetzt.[5] Strukturell wurde lediglich ein gleichberechtigtes Sprecherinnengremium geschaffen. Auf der Bundeskonferenz in Dortmund 1986 wurde die Zahl der Sprecherinnen auf neun festgelegt, 1986 auf der Bundeskonferenz in München wurden dann Arbeitskreise geschaffen, die danach feste Strukturen annahmen.

Rita Süssmuth, erste Frauenministerin der Bundesrepublik Deutschland, formulierte 1988, wie notwendig und wichtig eine Kommunikation zwischen Bundes- und Kommunalebene sei, um frauenpolitische Probleme bei der Umsetzung von Bundesgesetzen erörtern zu können.[6]

Ziele und Aktivitäten

Die BAG vertritt die Interessen von Frauen auf Bundesebene und schafft ein bundesweites Forum für frauen- und gleichstellungspolitische Diskussionen, sichert den Austausch und den Informationsfluss zwischen den Gleichstellungs- und Frauenbeauftragten und klärt Fragen des eigenen Berufsstandes. Ziel ist es, gegen die Benachteiligung von Frauen zu agieren.[7] Wichtige Themen sind seit Gründung der BAG u. a. die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen, ungleiche Bezahlung von Frauen im Vergleich zu Männern, Frauenarmut, die Situation von Alleinerziehenden, die Situation von Frauen in ländlichen Räumen, Frauengesundheit, die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit, der Pension-Gap sowie zunehmender Antifeminismus. Die BAG äußert sich im Rahmen von Bundestagswahlen und Kabinettsbildungen auch zu frauenpolitischen Forderungen.[8]

Neben Fachveranstaltungen, Workshops und Fortbildungen veranstaltet die BAG alle 18 Monate einen Bundeskongress zu einem Schwerpunktthema (siehe Abschnitt Bundeskonferenzen). Außerdem hat die BAG in den vergangenen Jahren bundesweite Kampagnen zu gleichstellungspolitischen Themen organisiert, u. a. zu Frauenarmut,[9][10] zu Pflegekräften[11] und Antifeminismus.

Seit 2016 verleiht die Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen alle zwei Jahre den Gender Award – Kommune mit Zukunft an Kommunen und Städte, die vorbildhafte Gleichstellungsarbeit umsetzen.

Bundessprecherinnen

Die BAG wird durch die Bundessprecherinnen öffentlich vertreten. Diese werden auf den Bundeskonferenzen für jeweils drei Jahre gewählt. Die Bundessprecherinnen vertreten die kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten auf Bundesebene, nehmen zu aktuellen Fragen und Ereignissen aus frauen- und gleichstellungspolitischer Sicht Stellung. Sie halten Kontakt zu bundesweiten Verbänden, Institutionen und Parteien und bringen frauen- und gleichstellungspolitische Aspekte in deren Arbeit ein.

Die Bundessprecherinnen sind im engen Kontakt und fachlichen Austausch mit den Landesarbeitsgemeinschaften für die Abstimmung der frauen- und gleichstellungspolitischen Positionen.

Bundeskonferenzen

Die Bundeskonferenz ist das frauenpolitische Diskussionsforum aller Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten. Sie findet im Abstand von 18 Monaten statt, fasst Beschlüsse auf der Grundlage von Anträgen und wählt die Sprecherinnen. Anträge können durch jede Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte, die Landesarbeitsgemeinschaften und die Bundessprecherinnen gestellt werden.

Bisherige Bundeskonferenzen

(Quelle: [12])

  • 1985: 1. BUKO (Kassel) und 2. BUKO (Köln)
  • 1986: 3. BUKO (München) und 4. BUKO (Dortmund)
  • 1988: 5. BUKO (Berlin)
  • 1989: 6. BUKO (Herford)
  • 1990: 7. BUKO (Kiel)
  • 1992: 8. BUKO (Mannheim)
  • 1993: 9. BUKO (Mainz)
  • 1994: 10. BUKO (Bremerhaven)
  • 1996: 11. BUKO (Nürnberg) „Arbeit an der Zukunft“
  • 1997: 12. BUKO (Rostock)„Global? Lokal! Frauenarbeit zwischen Markt und Macht“
  • 1999: 13. BUKO (Magdeburg) abgesagt
  • 2000: 14. BUKO (Freiburg) „Starke Töne für die Frauenpolitik des neuen Jahrtausends“
  • 2002: 15. BUKO (Berlin) „Recht – Politik – Realität“
  • 2003: 16. BUKO (Dresden) „Der neue Sozialstaat – Agenda der Frauen“
  • 2005: 17. BUKO (Schwerin) „Mehr Stolz, ihr Frauen“
  • 2006: 18. BUKO (Köln) „Erfolgreich zwischen allen Stühlen – Frauenpolitik jetzt!“
  • 2008: 19. BUKO (Frankfurt a am Main) „Finanzen – Fakten – Feminismus. Gleichstellungspolitik: Soll & Haben“
  • 2010: 20. BUKO (Wuppertal) „Rosarot für Männer – Himmelblau für Frauen? Geschlechterkultur im Wandel!“
  • 2012: 21. BUKO (Düsseldorf) „Frauen und Männer: Gleiche Chancen!“
  • 2014: 22. BUKO (Potsdam) „Wirklichkeit und Visionen. Strategien für eine erfolgreiche Gleichstellungsarbeit“
  • 2015: 23. BUKO (Rostock) „Gleichstellungspolitik 3.0“[13]
  • 2017: 24. BUKO (Wolfsburg) „Kommune mit ZUKUNFT – nur mit GLEICHSTELLUNG“
  • 2018: 25. BUKO (Karlsruhe) „Verfassungsauftrag Gleichstellung“
  • 2021: 26. BUKO (Flensburg, hybrid) „Gleichstellung digital: Grenzen überschreiten – Horizonte öffnen“
  • 2023: 27. BUKO (Leipzig) „Gretchenfragen - Feministische Perspektiven für die Zukunft“[14]
  • 2024: 28. BUKO (Würzburg) „Armut, die“[15][16][17]
  • 2026: 29. BUKO (Lübeck) „Feministischer Kompass: Kurs halten in antifeministischen Gewässern“

