Burg Beaufort (Libanon)
Kreuzfahrerburg im Libanon
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Die Burg Beaufort, auch Burg Belfort genannt, arabisch Qal'at al-Schaqif Arnun, ist eine mittelalterliche Kreuzfahrerfestung auf etwa 650 m Höhe über dem Fluss Litani im Südlibanon, nahe dem Dorf Arnoun und gegenüber von Deir Mimas. Die Anlage gehört zu den bedeutendsten erhaltenen Kreuzfahrerburgen der Levante und war aufgrund ihrer beherrschenden Lage über das gesamte Litanital und weite Teile Nordisraels über Jahrhunderte von strategischer Bedeutung.[1][2]
| Burg Beaufort | ||
|---|---|---|
Beaufort über der Bekaa-Ebene (2005) | ||
| Alternativname(n) | Burg Belfort; Qalaat al-Shaqif Arnun | |
| Staat | Libanon | |
| Ort | Deir Mimas | |
| Entstehungszeit | vor 1139 | |
| Burgentyp | Höhenburg | |
| Erhaltungszustand | Ruine | |
| Ständische Stellung | Barone | |
| Geographische Lage | 33° 19′ N, 35° 32′ O | |
| Höhenlage | 650 m | |
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Name und Lage
Der Name Beaufort bzw. Belfort entstammt dem Altfranzösischen und bedeutet „schöne Festung“ oder „starke Festung“. Der arabische Name Qal'at al-Schaqif leitet sich vom aramäischen Wort für „hoher Fels“ ab.[3] Die Burg erhebt sich über einem etwa 300 Meter senkrecht zum Litani abfallenden Felssporn, was die Ostseite natürlich uneinnehmbar macht. Die strategische Position ermöglichte die Kontrolle der wichtigen Handels- und Heeresroute zwischen Tyros und Damaskus.[1]
Baugeschichte und Architektur
Kreuzfahrerzeit (12.–13. Jahrhundert)
Die Befestigungsanlage ist annähernd dreieckig und misst etwa 150 × 100 Meter. Sie gliedert sich in zwei Burghöfe, wobei der untere auf einem etwas tieferen Felsplateau östlich des oberen liegt.[4]
Die Ostseite ist durch einen senkrechten Felsabsturz zum Litani hin natürlich geschützt. Die Nordseite wird durch einen in den Fels gehauenen Graben gesichert. Ein quadratischer Bergfried (ca. 12 × 12 Meter) aus dem 12. Jahrhundert steht an der Westmauer des oberen Burghofs; anders als in Europa war sein Eingang nach syrischer Bautradition ebenerdig angelegt.[5][4]
Zwischen 1190 und 1240 wurde auf der Nordseite ein islamisches Fort ergänzt, das durch eine Mauer mit der Hauptburg verbunden ist – ein für Kreuzfahrerkastelle seltenes Zeugnis islamischer Bautätigkeit innerhalb eines fränkischen Ensembles. Kurdische Truppen unter ayyubidischer Herrschaft erweiterten die Anlage um eine östlich liegende Terrasse, die einen möglichen Angriffspfad schloss.[1]
Der mittelalterliche Burgenforscher Paul Deschamps leistete mit seinen Untersuchungen ab 1927 und seiner Studie La Défense du Royaume de Jérusalem (1939) die grundlegende wissenschaftliche Dokumentation der Anlage. Kennedy hebt hervor, dass Deschamps’ Pläne und Beschreibungen einen Bauzustand festhielten, der durch spätere Militäraktivitäten erheblich verändert worden ist.[6]
Geschichte
Vorgeschichte
Über die Befestigung vor der Kreuzfahrerzeit liegen keine zeitgenössischen Schriftquellen vor. Historiker gehen jedoch angesichts der außerordentlich günstigen Lage davon aus, dass der Felsvorsprung bereits vor 1139 befestigt war.[2]
Kreuzfahrerherrschaft (1139–1190)
König Fulko von Jerusalem eroberte die Burg 1139, ließ sie ausbauen und übertrug sie den Herren von Sidon. Die Grafen von Sidon hielten die Anlage bis 1190 als Lehen des Königreichs Jerusalem.[1]
Nach der verheerenden Niederlage der Kreuzfahrer in der Schlacht bei Hattin (1187) fiel ein Großteil der Kreuzfahrerburgen rasch an Saladin. Beaufort war eine der letzten Burgen, die dem Expansionsdruck standhielt.[7] Im April 1189 lagerte Saladin bei Marjayoun zur Vorbereitung der Belagerung. Der damalige Burgherr Rainald von Sidon, der die Schlacht bei Hattin überlebt hatte, trat mit Saladin in Verhandlungen und gab vor, muslimische Sympathien zu hegen. Er bat um eine dreimonatige Frist, um seine Familie aus dem christlichen Tyros herauszuholen – nutzte diese Zeit jedoch, um die Burg heimlich zu reparieren und mit Vorräten zu versorgen.[1] Nach Ablauf der Frist verlangte Saladin die sofortige Übergabe. Als die Besatzung den Befehl zur Kapitulation verweigerte, wurde Rainald als Geisel genommen und die Belagerung begann. Saladin musste die Belagerung im August 1189 abbrechen, um Akkon zu entsetzen.[8] Am 22. April 1190 einigte man sich: Die Besatzung übergab die Burg gegen die Freilassung Rainalds und den freien Abzug nach Tyrus.[1]
Ayyubidische und zweite Kreuzfahrerzeit (1190–1268)
Nach der Übergabe an Saladin wurde die Anlage zwischen 1190 und 1240 durch islamische Bauten erweitert. Im Rahmen des Kreuzzugs Theobalds I. von Navarra (1240) erhielt Balian von Sidon die Burg zurück: Der ayyubidische Sultan von Damaskus, as-Salih Ismail, übertrug sie den Kreuzfahrern, da er sich deren militärische Unterstützung gegen seinen Neffen as-Salih Ayyub, den Sultan von Ägypten, erhoffte. Die muslimische Besatzung verweigerte jedoch die Übergabe an Christen, woraufhin as-Salih Ismail die Burg selbst belagern und die Übergabe erzwingen musste.[9] Im Winter 1240/41 schlossen die Kreuzfahrer schließlich ein Neutralitätsabkommen mit dem ägyptischen Sultan, da Teile von as-Salih Ismails Truppen sich weigerten, an der Seite von Christen gegen Muslime zu kämpfen. Beaufort verblieb dennoch in christlichem Besitz.
