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Bunthörnchen-Bornavirus 1

Art der Gattung Bornavirus From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Bunthörnchen-Bornavirus 1 (englisch Variegated squirrel bornavirus 1, abgekürzt VSBV-1) ist das einzige bislang beschriebene Virus in der Spezies Orthobornavirus sciuri (früher Mammalian 2 orthobornavirus) aus der Familie Bornaviridae.[2][3] Das Virus löst bei infizierten Hörnchen keine Erkrankung aus, kann als Zoonose (Zooanthroponose) nach Übertragung auf den Menschen jedoch eine potenziell tödlich verlaufende Enzephalitis auslösen.

Schnelle Fakten Systematik, Taxonomische Merkmale ...
Bunthörnchen-Bornavirus 1

Kristallstruktur des Bunthörnchen-Bornavirus 1

Systematik
Klassifikation: Viren
Realm: Riboviria[1]
Reich: Orthornavirae[1]
Phylum: Negarnaviricota[1]
Subphylum: Haploviricotina[1]
Klasse: Monjiviricetes[1]
Ordnung: Mononegavirales[1]
Familie: Bornaviridae
Gattung: Orthobornavirus
Art: Orthobornavirus sciuri
Unterart: Variegated squirrel bornavirus 1
Taxonomische Merkmale
Genom: (−)ssRNA
Baltimore: Gruppe Gruppe 5
Symmetrie: helikal
Hülle: vorhanden
Wissenschaftlicher Name
Variegated squirrel bornavirus 1
Kurzbezeichnung
VSBV-1
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Das VSBV-1 wurde erstmals beschrieben, als bei Züchtern von Bunthörnchen (Sciurus variegatoides) in Sachsen-Anhalt zwischen 2011 und 2013 tödlich verlaufende Enzephalitiden auftraten. Durch das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) konnte bei einem aus der Zucht der Betroffenen stammenden Bunthörnchen und bei Gewebeproben aus dem Gehirn der verstorbenen Züchter via Metagenomanalyse eine übereinstimmende Gensequenz identifiziert werden, die auf das Vorkommen dieses zuvor unbekannten Bornavirus hindeutete.[4][5][6] In nachfolgenden Studien konnte VSBV-1 in zwei weiteren Todesfällen bei Zootierpflegern nachgewiesen werden, die Kontakt zu infizierten Hörnchenbeständen hatten. Von drei weiteren Verdachtsfällen, in denen Halter infizierter Bestände an einer Enzephalitis unbekannter Ursache verstorben waren, stand kein archiviertes Untersuchungsmaterial mehr zur Verfügung, so dass diese Fälle nicht aufgeklärt werden konnten.[7]

Die potenziellen Übertragungswege dieser Zoonose sind bisher weitgehend unbekannt. Kratz- oder Bisswunden werden als ein möglicher Übertragungsweg diskutiert.[4][5][6]

Untersuchungen von Hörnchenhaltungen in Deutschland und anderen europäischen Ländern konnten zeigen, dass VSBV-1 vor allem bei Bunthörnchen sowie Prevost-Schönhörnchen (Callosciurus prevostii) in Deutschland, aber vereinzelt auch in den Niederlanden und Kroatien nachgewiesen werden konnte. Während sich das Virus bei diesen beiden Arten in den gehaltenen Populationen ausgebreitet hatte, gab es bei anderen Hörnchenarten nur wenige Einzelnachweise ohne einen Hinweis auf eine weitere Ausbreitung.[7][8][9][10] Eine Auswertung von Zuchtbüchern, Bestands- und Verkaufslisten ergab, dass alle bisher bekannten VSBV-1-Nachweise vermutlich auf Schönhörnchen in einem Bestand in Deutschland in den 1990er Jahren zurückzuführen sind und das die Übertragung auf Bunthörnchen erst in den 2000er Jahren in einem anderen Bestand stattfand. Ob die Schönhörnchen auch den natürlichen Reservoirwirt des VSBV-1 darstellen oder ob sie zuvor von einer anderen Hörnchenart infiziert wurden, konnte bisher nicht geklärt werden. Es bleibt daher auch ungeklärt, aus welcher Region das VSBV-1 ursprünglich stammt und auf welchem Weg es in die europäischen Hörnchenhaltungen eingetragen wurde. Der bisher letzte Nachweis von VSBV-1 gelang 2019 bei einem Schönhörnchen in einem Zoo in Deutschland.[7] In einheimischen Europäischen Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) konnte VSBV-1 bisher nicht nachgewiesen werden.[9][10]

Für den direkten Nachweis „humanpathogener Bornaviren“ (wie VSBV-1) beim Menschen besteht nach § 7 Infektionsschutzgesetz (IfSG) in Deutschland eine namentliche Meldepflicht. Der Nachweis von „Bornavirus-Infektionen“ bei Säugetieren ist in Deutschland ebenfalls meldepflichtig (§ 1 in Verbindung mit der Anlage der Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten).[11]

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