Landesarbeitsgemeinschaften

Die Landesarbeitsgemeinschaften (LAG) sind der Zusammenschluss der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der jeweiligen Bundesländer. Die Sprecherinnen der Landesarbeitsgemeinschaften vertreten die kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten auf den Landesebenen. Sie setzen LAG-Beschlüsse um, sind Ansprechpartnerinnen für Verbände, Parteien und Institutionen und sind für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Die Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsbeauftragter und die Landesarbeitsgemeinschaften stehen in engem Kontakt und treffen sich regelmäßig zum gemeinsamen Austausch frauenpolitischer Themen und Forderungen.

Gender Award

Mit dem Gender Award – Kommune mit Zukunft zeichnet die BAG Kommunen für ihre kreative und erfolgreiche Frauen- und Gleichstellungspolitik aus und ehrt damit das besondere Engagement für Gleichstellungsarbeit in den Kommunen vor Ort. Der Gender Award – Kommune mit Zukunft wurde im Jahr 2016 erstmals vergeben,[18] er wird alle zwei Jahre verliehen.[19][20][21][22]

Mitgliedschaften und Bündnisse (Auswahl)

  • Berliner Erklärung: Seit 2021 ist die BAG Teil der Initiatorinnen der Berliner Erklärung und unterstützt damit gemeinsam mit anderen Organisationen frauenpolitische und feministische Forderungen.
  • Bündnis Istanbul-Konvention: Die Bundesarbeitsgemeinschaft ist dem Bündnis 2019 beigetreten und trägt zur Umsetzung der Istanbul-Konvention auf kommunaler Ebene bei.
  • CEDAW – Alternativbericht: Die BAG kommunaler Frauenbüros ist seit 2019 Mitglied in der CEDAW Allianz und hat am Alternativbericht mitgearbeitet.
  • Equal Pay Day: Die Bundesarbeitsgemeinschaft hat sich dem nationalen Aktionsbündnis Equal Pay Day – Entgeltgleichheit schaffen – Ursachen angehen angeschlossen.
  • Frauen.Vielfalt.Politik: Die BAG ist Mitglied im Beirat des Projektes Frauen.Vielfalt.Politik eine bundesweite und parteiübergreifende Kontaktstelle für alle, die in der Kommunalpolitik etwas verändern wollen.
  • Bündnis Gemeinsam gegen Sexismus: Die BAG war 2021 Gründungsmitglied des Bündnisses Gemeinsam gegen Sexismus und ist seitdem Mitglied.
  • Bündnis Gute Geburt: Respektvoll. Menschenwürdig. Sicher: Die Bundesarbeitsgemeinschaft hat 2022 mit vier weiteren Organisationen das Bündnis mitbegründet, dessen Ziel eine respektvolle, menschenwürdige und sichere Geburtshilfe ist.
  • Initiative Klischeefrei: Seit 2019 ist die BAG Mitglied der Initiative Klischeefrei, einem Netzwerk, das junge Menschen bei ihrer individuellen Berufs- und Studienwahl unterstützt.
  • Initiative ParitätJetzt: Im August 2022 ist die BAG kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen der Initiative, die von der ehemaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth initiiert worden war, beigetreten. Diese hat sich zum Ziel gesetzt, im Zuge der Wahlrechtsreform die Parität in den Parlamenten gesetzlich zu verankern.
  • Bündnis Sorgearbeit fair teilen: Die BAG kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstelle ist Gründungsmitglied des 2020 gegründeten Bündnisses.
  • Bündnis für geschlechtergerechte Arbeitsbewertung: Das 2024 initiierte Bündnis setzt sich für die Schließung der Entgeltlücke (Gender Pay Gap) ein, indem es geschlechtsneutrale Bewertungsmethoden für Arbeit fördert.

Publikationen (Auswahl)

  • Daten-Fakten-Zahlen: Eine Zahl sagt mehr als 1000 Worte. 2015
  • Leitfaden zur Erstellung eines Aktionsplans der Europäischen Gleichstellungscharta. 2015
  • Antifeminismus als Demokratiegefährdung?! Gleichstellung in Zeiten von Rechtspopulismus. 2018
  • Gleichstellung als Regionalentwicklung – Zur Situation der kommunalen Gleichstellungsarbeit in ländlichen Räumen Deutschlands. Studie, 2019
  • Wirkung der Europäischen Gleichstellungscharta für die Gleichstellung auf lokaler Ebene. Studie, 2022
  • Auf den Schultern von starken Frauen. 40 Jahre BAG 1984–2024. Broschüre, 2024
  • Gleichstellung vor Gericht. 40 Jahre Rechtssprechung zu Gleichstellungsgesetzen. Urteilssammlung, 2025
  • Armut, die. Minibuch, 2025
  • Die verfassungsrechtliche Gleichstellungsverpflichtung und die Bedeutung der Kommunalen Gleichstellungsbeauftragten. Rechtsgutachten, 2026

Literatur

  • Friedel Schreyögg, Ute von Wrangell: Kommunale Gleichstellungsarbeit und ihre Akteurinnen – die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten. Auftrag – Umsetzung – Ergebnisse. Gender, Heft 1 | 2014, S. 65–81.
  • Offizielle Website der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen (BAG)

Einzelnachweise

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