1260, als mongolische Truppen das Umland verwüsteten, verkaufte Balians Enkel Julian von Sidon die Burg an den Templerorden, der weitere Ausbaumaßnahmen vornahm.[9]
Am 15. April 1268 fiel die Burg nach zehntägiger Belagerung durch die Truppen des Mamlukensultans Baibars I. Frauen und Kinder erhielten freien Abzug nach Tyrus; alle Männer wurden versklavt. Baibars ließ die Anlage wiederherstellen und mit einer starken Garnison belegen.[10]
Osmanische Zeit (16.–19. Jahrhundert)

Nach der osmanischen Eroberung Syriens 1516 wurde das Gebiet um Beaufort durch militärische Lehen (Tımar) an osmanische Kavalleristen vergeben. Die schiitische Familie Sa'b hielt die Burg spätestens ab 1571 im Auftrag der Osmanen.[11] Im frühen 17. Jahrhundert übernahm der libanesische Emir Fakhr ad-Din II. die Burg als Teil seines Festungsnetzes. Nach seiner Niederlage gegen die Osmanen wurde der obere Teil der Anlage zerstört. 1782 ließ Jazzar Pascha, Gouverneur von Akkon, die verbliebenen Befestigungen weitgehend schleifen. Das Galiläa-Erdbeben von 1837 fügte der Ruine weitere schwere Schäden zu; fortan diente sie als Steinbruch und Schafpferch.[2] Die wissenschaftliche Erforschung begann im späten 19. Jahrhundert: Victor Guérin kartierte die Burg 1880, Claude Reignier Conder und Herbert Kitchener dokumentierten sie 1881 im Rahmen des Survey of Western Palestine.[4]
20. und 21. Jahrhundert
Ab 1921 untersuchten französische Historiker und Archäologen unter dem Französischen Mandat die Anlage. Paul Deschamps begann 1927 mit systematischen Studien zu Kreuzfahrerburgen; 1936 ließ er gemeinsam mit dem Architekten Pierre Coupel den Innenhof und den Bergfried durch 65 Soldaten von Schuttmassen befreien.[6] Nach der Unabhängigkeit Libanons 1943 wurden Restaurierungsarbeiten durch den libanesischen Staat fortgesetzt.
Die PLO nutzte die Anlage ab 1976 im Verlauf des libanesischen Bürgerkriegs militärisch; israelische Streitkräfte beschossen sie in der Folge dutzende Male.[2] Am 6. Juni 1982 wurde die PLO-Stellung im Zuge der israelischen Operation Frieden für Galiläa (Libanonkrieg 1982) nach heftigen Kämpfen eingenommen (Gefecht um Beaufort). Die israelische Armee errichtete neben der Westmauer einen Stützpunkt; wegen der Gefahr durch nicht detonierte Kampfmittel war der Zugang zu den unteren Burgbereichen gesperrt. Im Jahr 2000 zog die israelische Armee ab und ließ den Stützpunkt abreißen.[2] Die Ereignisse von 1982 bilden den historischen Hintergrund des israelischen Films Beaufort.
Während des Libanonkrieges 2024 stellte die UNESCO Beaufort Castle unter erweiterten Schutz gemäß der Haager Konvention, um die Anlage vor weiteren Kriegsschäden zu bewahren. Im Libanonkrieg 2026 wurde die Burg durch israelische Luftangriffe beschädigt und am 31. Mai 2026 vom israelischen Militär erobert und besetzt. Zuvor soll die Anlage von der Hisbollah militärisch genutzt worden sein, um Raketenangriffe auf Israel zu koordinieren.[12][13]

